Ingrid Andree; Copyright Virginia Shue Ingrid Andree wurde am 19. Januar 1931 als Ingrid Tilly Unverhau und Tochter eines Kaffee-Importeurs in Hamburg geboren. Nach dem Abitur legte Ingrid Andree die Zulassungsprüfung an einer Hamburger Schauspielschule ab und studierte später an der "Hochschule für Musik und darstellende Kunst"1), unter anderem bei Eduard Marks) (1901 – 1981). Ihr Bühnendebüt gab die Schauspielerin 1951 in der Turgenjew-Komödie "Ein Monat auf dem Lande"1) am Hamburger "Thalia Theater"1) und erhielt dort auch ein erstes Engagement, machte unter andrem als das Mädchen Abigail Williams1) in "Hexenjagd"1) von Arthur Miller auf sich aufmerksam. Als der legendäre Gustaf Gründgens zur Spielzeit 1959/60 am "Deutschen Schauspielhaus"1) in Hamburg die Shaw-Komödie "Cäsar und Cleopatra" von George Bernard Shaw1) mit sich selbst in der Rolle des Cäsar inszenierte, fand er in Ingrid Andree eine reizende Cleopatra. Bühnenverpflichtungen führten die Künstlerin nach Berlin, Wien und Zürich, einen großen Erfolg verzeichnete sie am Berliner "Renaissance-Theater"1) als Titelheldin in "Gigi"1), der von Vicki Baum1) geschaffenen deutschsprachigen Bühnenversion der gleichnamigen Novelle von Colette1) und von Viktor de Kowa in Szene gesetzt. Unter anderem zeigten sich Johanna Terwin-Moissi1) und Ursula Krieg1) als die beiden alten Damen, die Gigi Benehmen für eine Laufbahn in der besseren Gesellschaft beibringen wollen → Verfilmung 1958.

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Bevor Ingrid Andree 1970 von Boy Gobert erneut an das "Thalia Theater" berufen wurde, gehörte sie ab 1967 zum Ensemble der "Münchner Kammerspiele"1), wo sie beispielsweise unter der Regie des legendären Fritz Kortner mit der Titelrolle in Strindbergs "Fräulein Julie"1) (1967) auf der Bühne stand, 1968/69 in Ibsens "Hedda Gabler"1) brillierte (Regie: Dieter Giesing1)) oder 1969/70 die " Dame vom Maxim" in der gleichnamigen Farce von Georges Feydeau1) war (Regie: Dieter Giesing). In Hamburg gab sie unter anderem 1971 die "Lulu" in Frank Wedekinds gleichnamigem Stück ("Erdgeist"1) / "Die Büchse der Pandora"1), Regie: Dieter Giesing), verkörperte 1972 an der Seite von Ursula Lingen (Anna) und Boy Gobert (Annas Mann Deeley) die Kate in der deutschsprachigen Erstaufführung des Schauspiels "Alte Zeiten" (Premiere: 29.04.1972) von Harold Pinter1) (Regie: Hans Schweikart1)) und die Titelheldin in "Die Gräfin von Rathenow" von Hartmut Lange1) (Regie: Jürgen Flimm1)) → www.zeit.de. Über Ingrid Andrees Kate in "Alte Zeiten" schrieb Benjamin Henrichs1) unter anderem in der "Süddeutschen Zeitung" (02.05.1972): "Von Kate, die schweigend und zerstreut im Zentrum des Stücks steht, wird gesagt: "Sie war immer eine Träumerin." Daraus ließe sich schon eine simple Rollenpsychologie zusammenzimmern. Doch bei Ingrid Andree gab es keinen Moment konventionell-gefälliger Abwesenheit: Gesten, Töne, wie gefroren, wie hinter Glas. Dabei zeigte sie wie Gobert verblüffende Variationen mit kleinstem mimischen Aufwand: Ihr Gesicht, eben noch sphinxhaft schön, schrumpfte zusammen, sah plötzlich so armselig, so bekümmert aus wie ein zerzauster Vogelkopf."*) 1974 gestaltete Ingrid Andree die Elisabeth1) in Schillers "Maria Stuart"1) (Regie: Boy Gobert), seit der Premiere am  07.02.1976 die weibliche Hauptrolle dre Roxane in "Cyrano de Bergerac"1) von Edmond Rostand (Regie: Jürgen Flimm mit Boy Gobert in der Titelrolle), 1977 die Titelheldin in "Nora oder Ein Puppenheim"1) von Henrik Ibsen (Regie: Nicolas Brieger1)) und die alte Frau in dem surrealen Einakter "Die Stühle" von Eugène Ionesco (Regie: Jürgen Flimm) → www.zeit.de. Zur Spielzeit 1978/79 gab sie die Sonja in "Onkel Wanja" von Anton Tschechow (Regie: Dieter Giesing) und die Mrs. Erlynne in der Oscar Wilde Komödie "Lady Windermeres Fächer"1) (Regie: Boy Gobert). Eine ihrer vorerst letzten Auftritte am "Thalia Theater" war im Herbst 1979 die Rolle der Emma in "Betrogen" ("Betrayal,") von Harold Pinter (Regie: Dieter Giesimg; Premiere: 08.09.1979) → www.zeit.de.
Anfang 1980 unterzeichnete die Künstlerin einen längerfristigen Vertrag mit dem neuen Thalia-Intendanten Peter Striebeck, den sie aber wenige Monate später wieder löste, um Jürgen Flimm an das "Schauspiel Köln"1) zu folgen, der 1979 die Intendanz übernommen hatte. So erlebte man Ingrid Andree beispielsweise 1982 als den Narr in Flimms knapp vierstündigen Tragödie bzw. dem Theater-Spektakel "König Lear"1) (1982) nach William Shakespeare mit Peter Lehmbrock in der Titelrolle (→ www.zeit.de). 1984 erhielt Ingid andree viel Applaus für die Darstellung des "Alten Fritz"1) in Robert Wilsons1) Kölner Teil von "the CIVIL warS", einem unvollendet gebliebenen Theaterprojekt mit Produktionen aus 5 Nationen, geplant als "Cultural Olympics" anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Los Angeles 1984 → www.spiegel.de.
   
