Aribert Wäscher
Aribert Wäscher wurde am 1. Dezember 1895 in Flensburg geboren; nach einer Ausbildung zum Schauspieler begann er 1919 in Berlin seine Bühnenlaufbahn am "Kleinen Theater", ein Jahr später wechselte er an das "Deutsche Theater", wo er bis 1923 wirkte. Danach kam er an das "Lustspielhaus", 1924 an die "Volksbühne" und über die "Barnowsky-Bühnen" (1925 – 1926) schließlich an das "Staatstheater", welches bis Ende des 2. Weltkrieges seine künstlerische Heimat wurde. Nach 1945 gehörte er von 1946 bis 1950 zum Ensemble des "Deutschen Theaters", spielte außerdem ab 1947 ein Jahr lang am "Renaissance-Theater" und trat seit 1950 bzw. 1951 unter anderem am "Schillertheater" auf.
Im Verlaufe seiner Karriere avancierte Wäscher nicht nur auf der Bühne zu einem der bedeutendsten Charakterdarsteller Deutschlands. Sein Repertoire umfasste die schleimigen Heuchler, die öligen Gauner, die feisten Schwindler, die brutalen Erpresser und auch in komischen Rollen lauerte bei ihm meist etwas Abgründiges, Dämonisches, Bösartiges dahinter. Zu seinen herausragenden Shakespeare-Verköperungen zählte unter anderem der Oberkämmerer Polonius in "Hamlet" oder der Narr in "Was Ihr wollt", er beeindruckte als Patriarch von Jerusalem in Lessings "Nathan der Weise" und seine Molière-Interpretationen wie "Der Geizige" und "Tartuffe" waren ebenso einmalig wie der Vater Schigolch in Wedekinds Tragödie "Lulu".
 
Ungeheure Popularität erlangte Wäscher durch seine meist prägnanten Nebenrollen in zahlreichen Kinoproduktionen, sein Leinwanddebüt hatte er 1920 in dem stummen Streifen "Das Fest der schwarzen Tulpe" sowie ein Jahr später in Gerhard Lamprechts "Der Friedhof der Lebenden" (1921) gegeben. In den folgenden Jahren erschien er in weiteren Produktionen wie "Frauenbeichte" (1921), "Die Verrufenen" (1925) oder "Geliebte des Gouverneurs" (1927). Doch vor allem im Tonfilm konnte er seine schauspielerische Vielseitigkeit beweisen, nuancenreich mimte er Gauner jedweder Couleur, feiste Lebemänner oder verfettete Bürokraten. Am stärksten im Gedächtnis geblieben ist wohl sein chinesischer Oberrichter in Gerhard Lamprechts Literaturverfilmung "Prinzessin Turandot"1) (1934) oder die Figur des Thebener Kriegsministers in Reinhold Schünzels musikalischen Komödie "Amphitryon"2) (1935), unvergessen der unberechenbare, misstrauische, zaristische Großgrundbesitzers Michael Iwanowitsch Murakin in dem Zarah-Leander-Film "Es war eine rauschende Ballnacht"2) (1939). Auch in den nachfolgenden Jahren blieb Wäscher ein vielbeschäftigter und beliebter Darsteller beim Film, so stand er unter anderem als Spezereiwarenhändler Nievergelt zusammen mit Heinz Rühmann für Helmuth Käutners Gottfried Keller-Adaption "Kleider machen Leute"2) (1940) vor der Kamera, mimte den galanten Landgraf in dem ersten Farbfilm "Frauen sind doch bessere Diplomaten"2) (1941) an der Seite von Marika Rökk und Willy Fritsch oder den Dr. Bartholo in der Beaumarchais-Adaption "Ein toller Tag"2) (1945), eine Komödie, die allerdings erst Ende September 1954 zur Uraufführung gelangte.
Im Nachkriegsfilm zeigte sich Wäscher nicht mehr so häufig, mimte beispielsweise in Robert A. Stemmles Satire "Berliner Ballade"2) (1948) den Anton Zeithammer oder wirkte mit kleineren Parts in Unterhaltungsstreifen wie "Eva im Frack"2) (1951) mit. Leni Riefenstahls Berg-Melodram "Tiefland"2) nach Eugen d'Alberts gleichnamigen Oper mit der Regisseurin in der weiblichen Hauptrolle der Betteltänzerin Martha gelangte nach jahrelanger Vorbereitung am 11. Februar 1954 zur Uraufführung, neben Bernhard Minetti als Don Sebastian gab Aribert Wäscher dessen Verwalter Camillo. Ein einziges Mal zeigte sich der Schauspieler auch in einer internationalen Kinoproduktion und überzeugte mit der Figur des Westagenten Halendar neben James Mason und Claire Bloom in Carol Reeds Politthriller "The Man Between"2) (1953, Gefährlicher Urlaub). Letztmalig trat er in dem melodramatischen Krimi "Ein Mann vergisst die Liebe" (1955) in einer Kinoproduktion in Erscheinung. Danach konzentrierte er sich in seinen letzten Lebensjahren ausschließlich auf seine Arbeit am Theater.
 
