ortrait Gertrud Eysoldt; Quelle: Bildrechte/-herkunft: Meininger Museen: Theatermuseum "Zauberwelt der Kulisse" bzw. www.museum-digital.de

Die Theaterlegende Gertrud Eysoldt erblickte am 30. November 1870 im sächsischen Pirna das Licht der Welt. Sie war die Tochter des Juristen Friedrich Arthur Eysoldt1) (1832 – 1907), unter anderem Abgeordneter des Sächsischen Landtags bzw. des Reichstags und Vertreter der "Deutschen Fortschrittspartei". Gertrud war noch ein Kind, als sich der Vater 1877 von seiner Ehefrau Bertha (1845 – 1934), Tochter des Rittergutspächters August Wilhelm Richter, scheiden ließ. Die ältere Schwester Anna Eysoldt (1868 – 1913) studierte in Zürich als eine der ersten Frauen zwischen 1887 und 1891 Medizin, gehörte zum Studentinnenkreis um die Schriftstellerin Ricarda Huch1), hatte enge Beziehungen zur Frauenbewegung.
 
Ausgebildet zur Schauspielerin (1888/1889) in München an der traditionsreichen "Königlichen bayerischen Musikschule" (heute: Hochschule für Musik und Theater München) unter anderem von Hofschauspieler Heinrich Richter (1820 – 1896), sammelte sie nach Abschluss ihrer einjährigen Studien erste Bühnenerfahrungen als Elevin am "Münchener Hoftheater"1) und machte beispielsweise als Page des Ritters Sir John Falstaff in dem Shakespeare-Drama "Heinrich IV." auf sich aufmerksam. Zur Spielzeit 1890/91 erhielt die junge Gertrud Eysoldt im Herbst auf Empfehlung Richters ein erstes Engagement an dem unter der künstlerischen Leitung von Herzog Georg II.1) von Sachsen-Meiningen (Thüringen) stehenden "Hoftheater Meiningen"1), wurde dort vom Herzog sowie dessen dritten Gemahlin Helene Freifrau von Heldburg besonders gefördert und tat sich vor allem im Rollenfach der Naiven und Sentimentalen in diversen Lust- und Trauerspielen hervor; 1891 nahm sie an einer Tournee der Meiniger nach Russland teil. Auch nachdem sie Meiningen verlassen hatte, kam sie in späteren Jahren im Rahmen von Gastverpflichtungen an diese Bühne zurück, so in den Jahren 1900, 1902 und 1923, zudem ist in den 1920er Jahren eine intensive Korrespondenz mit Helene Freifrau von Heldburg belegt.
 
  
Foto: Portrait Gertrud Eysoldt um 1890
Quelle: Bildrechte/-herkunft: Meininger Museen: Theatermuseum "Zauberwelt der Kulisse"
→ www.museum-digital.de; Angaben zur Lizenz siehe hier

1891 wechselte Gertrud Eysoldt als "Erste Muntere und Naiv-Sentimentale" an das deutschsprachige Stadttheater in Riga, das damals von Max Martersteig1) (1853 – 1926) geleitet wurde. Aus der beruflichen Zusammenarbeit ergab sich bald eine private Beziehung, 1894 heiratete das Paar nach Martersteigs Scheidung. In Riga machte sie am 10. April 1893 auch erstmals mit einer ihrer späteren Glanzrollen von sich reden, dem Puck in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum".
