Heinrich Schlusnus auf einer Weltpostkarte, fotografiert von Ernst Schneider um 1930; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2002-a_0000044); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Ernst Schneider; Quelle: www.deutschefotothek.de Heinrich Schlusnus wurde am 6. August 1888 im rheinischen Braubach, der ehemaligen Provinz Hessen-Nassau (heute Rheinland-Pfalz), in eine kinderreiche Familie – er war das letzte von 8 Kindern – hineingeboren. Bevor der Nachfahre masurischer Bauern und Sohn eines Postbeamten zu einem der bedeutendsten Opern- und Liedsänger Deutschlands avancierte, hatte er die mittlere Reife gemacht, musste dann jedoch nach dem frühen Tod des Vaters im Jahre 1900 das Gymnasium verlassen. Auf Wunsch der Mutter absolvierte er eine Ausbildung zum Postassistenten und arbeitete einige Zeit im erlernten Beruf. Danach begann er mit Unterstützung des Frankfurter Industriellen und Mäzens Arthur von Weinberg1) (1860 – 1943) in Frankfurt/Main bei Alexander Welling ein Gesangsstudium, später ließ er sich ab 1919 in Berlin bei dem amerikanischen Pädagogen Louis Bachner in Berlin weiter ausbilden. Bei dieser Gelegenheit lernte er dessen Ehefrau, die Sopranistin Annemarie Bachner (geb. Kuhl; 1904 – 1990), kennen und lieben. Nach der Scheidung von Bachner heiratete das Paar am 31. Juli 1933 in Bayreuth; auch für Schlusnus war es die zweite Ehe, Anfang August 1914 hatte er die Gesangslehrerin bzw. Sopranistin Helene Weigl (1891 – 1973) geehelicht.
 
Bereits 1912 gab Schlusnus in Frankfurt am Main sein Debüt als Konzertsänger, der 1. Weltkriegs unterbrach dann kurzzeitig seine Karriere, da er zum Kriegsdienst einberufen wurde; wegen einer schweren Oberschenkelverletzung gleich zu Beginn an der belgischen Front entging er einem weiteren Einsatz und wurde als "dienstunfähig" aus dem Militärdienst entlassen; mit den Spätfolgen dieser Verwundung ließ sich seine spätere "Unbeweglichkeit" auf der Bühne erklären.
 
Heinrich Schlusnus auf einer Weltpostkarte,
fotografiert von Ernst Schneider um 1930
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2002-a_0000044)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Ernst Schneider
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Nach seiner Genesung stand Schlusnus dann 1915 in Hamburg als Heerrufer des Königs in Wagners "Lohengrin"1) erstmals auf einer Opernbühne, ein weiteres Engagement brachte den Bariton bis 1917 an die Nürnberger Oper und anschließend gehörte er als Kammersänger bis 1945 der Berliner Hof- und späteren Staatsoper an.
Schon früh zeichnete sich ab, dass Schlusnus auch international zu den bedeutenden Verdi-Interpreten zählte, Gastspielreisen führten ihn in den 1920er und 30er Jahren an so berühmte Operhäuser wie Amsterdam, Barcelona, Chicago oder Paris und er erlangte vor allem in Großbritannien als Verdi-Bariton eine hohes Ansehen. Zu seinem Verdi-Repertoire zählte beispielsweise die Titelpartie in "Rigoletto"1), der Conte Luna in "Der Troubadour"1) oder der Herzog von Posa in "Don Carlos"1), aber auch der Valentin in Gounods "Faust"1), der Wolfram in Wagners "Tannhäuser"1) und der Gralskönig Amfortas im Wagnerschen "Parsifal"
1) zählten zu seinem herausragendem Repertoire. Berühmtheit erlangte sein Part in einer Aufführung von Verdis "Die Sizilianische Vesper"1) in der "Berliner Hofoper" an der Seite von Helge Roswaenge2) (1897 – 1972).
In Berlin hatte es Schlusnus zunächst nicht einfach gehabt, im italienischen Fach musste er sich gegen den ersten Bariton der Hofoper, Joseph Schwarz1) behaupten. Vergleicht man Aufnahmen beider Sänger, so wird man zugeben, dass Schwarz die "italienischere" Stimme besaß – auch war er nach Berichten auf der Bühne von größerer Darstellungskraft. Erst nach dem Tode von Schwarz (1926) konnte Schlusnus seine führende Stellung als Verdi-Bariton erringen. Im Wagner-Fach hatte er es mit der Konkurrenz der gestandenen Wagner-Baritone zu tun – für die Heldenpartien war seine von Haus aus lyrische Stimme nicht geeignet, als "Wolfram" im "Tannhäuser" dagegen erzielte er große Erfolge.3)
Ungeheuere Beliebtheit erlangte Schlusnus daneben mit seinen über 200 Recitals, mit denen er auch die Kritiker beeindruckte und als führender Kunstliedsänger seiner Zeit gefeiert wurde. Für diese Popularität hatte die Ehefrau des Sängers eine einfache, aber durchaus nicht banale Erklärung, sein Liedgesang sei weniger von sängerischen Finessen als vom menschlichen Ausdruck, weniger von stilistischen Nuancierungen als von einer natürlichen Seelenaussprache geprägt.4) An seiner Stimme bestach in der Tat die ungekünstelte Einfachheit des Vortrags sowie seine große technische Versiertheit, mit der er seinen Bariton stets unforciert und mit unverwechselbarem Timbre führte. Auch hier war sein Repertoire vielfältig, er brachte beispielsweise Werke von Beethoven, Schubert, Schumann oder Brahms zu Gehör; mehr als 2 000 Mal begeisterte er in den Großstädten rund um den Globus das Publikum durch seinen Lied-Vortrag, trat in den Niederlanden und Belgien, in England und Frankreich, in Österreich, Bulgarien und Italien, in Nordamerika und Kanada als gefeierter Konzert- und Liedersänger auf. Gleichzeitig setzte er aber seine Bühnenkarriere in Berlin wie bei zahllosen Gastspielen fort.
 
