Elisabeth Orth wurde am 8. Februar 1936 in Wien in eine berühmte Schauspielerfamilie hineingeboren. Ihre Mutter war die legendäre Paula Wessely1) (1907 – 2000), ihr Vater der nicht minder prominente Attila Hörbiger1) (1896 – 1987), der wie sein älterer Bruder Paul Hörbiger1) (1894 – 1981) sowohl auf der Bühne als auch im Film Erfolge feierte. Um nicht mit dem Namen "Hörbiger" Karriere zu machen, nahm Elisabeth später den Mädchennamen ihrer Großmutter mütterlicherseits an – Ehefrau Anna, geborene Orth, des Wiener Fleischermeisters Carl Wessely. Auch ihre beiden jüngeren Schwestern Christiane Hörbiger1) (* 1938) und Maresa Hörbiger2) (* 1945) traten in die Fußstapfen ihrer Eltern und zählen zur ersten Garde deutschsprachiger Schauspielerinnen.
Elisabeth Orth ließ sich am Wiener "Max-Reinhardt-Seminar"2) ausbilden, bereits während des Studiums sammelte sie erste Bühnenerfahrungen am Wiener "Kellertheater", am "Volkstheater"2) (1958 Daisy Durdle in "Sieh' und staune!" von John Patrick) und am "Theater der Courage" (1959 Mrs. Keeney in "Tran" ("Ile") von Eugene O'Neill2)). Engagements unter anderem in Ulm, Bad Hersfeld und Köln schlossen sich an, am Ulmer Theater gestaltete sie beispielsweise 1961 unter der Regie von Peter Zadek die Portia in der Shakespeare-Komödie "Der Kaufmann von Venedig"2), mit Intendant Kurt Hübner erarbeitete sie die Titelrolle in Lessings "Emilia Galotti"2).

Elisabeth Orth am 26. Januar 2007 im "Österreichischen Theatermuseum"
anlässlich der Veranstaltung "König Ottokars Glück und Ende 1955–2005, Eine Gegenüberstellung"
Urheber: Andrea Schaufler; Lizenz: CC BY-SA 3.0; Quelle: Wikimedia Commons

Elisabeth Orth am 26. Januar 2007 im "Österreichischen Theatermuseum" anlässlich der Veranstaltung "König Ottokars Glück und Ende 1955–2005, Eine Gegenüberstellung"; Urheber: Andrea Schaufler; Lizenz: CC BY-SA 3.0; Quelle: Wikimedia Commons
Zwischen 1964 und 1968 war Elisabeth Orth am "Bayerischen Staatsschauspiel"2) verpflichtet, wo sie unter anderem 1966 als Marie in Büchners "Woyzeck"2), als Nora in "Der Pflug und die Sterne" von Seán O'Casey2) und mit der Titelrolle in Goethes "Iphigenie auf Tauris"2) brillierte. Über ihre Interpretation schrieb der Theaterkritiker Joachim Kaiser2) am 3. November 1966 in der "Süddeutschen Zeitung": "Elisabeth Orths Iphigenie war nicht frei von Hochmut. Iphigenie aus besseren Kreisen. Die will einfach keinen Barbarenkönig heiraten. Manchmal schien die Sprache für sie überhaupt mehr ein Instrument, ein "Wollen" zum Ausdruck zu bringen, und nicht Melodie. (…) Hoffentlich wird Frau Orth schon in den nächsten Aufführungen die Freiheit finden, mehr zu wagen. Immerhin hatte sie für den Bezirk, den sie sich gestattete, eine Fülle bewegender Nuancen."*)
Seit der Spielzeit 1969/70 gehört Elisabeth Orth als festes Mitglied zum Ensemble des berühmten Wiener "Burgtheaters"2), bereits am 21. Oktober 1965 hatte sie dort ihren Einstand mit der Figur der Luise in Schillers "Kabale und Liebe"2) in einer Inszenierung von Leopold Lindtberg2) mit Klausjürgen Wussow1) als Partner gegeben. Bis heute blieb die Schauspielerin – obwohl sie zwischenzeitlich 1995 bis 1999 an der Berliner "Schaubühne am Lehniner Platz"2) engagiert war – dem "Burgtheater verbunden, Mitte Februar 2015 wurde sie als Nachfolgerin der ein Jahr zuvor verstorbenen Annemarie Düringer1) (1925 – 2014) zur "Doyenne"2) des Hauses ernannt → kurier.at.
 
