Ingrid Andree; Copyright Virginia Shue Ingrid Andree wurde am 19. Januar 1931 als Ingrid Tilly Unverhau und Tochter eines Kaffee-Importeurs in Hamburg geboren. Nach dem Abitur legte Ingrid Andree die Zulassungsprüfung an einer Hamburger Schauspielschule ab und studierte später an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, unter anderem bei Eduard Marks1) (1901 – 1981). Ihr Bühnendebüt gab die Schauspielerin 1951 am Hamburger "Thalia-Theater" in Turgenjews "Ein Monat auf dem Lande" und erhielt dort auch ein erstes Engagement. Weitere Bühnenverpflichtungen führten die Künstlerin nach Berlin, Wien und Zürich, erste große Erfolge hatte sie in Arthur Millers "Hexenjagd", Tennessee Williams' "Tätowierte Rose" und besonders in Colettes "Gigi".
 

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Bevor Ingrid Andree 1970 von Boy Gobert erneut an das Hamburger "Thalia-Theater" berufen wurde, gehörte sie ab 1967 zum Ensemble der "Münchner Kammerspiele", wo sie beispielsweise unter der Regie des großen Fritz Kortners mit der Titelrolle in Strindbergs "Fräulein Julie" auf der Bühne stand, oder 1969 in "Hedda Gabler" brillierte. In Hamburg gab sie u. a. 1971 die "Lulu" in Wedekinds gleichnamigen Stück, sie verkörperte 1972 die "Kate" in Pinters "Alte Zeiten" oder war 1974 die Elisabeth in Schillers "Maria Stuart".
Anfang 1980 unterzeichnete die Künstlerin einen längerfristigen Vertrag mit dem neuen Thalia-Intendanten Peter Striebeck, den sie aber wenige Monate später wieder löste, um Jürgen Flimm nach Köln zu folgen, der 1979 die Intendanz des dortigen Schauspielhauses übernommen hatte.
  
Ingrid Andree hinter der Bühne nach der Premiere von "Hoffmanns Erzählungen" an der Hamburgischen Staatsoper am 24.05.1981 (Regie: Jürgen Flimm); Copyright Virginia Shue
Ingrid Andree hinter der Bühne nach der Premiere von
"Hoffmanns Erzählungen"
an der Hamburgischen Staatsoper am 24.05.1981.
Regie: Jürgen Flimm
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

1985/86 kehrte Ingrid Andree mit Flimm an das Hamburger "Thalia-Theater" zurück. In jüngerer Zeit sah man die berühmte Schauspielerin als "Franziska" in Günter Krämers Inszenierung "Die Arabische Nacht" im Kölner Schauspielhaus auf der Bühne. Bereits 1994 hatte sie dort in dessen Inszenierung von Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" die Titelrolle übernommen; im Herbst 2003 spielte Ingrid Andree in Berlin die hexenhaft irrlichternde Herodias in Oscar Wildes "Salome" unter der Regie von Armin Holz. Zu ihren jüngsten Arbeiten für das Theater zählt die Rolle der Mutter in dem Stück "Eldorado" von Marius von Mayenburg, welches am 11. Dezember 2004 an der "Berliner Schaubühne" uraufgeführt wurde.
  
Ihr Leinwanddebüt hatte die Schauspielerin noch als Ingrid Unverhau 1951 mit einer kleinen Nebenrolle in der Komödie "Professor Nachtfalter" neben Protagonist Johannes Heesters gegeben, der eigentliche Durchbruch gelang ihr dann ein Jahr später mit der weiblichen Hauptrolle der jungen Ursula in Rolf Thieles Regiedebüt "Primanerinnen" mit dem noch ebenfalls relativ unbekannten Walter Giller als Partner, gedreht nach der romantischen Novelle "Ursula" von Klaus Erich Boerner2) (1915 – 1943); siehe auch den SPIEGEL-Artikel (40/1951). Danach folgten zahlreiche Kinoproduktionen wie "Liebeserwachen" (1953), "Roman einer Siebzehnjährigen" (1955), "
Ein Stück vom Himmel"2) (1957) oder Kurt Hoffmanns Thomas Mann-Adaption "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"2) (1957), in denen die zierliche, nur 1,62 m große Schauspielerin zumeist auf die " Kindfrau" des deutschen Films festgelegt wurde. Nur 1,62 m groß wurde die zierliche Andree oft als "liebes Mädel" standardisiert. Sie konnte jedoch auch "eine süße Bombe an Temperament" (Willy Haas), kratzbürstig oder komisch sein. Glanzlichter ihrer Darstellungskunst waren Rollen, in denen sie zwischen Phantasie und Realität pendelte.3) So beispielhaft 1959 als Fee von Pohl in "Der Rest ist Schweigen"2) von Helmut Käutner, eine in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg übertragene Hamletadaption, wo sie an der Seite von Hardy Krüger und Peter van Eyck wunderbar das Mädchen "Fee" zwischen Blumen, Puppen, Trümmern und Träumen verkörperte.3) Zu ihren letzten Kinoerfolgen zählen Hauptrollen in dem humorvolle Krimi "Peter Voss, der Millionendieb" (1958) neben O. W. Fischer sowie die Beamten-Satire "Sturm im Wasserglas"4) (1960) nach dem Volksstück von Bruno Frank mit Hanns Lothar und Therese Giehse .
 
