Joachim Rake in "George Dandin" von Molière; (Titelrolle: Uwe Friedrichsen; Tourneetheater 1985) Der Schauspieler Joachim Rake wurde am 12. April 1912 als Hans-Joachim Rake im hessischen Marburg als Sohn eines Pfarrers geboren. Nach dem Abitur machte er zunächst eine Tischlerlehre, nahm dann in Berlin an der Schauspielschule des "Deutschen Theaters" Unterricht bei Heinz Hilpert1). Nebenbei absolvierte er ein Architekturstudium, nahezu zeitgleich gab er 1937 sein Leinwanddebüt. Erste Bühnenerfahrungen machte Rake in Berlin an kleineren Theatern, unter anderem am "Theater der Jugend" und am "Rose-Theater"1), wo er zur Spielzeit 1936/37 in Goethes "Faust II"1) in der "Rittersaal"-Szene mitwirkte. 1938 trat er dann ein Engagement im schlesischen Glogau an, was seine filmische Laufbahn zunächst zum Erliegen brachte. Als der knapp 30-Jährige dann 1941 als Soldat eingezogen wurde, stoppte auch die Theaterkarriere, erst nach Kriegsende konnte er als Künstler wieder Fuß fassen. Rake betätigte sich anfangs als Pianist, ging dann 1947 nach Hamburg, wo er am "Intimen Theater" und an der "Komödie" Arbeit als Schauspieler fand. Mitte der 1950er Jahre gelangte er nach Zürich und wirkte dort auch als Regisseur, 1960 holte ihn Intendant Gustaf Gründgens2) nach Hamburg an das "Deutsche Schauspielhaus"1). Hier erlebte am ihn beispielsweise in "Becket oder die Ehre Gottes" (1960/61) von Jean Anouilh, in der Molière-Komödie "Der eingebildete Kranke"1), die im Dezember 1964 auch im Fernsehen ausgestrahlt wurde, gab er den den Apotheker Monsieur Fleurant.
 

Joachim Rake in "George Dandin"1) von Molière
(Titelrolle: Uwe Friedrichsen2), Tourneetheater 1985)
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Seit 1966 trat Rake verstärkt im Rahmen von Festspielen und Tourneetheatern auf, war aber auch bei Friedrich Schütter am "Jungen Theater", dem späteren "Ernst-Deutsch-Theater"1)) zu sehen, beispielsweise 1969/70 in dem Schwank "Der Floh im Ohr" von Georges Feydeau1), 1977/78 unter anderem neben Walter Giller in der Komödie "Drei Mann auf einem Pferd" von John Cecil Holm und Georg Abbot1) (Regie: Volker Lechtenbrink) oder 1982/83 in Schütters Inszenierung von Bertolt Brechts "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui"1). Rake machte auch einen Ausflug zu den "Karl-May-Spielen" in Bad Segeberg und gab dort 1975 in "Old Surehand" den General Douglas → karl-may-wiki.de.
1992 zog sich der inzwischen 80-Jährige weitgehend von der Schauspielerei zurück, einen letzten Auftritt hatte Rake 1998 am Hamburger "St. Pauli-Theater".
 
