Fritz Delius um 1920 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid (1864 – 1930); Quelle: Wikimedia Commons bzw.  Wikipedia; Photochemie-Karte Nr. 1609

Der Schauspieler Fritz Delius wurde am 28. September 1890 als Friedrich Wilhelm Diamant in Berlin geboren und machte sich vor allem als Charakterdarsteller am Theater einen Namen. Delius gehörte aber auch zu den Pionieren der deutschsprachigen Stummfilm-Mimen und zeigte sich ab Mitte der 10er Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit tragenden Rollen in etlichen Produktionen.
Sein Bühnendebüt hatte er 1909 am "Hoftheater Meiningen"1) unter der Intendanz von Max Grube1) (1854 – 1934) gegeben, es folgten Engagement unter anderem an den "Meinhard-Bernauer-Bühnen" in Berlin. Ab 1913 wirkte er unter Max Reinhardt1) (1873 – 1943) an den "Reinhardt-Bühnen" und trat dort vornehmlich als jugendlicher Held auf. Delius brillierte mit Titelrollen in Shakespeares "Hamlet" und "Romeo und Julia" sowie in Kleists "Prinz Friedrich von Homburg", gab als Schiller-Interpret unter anderem den Ferdinand in "Kabale und Liebe" und den Mortimer in "Maria Stuart", gestaltete den Lysander/Demetrius in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" oder den Riccaut de la Marlinière in Lessings "Minna von Barnhelm".
  
Sein Leinwanddebüt gab er mit einem eher kleinen Part neben Henny Porten in Rudolf Biebrachs Drama "Die Wellen schweigen"2) (1915), doch schon in seinem zweiten, ebenfalls von Biebrach inszenierten Film wurde er dann mit einer Hauptrolle betraut und mimte in der Ehetragödie "Das große Schweigen"2) (1916) den Arzt Professor Volkmann, der für die Rettung der jungen Margarete Lasson (Henny Porten) sein eigenes Blut opfert. Als sich Margarete nach der Heirat mit Volkmann in dessen Kollegen Dr. Falk (Fritz Weidemann) verliebt, kommt es zur Katastrophe …
  
Foto: Fritz Delius um 1920 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid1) (1864 – 1930)
Quelle: Wikimedia Commons bzw.  Wikipedia; Photochemie-Karte Nr. 1609
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Für zwei Filme mit der legendären Henny Porten schrieb Fritz Delius auch das Drehbuch, so für "Der Ruf der Liebe"1) (1916) und "Abseits vom Glück"2) (1916).
Es folgten weitere stumme Melodramen und Abenteuer, in denen Fritz Delius an der Seite von Stummfilmstars wie Fern Andra oder Hedda Vernon prägnante Rollen spielte. Reinhold Schünzel besetzte ihn in seinem opulenten, mit rund 4.000 Darstellern bzw. Statisten gedrehten monumentalen Portrait über die berühmte russische Kaiserin Katharina II.1), verkörpert von Lucie Höflich. Schünzel selbst spielte in "Katharina die Große" (1920) den russischen Thronfolger Großfürst Peter Fjodorowitsch, den späteren Zaren Peter III.1), den die damals 14-jährige Katharina 1746 heiratete, Fritz Kortner Katharinas Günstling, den Reichsfürsten Gregor Potjomkin1). Fritz Delius gab als Gregor Graf Orlow einen der Liebhaber Katharinas, in weiteren Rollen waren unter anderem Gustav Botz (Großkanzler Graf Alexei Bestuschew1)), Hugo Flink (Katharinas Liebhaber Sergej Saltikow1)) und Mechthildis Thein (Geliebte des Thronfolgers Peter, Fürstin Elisabeth Romanowna Woronzowa) zu sehen.
Nach Léo Laskos Zweiteiler "Auri sacra fames" (1920, mit Rosa Porten und Werner Funck) zeigte sich Fritz Delius in einem weiteren Historienstreifen und verkörperte in "Louise de Lavallière – Am Liebeshof des Sonnenkönigs" (1922) den "Sonnenkönig" Ludwig XIV.1) neben Emmy Schaeff als dessen Mätresse Louise de La Vallière1). In dem vierten Teil der von Arzén von Cserépy inszenierten monumentalen "Fridericus Rex"-Reihe1) mit dem Titel "Schicksalswende"1) (1923) und Otto Gebühr als preußischem König Friedrich II.1) stellte er den österreichischen Heerführer Prinz Karl Alexander von Lothringen1) dar.
Mit Johannes Guters "Der Turm des Schweigens"1) (1925), gedreht nach Motiven von Shakespeares Schauspiel "Der Sturm", beendete Fritz Delius vorerst seine eher kurze, dennoch intensive Filmkarriere. Er spielte den Flieger bzw. gefeierten Wissenschaftler Wilfred Durian, der einst gemeinsam mit Arved Holl (Nigel Barrie) während eines Erkundungsfluges über der australischen Viktoria-Wüste abstürzte und dann seinen Freund im Stich ließ. Als der verschollen geglaubte Holl wieder auftaucht wird Durian mit seiner Schuld konfrontiert, es kommen Familiengeheimnisse ans Tageslicht und die junge Eva (Xenia Desni) erfährt von ihrem angeblichen Vater, dem Turmwärter Eldor Vartalun (Avrom Morewski), wer sie wirklich ist.
Danach trat Fritz Delius lediglich noch einmal in Felix Baschs Bühnenadaption "Seine Freundin Annette" (1931) auf der Leinwand in Erscheinung sowie mit kleineren Rollen in den von Leopold Lindtberg mit Heinrich Gretler in der Hauptrolle inszenierten Schweizer Produktionen "Landammann Stauffacher"1) (1941, → cyranos.ch) und "Matto regiert"3) (1947; → cyranos.ch).
 