Ingrid Andree hinter der Bühne nach der Premiere von "Hoffmanns Erzählungen" an der Hamburgischen Staatsoper am 24.05.1981 (Regie: Jürgen Flimm); Copyright Virginia Shue
Ingrid Andree hinter der Bühne nach der Premiere der
skandalumwitterten Aufführung der phantastischen Oper
 "Hoffmanns Erzählungen"1) von Jacques Offenbach1)
an der "Hamburgischen Staatsoper"1) am 24.05.1981.
Regie: Jürgen Flimm
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Zur Spielzeit 1985/86 kehrte Ingrid Andree mit Flimm an das Hamburger "Thalia Theater" zurück, der nun als Nachfolger von Peter Striebeck die Intendanz übernommen hatte. In Flimms "Einstands"-Inszenierung, dem dramatischen Gedicht "Peer Gynt"1) (1985/86) von Henrik Ibsen, spielte sie die Aase, Mutter von Peer Gynt (Hans Kremer1) / Christoph Bantzer1)) → www.spiegel.de, www.zeit.de. Am Berliner "Theater am Kurfürstendamm"1) gehörte sie im Frühjahr 1989 zur Besetzung von Alan Ayckbourns1) Science-Fiction-Groteske "Ab jetzt" ("Henceforward"), in Szene gesetzt von Peter Zadek1): "Otto Sander spielt den desolaten Komponisten, Ingrid Andree seinen ersten Roboter und seine Ehefrau, Susanne Lothar seine flüchtige Geliebte und zweiten Roboter. Matthias Fuchs gibt einen dumpfen Schwätzer vom Jugendamt, May Buchgraber ein verstörtes Schreckenskind. Und auf dem großen Video-Schirm gibt Harald Juhnke ein geisterhaftes Gastspiel. Als Trinker, wenn das nicht komisch ist! Die Bühne baute Götz Loepelmann1)." schrieb "DIE ZEIT" →  www.zeit.de.
Nachdem Günter Krämer1) zur Spielzeit 1990/91 als Intendant die Nachfolge von Klaus Pierwoß1) am "Schauspiel Köln" angetreten hatte, wechselte Ingrid Andree erneut in die Domstadt. Sie glänzte unter anderem als Martha in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?"1) von Edward Albee (1991, Regie: Günter Krämer) und als Ritter Bleichenwang in der Shakespeare-Komödie "Was ihr wollt"1) (1992/93; Regie: Torsten Fischer1)). Günter Krämer besetzte sie in weiteren seiner Inszenierungen, als Alice und Ehefrau des Festungskommandanten Edgar (Hans-Michael Rehberg) in "Der Totentanz" (1992) von August Strindberg1) (→ www.taz.de), als Lavinia in "Anatomie Titus Fall of Rome" (1993) mit dem Untertitel "Ein Shakespeare-Kommentar" von Heiner Müller1), als Shen Te/Shui Ta in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan"1) (1993/94) und als Marthe Schwerdtlein in Goethes "Faust I"1) (1996/97). In jüngerer Zeit sah man die vielfach gerühmte Schauspielerin 2002 als Franziska unter der Regie Krämers in Roland Schimmelpfennigs1) Stück "Die arabische Nacht" → www.ksta.de. Im Herbst 2003 verkörperte sie in Berlin (Probebühne Cuvrystraße der "Schaubühne am Lehniner Platz"1)) die hexenhaft irrlichternde Herodias, Mutter der von Jeanette Hain1) dargestellten Salome, in Oscar Wildes Drama "Salome"1) unter der Regie von Armin Holz1). Danach übernahm sie den Part der Mutter Greta in dem Stück "Eldorado" von Marius von Mayenburg1), welches am 11. Dezember 2004 an der "Berliner Schaubühne" uraufgeführt wurde (Regie: Thomas Ostermeier1)) → www.schaubuehne.de. Robin Detje1) notierte unter anderem in DIE ZEIT (16.12.2004): "Und dazwischen sitzt Ingrid Andree wie ein unter lauter Modeschmuck verlorener Edelstein. Mit Würde. Und Tempo. Ihr entgleitet nichts."*)
  
