Die Schauspielerin Olga Engl gehörte zu den vielbeschäftigten Darstellerinnen der Stummfilm-Ära, fand auch im Tonfilm mit prägnanten Nebenrollen ihren Platz. Im Laufe ihrer Karriere als Filmschauspielerin  wirkte sie in über 200 Kino-Produktionen mit.
Geboren am 30. Mai 1871 in der damals zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörenden Stadt Prag (heute Hauptstadt von Tschechien), wurde sie in einem Kloster der Ursulinen erzogen, später ließ sie sich von Anna Viersing-Hauptmann am Prager Konservatorium zur Schauspielerin ausbilden. Ihr Bühnendebüt gab sie im August 1887 mit der Rolle des unschuldigen Mädchens Bertha in Schillers "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua" am Prager "Deutschen Theater", zur darauffolgenden Spielzeit wechselte sie an das Stadttheater in Danzig. Ab 1889 bis 1892 trat sie an Berliner Bühnen auf, wirkte anschließend bis 1895 am "Hoftheater" in München sowie 1893 am "Königlich freistädtischen Theater" in Pressburg (heute Bratislava, Slowakei); danach spielte sie zwischen 1895 und 1897 am Hamburger "Thalia Theater". Nach ihrem Wechsel (1897) an das "Deutsche Theater" in Hannover konnte sie dort unter anderem 1903/04 als Leontine von Breitenbach in dem Lustspiel "Liebes-Manöver" von Curt Kraatz und Freiherr von Schlicht glänzen → www.karlheinz-everts.de

Olga Engl in der Wiener Zeitschrift
"Der Humorist"1) (10.11.1893, 13. Jahrg., Nr. 32)
Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Jan Vilímek1) (1860–1938);
digitalisiert von der Österreichischen Nationalbibliothek; Angaben zur Lizenz siehe hier

Olga Engl in der Wiener Zeitschrift "Der Humorist" (10.11.1893, 13. Jahrg., Nr. 32); Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Jan Vilímek1) (1860–1938); digitalisiert von der Österreichischen Nationalbibliothek
Als das "Berliner Theater" im Juni 1904 ein Gastspiel am "Theater des Westens" mit Franz von Schönthans und Freiherr von Schlichts Militär-Schwank "Im bunten Rock" gab, in dem Olga Engl die Missis Anny Clarkson darstellte, notierte die Berliner Mittagszeitung "Das Kleine Journal" (06.06.1904) unter anderem: "Das Publikum amüsierte sich vortrefflich und nach dem zweiten Akt konnte Freiherr v. Schlicht sich dankend verneigen. Für die Aufführung, die sich sehr flott abspielte, war nur die Akustik des Hauses schädlich, die alle Mitwirkenden zwang, einen höchst lärmenden Wettkampf ihrer Lungenkraft auszufechten. Und die Herrschaften vom Berliner Theater haben alle merkwürdig kräftige Lungen. Auch Olga Engl vom Deutschen Theater in Hannover, die die Missis Clarkson spielte, mußte sich wohl oder übel an diesem Wettstreit beteiligen. Vielleicht erhielt ihre Leistung nur dadurch stellenweise eine etwas allzu derbe Färbung. Im übrigen wirkte die Dame in jeder Weise erfreulich. Frau Engl ist eine interessante Erscheinung und mit kluger Liebenswürdigkeit und sicherem Humor wußte sie nicht blos dem Dialekt, sondern der ganzen Rolle die hübschesten Wirkungen abzugewinnen. Sie wurde dafür mit Recht durch lebhaften Beifall auch bei offener Szene ausgezeichnet." (Quelle: www.karlheinz-everts.de)
Olga Engls Domäne war anfangs das Fach der jugendlichen Heldin und Salondame in verschiedenen Komödien, wie beispielsweise 1917 am "Berliner Theater" in der Schwank-Operette "Die tolle Komtess" mit Musik von Walter Kollo. Zu ihren wichtigen Figuren zählten später aber auch die Henriette Flamm in Hauptmanns Drama "Rose Bernd" oder Rollen in den Ibsen-Schauspielen "Brand" (1913, Theater in der Königgrätzer Straße; Rolle: Brands Mutter → ibsen.nb.no) oder "Hedda Gabler" (Gastspiel 1937; Rolle: Juliane Tesman → ibsen.nb.no).
 