Es folgte eine Verpflichtung am "Königlichen Hoftheater" in Stuttgart (1893–1899), wo Gertrud Eysoldt zunehmend in das Fach der eindrucksvollen Charaktermimin hineinwuchs. Zu nennen sind unter anderem Titelrollen in Gerhart Hauptmanns Traumdichtung "Hanneles Himmelfahrt" (15.12.1893) und Ibsens Drama "Nora oder Ein Puppenheim" (29.03.1894). Dann zog es die Schauspielerin in die Metropole Berlin, wo sie zwischen 1899 und 1901 zunächst am "Schillertheater" und dann am "Lessingtheater" wirkte. Danach begann eine intensive Zusammenarbeit mit Max Reinhardt1) (1873 – 1943), erstmals war sie am 4. Dezember 1901 an dessen kurz zuvor gegründeten Kleinkunstbühne "Schall und Rauch"1) in einem Programm mit dänischen Gassenliedern aufgetreten. Als zur Spielzeit 1902/1903 aus der Kleinkunstbühne "Schall und Rauch" das "Kleine Theater" hervorging bzw. dieses von Reinhardt als reine Schauspielbühne weitergeführt wurde, blieb Gertrud Eysoldt dem Ensemble treu, dem sie bis 1933 angehörte. Unter der Intendanz von Reinhardt spielte sie an fast allen seinen Berliner Theatern und feierte zahlreiche Erfolge. Zu ihren "leidenschaftlich-expressiven" Interpretationen zählten zahlreiche titelgebende Frauengestalten, so die "Salome" (1902) in Oscar Wildes gleichnamigem Einakter, sie war Strindbergs "Fräulein Julie" (1904) oder die "Penthesilea" in Heinrich von Kleists Trauerspiel. Als Lulu brillierte sie in Frank Wedekinds Tragödie "Erdgeist" (1902), als Mädchen Nastja in Gorkis "Nachtasyl" (1903) oder als tragische Heldin "Elektra" in Max Reinhardts Inszenierung bzw. Uraufführung von Hugo von Hofmannsthals einaktigen Adaption des antiken Sophokles-Stoffes am 30. Oktober 1903 im "Kleinen Theater". Der Schriftsteller und Theaterkritiker Alfred Kerr1) schrieb damals unter anderem: "(…) sie ist "Hüterin des Mordes" schlechtweg; eine Fledermaus der Rache: weil das ganze Werk Erfüllung des Rachegefühls ausdrückt. Sie verkörpert ein Ding, nicht einen Fall. Sie hält wunderbar die Arme gespreizt wie ein Nachtvogel die Fittiche (der Dichter sagt nur, sie solle mit dem Rücken gegen die Wand gepreßt stehen), sie ist mit Raubtieraugen Hüterin des Mordes, wird zu einem Ornament, zu einer Impression, zu einem Symbol, sie gibt den Stil der malenden Schauspielkunst. Man hat schlimmstenfalls das ganze Geschöpf in dieser Gebärde. Und die Sache in diesem Geschöpf."2) Hugo von Hofmannsthal schrieb Gertrud Eysoldt noch zwei weitere Figuren auf den Leib, den Schwertträger des Kreon in dem Drama "Ödipus und die Sphinx"1), uraufgeführt am 2. Februar 1906 am "Deutschen Theater", sowie die "Guten Werke" in "Jedermann"1) (UA: 01.12.1911, Zirkus Schumann; mit Alexander Moissi als "Jedermann") – jeweils in Szene gesetzt von Max Reinhardt.
Vor allem als Puck in Shakespeares Komödie "Ein Sommernachtstraum"1) (1905) schrieb Gertrud Eysoldt Theatergeschichte – einmal mehr unter der Regie von Max Reinhardt: "Aus dem niedlichen Ballett-Puck früherer Inszenierungen machte sie einen zotteligen Kobold, der durch einen richtigen Wald auf der Bühne hüpfte. Sie verkörperte den Puck bis 1921 in insgesamt fünf Inszenierungen des Stücks durch Reinhardt."2)  
 
Weitere wichtige Rollengestaltungen von Gertrud Exsold an Berliner Bühnen2) (Link: Wikipedia):
  • 1902: Henriette in August Strindbergs "Rausch" ("Kleines Theater")
  • 1906: Cleopatra in George Bernard Shaws "Caesar und Cleopatra" ("Neues Theater")
  • 20.11.1906 (Uraufführung): Ilse in Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" ("Berliner Kammerspiele")
  • 1907: Titelrolle in Henrik Ibsens "Hedda Gabler" ("Berliner Kammerspiele")
  • 1908: Marie Beaumarchais in Goethes "Clavigo" ("Berliner Kammerspiele")
  • 1911: Titelrolle in Carlo Gozzis "Turandot" ("Deutsches Theater")
  • 1912: Alice in August Strindbergs "Der Totentanz" ("Deutsches Theater")