Ihr Leinwanddebüt hatte die Schauspielerin noch als Ingrid Unverhau 1951 mit einer kleinen Nebenrolle in der Komödie "Professor Nachtfalter"1) neben Protagonist Johannes Heesters gegeben, der Durchbruch zum gefeiierten Filmstar gelang ihr dann ein Jahr später mit der weiblichen Hauptrolle der jungen Ursula in Rolf Thieles Regiedebüt "Primanerinnen"1) mit dem noch ebenfalls relativ unbekannten Walter Giller als Partner, gedreht nach der romantischen Novelle "Ursula" von Klaus Erich Boerner1) (1915 – 1943); →siehe auch  SPIEGEL-Artikel (40/1951). Danach folgten zahlreiche Kinoproduktionen wie "Liebeserwachen" (1953), "Roman einer Siebzehnjährigen"1) (1955), "
Ein Stück vom Himmel"1) (1957) oder Kurt Hoffmanns Thomas Mann-Adaption "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"1) (1957), in denen die zierliche, nur 1,62 m große Schauspielerin zumeist auf die " Kindfrau" des deutschen Films festgelegt wurde. Nur 1,62 m groß wurde die zierliche Andree oft als "liebes Mädel" standardisiert. Sie konnte jedoch auch "eine süße Bombe an Temperament" (Willy Haas), kratzbürstig oder komisch sein. Glanzlichter ihrer Darstellungskunst waren Rollen, in denen sie zwischen Phantasie und Realität pendelte.2) So beispielhaft 1959 als Fee von Pohl in "Der Rest ist Schweigen"1) von Helmut Käutner, eine in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg übertragene Hamletadaption, wo sie an der Seite von Hardy Krüger und Peter van Eyck wunderbar das Mädchen "Fee" zwischen Blumen, Puppen, Trümmern und Träumen verkörperte.2) Zu ihren letzten Kino-Erfolgen zählten Hauptrollen in dem humorvolle Krimi "Peter Voss, der Millionendieb"1) (1958) als Partnerin von O. W. Fischer sowie die Beamten-Satire "Sturm im Wasserglas"1) (1960) nach dem Volksstück von Bruno Frank1), unter anderem mit Hanns Lothar und Therese Giehse.
  
