Die Schauspielerin und Entertainerin Marianne Wünscher erblickte am 30. Dezember 1930 in Berlin das Licht der Welt und stammte aus einfachen Verhältnissen. Die Eltern, ein ehemaliger Geigenbauer und eine Köchin, betrieben in Berlin-Frohnau eine Wäscherei und Plätterei, in der die kleine Marianne schon als Kind mit zur Hand gehen musste. Sie besuchte eine Grund- und Oberschule, entschied sich dann für einen künstlerischen Beruf und ließ sich ab 1947 zwei Jahre lang an der von Fritz Kirchhoff1) geleiteten Schauspielschule "Der Kreis"1) in Berlin-Halensee entsprechend ausbilden. Zwischen 1950 und 1951 vertiefte sie ihre Studien am "Marie-Borchardt-Studio" und beendete die Berufsausbildung am 4. Februar 1951 mit der "Bühnenreifeprüfung" bzw. dem Diplom als "staatlich anerkannte Schauspielerin. Bereits zu dieser Zeit arbeitete Marianne Wünscher aus finanziellen Gründen beim Berliner Rundfunk als Nachrichten- und Hörspielsprecherin.
Marianne Wünscher mit Ehemann Wolfgang Pietsch1) (1929–1974); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_mo_0001075_002); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Barbara Morgenstern; Urheber: Barbara Morgenstern; undatiertes Foto; Quelle: www.deutschefotothek.de Ihr Bühnendebüt gab sie am 7. Mai 1951 am "Deutschen Theater" mit der Rolle der Monika in dem Lustspiel "Baller kontra Baller" von Karl Veken in einer Inszenierung von Inge von Wangenheim. Zur Spielzeit 1951/52 wechselte sie an das "Theater am Schiffbauerdamm " und konnte 1953 in Gogols Komödie "Die Heirat"1) mit der Rolle der wohlhabenden Kaufmannstochter Agafia erste Aufmerksamkeit erregen. Als Intendant Fritz Wisten1) 1953/54 die Leitung der neu eröffneten "Volksbühne Berlin" am heutigen Rosa-Luxemburg-Platz übernahm, ging sie mit ihm und gehörte dem Ensemble bis zu ihrem Tod an. Nach anfänglich kleineren Parts erhielt Marianne Wünscher mit der Zeit größere Aufgaben, etwa als Goldonis "Mirandolina"1) (1964; Regie: Ottofritz Gaillard1)), als Hausbesitzerin Mi Tzü in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan"1) (1970, Regie: Benno Besson1)) oder als Mutter Wolffen in Hauptmanns "Der Biberpelz"1) (1980; Regie: Helmut Straßburger / Ernstgeorg Hering1)), eine Inszenierung, welche 1983 auch im Fernsehen ausgestrahlt wurde.
 
Marianne Wünscher mit Ehemann Wolfgang Pietsch1) (1929–1974)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_mo_0001075_002)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Barbara Morgenstern;
Urheber: Barbara Morgenstern; undatiertes Foto;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Sie glänzte in Stücken wie in Shakespeares Komödie "Die lustigen Weiber von Windsor"1) (1967), Emil Rosenows volkstümlichem Lustspiel "Kater Lampe"1) (1973), der Groteske "Familie tót" von István Örkény1) (1974), Gerhart Hauptmanns Dramen "Die Ratten"1) (1985) und "Der rote Hahn"1) (1987) oder spielte mit Hans Teuscher ab 1985 in der Klein-Revue "Was soll das ganze Theater?" von Peter Ensikat1) (Text) und Bernd Wefelmeyer1) (Musik). "Als eine ihrer interessantesten Aufgaben bezeichnet die Künstlerin selbst einmal das asoziale Mädchen Emmi aus der Tragödie "Ravensbrücker Ballade" (1961; Regie: Fritz Wisten1)) von Hedda Zinner1), deren Schicksal sie durch unsentimentales, wirklichkeitsnahes Spiel nachempfindet." konnte man bei der nicht mehr existenten Website defa-sternstunden.de lesen.
 