  • 1914: Gerda in August Strindbergs "Wetterleuchten" ("Berliner Kammerspiele)
  • 1916: Mumie in August Strindbergs "Gespenstersonate" (Berliner Kammerspiele")
  • 1917 (Uraufführung): Mutter in Reinhard Sorges "Der Bettler. Eine dramatische Sendung" ("Deutsches Theater")
  • 1918: Lulu in Frank Wedekinds "Die Büchse der Pandora" ("Kleines Schauspielhaus")
  • 1920: Titelrolle in Walter Hasenclevers "Antigone" (Großes Schauspielhaus")
  • 1923: Frau Higgins in George Bernard Shaws "Pygmalion" (Deutsches Theater")
  • 1927: Frau Renner in Gerhart Hauptmanns "Dorothea Angermann" ("Deutsches Theater")
  • 1932: Frau Flamm in Gerhart Hauptmanns "Rose Berndt ("Deutsches Theater")
Gertrud Eysoldt galt als "erste Feministin des deutschen Theaters", erlangte Berühmtheit durch ihre meisterlich gespielten, oft erotisch angehauchten Frauengestalten sowie ihr großes, facettenreiches Rollenspektrum. "Eysoldt war eine eminent kluge Schauspielerin, die es verstand, sowohl durch die Bewegungen ihres fast geschlechtslosen, knabenhaften Körpers sowie durch ihre "gräßlich aufklärende" Stimme Akzente zu setzen, wie man sie damals noch nicht kannte. Ihr "Antinaturalismus" wirkte besonders durch den Puck (Sommernachtstraum) revolutionär, den sie als Naturrüpel brachte. Es entsprach einem Zug ihrer Epoche, wenn sie einem übersteigerten Intellektualismus zuneigte, ihren Gestalten Lebenswärme und Liebe fehlten, diese eher vom Haß geprägt waren."3) Und Felix Hollaender1) schrieb über sie: "Je länger man die Eysoldt kennt, desto zuverlässiger wird das Gefühl von der Stärke und dem Reichtum ihrer Persönlichkeit. Dennoch ist es schwer, ihre Art mit einer Formel zu umschreiben … Oft ist es bloß eine Bewegung, ein Ausdruck ihres Gesichtes, durch den sie eine außergewöhnliche Wirkung erreicht … Man könnte aus dem Gesagten vielleicht schließen, sie sei lediglich eine Schauspielerin des Instinkts. Mitnichten! Das Beste und Wertvollste, das in jeder Kunst Unkontrollierbare, schafft sie aus der Treffsicherheit einer starken Empfindung, aus jenem dunklen Drange und jener Mühelosigkeit, die über das Gute als über das Selbstverständliche kein helles Bewußtsein hat. Aber daneben besitzt sie einen Intellekt, der alles durchdringt, der sie befähigt, ein Problem auf seine sachliche Fruchtbarkeit hin zu prüfen und den geistigen Gehalt einer Dichtung bis auf den letzten Rest auszuschöpfen."4)
In der Zeitschrift "Sport im Bild"1) widmete man 1905 in der Reihe "Berliner Bühnensterne" auch Gertrud Eysold einen Artikel: "Gertrud Eysoldt ist ein Stern erster Grösse geworden, ihr Name hat eine Anziehungskraft, die nicht nur die Theaterkasse füllt, sondern auch die geistige Elite Berlins vor den Vorhang des geheimnisvoll düster drapierten Raumes lockt, in dem nur wirkliche Kunst, alte und neue, zur Darstellung kommt. (…) Eine "interessante" Schauspielerin, so nennt man sie, denn immer gibt sie Neues, immer haben ihre Gestalten einen besonderen Typus, eine stark ausgeprägte Eigenart. (…) Gertrud Eysoldt ist nicht schön. Sie verfügt weder über eine imponierende Erscheinung, noch über ein machtvolles Organ – es ist ein zarter, schwacher Körper, an den sie die gewaltigen psychischen wie physischen Anstrengungen einer den Abend füllenden Rolle, täglicher Proben und Privatstudien stellen muss. Um so bewundernswürdiger ist es, wie dieser gebrechliche Frauenkörper sich den Geboten einer leidenschaftlichen, flammenden Künstlerseele fügt, wie er jeder leisesten Seelenregung sich anpasst, wie diese Stimme zu singen und zu klingen beginnt, dies bewegliche Antlitz Schmerz und Lust, Verzücktheit und Entsetzen, Hass und Liebe zu spiegeln weiss. Gertrud Eysoldt steht auf der Höhe ihrer Kunst. Ihr Talent mag sich ausdehnen, immer neue Rollen an sich ziehen, uns mit reizvoller Mannigfaltigkeit überraschen – etwas Grösseres hat sie kaum zu geben, als sie in der Salome", der "Lulu" und der "Elektra" bot."5)
   