Ingrid Andree wirkte in über 30 Leinwandproduktionen mit und avancierte zum Kino-Liebling der 1950er Jahre, übernahm aber auch schon zu dieser Zeit Aufgaben in TV-Produktionen. So spielte sie in einem der frühen Mehrteiler, in "Im sechsten Stock" (1954), unter der Regie von John Olden die hübsche Thérèse Hochepot, die sich in den Arbeiter Jojo (Ernst Jacobi) verliebt, gab die titelgebende Figur in der TV-Fassung des Anouilh-Stückes "Colombe"3) (1958) oder – erneut unter der Regie von John Olden – die Pauline Piperkarcka in dessen Inszenierung von Hauptmanns "Die Ratten"3) (1959).
In den 1960er Jahren intensivierte Ingrid Andree ihre Arbeit für das Fernsehen, brillierte vor allem in für den Bildschirm bearbeiteten Bühnenstücken. So sah man sie beispielsweise 1963 als Viola bzw. Sebastian in Franz Peter Wirths Shakespeare-Verfilmung "Was Ihr wollt"3) neben Heidelinde Weis (Olivia), Chariklia Baxevanos (Marie) und Hanns Lothar (Andreas von Bleichenwang), in gleichen Jahr als Alkmene in "Amphitryon 38" von Jean Giraudoux1) oder 1966 mit der Titelrolle in der Zola-Adaption "Thérèse Raquin"3) an der Seite von Ernst Jacobi als Camille Raquin.
Ab den 1970er Jahren konzentrierte sich Ingrid Andree fast ausschließlich auf ihre Arbeit am Theater, übernahm nur noch sporadisch Aufgaben vor der Kamera. 
Nach längerer Bildschirmabstinenz zeigte sich die beliebte Schauspielerin 2009 in der Episode "Wettlauf mit dem Tod" aus der Krimiserie "SOKO Leipzig"1)  wieder dem TV-Publikum. Abgedreht hatte sie den Kinofilm "Transfer"1), eine moderne Doktor-Faust-Geschichte des 21. Jahrhunderts von Regisseur Damir Lukacevic, wo sie neben Mehmet Kurtulus1), Jeanette Hain1) und Hans-Michael Rehberg sowie den amerikanischen Darstellern Regine Nehy1) und B. J. Britt die tragende Rolle der Anna übernommen hatte; bundesweiter Kinostart war der 22.09.2011 → siehe auch www.damirlukacevic.de.
Daneben war Ingrid Andree auch als Synchronsprecherin tätig, lieh unter anderem Olivia de Havilland, Jean Simmons und Ingrid Thulin1) ihre Stimme → mehr bei www.synchronkartei.de. Mit der Figur der Königin Konstanzia in der beliebten "Hui Buh"-Serie1) wurde sie auch einem jüngeren Publikum bekannt, auch las sie das "Tagebuch der Anne Frank"1) als Hörbuch ein. Zudem stand sie seit Beginn der 1950er Jahre wiederholt im Hörspielstudio, eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.
  
Ingrid Andree, die 1989 für ihre Leistungen mit dem "Großen Bundesverdienstkreuz" ausgezeichnet wurde, war von 1959 bis zur Scheidung 1965 mit dem 1967 verstorbenen Schauspieler Hanns Lothar verheiratet; aus dieser Verbindung stammte die 1960 geborene Tochter Susanne Lothar, die sich ebenfalls einen Namen als bedeutende Schauspielerin machte; Susanne Lothar starb am 21. Juli 2012 mit nur 51 Jahren in Berlin.
Seit 1986 ist Ingrid Andree Mitglied der Hamburger "Freien Akademie der Künste"1), außerdem ist sie Mitglied der "Akademie der darstellenden Künste"1).
Die Schauspielerin, welche am
19. Januar 2016 ihren 85. Geburtstag feierte, lebt heute zurückgezogen in Berlin.

Quelle (unter anderem): Henschel Theaterlexikon"*)
Ingrid Andree bei der Agentur Erna Baumbauer
Siehe auch Wikipedia
*) Henschel Theaterlexikon (Hrsg. C. Bernd Sucher; Henschel Verlag, 2010, S.  19)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 3) Die Krimihomepage
2) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 20
Stand: Juni 2018
    
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, Die Krimihomepage,
fernsehserien.de, deutsches-filmhaus.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia, tls.theaterwissenschaft.ch)
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