Seit Mitte der 1920er Jahre hatte sich Fritz Delius wieder auf die Arbeit am Theater konzentriert, gehörte zwischen 1926 und 1938 zum Ensemble des Wiener "Theaters in der Josefstadt", gab Gastspiele bei den Salzburger Festspielen und am Schauspielhaus in Zürich (1926/27 bzw. 1928/29). Nach dem Anschluss Österreichs bzw. der De-facto-Annexion durch das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 emigrierte Delius wegen seiner jüdischen Herkunft über Ungarn und Italien in die Schweiz und fand, wie viele deutsche Schauspieler(innen) und Regisseure, am "Zürcher Schauspielhaus" eine neue künstlerische Heimat. Hier interpretierte er bis 1950 rund 150 Rollen, darunter den Freiherr von Attinghausen in Schillers "Wilhelm Tell", den greisen Philemon in Goethes "Faust II" oder den Graf von Moor in Schillers "Die Räuber". In der Uraufführung von Max Frischs Drama "Santa Cruz" am 7. März 1946 (Regie: Heinz Hilpert) gab er den Arzt, im April 1947 den Landgraf von Hessen in der Uraufführung von Friedrich Dürrenmatts skandalumwittertem Wiedertäufer-Spektakel "Es steht geschrieben" – um nur Einiges zu nennen. Mehrfach gab Delius ab 1941 Gastspiele am "Sommertheater Winterthur", wo er beispielsweise mit der Titelrolle in Lessings "Nathan der Weise" und als Mephisto in Goethes "Faust" glänzte.
Weitere Stationen seiner Theatertätigkeit waren unter anderem das Stadttheater in Basel (1945) sowie das Stadttheater in Chur (1949/50), wo er auch mit sich in der Titelrolle Shakespeares "Othello" in Szene setzte. Unter der Regie von Leopold Lindtberg verkörperte er 1949 bei den Salzburger Festspielen den Arkas in Goethes "Iphigenie auf Tauris" an der Seite von Maria Becker (Iphigenie), Ewald Balser (Thoas) und Will Quadflieg (Orest) sowie den Guilbert in Goethes Trauerspiel "Clavigo", inszeniert von Ernst Lothar mit Will Quadflieg in der Titelrolle.
Zwischen 1950 und 1966 war Delius Ensemble-Mitglied der neu gegründeten "Komödie Basel" und zeigte auch hier in etlichen Stücken seine schauspielerische Bandbreite. Unter anderem spielte er tragende Rollen in den Ibsen-Stücken "Nora oder Ein Puppenheim" (1950; Rolle: Doktor Rank) und "Gespenster" (1954; Rolle: Pastor Manders).
 
Fritz Delius starb am 20. September 1966 – wenige Tage vor seinem 76. Geburtstag – in Basel (Schweiz). Noch ein Jahr zuvor war er 1965 für seine schauspielerischen Leistungen mit dem "Großen goldenen Ehrenzeichen" der " Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger" geehrt worden.
Quelle: Wikipedia, tls.theaterwissenschaft.ch*), www.cyranos.ch
*) Thomas Blubacher: "Fritz Delius", in: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 441–442.
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 3) www.film.at
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(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de, cyranos.ch)
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