Stewart Granger
Stewart Granger wurde am 6. Mai 1913 unter dem bürgerlichen Namen James Lablanche Stewart als Sohn des schottischen Offiziers James Stewart und dessen Ehefrau Frederica Eliza in London geboren. Die Mutter, eine geborene Lablache, hatte französisch, italienisch-englische Vorfahren und war mit dem italienischen Opernsänger Luigi Lablache1) (1794 – 1858) verwandt, Grangers Vater verrichtete als Oberst der britischen Armee in Indien seinen Dienst. Auch der Sohn trat zunächst in die Fußstapfen seines Vaters und schloss sich als "Lance Corporal" der britischen Armee an, die er als Leutnant der Infanterie wieder verließ. Eigentlich wollte Granger Psychiater werden und hatte mit einem Medizinstudium begonnen, aber aufgrund seines blendenden Aussehens riet man ihm zur Bühnenlaufbahn und schließlich folgte er dem Vorschlag seiner Freunde. Der "Beau" studierte an der "Webber-Douglas School of Dramatic Art" in London, erhielt mit 21 Jahren eine Komparsenrolle und kam über Engagements an Provinzbühnen zu Londoner Theatern. Auf der Bühne stand er dort am "Old Vic" gemeinsam mit Vivien Leigh und Flora Robson, mit John Guilgud und Michael Redgrave, und seine Kritiker setzten schon damals sein gutes Aussehen über die darstellerische Qualitäten.
Das blieb haften, aber zu Unrecht, denn hinter der Fassade des blasierten Schönlings, des eleganten Salonlöwen, schlug ein Herz für alles Spielerische und ein Talent, das Stewart Granger letztlich nie glücklich gemacht hatte, denn er betonte oftmals, wie unzufrieden er im Grunde mit seiner Arbeit sei.
 
Nach winzigen, oft ungenannten Rollen in Filmproduktionen der 1930er Jahre erhielt der attraktive Brite eine erste größere Aufgabe in der Komödie "So This Is London" (1939). In den 1940er Jahren stieg er rasch zu einem beliebten Darsteller auf, der sich als abenteuerlich-romantischer Leinwandheld empfahl. So zeigte er sich als schmucker Bandenführer Nino Barucci in dem Melodram "Madonna der sieben Monde" (1945, Madonna of the Seven Moons) oder als Apollodorus in der George Bernard Shaw-Adaption "Caesar und Cleopatra"1) (1946, Caesar and Cleopatra), etablierte sich als erfolgreicher Star, der die Frauenherzen höher schlagen ließ.
1946 überzeugte er in dem Musical "Paganini" (The Magic Bow) mit der Titelrolle des legendären "Teufelsgeigers" Niccolò Paganini1) und zwei Jahre später als Graf Königsmark1) in dem verklärenden historischen Melodram "Königsliebe"1) (1948, Saraband for Dead Lovers) – alles Filme, die damals im Kino die Zuschauer begeisterten. Um sich von Hollywoodstar James Stewart abzusetzen, hatte er sich den Namen "Stewart Granger" gegeben, ging 1950 in die USA, wo nun in Hollywood seine eigentliche Erfolgskarriere begann. Gemeinsam mit seiner Frau Jean Simmons nahm er einen Vertrag bei "Metro-Goldwyn-Mayer" (MGM) an. Der brachte ihm Ruhm und Ansehen, aber auch schnellen Verschleiß: Granger wurde auf Rollen des edlen, schönen Abenteurers – wie 1950 als Großwildjäger Allan Quatermain neben Deborah Kerr in dem wunderbaren Kassenschlager "König Salomons Diamanten"1)
(King Solomon's Mines) – festgelegt. Als Trapper Jules gab er in "Gefährten des Grauens"2) (1950, The Wild North) eine ebenso gute Figur ab wie als Doppelgänger in "Der Gefangene von Zenda"1) (1952, The Prisoner of Zenda), als geheimnisvoller "Scaramouche, der galante Marquis"1) (1952, Scaramouche2)) oder als Liebhaber der schönen Elisabeth von England (gespielt von seiner eigenen Gattin) in "Die Thronfolgerin"1) (1953, Young Bess) mit Charles Laughton als Heinrich VIII – Granger wurde zum Inbegriff des blendend aussehenden Draufgängers. Schnell geriet er jedoch in die Schublade des galanten und aalglatten Charmeurs.
So auch 1953 als Kommandant Claudius in der Oscar-Wilde-Adaptation der "Salome"1) an der Seite von Rita Hayworth in der Titelrolle und Charles Laughton als Herodes. Er verblüffte als eine Art "alter ego" des Falstaff, der elegante Freund des untugendhaften Prinzregenten, in der Titelrolle von "Beau Brummel – Rebell und Verführer"1) (1954, Beau Brummell2)) neben Peter Ustinov als König und Elizabeth Taylor als Lady Patricia.
Vor allem aber bleibt Granger wohl unvergessen als Jeremias Fox in Fritz Langs aufwendigem Melodram "Moonfleet – das Schloss im Schatten"2) (Moonfleet) aus dem Jahre 1955. Hier konnte er – wie selten in seiner von Klischees bestimmten Karriere – sein herkömmliches Image in Frage stellen: der heruntergekommene Adlige Fox nutzt sein unschuldig schönes Aussehen für schmutzige Geschäfte. An der Seite schöner Frauen bestand er Abenteuer wie mit Grace Kelly in der Romanadaption "Grünes Feuer" (1956, Green Fire),
mit Ava Gardner in dem Drama "Knotenpunkt Bhowani"1) (1956, Bhowani Junction2)) und der Komödie "Die Kleine Hütte"2) (1957, The Little Hut). Weitere Abenteuer bestand Granger mit Robert Taylor in dem Western "Die letzte Jagd"1)  (1955, The Last Hunt2)), in "Schlucht des Verderbens"1) (1957, Gun Glory) mit Rhonda Fleming, in "Die Pranke des Tigers" (1958, Harry Black) mit Barbara Rush oder mit John Wayne in "Land der tausend Abenteuer"1) (1960, North to Alaska).

