Anneliese Rothenberger wurde am 19. Juni 1926 als Tochter eines Kaufmanns in Mannheim geboren. Nach einem Musikstudium an der Musikakademie ihrer Geburtsstadt, unter anderem bei der renommierten Richard-Strauss-Sängerin Erika Müller sowie bei verschiedenen Privatlehrern, erhielt sie 1943 ein erstes Engagement am Stadttheater von Koblenz, wo sie nicht nur als Gesangsinterpretin, sondern auch als Schauspielerin auf der Bühne stand. Knapp drei Jahre später folgte sie einem Ruf des damaligen Intendanten Günter Rennert an die "Hamburger Staatsoper", avancierte schnell zu einer der herausragendsten Sopranistinnen ihrer Generation. Bis 1956 gehörte Anneliese Rothenberger zum Ensemble der "Hamburger Staatsoper", danach blieb sie bis 1973 dem Haus durch regelmäßige Gastauftritte verbunden, Zu ihren großen Hamburger Glanzrollen gehörte beispielsweise 1967 die Titelpartie in Alban Bergs "Lulu"1), die neben der Konstanze in Mozarts "Die Entführung aus dem Serail"1) und der Sophie in "Der Rosenkavalier"1) von Richard Strauss zu ihren "Paraderollen" zählte.
Eine weitere Station ihrer Laufbahn wurde dann für zwei Jahre die " Deutsche Oper am Rhein" Düsseldorf-Duisburg, 1958 ging sie an die " Wiener Staatsoper", wo sie bereits seit 1953 gastiert hatte.

Foto: © Rainer Binder
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Anneliese Rothenberger 01
Seit Mitte der 1950er Jahre begeisterte Anneliese Rothenberger auch jedes Jahr bei den Salzburger Festspielen, hatte dort beispielsweise 1954 in der Uraufführung der Oper "Penelope" von Rolf Liebermann gesungen oder 1957 bei dessen Premiere "Schule der Frauen"1) die Partie der Agnes interpretiert. An weiteren Salzburger "Höhepunkten" sind 1956 und 1963 die Papagena in Mozarts "Die Zauberflöte"1) zu nennen, 1958 die Zdenka in "Arabella"1) von Richard Strauss, 1959 die Clarissa in Haydns "Die Welt auf dem Monde"1) oder ab 1960 die Sophie in der Richard-Strauss-Oper "Der Rosenkavalier", eine Rolle, in der sie fünf Jahre lang brillierte und die unter Herbert von Karajan als Meilenstein der Oper gilt. Das internationales Renommee der Rothenberger zeigte sich in unzähligen Auftritten an so bedeutenden Bühnen wie der Mailänder "Scala", wo sie als einzige deutsche Sängerin das Angebot erhielt, die "Traviata"1) zu singen. An der New Yorker "Metropolitan Opera" riss sie beispielsweise 1960 auch das amerikanische Publikum in "Arabella" zu Begeisterungsstürmen hin; sechs Spielzeiten lang stand sie an der "Met" auf der Bühne, gestaltete dort unter anderem die Susanna in Mozarts "Figaros Hochzeit"1), die Sophie im "Rosenkavalier", die Adele in der Strauss'schen "Fledermaus"1) oder den Pagen Oscar in Verdis "Ein Maskenball"1). Glanzvolle Konzert-Tourneen führten die Sopranistin an die Musikmetropolen rund um den Globus, man feierte ihre wunderschöne Stimme in Europa ebenso wie in Nord- und Südamerika; 1970 beispielsweise unternahm sie eine triumphale Gastspielreise durch die ehemalige UDSSR, 1972 reiste sie drei Wochen durch Japan.
Anneliese Rothenberger als Dolly mit Johannes Heesters (Dr. Roger Fleuriot) in "Meine Schwester und ich" (1956); Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR Einem breiten Publikum wurde Anneliese Rothenberger mit Auftritten in zahlreichen Rundfunk- und Fernsehsendungen, aber auch mit einigen Spielfilmen bekannt. Breits 1951 war sie als Sängerin in Géza von Cziffras "Die Verschleierte Maja" aufgetreten, 1952 sah man sie in dessen "Der Bunte Traum," sowie 1954 in Karl Antons "Clivia"; 1955 spielte sie auch in der britischen Film-Version von "Die Fledermaus" (Oh… Rosalinda!!) die "Adele" und im Fernsehen konnte man sie 1956 mit der Rolle der "Dolly Fleuriot" in Ralph Benatzkys musikalischem Singspiel "Meine Schwester und ich" unter der Regie von Franz Peter Wirth an der Seite von Johannes Heesters hören und sehen. 1962 stand sie für Paul Czinners Film-Adaption von "Der Rosenkavalier" zusammen mit Elisabeth Schwarzkopf sowie Otto Edelmann vor der Kamera und sang ihre berühmte Rolle der "Sophie".
 
Schon während ihrer Hamburger Zeit war die Künstlerin oft im Rundfunk präsent, seit Anfang der 1970er Jahre konnte man die stets elegant wirkende Anneliese Rothenberger in zahlreichen Unterhaltungssendungen auf dem Bildschirm erleben und mit ZDF-Shows wie "Das Sonntagskonzert", "Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre"1), "Anneliese Rothenberger stellt sich vor…" oder "Traumland Operette", in der sie unter anderem auch junge, noch unbekannte Sängerinnen und Sänger vorstellte, erreichte sie eine ungeheure Zuschauerresonanz und brachte die sogenannte E-Musik auch solchen Menschen nahe, die nicht unbedingt zu dem Kreis klassischer Musikanhänger zählten; von einigen Kritikern wurde ihr Ausflug in die leichte Unterhaltung jedoch "geächtet", andere wiederum bewerteten diesen Schritt positiv.
 