Zudem war die Mimin zwischen 1920 und 1922 Direktorin des "Kleinen Schauspielhauses" in Berlin-Charlottenburg. Hier brachte sie am 23. Dezember 1920 trotz Verbots Arthur Schnitzlers Schauspiel "Reigen"1) in einer Inszenierung von Hubert Reusch zur Aufführung, was einen der größten Theaterskandale des 20. Jahrhunderts bzw. den so genannten "Reigenprozess" nach sich zog. Das preußische Kultusministerium hatte noch wenige Stunden vor der Berliner Premiere die Vorstellung unter Androhung einer sechswöchigen Haftstrafe verhindern wollen. "Gertrud Eysoldt trat vor den Vorhang, berichtete dem Publikum über die Sachlage und erklärte mutig, dass die drohende Haftstrafe sie nicht daran hindern könne, für die Freiheit der Kunst einzutreten und dem Vorwurf entgegenzutreten, dass Schnitzler ein "unsittlicher Schriftsteller" sei. Die Premiere fand regulär statt. Am 3. Januar 1921 hob ein Gericht das Verbot auf, nachdem sich die Richter die Vorstellung selbst angesehen hatten, in ihrem Urteil nannten sie die Aufführung eine "sittliche Tat".6)
Auch als hervorragende Schauspiellehrerin erwarb sich Gertrud Eysoldt einen Ruf, bereits seit 1905 vermittelte sie ihr Wissen an Hunderte junge Nachwuchstalente. Als am 2. Oktober 1905 auf Betreiben Max Reinhardts die Schauspielschule des "Deutschen Theaters" (heute: "Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin") seine Pforten öffnete, wurde Gertrud Eysoldt gemeinsam mit Hedwig Wangel7) eine der ersten Lehrerinnen für Rollenstudium.
Gertrud Eysoldt auf einem Sammelbild aus der Serie "Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den "Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik beilagen. Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch"  (Albert Zander u. Siegmund Labisch) (1863–1942)); Quelle: www.virtual-history.com Dem noch jungen Medium Film stand Gertrud Eysoldt aufgeschlossen gegenüber und wirkte ab Anfang der 1920er Jahre sporadisch in verschiedenen stummen Produktionen mit. Etwa als das böse Weib "die Rauerin" in dem Kinderfilm "Der verlorene Schuh"8) (1923, Regie: Ludwig Berger) nach dem Andersen-Märchen "Aschenputtel" oder als Jungfer Eli in dem Henny Porten-Melodram "Das Geheimnis von Brinkenhof"9) (1923; Regie: Svend Gade). Einen letzten Auftritt in einem Stummfilm hatte sie als Mutter des jungen Schlossbesitzers Rauol (Marcel Vibert) in dem Drama "Heilige oder Dirne" (1929) mit dem Untertitel "Nebenbuhlerinnen", von Ludwig Berger gedreht nach dem gleichnamigen, als "Sittentragödie" bezeichnetem Roman des Franzosen Georges Ohnet1) mit Hilde von Stolz und Maria Corda als weibliche Protagonistinnen. Danach ließ sich Gertrud Eysoldt erst wieder Anfang der 1940er Jahre vor die Kamera locken, präsentierte sich in dem pathetisch-heroischen NS-Propagandastreifen "…reitet für Deutschland"1) (1941; Regie: Arthur Maria Rabenalt) als Tante des Helden bzw. Rittmeisters von Brenken (Willy Birgel).
 
 
Foto: Gertrud Eysoldt auf einem Sammelbild aus der Serie
"Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den
"Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik beilagen.
Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch" (Albert Zander u. Siegmund Labisch1) (1863–1942))
Quelle: film.virtual-history.com; Lizenz siehe hier
Es folgte der kleine Part eines alten Mütterchens in Walter Felsensteins Literaturadaption "Ein Windstoß"1) (1942) mit Paul Kemp in der Hauptrolle des Kunst- und Antiquitätenhändlers bzw. Pedanten Emanuele Rigattieri, der in einem Mietshaus Unfrieden stiftet. Einen letzten Leinwandauftritt hatte die inzwischen knapp 80-jährige Mimin in Harald Brauns mehrfach ausgezeichnetem Melodram "Nachtwache"1) (1949), trat an der Seite von Luise Ullrich, Hans Nielsen, René Deltgen und Dieter Borsche als Stiftsschwester Jakobe in Erscheinung.
