Bruno Fritz als "Kummer" in einem Programm der "Insulaner" am 6. Oktober 1959 in der Freiburger Stadthalle; Urheber: Willy Pragher; Lizenz: CC BY 3.0; Rechteinhaber: Landesarchiv Baden-Württemberg; Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Wikimedia Commons Der Schauspieler und Kabarettist Bruno Fritz wurde am 4. März 1900 in Berlin geboren; über seinen Werdegang bis Ende des 2. Weltkrieges haben die Recherchen nichts ergeben. Bekannt wurde der Künstler mit dem unverwechselbaren "Mundwerk" seit Ende 1948 als Gründungsmitglied der legendären "Insulaner"1); bis 1963 gehörte er zum "Stammpersonal" der gleichnamigen Sendung des damaligen RIAS Berlin, die während der Blockade Berlins 1948 von dem Kabarettisten Günter Neumann1) (1917 – 1972) aus der Taufe gehoben worden war und mit der eine moralische Unterstützung der Bevölkerung organisiert wurde. Die damalige Erkennungsmelodie mit dem Refrain "Der Insulaner verliert die Ruhe nicht"? gehörte zu den populärsten Songs der Nachkriegszeit.
Mit dem Programm, das aus Scherz, Satire und Ironie, aber auch einer Portion Ernsthaftigkeit bestand, bewies Bruno Fritz gemeinsam mit Kollegen wie unter anderem Edith Schollwer2) (1904 – 2002), Tatjana Sais1)  (1910 – 1981), Walter Gross2) (1904 – 1989) und Ewald Wenck1)  (1891 – 1981) scharfzüngig und mit "Berliner Schnauze" seinen einzigartigen Humor. Als "Berufsberliner" trat er bis 1967 in verschiedenen Rollen auf, wobei er besonders den "Herrn Kummer" darstellte, der mit seinem imaginären Gesprächspartner "Herrn Pollowetzer" über die kleinen und großen Sorgen der Berliner telefonierte. "Man brauchte ihm nur ein Telefon in die Hand zu geben und schon sprudelte er los, ließ er ganze Pointenketten explodieren und traf so herzbewegend wie wunderbar ordinär den Ton der Stadt und ihrer Bewohner", so Friedrich Luft anlässlich des Todes von Bruno Fritz.
 
Bruno Fritz als "Herr Kummer" in einem Programm der
"Insulaner" am 6. Oktober 1959 in der Freiburger Stadthalle
Urheber: Willy Pragher1); Lizenz: CC BY 3.0; Rechteinhaber: Landesarchiv Baden-Württemberg
Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Wikimedia Commons
Daneben stand der Künstler immer wieder auf der Theaterbühne und auch im Film zeigte er sporadisch sein komödiantisches Talent. Bereits seit Mitte der 1930er Jahre hatte er vereinzelt Aufgaben für das Kino übernommen, spielte prägnante Nebenrollen in Streifen wie Carl Froelichs "Oberwachtmeister Schwenke" (1934) oder Veit Harlans Verfilmung "Der Müde Theodor" (1936) mit Weiß-Ferdl in der Hauptrolle; eine tragende Rolle, die des Schriftstellers Franz Unruh mimte er in dem Kurzfilm "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" (1937).
Im deutschen Nachkriegsfilm bediente er mit nachhaltigen Chargenrollen meist den Urberliner, konnte jedoch oft sein wahres komödiantisches Können nicht voll unter Beweis stellen. Er mimte überzogen gezeichnete "Militärs" wie den Major von Itzenblitz  in dem Schwank "Mikosch rückt ein" (1952) oder den Hauptfeldwebel Kuhnke in Max Nossecks Literaturverfilmung "Der Hauptmann und sein Held" (1955) mit Ernst Schröder und Jo Herbst in den Hauptrollen. Oft wurde Bruno Fritz im Film mit "Leitungsfunktionen" betraut, so als Verleger in "Pauker Stips und die verliebte Mädchenklasse" (1951), Generaldirektor Bruckmann in der Posse "Der Keusche Josef" (1953), Direktor Otto Hallersperg in dem Musikstreifen "Die Große Chance"1) (1957) mit Freddy Quinn, Generaldirektor Brennicke in der Internatsklamotte "Davon träumen alle Mädchen"1) (1961) oder als Bankdirektor Mayer in Helmut Käutners Wirtschaftswunder-Satire "Der Traum von Lieschen Müller"1) (1961).  Dazwischen lagen Auftritte in Kinoproduktionen wie dem Lustspielklassiker "Pension Schöller"1) (1952), dem Rühmann-Film "Keine Angst vor großen Tieren"1) (1953), dem Heimatstreifen "Hoch droben auf dem Berg"1) (1957) oder dem Musikfilm "Solang' noch untern Linden" (1958) über das Leben des Operettenkomponisten Walter Kollo. Erneut mit Heinz Rühmann stand er für "Der Eiserne Gustav" (1958) vor der Kamera, in Hans Deppes heiteren Familiengeschichte "So angelt man keinen Mann" (1959) sah man ihn unter anderem mit Grethe Weiser.
Im Fernsehen trat Bruno Fritz ab Ende der 1950er Jahre in vielen Sendungen mit Berliner Kolorit auf, spielte in verschiedenen Boulevardkomödien, die das Fernsehen übertrug, wie beispielsweise den Mr. Peabody in "Brave Diebe" (1959) nach dem Bühnenstück von Jack Popplewell oder den Harold Stewart in Popplewells "Die Lieben Kinder" (1970) – erneut neben Grethe Weiser; letztmalig erlebte man ihn gemeinsam mit Rudolf Platte und Friedrich Schoenfelder 1973 in dem Schwank "Der Raub der Sabinerinnen"1) auf dem Bildschirm.

Quelle: © Werner Bethsold1)
Das Foto entstand 1980 während einer Hörspielproduktion.

Bruno Fritz
Bruno Fritz starb am 12. Juni 1984 in Berlin-Grunewald im Alter von 84 Jahren, seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof Berlin-Schmargendorf (Abt. F–3–19/20) → Foto der Grabstelle bei knerger.de. In der "Berliner Morgenpost" schrieb der bedeutende Theaterkritiker Friedrich Luft1) (1911 – 1990) zwei Tage später in einem Nachruf unter anderem: "Sein Mundwerk schien immer wie unter Dampf zu stehen und nur darauf zu warten, sich in einem Schwall von Worten zu ergießen. Er stand wie unter Rededruck. Seine Komik war von der besten, aggressivsten Art. Er konnte soviel mehr, als er meistens nur zeigen durfte. Ich habe ihn im Renaissance-Theater einmal als Gastwirt in Lessings "Minna von Barnhelm" gesehen. Theo Lingen spielte den Riccaut. Bruno Fritz war hinreißend und echt berlinisch und auf seine vorsichtige Spielart klassisch. … Er ist 84 Jahre alt geworden. Dienstag ist er gestorben. Jedesmal, wenn ein bedeutender Spaßmacher die Welt verlässt, möchte einem scheinen, als sei die Welt selber wieder etwas trauriger geworden. Bruno Fritz fehlt." 
Siehe auch www.cyranos.ch, Günter Neumann Stiftung, Wikipedia
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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