Schon früh stand Joachim Rake wie erwähnt vor der Kamera, eine erste Rolle hatte er als Leutnant Torelli in dem Kriegs- und Abenteuerfilm "Alarm in Peking"1) (1937) erhalten. Es folgten weitere Aufgaben, so zeigte er sich unter anderem als Freund des Amerikaners Percy (Viktor de Kowa) in der Komödie "Ich liebe Dich"1) (1938) und als Leutnant Heuser in dem bis heute zu den "Vorbehaltsfilmen"1) zählenden NS-Propagandastreifen "Pour le Mérite"1) (1938).
Im deutschen Nachkriegsfilm tauchte Rake seit den 1950er Jahren in etlichen Produktionen auf, blieb jedoch überwiegend auf Nebenrollen beschränkt. So sah man ihn beispielsweise als Prinz Ali in dem Schlagerstreifen "Die Diebin von Bagdad"1) (1952) an der Seite von Titelheldin Sonja Ziemann, einen kleinen Patz hatte er in dem Rühmann-Film "Keine Angst vor großen Tieren"1) (1953), spielte mit Winnie Markus und Rudolf Prack in dem Melodram "Komm zurück"1) (1953), mit Peter Alexander und Caterina Valente in der musikalischen Geschichte "Liebe, Tanz und 1000 Schlager"1) (1955), gehörte zur Besetzung von Frank Wisbars preisgekrönten Literaturverfilmung "Hunde, wollt ihr ewig leben"1) (1958). In den 1960er Jahren mimte er unter anderem den Lord Avondale in Helmut Käutners, mit Gustaf Gründgens, Liselotte Pulver und Hilde Krahl prominent besetzten Eugène Scribe-Adaption "Das Glas Wasser"1) (1960), stellte den Brennecke in dem Kriegsdrama "Der Teufel spielte Balalaika"3) (1961) dar, einen Buchprüfer in dem Wallace-Krimi "Die toten Augen von London"1) (1961) oder den Butler Dixon in dem James Hadley Chase-Krimi "Wartezimmer zum Jenseits"1) (1964). Ab Mitte der 1960er Jahre wurden Rakes Leinwandauftritte eher selten, für Fritz Umgelter spielte er in dem Jerry Cotton-Krimi "Schüsse aus dem Geigenkasten"1) (1965) einen Campleiter, weitere Krimis in denen er mitwirkte waren die von Alfred Vohrer in Szene gesetzten Produktionen "Sieben Tage Frist"1) (1970) und "Perrak"1) (1970). Zu Rakes letzten Arbeiten für das Kino zählte die Simmel-Verfilmung "Der Stoff, aus dem die Träume sind"1) (1972) und die Komödie "…aber Jonny!" (1973) mit Horst Buchholz, wo er jedoch nur eher unbedeutende Rollen spielte.
 
Seit Anfang der 1950er Jahre betätigte sich Rake zudem umfangreich für das Fernsehen, war auch hier in Komödien, Literaturverfilmungen und Krimis sowie mit Gastrollen, aber auch durchgehenden Rollen in etlichen Serien zu sehen. So präsentierte er sich unter anderem neben Protagonist Günter Pfitzmann als Carletti in der ersten Staffel der legendären Krimi-Serie "Gestatten, mein Name ist Cox!"2) (1961) und als Direktor Evers in den Storys "Zirkus meines Lebens"4) (1968), um dann in "Lautlose Jagd"5) eine seiner eher seltenen Hauptrollen zu übernehmen. Die 1. Staffel der 13 rund 25-minütigen Folgen wurde ab Anfang September 1966 im Regionalfernsehen des WDR ausgestrahlt, erzählt werden die Erlebnissen des Jagdaufsehers Poelzig, der es überwiegend mit Wilderern als Gegenspielern zu tun hat; gedreht wurde unter anderem in der Eifel und in der Lüneburger Heide, die 2. Staffel startete dann am 7. Januar 1970. Danach trat Rake als Hotel-Empfangschef in der Serie "Duell zu Dritt"5) (1971) in Erscheinung.
Dazwischen lagen Einzelproduktionen, oft mit historischen Hintergrund, wie beispielsweise das Dokumentarspiel "Die letzte Reise des Kapitän Scott"5) (1966) mit der Figur des Leutnants Evans und der Oberst Zabotin in "Der Verrat von Ottawa"5) (1966) um den sowjetischen Kryptografen an der Kanadischen Botschaft in Ottawa Igor Sergejewitsch Gusenko1) (Werner Bruhns), der die sowjetischen Spionage-Aktivitäten zur Erlangung nuklearen Know-hows aufdeckte. Rake war der Chefingenieur Axley in dem Zweiteiler "S.O.S. –  Morro Castle"4) (1966), mit dem der Unglücksfall des amerikanischen Luxus-Kreuzschiffs "Morro Castle"1) thematisiert wurde, das im September 1934 während der Überfahrt von Havanna nach New York mit 318 Passagieren an Bord auf hoher See in Brand geriet. In "Der Röhm-Putsch"1) (1967) stellte Rake einen Reichswehrgeneral dar, in dem Dreiteiler "Affäre Dreyfus"4) (1968) den französischen Politiker und zeitweiligen Kriegsminister Godefroy Cavaignac1) → Dreyfus-Affäre1). Weitere Dokumentarspiele waren unter anderem "Friedrich Ebert –  Geburt einer Republik" (1969) mit Kurd Pieritz1) als Sozialdemokrat Friedrich Ebert1) und Rake als umstrittener Politiker Emil Barth1), "Jacques Offenbach –  Ein Lebensbild" (1969) und "Marinemeuterei 1917"1) (1969). In "Der irische Freiheitskampf" (1969; Regie: Wolfgang Schleif) verkörperte er den englischen König George V.1), in "Claus Graf Stauffenberg" (1970; Regie: Rudolf Nussgruber) mit Horst Naumann in der Titelrolle des Widerstandskämpfers Claus Schenk Graf von Stauffenberg1) den Major Ernst John von Freyend1), Augenzeuge des Attentats vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler1). Rake spielte mit Wolfgang Büttner (Jean Jaurès1)) und Ernst Jacobi (Raoul Villain1)) in "Der Tod des Deputierten Jean Jaurès" (1970), mit Ferdy Mayne (Joseph Fouché1)) in "Der Polizeiminister 1759–1820 Joseph Fouché" (1970) und gab dessen Nachfolger Anne-Jean-Marie-René Savary1), in "Flucht –  Der Fall Münzenberg" (1971) mit Kurt Jaggberg als deutschem Kommunisten, Verleger und Filmproduzenten Willi Münzenberg1) sah man ihn als Kommissionsmitglied Palmiro Togliatti1).
 