Im Laufe ihrer langen Karriere zeigte Elisabeth Orth ihre darstellerische Kunst zudem mehrfach bei den "Salzburger Festspielen", erstmals hatte man sie dort 1969 unter der Regie von Kurt Meisel als Kammermädchen Lieschen in Ferdinand Raimunds romantisch-komischem Zaubermärchen "Der Alpenkönig und der Menschenfeind"2) erleben können – Heinrich Schweiger1) gab den Alpenkönig Astragalus, Josef Meinrad1) verkörperte den reichen Gutsbesitzer Herrn von Rappelkopf. Später sah man sie unter anderem wiederholt (1990 bis 1993) als "Der Glaube" in "Jedermann"2) von Hugo von Hofmannsthal. Erwähnt werden sollte, dass die Mimin Ende der 1960er Jahre im Rahmen einer Tournee durch Deutschland und die Schweiz mit ihren Eltern auf der Bühne stand, in Eugene O'Neills Spätwerk "Fast ein Poet", welches am 1. Mai 1968 auch vom ORF übertragen wurde, erlebte man Attila Hörbiger als trunksüchtigen, tyrannischen ehemaligen Oberst Cornelius Melody, Paula Wessely als dessen verhärmte Ehefrau Nora und Elisabeth Orth spielte die Tochter Sara Melody.
Im folgenden eine Auswahl der Rollen bzw. Stücke, mit denen Elisabeth Orth im Verlauf der Jahrzehnte an den verschiedenen Bühnen Publikum und Kritiker zu überzeugen wusste (wenn nicht anders vermerkt Link: Wikipedia):

Das Rollenrepertoire der Österreicherin, die für ihre genialen Charakterstudien gerühmt wird, ist vielfältig, sie brilliert(e) in Werken der Klassik ebenso wie in Stücken der Moderne und lässt auch im fortgeschrittenen Alter die Kritiker schwärmen. So schrieb Ulrich Weinzierl2) in "Die Welt" (29.10.2001) über die Gestaltung der Königin Elisabeth in Schillers "Maria Stuart": "Dieser Triumph hat einen Namen: Elisabeth Orth ist Elisabeth, Königin von England, in Wien des Dramas eigentliche Heldin. Mit Fug und Recht betritt sie an der Spitze eines zauberischen allegorischen Festzugs die Szene. Was für eine Schauspielerin! Unerschrocken gibt die Orth ihrer Rolle alles &150; das Kokette, das Peinliche, das Spielerische, das Frivole und Gemeine. Mit welch bezwingend natürlicher Musikalität bringt sie, ohne Scham sich selbst entblößend, Schillers Verse zum Tönen! Nein, das ist keine jungfräuliche Königin, sondern eine alternde Frau, die – auch sexuell – geliebt und gelitten hat. Eingezwängt ins Korsett ihres Standes, ihrer Neurosen, bewahrt sie sich die Freiheit der Ironie, des sich nicht Ernstnehmens. Es nützt nichts."*)
  

Elisabeth Orth als Dorfschullehrer in "Die letzten Tage der Menschheit" bei den Salzburger Festspielen 2014; Urheber: Christian Michelides (michelides.peralta.at); Lizenz: CC BY-SA 4.0; Quelle: Wikimedia Commons

Elisabeth Orth als Dorfschullehrer in "Die letzten Tage der Menschheit"
bei den Salzburger Festspielen 2014
Urheber: Christian Michelides → michelides.peralta.at
Lizenz: CC BY-SA 4.0; Quelle: Wikimedia Commons

Aufgaben in Film- und Fernsehen blieben für Elisabeth Orth eher zweitrangig, auf dem Bildschirm erlebte man sie meist in Aufzeichnungen von Theaterproduktionen bzw. ihren Bühnenrollen oder in ambitionierten Literaturverfilmungen. So übernahm sie für Imo Moszkowicz2) die Titelrolle der skythischen Prinzessin in "Actis"5) (1964), gedreht nach dem Roman von Lawrence Durrell2), überzeugte als Titelheldin in "Yerma"5) (1965, in Szene gesetzt von Oswald Döpke2) nach dem gleichnamigen Drama2) von Federico García Lorca. In späteren Jahren zeigte sie sich auch schon mal in TV-Komödien wie "Single Bells"2) (1997) und "O Palmenbaum"2) (2000), in der hochkarätig besetzten französischen Produktion "Marie und Freud"6) (2004, Princesse Marie) verkörperte sie die Martha2), Ehefrau des von Heinz Bennent dargestellten berühmten Psychoanalytikers Sigmund Freud2). Einen kleinen Part spielte sie in den ganz auf Ruth Drexel zugeschnittenen Geschichten "Die Heilerin"7) (2005) und "Die Heilerin 2"7) (2008), tauchte in der "Tatort"-Folge "Der traurige König"2) (2012) und in dem Melodram "Hannas Entscheidung"2) (2012) auf. Zuletzt trat sie in dem von Harald Sicheritz gedrehten Biopic "Clara Immerwahr"2) über die Chemikerin Clara Immerwahr2) als Großmama Immerwahr in Erscheinung.