Foto: Anneliese Rothenberger als Dolly
mit Johannes Heesters (Dr. Roger Fleuriot) in "Meine Schwester und ich" (1956)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR
Zahllose Schallplatten und CDs  zeugen darüber hinaus von den großen Erfolgen der weltberühmten Sopranistin, die sich sowohl im Koloraturgesang als auch im Vortrag lyrischer Rollen ausgezeichnete. Die als "erfolgreichste deutsche Sängerin der Nachkriegszeit" gefeierte Anneliese  Rothenberger erhielt zahlreiche Würdigungen für ihre herausragende Stimme bzw. ihr Lebenswerk: Die Kammersängerin war unter anderem Trägerin des "Bundesverdienstkreuzes I. Klasse" (1966), des "Großen Bundesverdienstkreuzes" (1976) für "hervorragende Verdienste um das Ansehen des deutschen Kulturschaffens im Ausland" sowie der "Max-Reinhardt-Plakette". Sie erhielt zahlreiche Medienpreise, zwei Mal den "Goldenen Bildschirm"1), zwei "Goldene Bambis"1) sowie die "Goldene Kamera"1), im Oktober 2003 wurde ihr der "Echo Klassik 2003"1) für ihr Lebenswerk verliehen; siehe Liste der Auszeichnungen bei Wikipedia.
Auch nach dem krankheitsbedingten Abschied von der Bühne Mitte/Ende der 1980er Jahre blieb Anneliese Rothenberger stets der klassischen Musik verbunden und engagierte sich aktiv für den sängerischen Nachwuchs; so veranstaltete sie beispielsweise auf der Bodenseeinsel Mainau im Rahmen des dort angesiedelten Europäischen Kulturforums den "Anneliese Rothenberger Nachwuchswettbewerb". 
Rothenbergers Sopran war stets ein ein zartes Instrument, nicht sehr belastbar und auch nicht im Verlauf der Jahre sich entwickelnd, ihre Stimme verharrte eigentlich immer auf der Schwelle zwischen Soubrette und lyrischem Sopran und wurde durch die Natur in ihrem Ausdrucksspektrum begrenzt. Es verwundert nicht, dass eine so überlegene Künstlerin mit diesem ihr erreichbaren schmalen Rollenbereich nicht zufrieden sein konnte; ihre weitgespannte Tätigkeit in den Massenmedien muss insofern als Kompensation betrachtet und verstanden werden.
2)

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Anneliese Rothenberger 02
Die berühmte Sopranistin starb am 24. Mai 2010 nach kurzer Krankheit im Kantonsspital Münsterlingen (Thurgau, Schweiz) – wenige Wochen vor ihrem 84. Geburtstag. In zahlreichen Nachrufen wurde an die Ausnahmesängerin erinnert, so würdigte unter anderem ZDF-Intendant Markus Schächter die Künstlerin mit den Worten: "Anneliese Rothenberger war nicht nur eine der erfolgreichsten deutschen Sängerinnen der Nachkriegszeit, von der Kritik gelobt und vom Publikum geliebt. Sie hat auch als eine der Ersten – wie außer ihr vielleicht nur Herbert von Karajan – die Möglichkeiten des Mediums Fernsehen für die Musik erkannt und konnte Generationen für Musik begeistern. Als Gastgeberin zahlreicher ZDF-Unterhaltungssendungen hat sie in den siebziger und achtziger Jahren der klassischen Musik im Fernsehen ein Millionenpublikum gewonnen. Wir haben Anneliese Rothenberger viel zu verdanken."3)

Anneliese Rothenberger, die seit 1954 bis zu dessen Tod im Jahre 1999 mit dem Journalisten, Redakteur und Lyriker Gerd W. Dieberitz verheiratet war, hatte seit langer Zeit die kleine Gemeinde Salenstein am Schweizer Ufer des Bodensees zu ihrer Heimat gemacht. 1972 veröffentlichte sie ihre Erinnerungen unter dem Titel  "Melodie meines Lebens". Seit vielen Jahren machte sich die vielseitige Künstlerin auch als erfolgreiche Malerin, vor allem mit impressionistischen Blumenmotiven einen Namen. Bereits in den frühen sechziger Jahren studierte sie in New York bei dem deutsch-amerikanischen Kunstmaler Alfred Zwiebel. 1963 hatte sie schon die erste Ausstellung eigener Bilder in Frankfurt am Main. Seitdem richtete sie etliche gut beachtete Ausstellungen in Deutschland und der Schweiz aus.4)
 
Siehe auch Wikipedia sowie Nachrufe bei www.sueddeutsche.de und www.spiegel.de
Filmografie bei der Internet Movie Database
1) Link: Wikipedia
Quelle: 
2) Jens Malte Fischer: "Große Stimmen";  Verlag J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar, 1993, S. 506 f.  
3) br-online.de (Seite nicht mehr abrufbar),  4) Quelle: Wikipedia (abgerufen Oktober 2011)
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