Neben seiner umfangreichen Arbeit für Theater und Film machte sich der Schauspieler auch als Schriftsteller und Feuilletonist einen Namen: Bereits 1939 veröffentlichte er "Gedanken nach 2 Uhr nachts", es folgten die Erzählungen "Der unzufriedene Riese" (1940), die Gedichtbände "Unter den Sternen" (1947), "Ich mach mir meinen Vers" (1956) und "Zuhaus im lieben Leben" (1957), seine Glossen und Betrachtungen "Das ist das Schöne an den Frauen" erschienen 1951. Außerdem stammen die Bühnenstücke "Götter unter sich" (1930) und "Die zärtliche Gattin" aus seiner Feder.

Aribert Wäscher, dessen Leistungen 1955 mit dem "Bundesverdienstkreuz 1. Klasse" gewürdigt worden waren, starb am 14. Dezember 1961 nach langer schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren in Berlin, nachdem er schon zwei Jahre lang nicht mehr hatte auftreten können. Zum letzten Male sahen die Berliner den Charakterschauspieler in dem Stück "Unter dem Milchwald" von Dylan Thomas auf der Bühne des Berliner "Schillertheaters": Schon ein todkranker Mann, sein Leiden erlaubte ihm das Stehen nicht mehr, und seine Rolle war stumm. Das Dunkel des Bühnenbildes ließ ihn kaum erkennbar werden, aber seine Leidenschaft zum Theaterspielen war so unbändig, dass er sich auch damit begnügte, wenn er nur überhaupt auf der Bühne sein durfte.
Aribert Wäscher war seit 1954 mit der Schauspielerin Gudrun Genest3) (1914 – 2013) verheiratet. Aus einer früheren Verbindung stammt ein Sohn, der ebenfalls Aribert Wäscher heißt.
Die letzte Ruhe fand der Schauspieler auf dem Städtischen Friedhof in Berlin-Dahlem → Foto der Grabstelle bei knerger.de.

Siehe auch www.cyranos.ch und Wikipedia, filmportal.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Murnau Stiftung, 2) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung)
Stummfilme
  • 1920: Das Fest der schwarzen Tulpe
  • 1921: Der Friedhof der Lebenden
  • 1921: Die Beichte einer Ausgestoßenen
  • 1921: Die Beichte einer Mutter
  • 1925: Die Verrufenen
  • 1925: Hanseaten
  • 1926: Wie bleibe ich jung und schön – Ehegeheimnisse
  • 1926: Menschen untereinander
  • 1926: Der Kreuzzug des Weibes
  • 1927: Die Geliebte des Gouverneurs
  • 1928: Sechs Mädchen suchen Nachtquartier
  • 1928: Die Dame und ihr Chauffeur
  • 1928: Der fesche Husar
  • 1928: Prinzessin Olala
  • 1928: Der Raub der Sabinerinnen
  • 1929: Katharina Knie
Tonfilme
Noch: Tonfilme
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