Willi Narloch 1950 in "Der fremde Schatten" von Konstantin Michailowitsch Simonow an der "Neuen Bühne" im Berliner "Haus der Kultur"; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000898_044); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 06.11.1950; Quelle: www.deutschefotothek.de "Willi Narloch ist ein echter Volksschauspieler. Besonders als deftiges "Berliner Original" spielt er sich in die Herzen des Publikums bei Bühne, Film und Fernsehen. Seine Rollen zeichnen sich durch "Herzhaftigkeit, unverblümte Geradheit und Aufrichtigkeit, Derbheit, deftigen Humor" aus. Er ist aber auch ein "Meister der stillen, unaufdringlich überzeugenden Töne, dem auch tragische Töne keineswegs fremd sind." – so wird der Schauspieler und Regisseur Willi Narloch von Volker Wachter*) charakterisiert.
Geboren wurde der heute weitgehend vergessene Künstler am 18. Juli 1910 in Berlin, nach dem Besuch eines Sportgymnasiums hatte er zunächst den Plan, Sportlehrer zu werden. Doch dann entschied er sich für "die Bretter, die die Welt bedeuten" und erwarb sich sein darstellerisches Rüstzeug bei Leopold Jessner1), damals Generalintendant der Schauspielbühnen des "Staatstheaters Berlin"1). Nach der Ausbildung arbeitete Narloch ab 1933 für sieben Jahre als Schauspieler und Oberspielleiter am "Landestheater der Mark Brandenburg" in Luckenwalde. 1940 wurde seine Karriere wegen des 2. Weltkrieges unterbrochen, erst nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft konnte er wieder künstlerisch tätig sein. Ab 1950 war er zwei Jahre lang in Berlin an der "Kleinen Bühne" bzw. "Neuen Bühne"1) engagiert, anschließend gehörte er bis 1968 zum Ensemble des "Maxim-Gorki-Theaters"1).
 
Willi Narloch 1950 in "Der fremde Schatten"
von Konstantin Michailowitsch Simonow
an der "Neuen Bühne" im Berliner "Haus der Kultur"
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000898_044)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 06.11.1950
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Hier konnte Narloch sowohl in Klassikern als auch Stücken der Moderne seine schauspielerische Vielseitigkeit unter Beweis stellen. Im folgenden eine kleine Auswahl der Rollen bzw. Theaterstücke (Quelle (überwiegend) und Link: Wikipedia):
Willi Narloch als …

Willi Narloch als Lickcheese in "Die Häuser des Herrn Sartorius"; Quelle: www.deutschefotothek.de;  (file: df_pk_0004307_022); Datierung: 18.04.1956; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek

Willi Narloch als der Baron in "Bauernliebe"; Quelle: www.deutschefotothek.de;  (file: df_pk_0004602_b_007); Datierung: 12.11.1959; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
… Lickcheese in
"Die Häuser des Herrn Sartorius"
Quelle: www.deutschefotothek.de
(file: df_pk_0004307_022)
Datierung: 18.04.1956
… der Baron in
"Bauernliebe"
Quelle: www.deutschefotothek.de
(file: df_pk_0004602_b_007)
Datierung: 12.11.1959
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Seit Mitte der 1960er Jahre trat Narloch zudem an der Berliner "Volksbühne" auf, so übernahm er seit April 1964 verschiedene Rollen in der deutschsprachigen Erstaufführung von Robert Planchons Bühnenversion von Alexandre Dumas' Klassiker "Die drei Musketiere"1). Ab 1968 war er dann festes Ensemblemitglied der "Volksbühne", gehörte beispielsweise als Großvater zur Besetzung des Schauspiels "Von Riesen und Menschen" von Horst Kleinadam (1968; Regie: Karl Gassauer1)) oder 1969 als Nestor in dem Shakespeare-Drama "Troilus und Cressida"1) (1969, Regie: Hannes Fischer1)). Benno Besson1) besetzte ihn als Wasserverkäufer Wang in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan"1) (1970), seit der Premiere am 13. März 1972 sah man ihn in Christoph Schroths1) Inszenierung von "Kap der Unruhe" von Alfred Matusche1). Zu einer seiner letzten Bühnenrollen zählte 1973 der Advokat in "Vom Furz", dem "Mittelalterlichen Jahrmarktstück" (Regie: Brigitte Soubeyran1)). Seine Paraderolle an der "Volksbühne" war seit der Spielzeit 1963/64 zweifellos der tragische Held Wilhelm Voigt in Hannes Fischers Inszenierung von Carl Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick"1).
 