Sporadisch stand Elisabeth Orth vor der Kino-Kamera, gehörte unter anderem zur Besetzung von Klaus Maria Brandauers Romanverfilmung bzw. Regiedebüt "Georg Elser –Einer aus Deutschland"2) (1987), Stefan Ruzowitzky gab ihr den Part der alten Magd Rosalind, die in dem modernen, preisgekrönten Heimatfilm "Die Siebtelbauern"2) (1998) als Mörderin des Bauern festgenommen wird. Als merkwürdige "Frau Tod" trat sie Urs Odermatts in "Mein Kampf"2) (2009) auf, einer Filmgroteske nach der Vorlage von George Taboris gleichnamigem Theaterstück2) mit Tom Schilling als Adolf Hitler und Götz George als Jude Schlomo Herzl. Zuletzt spielte sie in dem Krimi "Polt."2) (2013) und der Komödie "Über-Ich und Du"2) (2014) mit.
 
 

Elisabeth Orth (stehend) und die frühere österreichische
Politikerin Johanna Dohnal2) im Oktober 2008
Urheber: Manfred Werner / Tsui; Lizenz: CC BY-SA 3.0
Quelle: Wikimedia Commons

Elisabeth Orth (stehend) und die frühere österreichische Politikerin Johanna Dohnal im Oktober 2008 Urheber: Manfred Werner / Tsui; Lizenz: CC BY-SA 3.0; Quelle: Wikimedia Commons
Etliche Hörspiele bedienten sich der tiefen, wandelbaren Stimme der vielseitigen Künstlerin, seit Anfang der 1960er Jahre bereicherte sie vor allem Literaturadaptionen. Beispielsweise wirkte sie in folgenden Produktionen mit (Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung) bzw. Wikipedia):

Die schauspielerischen Leistungen lassen sich an zahlreichen Auszeichnungen ablesen: Bereits 1964 erhielt sie den "Großen Hersfeld-Preis"2) für die Interpretation der Johanna in Schillers "Die Jungfrau von Orleans", im darauffolgenden Jahr wurde sie zur "Bayerischen Staatsschauspielerin" und 1973 zur "Kammerschauspielerin" ernannt. 1979 konnte sie den "Grillparzer-Ring"2) und die "Josef-Kainz-Medaille"2) entgegennehmen. Im neuen Jahrtausend folgten weitere Ehrungen, als Nachfolgerin der ersten Trägerin Judith Holzmeister1) (1920 – 2008) erhielt sie den von Burgschauspielerin Liselotte Schreiner2) (1904 – 1991) gestifteten "Liselotte-Schreiner-Ring" (2001), in gleichen Jahr würdigte man ihr Schaffen, aber auch sozialpolitisches Engagement mit der "Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien"2) in Gold sowie 2006 mit dem "Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien"2) und 2009 mit dem vom Österreichischen "Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur" verliehenen "Bundes-Ehrenzeichen für Toleranz und Menschenrechte" für Orths unermüdlichen Einsatz gegen den Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit in Österreich – sie ist Präsidentin der "Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich" (AgA); ebenfalls 2009 erhielt sie den "ORF Hörspielpreis"2) in der Kategorie "Schauspieler/-in des Jahres".
Elisabeth Orth, ausgezeichnet als "Beste Schauspielerin", und Achim Freyer, ausgezeichnet für sein Lebenswerk, bei der Verleihung des "Nestroy-Theaterpreises 2015" im Ronacher in Wien; Urheber: Manfred Werner / Tsui; Lizenz: CC BY-SA 3.0; Quelle: Wikimedia Commons Nach der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft (Oktober 2014) des Wiener "Burgtheaters" sowie Ernennung zur "Doyenne" (2015) endete das Jahr 2015 mit der Überreichung des "Nestroy-Theaterpreises"2) (02.11.2015 ) als "Beste Schauspielerin" für ihre Darstellung der "Alten" in der Uraufführung (14.12.2014) von Ewald Palmetshofers "die unverheiratete".
  