 
Bereits Anfang der 1930er Jahre hatte sich Gertrud Eysoldt nach Auflösung des Reinhardt-Ensembles weitgehend von der Bühne zurückgezogen. Einen letzten Höhepunkt ihrer Karriere in Berlin feierte sie 1940 am Abend ihres 70. Geburtstages mit der Rolle der Herzogin von Gloster in Shakespeares "Richard II" am "Deutschen Theater".
Während der Kriegswirren in und um Berlin floh sie 1943 aus der immer unsicherer werdenden Metropole und ließ sich im oberbayerischen Ohlstadt bei Murnau nieder. Ihre Ehe mit Max Martersteig war nach kurzer Zeit gescheitert, die zweite Ehe ging sie mit dem Berliner Kunstmaler Benno Berneis1) ein, der erst 33-jährig während des 1. Weltkrieges am 8. August 1916 als Angehöriger einer Feldflieger-Abteilung in einem Luftkampf fiel; er wurde auf dem Soldatenfriedhof Mont-Saint-Remy in den Ardennen (Frankreich) beigesetzt. Aus dieser Verbindung stammte Sohn Peter Berneis1) (1910 – 1985), der als Kinderdarsteller (unter dem Namen Peter Eysoldt) sowie als Drehbuchautor im Film erfolgreich war. Auch der erstgeborene Sohn, der Pianist, Komponist und Bandleader Leo Eysoldt3) (1901 – 1967), machte sich einen Namen: Er leitete unter anderem das Salonorchester im Kölner "Café Germania" mit dem die Frühgeschichte des WDR Rundfunkorchesters begann. Das Orchester "war eines der besten der Stadt, das mit seiner ungewöhnlich großen Besetzung von 20 Musikern gehobene Unterhaltungsmusik und populäre Musik auf einem "bemerkenswert anspruchsvollen Niveau" (Kölner Stadt-Anzeiger, Mai 1926) bot" notiert Wikipedia. Das "Leo-Eysoldt-Orchester" bestand bis 1942, wurde dann während des Krieges aufgelöst, 1949 erhielt Eysoldt eine Festanstellung am Funkhaus Nürnberg des "Bayerischen Rundfunks".
 
Die mitunter in Vergessenheit geratene Max-Reinhardt-Schauspielerin Gertrud Eysoldt starb am 6. Januar 1955 im Alter von 84 Jahren in Ohlstadt; ihre letzte Ruhe fand sie in der Stadt, in der sie Jahrzehnte nachhaltig gewirkt hatte – in Berlin auf dem "Dorotheenstädtischen Friedhof" nahe der Grabstätten von Bertolt Brecht und Helene Weigel. An ihrem Geburtshaus in Pirna (Marktgasse 1) erinnert eine Gedenktafel mit der Inschrift "Wegbereiterin moderner Bühnenkunst" an die legendäre Künstlerin, die bereits 1945 zum Ehrenmitglied des "Deutschen Theaters" ernannt worden war. Zudem ist im Stadtteil Pirna-Hinterjessen sowie im hessischen Bensheim eine Straße nach ihr benannt.