Seit Ende der 1940er Jahre stand Willi Narloch vor der Kamera, die Regisseure der DEFA wussten sein darstellerisches Potential jedoch kaum zu nutzen. So musste sich der "Charakterkopf" in Kinoproduktionen wie Slatan Dudows Proletarier-Film "Unser täglich Brot"1) (1949), Wolfgang Schleifs Biopic "Die blauen Schwerter"1) (1949) und Paul Verhoevens Märchen-Adaption "Das kalte Herz"1) (1950) mit ungenannten Nebenrollen begnügen. Auch in den nachfolgen Kinofilmen kam er über Chargenrollen nicht hinaus. Um so mehr konnte er seit Anfang der 1950er Jahre auf dem Bildschirm mit zahlreichen tragenden Parts brillieren.
Neben verschiedenen Theateraufführungen oder Gestaltung seiner Bühnenrollen in TV-Inszenierungen war Narloch vor allem in etlichen Komödien Garant für unbeschwerte Fernsehunterhaltung. Zu nennen sind beispielsweise der Maschinenbauer und Familienvater "auf Abwegen" Paul Helm in "Gelegenheit mach Liebe"2) (1959), der Futtermittelhändler und leidgeprüfte Vater zweier Töchter Emil Dobermann in " Die vertagte Nacht"2) (1960) nach dem Schwank von Franz Arnold1) und Ernst Bach1) oder der Autoschlosser Emil Bunze in "Wenn Du denkst der Mond geht unter"2) (1963) bzw. der Fortsetzung "Wenn Du denkst, Du hast'n"2) (1964). Oft konnte Narloch volkstümliche Figuren mit echt berlinerischen Humor verkörpern, so auch grandios als Protagonist und Pferdekutscher Gustav Haferkorn (angelehnt an den historischen Gustav Hartmann1)) in "Eisenjustavs dollste Fuhre"2) (1965). Furore machte Narloch mit der Doppelrolle des Großvaters Gottlieb Dolle und dessen Sohn Willi Dolle in den beiden Staffeln der Serie "Dolles Familienalbum"1) (1969/71), mit der alltägliche Lebensumstände einer Familie erzählt wurden. Einmal mehr konnte der Mime in diesem Quotenrenner, in dem auch Sohn Michael Narloch mitspielte, alle Register seines komödiantischen Könnens ziehen. "Mit Herz und Schnauze und jeder Menge Berliner Humor schildert die ab Ende der 1960er Jahre in der DDR produzierte, neunteilige Serie die abwechslungsreiche Geschichte der Berliner Familie Dolle mit vielen Höhen und Tiefen. (…) Die Serie gehörte in der DDR seinerzeit zu den beliebtesten Fernsehsendungen und ist für alle Ostalgiker ein Muss."3) Einen letzten TV-Auftritt hatte Willi Narloch in dem Schwank "Ein Kugelblitz aus Eberswaldie"2), der am 31. Dezember 1972 über die Bildschirme flimmerte.
Neben seiner umfangreichen Arbeit für Theater, Film und Fernsehen war der Schauspieler ein gefragter Sprecher in zahlreichen Hörspielproduktionen des "Rundfunks der DDR"1). Eine Auswahl der in der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten Stücke mit Willi Narloch findet man hier am Ende des Artikels.

Willi Narloch starb am 18. April 1973 mit nur 62 Jahren nach längerer Krankheit in Berlin. Aus seiner Ehe mit Betty Cramer stammt der 1944 geborene Sohn Michael Narloch1), der in die Fußstapfen seines Vaters trat und ebenfalls den Schauspielerberuf ergriff. Zudem machte er sich einen Namen als Hörspiel-, aber auch Synchronsprecher.

Quellen: Volker Wachter*), "Lexikon der DDR-Stars"**), Wikipedia
*) Artikel von Volker Wachter auf der ehemaligen Webseite defa-sternstunden.de → Memento bei web.archive.org
**) "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 239)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) fernsehenderddr.de
3) Quelle: www.kino.de
   
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(Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch))
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