Balduin Baas wurde am 9. Juni 1922 als Balduin Baaske in Danzig geboren. Nach der Schule machte er zunächst eine Lehre bei der Post, während des 2. Weltkrieges musste er seinen Kriegsdienst ableisten und kam über Soldatenbühnen in Kontakt mit der Schauspielerei. Nach dem Krieg schloss er sich zunächst kurz einer Artistentruppe an und fungierte als Conferençier, ging dann ab 1946 zu verschiedenen Kabaretts. Zunächst erlangte er auf Bühnen wie dem "Kaleidoskop" in Celle oder dem "Ulenspiegel" in Gießen eine gewisse regionale Berühmtheit, mit dem Wechsel nach Hamburg zum "Bronzekeller" aber auch den Hamburger Schaubühnen "bonbonnière", "Wendeltreppe" und "Rendezvous" konnte Balduin Baas seinen Bekanntheitsgrad als Kabarettist und Komiker ausbauen. So war auch das Fernsehen auf den schlaksigen Mann mit dem Charakterkopf aufmerksam geworden, Baas gehörte zu den Fernsehschaffenden der ersten Stunde, der nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Moderator bald populär wurde.
 

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Balduin Baas
So führte er beispielsweise 1952 gemeinsam mit Günter Keil witzig durch das erste vom Fernsehen noch live ausgestrahlte Silvesterprogramm. "Die Leute waren total verunsichert", erinnert sich Baas, vor einem halben Jahrhundert Augenzeuge der Stunde null des Deutschen Fernsehens. Keiner hatte Erfahrung mit der neumodischen Technik, die aus Amerika nach Old Germany schwappte. Wie viele in der Silvesternacht 1952/53 die Fernsehspäße des Norddeutschen und Westdeutschen Rundfunks verfolgten, weiß niemand. Kaum jemand konnte sich die teuren TV-Geräte leisten; die wenigen stolzen Besitzer erfreuten sich eines zusehenden Besucheransturms.1)

In verschiedensten Einzelproduktionen und Serien konnte man Baas im Laufe der Jahre auf dem Bildschirm erleben, meist in prägnanten Nebenrollen wie beispielsweise als Redakteur Schwendling in Rolf Hädrichs Böll-Adaption "Dr. Murkes gesammeltes Schweigen"2) (1964) neben Dieter Hildebrandt und Dieter Borsche. Seine TV-Filmografie weist beliebte Krimiserien wie "Dem Täter auf der Spur", "Sonderdezernat K1", Der Alte", "Derrick" oder "Großstadtrevier" auf, aber auch Familienreihen wie "Diese Drombuschs" oder "Der Landarzt".
In nachhaltiger Erinnerung bleibt Balduin Baas auch durch zahlreiche Rollen vor der Kinokamera, am bekanntesten ist wohl die Figur des Studienrat Blaumeier in den "Lümmel"- und "Pauker"-Streifen2) Ende der 1960er bzw. in den 1970er Jahren. 
Sein Leinwanddebüt hatte der Charakterkomiker mit der winzigen Rolle eines Ostpreußischen Grenadiers in Helmut Käutners Zuckmayer-Verfilmung "Der Hauptmann von Köpenick"2) (1956) an der Seite von Heinz Rühmann gegeben. Mit Rühmann drehte Baas noch etliche andere Filme, so "Der Mann, der nicht nein sagen konnte"2) (1958), "Der Lügner"2) (1961), "Grieche sucht Griechin" (1966) und "Die Ente klingelt um halb acht"2) (1968). Neben Unterhaltungsstreifen wie "Lausbubengeschichten"2) (1964, Regie Helmut Käutner) und "Willi wird das Kind schon schaukeln"2) (1972, mit Heinz Erhardt), in denen der Mime sein komisches Talent voll ausleben konnte oder Krimis wie "Das Rasthaus der grausamen Puppen"2) (1967) fand Balduin Baas jedoch auch Aufgaben in ambitionierten Produktionen. In Hans W. Geissendörfers Thomas Mann-Verfilmung "Der Zauberberg"2) (1982) gehörte auch Balduin Baas als Zeichenlehrer zur hochkarätigen Besetzungsliste, in Vergessenheit geraten scheint seine tragende Figur des Dirigenten in Federico Fellinis Allegorie "Orchesterprobe"
2) (1979, Prova d'orchestra), der mit viel schrägem Humor inszenierten vielschichtigen Parabel auf menschliches Sozialverhalten. 1979 wurde das Werk in Frankreich als "Bester ausländischer Film" prämiert. In dem Loriot-Klassiker "Pappa ante Portas"2) (1991) mimte er einen Musiklehrer, präsentierte sich in der Persiflage "Willi und die Windzors" (1996) von und mit Hape Kerkeling als Zoodirektor.
Zu den letzten Arbeiten des Schauspielers vor der Kamera zählen Dagmar Dameks TV-Drama "Die Blauen und die grauen Tage" (2000) mit Inge Meysel sowie der für das Fernsehen in Szene gesetzte Edgar Wallace-Krimi "Das Schloss des Grauens" (2002).
 
Balduin Baas und Helga Feddersen
Balduin Baas und Helga Feddersen3)
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der 
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Neben seiner umfangreichen Arbeit für Film und Fernsehen arbeitete Balduin Baas für den Hörfunk sowohl als Sprecher wie auch als Autor. Darüber hinaus verfasste er Theaterstücke und veröffentlichte mehrere Bücher. Seine Erinnerungen "40 – Eine Autobiographie" erschien 1964, "Alle diejenigen, die endlich einmal erfahren wollen, wie ein deutscher Nonkonformist aussieht, sollten die Autobiographie von Balduin Baas lesen. Dieser Baas kann trefflich und eigenwillig erzählen (…) Erzählen… heißt für Baas: Unkonventionelles sagen." schrieb Joachim Kaiser unter anderem in der "Süddeutsche Zeitung". Sein wenig später erschienener, reich mit Scherenschnitten bebilderter Gedichtband "Es ist Frühling, Ilse" wurde von der Kritik ebenfalls hochgelobt, eine weitere Publikation von Balduin Baas ist der Roman "Der Fritz".

Der Schauspieler, Kabarettist, Schriftsteller und Objektkünstler Balduin Baas starb am 22. Mai 2006 in Hamburg im Alter von 83 Jahren. Eine Zeit lang war er mit seiner Kollegin Ruth Stephan3) (1925 – 1975) verheiratet. Später wurde für mehr als drei Jahrzehnte die Hamburger Fotografin Charlotte March2) (1929 – 2005) seine Lebenspartnerin.
 

1) Quelle: www.abendblatt.de
Link: 2) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Siehe auch Wikipedia; Filmografie Internet Movie Database
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de