"Die dralle bis füllige, aber dabei ungemein charmante Schauspielerin entwickelte sich mit den Jahren in komischen wie in ernsten Rollen zu einer echten Volksschauspielerin"*), wurde nicht zuletzt wegen ihrer zahlreichen markanten Film- und Fernsehauftritte vom Publikum geliebt. Ihr Leinwanddebüt hatte sie 1954 mit dem kleinen Part eines "drallen Mädchens" in Arthur Pohls Fritz Reuter-Adaption "Kein Hüsung"1) gegeben, stand in den kommenden drei Jahrzehnten regelmäßig, meist mit prägnanten Nebenrollen vor der Kamera. Mehrfach trat sie ab Mitte der 1950er Jahre in den satirischen "Stacheltier"-Kurzfilmen1) in Erscheinung und konnte hier ihr komödiantisches Talent voll ausleben. Sie charakterisierte beispielsweise in Martin Hellbergs Schiller-Verfilmung "Kabale und Liebe!"1) (1959) die Frau des Stadtmusikanten Miller (Martin Hellberg). Überwiegend waren es jedoch Komödien und Lustspiele, in denen sie sich "oft in Rollen exaltierter Damen auf Männerfang, wie in dem Musical "Geliebte weiße Maus"1) (1964) oder der Heiratsschwindlergeschichte "Ein Lord am Alexanderplatz"1) (1967)"*) in Szene zu setzen wusste. "Immer war da ein Charakter, der aufhorchen und hinsehen ließ, wurde da eine Kunstfigur zur Persönlichkeit, mit der im Guten und im Bösen umzugehen war, die ihr eigenes Leben gewann, heiter und pfiffig, traurig und bedrückt, zumeist aber doch bereit und fähig, Klippen des Daseins zu meistern." schreibt Christoph Funke in seinem Buch "Marianne Wünscher. Ansichten und Absichten einer Schauspielerin" (1987).**)
  
Auch auf dem Bildschirm blieb sie ihrem Image treu, mimte Mägde oder Dienstmädchen und immer wieder Tanten, Mütter und Großmütter aus dem einfachen Volk, erspielte sich so einen gewissen Status als "Mutter der Nation". Eindrucksvoll ist ihre Charakterstudie der Magd Sina in Helmut Sakowskis fünfteiligem Fernsehroman "Verflucht und geliebt"2) (1981), und im selben Jahr macht sie durch ihre einfühlsame, zärtlich-komische Darstellung eines Dienstmädchens gemeinsam mit Wolf Kaiser das Kammerspiel "Casanova auf Schloß Dux" zu einer Sternstunde des Fernsehens. "In vielen Fernsehspielen verkörperte Marianne Wünscher Frauen, die wohl verschroben waren, eigensinnig, auch mal hartnäckig verquer, und doch eine Botschaft übermittelten, tapfer zu bleiben, das Heitere, Verschmitzte sozusagen aus dem Feuer von Traurigkeit und Scheitern zu reißen, sich dem Dasein zu stellen, ganz, mit allen sinnlichen Möglichkeiten." (Christoph Funke, 1990)*). Beispielsweise erfreute sie das Publikum als Tante Elsbeth in der vierteiligen heiteren Geschichte "Aber Vati!"1) (1974/1979) um einen Witwer (Erik S. Klein) mit Zwillingen, als Oma Ingelore Rechlin, die in dem Zweiteiler "Familie Rechlin"1) (1982) trotz Mauerbau die Familie zusammenhalten will, oder als Ehefrau des Försters Gottlieb Wunderlich (Kurt Böwe) in der ebenfalls auf zwei Teile ausgelegten Karl May-Adaption "Das Buschgespenst"1) (1986). Ein Meisterstück gelingt ihr im "blauen Krokodil" (1990), einer der Schwänke um die "Drei reizenden Schwestern"1), wo sie in verschiedenen Rollen zu erleben ist.3)
Darüber hinaus war die Mimin eine begehrte Sprecherin, die in zahlreichen Hörspielen mitwirkte → Auswahl bei Wikipedia.
  