Elisabeth Orth, ausgezeichnet als "Beste Schauspielerin",
und Achim Freyer2), ausgezeichnet für sein Lebenswerk,
bei der Verleihung des "Nestroy-Theaterpreises 2015" im Ronacher2) in Wien
Urheber: Manfred Werner / Tsui; Lizenz: CC BY-SA 3.0
Quelle: Wikimedia Commons

"Ihren Figuren verleiht Orth jene Vehemenz, die deren Anliegen hör- und sichtbar machen. Orth überzeichnet, ohne zu karikieren und geht damit die Gratwanderung einer besonderen Authentizität und Differenziertheit wie kaum eine andere Schauspielerin. Ihr unverwechselbares Spiel verleiht sowohl ihrem politischen Engagement als auch ihrer persönlichen Überzeugung Ausdruck, dass Theater nie sich selbst genügen darf, sondern stets auch einen gesellschaftlichen Auftrag hat." schrieb die Germanistin und Theaterwissenschaftlerin Julia Danielczyk in dem Artikel "Ein Leben für ein Theater der Courage" (Wochenzeitschrift "Die Furche", 10.02.2011; Quelle: austria-forum.org)
Neben ihren zivilcouragiertem Engagement betätigte sich Elisabeth Orth von 1979 bis 2000 als Autorin in der kulturpolitische Wochenzeitung "Die Furche"2) mit der Kolumne "Nur so am Rande", von 1985 bis 1994 präsentierte sie die ORF-Sendung bzw. Dokumentationen "Schatzhaus Österreich" und brachte dem Zuschauer interessante Plätze und Sehenswürdigkeiten nahe. Ihre von Norbert Mayer2) aufgezeichneten Erinnerungen mit dem Titel "Aus euch wird nie was", der sich auf ein mahnendes Urteil der Mutter bezieht, erschienen Ende Mai 2015 → www.nachtkritik.de. Bereits 1975 hatte die Mimin das Buch "Märchen ihres Lebens – Meine Eltern Attila Hörbiger und Paula Wessely" publiziert, mit dem sie auch die nationalsozialistische Vergangenheit der Eltern aufarbeitete. In dem Essay "An meine Gegend" (1995) schrieb sie unter anderem über ihre Kindheit in Gößl am Grundlsee. Von Klaus Völker2) stammt der 2006 veröffentlichte reich bebilderte Band "… und vorrätig ist dein Herz vor jedem andern" über die künstlerische Entwicklung der Schauspielerinnen Elisabeth Orth und Kirsten Dene2), die für unterschiedliche Epochen in der großen Tradition des Wiener "Burgtheaters" stehen.
  
Bis zu dessen frühen Tod am 27. Mai 1978 war Elisabeth Orth zehn Jahre lang in dritter Ehe glücklich mit ihrem "Burgtheater"-Kollegen Hanns Obonya2) verheiratet, der nur 56 Jahre alt wurde. Der Ende März 1969 geborene gemeinsame Sohn Cornelius Obonya2) machte sich inzwischen ebenfalls als Charakterdarsteller einen Namen. Ihre erste Ehen mit dem Wiener Arzt Herbert Maywald war bereits nach sechs Wochen gescheitert, auch der Verbindung mit dem Schauspieler Friedhelm Ptok2) war kein Glück beschieden. Mit der Regisseurin Andrea Breth verband die überzeugten Feministin nicht nur eine äußerst effektive, enge künstlerische Zusammenarbeit sondern auch viele Jahre lang (bis 2006) eine Lebensfreundschaft.
Quelle (unter anderem*) **)): Wikipedia, www.wien.gv.at, austria-forum.org
sowie  den Artikel "Ein Leben für ein Theater der Courage" bei austria-forum.org
*) Henschel Theaterlexikon (Henschel Verlag, 2010, S. 641/642)
**) Langen Müller's Schauspielerlexikon der Gegenwart (München 1986, S. 729
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 3) grillparzer.at, 4) whoswho.de, 5) Die Krimihomepage, 6) prisma.de, 7) fernsehserien.de
Stand: Oktober 2016
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de

(Link: Wikipedia, Die Krimihomepage, grillparzer.at, Beschreibung innerhalb dieser HP,
fernsehserien.de, deutsches-filmhaus.de, prisma.de)
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