In der folgenden Zeit trat Joachim Rake fast ausschließlich mit Gastrollen in Serien wie "Hamburg Transit",  "Sonderdezernat K1" oder "Im Auftrag von Madame" in Erscheinung, in den beginnenden 1980er Jahren stand er nur noch wenige Male vor der Kamera. Mit einem kleinen Part gehörte er zur Besetzung der "Tatort"-Folge "Hände hoch, Herr Trimmel!"1) (1980), in der Vorabendserie "Der Fuchs von Övelgönne"5) (1981) agierte er neben Hauptdarsteller Herbert Fleischmann, der den auf das Seerecht spezialisierten Rechtsanwalt Dr. Herbert Niessen spielte, als Kapitän Henning, in der 25-minütigen Actionserie "Kreisbrandmeister Felix Martin"4) (1982) hatte Rake als Fred Achtern an der Seite von Protagonist Wolfgang Kieling seine letzte durchgehende Serienrolle. Mit einer Episodenrolle in "Was macht der Mensch nach Feierabend" (EA: 09.11.1989) aus der beliebten Familienserie "Zwei Münchner in Hamburg"1) verabschiedete sich Rake endgültig von seinem Fernsehpublikum.
Neben seiner umfangreichen Arbeit für Theater, Film und Fernsehen arbeitete der Schauspieler auch als Synchronsprecher sowie für etliche Audio-Produktionen bzw. Hörspiele des Labels EUROPA, war beispielsweise der Erzähler des Märchens "Die kleine Seejungfrau" von Hans-Christian Andersens und von Johanna Spyris "Heidi" oder der König in "Frau Holle". Er wirkte in verschiedenen Geschichten von "Die drei ???", "Fünf Freunde" und "TKKG" mit oder sprach verschiedene Figuren in "Karl May"-Einzelhörspielen → www.hoerspielland.de, Wikipedia.
 
Joachim Rake, Vater von zwei Kindern, starb am 18. Februar 2000 im Alter von 87 Jahren in einem privaten Pflegeheim im niedersächsischen Hollenstedt. Wenige Wochen zuvor hatte er einen Sturz aus dem Bett erlitten, von dem er sich nicht mehr erholte.
Von der "Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger" (GDBA) wurde Rake das "Große goldene Ehrenzeichen" verliehen.
Siehe auch Wikipedia
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 3) filmportal.de, 4) fernsehserien.de, 5) Die Krimihomepage
       
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Die Krimihomepage, Beschreibung innerhalb dieser HP, fernsehserien.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
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