Horst Caspar wurde am 20. Januar 1913 als Sohn eines ehemaligen Offiziers in Radegast (Anhalt) geboren. Sein Interesse galt schon früh dem Theater, daher ließ er sich in Berlin von Lucie Höflich1) (1883 – 1956) und Ilka Grüning1) (1876 – 1964), zwei berühmten Theater- und Filmdarstellerinnen jener Zeit, zum Schauspieler ausbilden. Sein Bühnendebüt gab Caspar 1933 am Bochumer Stadttheater, 1938 folgte er einem Ruf an die Münchner Kammerspiele, zwei Jahre später wechselte er an das Berliner Schillertheater, wo er bis 1944 auf der Bühne stand.
Nach Ende des 2. Weltkrieges gehörte Caspar zum Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses.
Vor allem durch seine Interpretation klassischer, jugendlicher Heldenrollen machte sich der Schauspieler einen Namen, er brillierte unter anderem als Goethes "Faust", wurde als "Hamlet" ebenso gefeiert wie als "Tasso".

Horst Caspar mit der Titelrolle in "Hamlet"
von William Shakespeare am "Deutschen Theater"
in Berlin im Dezember 1945 
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000036_025)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983; Link Wikipedia)
Datierung: 1945.12 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung innerhalb
dieser Webpräsenz wurde am 12.11.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
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Horst Caspar mit der Titelrolle in "Hamlet" von WilliamShakespeare am "Deutschen Theater" in Berlin im Dezember1945; Copyright: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Abraham Pisarek; Datierung: 1945.12 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
War das Theater seine eigentliche Domäne, so bleibt er doch auch mit seinen wenigen Filmrollen in nachhaltiger Erinnerung: 1940 spielte er in Herbert Maischs Verfilmung von Schillers "Die Räuber" an der Seite von Lil Dagover, Heinrich George und Hannelore Schroth, im gleichen Jahr erlebte man ihn mit der Titelrolle in "Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies"2), erneut unter der Regie von Herbert Maisch. 
Horst Caspar als Friedrich Schiller und Hannelore Schroth als Laura Rieger in "Friedrich Schiller-Der Triumph eines Genies", einem Historienfilm aus dem Jahre 1940; Foto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung Der Film, der von den Nazis eigentlich als Darstellung einer idealistischen Führerfigur gedacht war, verkehrte sich ins Gegenteil, wurde vom Publikum eher als Sehnsucht nach Freiheit vom Joch des Tyrannen verstanden: Herzog Karl Eugen von Württemberg lässt die begabtesten Söhne des Landes an einer von ihm gegründeten Militärakademie zu Offizieren, Juristen und Medizinern ausbilden. Auch der junge Friedrich Schiller muss sich widerwillig dieser harten Schule unterziehen, weshalb er sich gegen den despotischen Landesherren auflehnt und heimlich seine "Räuber" schreibt. Nach der Uraufführung stellt sich Schiller unerschrocken dem Strafgericht in Stuttgart, wo er "Freiheit dem Geist, Freiheit dem Volk" fordert. Beim Herzog in Ungnade gefallen, soll Schiller eine lebenslange Kerkerhaft absitzen. Er kann jedoch fliehen und sich außer Landes in Sicherheit bringen, wo er sich frei und ungezwungen seinen Dichtungen widmen kann…3)
 
 
 
Horst Caspar als Friedrich Schiller und Hannelore Schroth1) als Laura Rieger
in "Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies"*)
einem Historienfilm aus dem Jahre 1940
 
Foto mit freundlicher Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
*) Der Link führt zur Filmbeschreibung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
In Veit Harlans Durchhaltefilm "Kolberg"2) (1945) verkörperte Caspar neben Kristina Söderbaum und Heinrich George eindrücklich den preußischen Generalfeldmarschalls Graf Neidhardt von Gneisenau: Der 1943/44 mit großen Aufwand an Menschen und Material im Auftrag von Goebbels inszenierte Durchhaltefilm "Kolberg" schildert in tendenziös verfälschter Weise den Widerstand der Kolberger Bürger gegen die Truppen Napoleons in den Jahren 1806/07. Es wurde der letzte fertiggestellte Spielfilm aus der nationalsozialistischen Propaganda-Fabrik, ein monumentales Dokument der Geschichtsverfälschung, Anmaßung und fatalen Vereinnahmung, zudem inszenatorisch eher schwach. Nachdem der Film lange Jahre in den Archiven verschwunden war, kam er als "30. Januar 1945" in vollständiger Fassung 1965 wieder in die Kinos, umrankt von einer erklärenden Dokumentation, die den Film in die Verhältnisse zur Zeit seiner Entstehung einzuordnen versuchte, indem sie die im Film geschilderten Ereignisse den tatsächlichen Begebenheiten entgegensetzte. In den Vorspann wurde auch die vollständige "Deutsche Wochenschau"Nr. 3/1945 eingearbeitet. Ein durchaus ernsthafter und mit Sachkenntnis unternommener, insgesamt aber dennoch nicht überzeugender Versuch, ideologische NS-Filme als Diskussionsangebot und "zeithistorische Belehrung" wieder ins Kino zu bringen.4)
Horst Caspars letzte Arbeit für das Kino war dann neben Heidemarie Hatheyer und Paul Klinger die Titelrolle in "Begegnung mit Werther" (1949), ein Film, den Karl Heinz Stroux nach dem Roman "Die Leiden des jungen Werther" von J. W. von Goethe für die Leinwand inszeniert hatte, sowie seine Hauptrolle des Reporters Peter Zabel in Helmut Käutners Kriminalfilm "Epilog"2) (1950, auch: Das Geheimnis der Orplid).
Eine hehre schlanke Gestalt, blauäugig, mit offenen Zügen, war er das Ideal des romantisch-heldischen Jünglings. Von nervöser Empfindsamkeit und Leidenschaftlichkeit, beherrschte er virtuos alle theatralischen Mittel, schien er wie in Trance zu agieren. Preußische Strenge verbanden sich bei ihm mit der Tiefe des Gefühls. Ein Held der Übergangszeit, der zum einen das "deutsche Wesen" verkörperte, aber dennoch zu den Gezeichneten, den Davongekommen zählte.5)
 
Mit nur 39 Jahren starb der Charakterdarsteller überraschend am 27. Dezember 1952 in Berlin-Dahlem an einem Blutsturz; seine letzte Ruhe fand Horst Caspar in einem Ehrengrab auf dem dortigen Kirchhof der St. Annen-Gemeinde. Er war seit 1944 mit Schauspielerkollegin Antje Weisgerber1) (1922 – 2004) verheiratet, die später neben ihrem Mann beigesetzt wurde → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons; aus der Verbindung stammt(e) Sohn Frank, der 1952 kurz nach seinem Vater verstarb, sowie Tochter Renate.
Der "Horst-Caspar-Steig" in Berlin-Neukölln erinnert noch heute an den großen Mimen, dessen ganze Liebe dem Theater galt.

Portrait des Schauspielers Horst Caspar
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000087_010)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek2) (1901–1983); Datierung: ungenannt;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Portrait des Schauspielers Horst Caspar; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000087_010); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (19011983); Datierung: ungenannt; Quelle: www.deutschefotothek.de
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser Webpräsenz, 2) Wikipedia
Quellen:
3) Jan-Eric Loebe, von der nicht mehr existenten Seite  www.deutscher-tonfilm.de
4) Lexikon des internationalen Films
5)  "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier und Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 62
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