Wünschers Beliebtheit basierte aber auch auf eigens auf sie zugeschnittenen TV-Sendungen wie "Hand aufs Herz" oder "Chansons mit Marianne", vor allem unter dem Einfluss ihres zweiten Mannes, dem Komponisten Wolfgang Pietsch, hatte sie sich die als "mollige Institution in Film und Fernsehen der DDR" bezeichnete Künstlerin einen Namen als ausdrucksstarke Chanson-Interpretin gemacht. Ihre literarisch-musikalischen Programme fanden großen Anklang, etwa in dem der "Volksbühne" angegliederten "Theater im III. Stock", wo sie beispielsweise mit Fritz  Decho1) und Winfried Wagner das Programm "Der vermummte Herr und ein Anderer" (1969) mit Gedichten, Liedern und Aphorismen von Frank Wedekind (u.a. "Der Tantenmörder") und Gerhard Branstner1) gestaltete.
Für ihre Leistungen wurde Marianne Wünscher mehrfach ausgezeichnet, 1971 erhielt sie den "Kunstpreis der DDR"1), 1974 und 1976 kürte man sie zum "DDR-Fernsehkünstler des Jahres". Den "Nationalpreis der DDR II. Klasse"1) konnte sie 1977 entgegennehmen, zuletzt ehrte man sie 1983 mit dem "Vaterländischen Verdienstorden in Bronze"1).
 
Die politisch engagierte Künstlerin übernahm zwischen 1977 und 1981 für die LDPD (Liberaldemokratische Partei Deutschlands), der sie 1971 als Mitglied beigetreten war, ein Mandat als Abgeordnete der Berliner Stadtverordnetenversammlung. 1981 wählte man sie für fünf Jahre als Nachfolgekandidatin in die "Volkskammer" der DDR.
Marianne Wünscher starb am 9. August 1990 mit nur 59 Jahren in Berlin (Ost); die letzte Ruhe fand sie auf dem dortigen Friedhof (Grablage: Abt. 39–I–35) im Ost-Berliner Stadtbezirk Pankow, wo sie Jahrzehntelang in der "Heinrich-Mann-Straße" gelebt hatte → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Ihre 1949 geschlossene Ehe mit dem wesentlich älteren Schauspieler, Regisseur und Intendanten Gottfried Herrmann1) (1915 – 1961 war nur von kurzer Dauer und endete 1953 vor dem Scheidungsrichter; der gemeinsame, 1952 geborene Sohn Thomas arbeitete später als Redakteur beim DFF (Fernsehen der DDR). 1963 ehelichte Marianne Wünscher den Komponisten Wolfgang Pietsch1), bis zu seinem Tod im Jahre 1974 musikalischer Leiter der "Volksbühne"; aus dieser Verbindung ging mit Sohn Moritz (geb. 1963) ein weiteres Kind hervor.
 
Neben dem erwähnten Buch "Marianne Wünscher. Ansichten und Absichten einer Schauspielerin" (1987) von Christoph Funke kann man auch etwas über die beliebte Schauspielerin in der Portrait-Sammlung "SpurenSuche – Frauen in Pankow" erfahren.
Quellen (unter anderem)*): Wikipedia, www.berlin.friedparks.de sowie
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 17**)
*) F.-B. Habel & Volker Wachter: Lexikon der DDR-Stars (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 1999, S. 370/71)
**) CineGraph LG 17 mit den Quellen:
  • Inge Nössig: Marianne Wünscher. In: Renate Seydel (Hg.):Schauspieler (Berlin/DDR: Henschel, l966, S. 187–189)
  • Ingeborg Pietzsch: Marianne Wünscher. In: Renate Seydel (Hg.): Schauspieler. 2. Aufl.(Berlin/DDR: Henschel, 1974, S. 293–295)
    3. Aufl. 1976, S. 307–309; 4. Aufl. 1980, S. 326–329
  • Heinz Hofmann: Der eigene Beitrag. (Gespräch) In: "Filmspiegel", Nr. 14 (1979)
  • Gisela Hoyer: Marianne Wünscher – Aus ganzer Kraft leben. (Gespräch) In: "Film und Femsehen", Nr. 2 (1984, S. 7–10)
  • Christoph Funke: Marianne Wünscher. Ansichten und Absichten einer Schauspielerin. (Berlin/DDR: Buchverlag "Der Morgen", 1987, 100 Seiten, illustriert)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) fernsehserien.de
Quelle: 3) defa-sternstunden.de (Seite nicht mehr abrufbar)
Filme
Kinofilme / Das Stacheltier / Das Film-Magazin / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de,  defa.de, .fernsehenderddr.de, fernsehserien.de)
Kinofilme Das Stacheltier (Kurzfilme) Das Film-Magazin Fernsehen (Auswahl)
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