Ingrid Andree wirkte in rund 40 Leinwandproduktionen mit und avancierte zum Kino-Liebling der 1950er Jahre, übernahm aber auch schon zu dieser Zeit Aufgaben in TV-Produktionen. So spielte sie in einem der frühen Mehrteiler, in "Im sechsten Stock"1) (1954), unter der Regie von John Olden die hübsche Thérèse Hochepot, die sich in den Arbeiter Jojo (Ernst Jacobi) verliebt, gab die titelgebende Figur in der TV-Fassung des Anouilh-Stückes "Colombe" (1958) oder – erneut unter der Regie von John Olden – die Pauline Piperkarcka in dessen Inszenierung von Hauptmanns "Die Ratten"2) (1959).
In den 1960er Jahren intensivierte Ingrid Andree ihre Arbeit für das Fernsehen, brillierte vor allem in für den Bildschirm bearbeiteten Bühnenstücken. So sah man sie beispielsweise 1962 als Viola bzw. Sebastian in Franz Peter Wirths Shakespeare-Komödie "Was Ihr wollt"2) neben Heidelinde Weis (Olivia), Chariklia Baxevanos (Marie) und Hanns Lothar (Andreas von Bleichenwang), 1963 als Alkmene in "Amphitryon 38" von Jean Giraudoux oder 1966 mit der Titelrolle in der Zola-Adaption "Thérèse Raquin"2) an der Seite von Ernst Jacobi als Camille Raquin.
Ab den 1970er Jahren konzentrierte sich Ingrid Andree fast ausschließlich auf ihre Arbeit am Theater, übernahm nur noch sporadisch Aufgaben vor der Kamera. Daneben war Ingrid Andree auch als Synchronsprecherin tätig, lieh unter anderem Olivia de Havilland und Jean Simmons ihre Stimme. Als "Königin Konstanzia" in der beliebten "Hui Buh"-Serie wurde sie auch einem jüngeren Publikum bekannt.
  
Nach längerer Bildschirmabstinenz zeigte sich die beliebte Schauspielerin 2009 in der Episode "Wettlauf mit dem Tod" aus der Krimiserie "SOKO Leipzig" mal wieder auf dem Bildschirm. Abgedreht hatte sie den Kinofilm "Transfer"2), eine moderne Doktor-Faust-Geschichte des 21. Jahrhunderts von Regisseur Damir Lukacevic, wo sie neben Mehmet Kurtulus, Jeanette Hain und Hans-Michael Rehberg sowie den amerikanischen Darstellern Regine Nehy und B. J. Britt eine Hauptrolle übernommen hatte (bundesweiter Kinostart: 22.09.2011; siehe auch www.damirlukacevic.de).
  
Ingrid Andree, die für ihre Leistungen mit dem "Bundesverdienstkreuz" ausgezeichnet wurde, war von 1959 bis zu ihrer Scheidung 1965 mit dem 1967 verstorbenen Schauspieler Hanns Lothar1) verheiratet; aus dieser Verbindung stammte die 1960 geborene Tochter Susanne Lothar1), die sich ebenfalls einen Namen als bedeutende Schauspielerin machte; Susanne Lothar starb am 21. Juli 2012 mit nur 51 Jahren in Berlin.
Seit 1986 ist Ingrid Andree Mitglied der "Freien Akademie der Künste Hamburg".
  

Link: 1) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 4) www.filmportal.de
3) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 20
Stand: Oktober 2014
Ingrid Andree bei der Agentur Erna Baumbauer
Siehe auch Wikipedia
    
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia)
  • 1959: Schlag auf Schlag
  • 1959: Der Rest ist Schweigen
  • 1959: Die Ratten (TV)
  • 1960: Sturm im Wasserglas
  • 1961: Treibjagd auf ein Leben
  • 1961: Knock Out – Eine keineswegs unglaubliche Geschichte (TV)
  • 1962: Was Ihr wollt (TV)
  • 1962: Bedaure, falsch verbunden (TV)
  • 1962: Nachts ging das Telefon
  • 1963: Amphitryon 38 (TV)
  • 1963: Das Himmelbett (TV)
  • 1963: Geliebt in Rom (TV)
  • 1965: Das Landhaus (TV)
  • 1964: Polizeirevier Davidswache
  • 1966: Die Fünfte Kolonne – Das verräterische Licht (TV)
  • 1969: Der Rückfall (TV)
  • 1978: Lady Windermeres Fächer (TV)
  • 1981: Der Richter (TV)
  • 1987: Robert Wilson and the Civil Wars
  • 1995: Tár úr steini (Tränen aus Stein)
  • 2009: SOKO Leipzig: Episode "Wettlauf mit dem Tod" (TV)
  • 2011: Transfer
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de