 

Porträt Heinrich Schlusnus, fotografiert von Ferdy Dittmar vor bzw. 1940
Fotografie (Weltpostkarte mit Autogramm, bezeichnet "Berlin, Ostern 1940")
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2009-a_0003394)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Ferdy Dittmar
Quelle: www.deutschefotothek.de; Lizenz: CC BY-SA 4.0
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Porträt Heinrich Schlusnus, fotografiert von Ferdy Dittmar vor bzw. 1940; Fotografie (Weltpostkarte mit Autogramm, bezeichnet "Berlin, Ostern 1940"); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2009-a_0003394); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Ferdy Dittmar; Quelle: www.deutschefotothek.de; Lizenz: CC BY-SA 4.0
Auch nach Ende des 2. Weltkrieges brillierte Schlusnus, der seine sonore Stimme bis ins fortgeschrittene Alter bewahren konnte, vor allem bei Liederabenden sowohl im In- als auch Ausland; auf der Opernbühne stand er nach 1945 selten. Zuletzt gastierte Schlusnus im Juni 1950 wieder auf der Bühne der "Städtischen Oper" in Berlin und riss das Publikum als Posa in "Don Carlos" zu Begeisterungsstürmen hin; seinen letzten Liederabend gab er im Jahre 1951, nachdem er 1949 eine weitere große Südamerika-Tournee unternommen hatte. Danach musste er sich wegen einer unheilbaren Herzschwäche von der Bühne verabschieden.
Sein Bariton wurde durch eine ganz persönliche, warme Klangtönung gekennzeichnet. Auf der Bühne galt er als vortrefflicher Verdi-Interpret, im Konzertsaal als Liedersänger von höchstem künstlerischem Rang. Dabei brachte er Lieder von allen großen Meistern zum Vortrag.5)  
  
Heinrich Schlusnus starb am 18. Juni 1952 (nach anderen Quellen am 19. Juni) mit 63 Jahren in Frankfurt a.M. und wurde in seiner Geburtsstadt Braubach auf dem Martinsfriedhof in einem Ehrengrab beigesetzt → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Seit 1924 war der Künstler Ehrenbürger seiner Geburtsstadt, in Braubach und in Berlin Neukölln erinnern die "Heinrich-Schlusnus-Straße" an den legendären Sänger.
 
Siehe auch Wikipedia, www.deutsche-biographie.de, Deutsches Rundfunkarchiv
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle:
3) "Grosse Stimmen" von Jens Malte Fischer, Verlag J. B. Metzeler, Stuttgart 1993, S. 192/193
4) Jürgen Kesting: "Die Großen Sänger des 20. Jahrhunderts", Sonderausgabe für Cormoran Verlag München, 1993, S. 381
5) Eckart von Naso & Annemarie Schlusnus: "Heinrich Schlusnus, Mensch und Sänger" (Hamburg, 1957)
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