Die Stadt Bensheim hat einen besonderen Bezug zu Gertrud Eysoldt: Der mit ihr in engem Briefkontakt stehende, in Bensheim verstorbene Theaterkritiker Wilhelm Ringelband1) (1921 – 1981) stiftete zur Erinnerung an sie den (heute) mit 10.000 Euro dotierten Theaterpreis "Gertrud-Eysoldt-Ring"1). Seit 1986 wird dieser für hervorragende schauspielerische Leistungen an einem deutschsprachigen Theater von der Stadt Bensheim zusammen mit der "Deutschen Akademie der Darstellenden Künste" jeweils im März verliehen. Erste Preisträgerin war Doris Schade7) (1924 – 2012) für ihre Darstellung der Hekabe in "Die Troerinnen des Euripides" von Walter Jens in der Inszenierung von George Tabori an den "Münchner Kammerspielen"; siehe auch www.darstellendekuenste.de sowie www.stadtkultur-bensheim.de
Von dem Theaterwissenschaftler Dr. Carsten Niemann, der über Gertrud Eysoldt promovierte, stammt die bebilderte, 1995 veröffentlichte Biografie "Das Herz meiner Künstlerschaft ist Mut. Die Max-Reinhardt-Schauspielerin Gertrud Eysoldt", welche in der Schriftenreihe "Prinzenstraße. Hannoversche Hefte zur Theatergeschichte" zeitgleich mit einer Ausstellung in dem im "Schauspielhaus Hannover"1) beheimateten "Theatermuseum" erschien, mit dessen Leitung Niemann seit 1995 betraut ist → www.staatstheater-hannover.de; für die Stadt Bensheim richtete er ein "Gertrud-Eysoldt-Archiv" ein. Bereits 1988 zeichnete er als Herausgeber verantwortlich: Anlässlich einer Ausstellung der Stadt Bensheim im " Parktheater" (26.11.1988–09.01.1989) wurde die 51-seitige Begleitbroschüre "Gertrud Eysoldt – Bilder aus einem Schauspielerleben" publiziert. In der ersten Etage des Bensheimer "Parktheaters" befindet sich zudem das "Gertrud-Eysoldt-Foyer", in dem die "Stadtkultur/Galerie" jährlich drei bis vier Ausstellungen veranstaltet.
Quelle (unter anderem*)): Wikipedia, Neue Deutsche Biographie (NDB), www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 7) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 8) Murnau Stiftung, 9) filmportal.de
*) Weitere Quellen:
  •  C. Niemann: "Das Herz meiner Künstlerschaft ist Mut". Die Max-Reinhardt-Schauspielerin Gertrud Eysoldt. In: prinzenstraße. Hannoversche Hefte zur Theatergeschichte/Hrsg. von B. Weber im Auftrag des Niedersächsischen Staatstheaters Hannover (Hannover 1995)
  • Henschel Theaterlexikon  (Henschel Verlag, 2010, S. 199/200) mit den Quellen:
    J. Bab/W. Handl: Deutsche Schauspieler ( Berlin 1908)
    H. Ihering: Von Josef Kainz bis Paula Wessely (Heidelberg, Berlin, Leipzig 1942)
    C. Niemann: Gertrud Eysoldt. Bilder aus einem Schauspielerleben (Ausstellungskatalog. Bensheim 1988)
    C. Niemann: "Das Herz meiner Künstlerschaft ist Mut". Die Max-Reinhardt-Schauspielerin Gertrud Eysoldt. In: prinzenstraße. Hannoversche Hefte zur Theatergeschichte/Hrsg. von B. Weber im Auftrag des Niedersächsischen Staatstheaters Hannover (Hannover 1995)
    M. Bier: Schauspielerporträts. 24 Schauspieler um Max Reinhardt (Berlin 1989)
  • www.museum-digital.de
Zitate/Quellen:
2) Henschel Theaterlexikon  (Henschel Verlag, 2010, S. 199)
3) Weickert, Christian; "Eysoldt, Gertrud" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 712–713; Onlinefassung: www.deutsche-biographie.de
4) Felix Hollaender: Die Eysoldt, in: "Das Theater" (19.01.1905, Heft 7, S. 75) → www.berliner-schauspielschule.de
5) Dora Schmidt in: "Sport im Bild" ( (1905, Jahrgang 11, Nr. 31, S. 742ff)
6) : Wikipedia (abgerufen 21.01.2014)
Lizenz Foto Gertrud Eysoldt: Die Rechte für die Abbildungen des Objektes sind für die nicht-kommerzielle Nutzung bei Angabe der Quelle frei verfügbar (Creative Commons Lizenz 3.0, by-nc-sa).
Lizenz Foto Gertrud Eysoldt (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Das Atelier von Albert Zander und Siegmund Labisch († 1942) war 1895 gegründet worden; die inaktive Firma wurde 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Externe Recherche ergab: Labisch wird ab 1938 nicht mehr in den amtlichen Einwohnerverzeichnissen aufgeführt, so dass sein Tod angenommen werden muss; Zander wiederum war laut Aktenlage ab 1899 nicht mehr aktiv am Atelier beteiligt und kommt somit nicht als Urheber dieses Fotos in Frage. Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. (Quelle: Wikipedia)
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(Link: Murnau Stiftung, filmportal.de, Wikipedia)
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