Bis 1960 stand Granger in Hollywood vor der Kamera, und Spötter meinten, die Zahl seiner Filme sei fast so groß wie die der Frauen, die in seinem Leben eine Rolle spielten; man sagte dem Playboy unzählige Beziehungen nach. Drei Mal war er verheiratet, seine 1938 geschlossene Ehe mit der britischen Schauspielerin Elspeth March3) (1911 – 1999) endete nach zehn Jahren vor dem Scheidungsrichter; aus der Verbindung stammen die Kinder Jamie und Lindsey. Auch die Ehe mit dem Filmstar Jean Simmons4) (1929 – 2010) wurde trotz einer gemeinsamen Tochter Tracy Mitte August 1960 offiziell getrennt. Zuletzt war Granger seit 1964 mit der belgischen Schönheitskönigin Caroline Lecerf verheiratet, von der er 1969 geschieden wurde; Samantha ist die gemeinsame Tochter aus dieser Verbindung.
 
Ab den 1960er Jahren drehte Stewart Granger hauptsächlich in Europa, so auch das Bibel-Spektakel "Sodom und Gomorrha"1) (1962), wo er als Lot1) in Erscheinung trat. Als Old Surehand war er neben Pierre Brice und Lex Barker, der Star in drei Karl May-Verfilmungen, seine Gage überstieg mit 70.000 Dollar die seiner Kollegen. Stewart Granger war der international bekannteste Name, der je in einem Karl May-Film mitwirkte. In der Geschichte "Unter Geiern"1) (1964) spielte er das erste Mal an der Seite von Pierre Brice, ein Jahr später folgte "Der Ölprinz"1) (1965). Die Regisseure Alfred Vohrer und Harald Philipp hatten es mit einer Hollywood Supergröße zu tun und das ließ Granger diese zeitweise auch spüren. Bei zahlreichen öffentlichen Auftritten in Deutschland konnte man sich jedoch davon überzeugen, dass der Ruf des arroganten, selbstsüchtigen und wenig umgänglichen Stars, der ihm von der Boulevardpresse verpasst wurde, ein Trugbild war: Granger erwies sich als elegant bescheidener Gentleman, eloquent und ausgesprochen sympathisch.
Bei den Karl-May-Fans kam der Star allerdings nicht besonders gut an. Seine coole, ironische Art mit der Granger die Rolle anlegte, entsprach nicht den Vorstellungen des Publikums von einem Helden aus der Feder Karl Mays. Und so kam es schließlich nur zu insgesamt drei Engagements in dieser Rolle. Als "Old Surehand 1.Teil"1) (1965, Regie: Alfred Vohrer) abgedreht war, ahnte noch niemand, dass es bereits zum 2. Teil der geplanten Trilogie nie kommen würde. Seinen Vertrag mit der "Rialto" erfüllte Granger trotzdem mit einer anderen Wendlandt-Produktion, wie mit dem 1966 gedrehten Wallace-Krimi "Das Geheimnis der weißen Nonne".

Die 1970er Jahre standen für Granger ganz im Zeichen des Fernsehens. Als Alan MackKenzie aus "Die Leute von der Shiloh Ranch"4) (The Virginian) und als Gaststar in anderen TV-Serien hielt sich Stewart Granger noch eine Weile im Rampenlicht der TV-Öffentlichkeit. 1972 schlüpfte er in die Rolle des englischen Meisterdetektivs Sherlok Holmes in dem amerikanischen TV-Film "Der Hund von Baskerville" (The Hound of the Baskervilles). Doch der Film hatte nicht den Erfolg, den die Produzenten sich erhofft hatten und die geplante Serie wurde nicht verwirklicht. Im Jahre 1975 holte ihn Rudi Carrell als Stargast in seine Show "Am laufenden Band" und Granger nutzte hellwach seine Chance, im deutschen Fernsehen kostenlos für seine neugegründete Maklerfirma "Granger Development Corp." zu werben. Generös überreichte er dem Würzburger Gewinner Hanns Hirsch eine Urkunde über ein 3.000-Quadratmeter Grundstück bei Malaga im Wert von 10.000 DM. Die gute Tat zahlte sich aus: Makler Granger verdoppelt flugs seinen Umsatz.
Doch das Glück war ihm nicht dauerhaft hold: finanzielle Fehlspekulationen zwangen ihn zur Rückkehr auf die Bühne und vor die Kameras, mit mit Roger Moore, Richard Burton und Hardy Krüger drehte er den Abenteuerstreifen "Die Wildgänse kommen"1) (1978, The Wild Geese).  1982 spielte er den Prinz Phillip in dem Fernsehfilm "Die Romanze von Charles und Diana" (The Royal Romance of Charles und Diana), nach einer Nebenrolle in dem britischen TV-Melodram "Wagnis der Liebe"1) (1987, A Hazard of Hearts) hatte er 1988 seinen letzten Kinoauftritt in dem Streifen "Hell Hunters".

Stewart Granger erlag am 16. August 1993 im Alter von 80 Jahren im kalifornischen Santa Monica seinem Krebsleiden. Seine Autobiographie "Sparks Fly Upwards" hatte der britische Schauspieler bereits 1980 veröffentlicht.


Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia; Fotos bei film.virtual-history.com

Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) prisma, 3) Wikipedia (englisch), 4) Kurportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP

Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
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