Anfang der 10er Jahre des vergangenen Jahrhundert wandte sich Olga Engl der noch in den Kinderschuhen steckenden Kinematographie zu, ihren nachweislich ersten Auftritt hatte sie 1911 in dem von Adolf Gärtner gedrehten kurzen Streifen "Das Adoptivkind"2), in dem auch der spätere "Topstar" Henny Porten mitwirkte. In Carl Froelichs Historienfilm "
Richard Wagner"1) (1913) verkörperte sie an der Seite von Protagonist Giuseppe Becce Wagners spätere zweite Ehefrau Cosima, zeigte sich in den kommenden Jahren in zahllosen stummen Melodramen, Abenteuern und Komödien und avancierte zur unverzichtbaren Nebendarstellerin.
Sie deckte die ganze Palette der Mütter, Großmütter und Tanten ab, vornehmlich mimte sie bis ins hohe Alter Frauen von adeligem Geblüt wie Fürstinnen, Herzoginnen und Gräfinnen. Den Höhepunk ihrer Karriere als Filmschauspielerin bildete zweifellos der Stummfilm, wo sie unter der Regie so berühmter Filmemacher wie Joe May (1919: Veritas vincit1)), Friedrich Wilhelm Murnau (1922: Der brennende Acker/Phantom1)) oder Arthur Robison (1926: Manon Lescaut1)) mit prägnanten Frauenfiguren besetzt wurde.
 
Doch auch im Tonfilm konnte sie sich trotz des vorgerückten Alters behaupten. So spielte sie unter anderem die Großmutter in Gerhard Lamprechts Kästner-Verfilmung "Emil und die Detektive"1) (1931), die Mutter des Protagonisten Severin Anderlan (Luis Trenker) in "Der Rebell"1) (1932) oder die Tante der Ilona Paulus (Zarah Leander) in der Boulevard-Komödie "Der Blaufuchs"1) (1938). Zu ihren letzten Leinwandauftritten zählten der Krimi "Dr. Crippen an Bord"1) (1942) sowie die freie Theodor Fontane-Verfilmung "Das alte Lied"2) (1945).
 
  

Foto: Olga Engl vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Photochemie-Karte Nr. 1621
Angaben zur Lizenz siehe hier

Olga Engl vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Photochemie-Karte Nr. 1621
Neben ihrer umfangreichen Arbeit vor der Kamera blieb Olga Engl stets der Bühne treu, trat noch bis kurz vor ihrem Tod an Berliner Theatern auf. Besonders am "Theater in der Behrenstraße", am "Renaissance-Theater", am " Komödienhaus" sowie zuletzt an der "Tribüne" war sie ein gern gesehener Gast. So wirkte sie unter anderem Mitte der 1930er Jahre am "Renaissance-Theater" neben Hilde Hildebrand in der Oscar Wilde-Komödie "Lady Windermeres Fächer" in einer Inszenierung des damaligen Direktors (1933–1943) Alfred Bernau1) (1879 – 1950) mit.
 
Olga Engl starb am 21. September 1946 im Alter von 75 Jahren in Berlin.
Quelle (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung
Lizenz Abbildung/Foto Olga Engl (Urheber Jan Vilímek bzw. Alexander Binder: Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
Stummfilme Noch: Stummfilme
  • 1922: Zwischen Nacht und Sünde
  • 1922: Schminke
  • 1922: Nur eine Nacht
  • 1922: Die Küsse der Ira Toscari
  • 1922: Louise de Lavalličre –  Am Liebeshof des Sonnenkönigs
  • 1922: Die Asphaltrose
  • 1922: Ihr schlechter Ruf
  • 1922: Der brennende Acker (→ Murnau Stiftung)
  • 1922: Der Todesreigen
  • 1922: Der Bekannte Unbekannte
  • 1922: Phantom (→ Murnau Stiftung)
  • 1922: Bigamie
  • 1922: Der Liebe Pilgerfahrt
  • 1923: Graf Cohn
  • 1923: Die graue Macht
  • 1923: Irene d'Or
  • 1923: Der allmächtige Dollar
  • 1923: Frauenmoral
  • 1923: S.O.S. Die Insel der Tränen
  • 1923: Daisy. Das Abenteuer einer Lady
  • 1924: Das Spiel mit dem Schicksal / Die Frau in Versuchung
  • 1924: Nelly, die Braut ohne Mann
  • 1924: Steuerlos
  • 1924: Das Geschöpf
  • 1924: Aus eigener Kraft –  Ein Filmspiel vom Auto
    (Dokumentarfilm mit Spielhandlung)
  • 1924: Sklaven der Liebe
  • 1924: Das goldene Kalb
  • 1925: Nick, der König der Chauffeure
  • 1925: Der Schrei nach Glück
  • 1925: Die Kleine aus der Konfektion / Großstadtkavaliere
  • 1925: Des Lebens Würfelspiel
  • 1925: Frauen, die man oft nicht grüßt
  • 1925: Die Frau ohne Geld
  • 1925: Die Zirkusprinzessin
  • 1926: Wie bleibe ich jung und schön –  Ehegeheimnisse
  • 1926: Manon Lescaut
  • 1926: Der Stolz der Kompagnie / Die Perle des Regiments
  • 1926: An der schönen blauen Donau
  • 1926: Das Mädel auf der Schaukel
  • 1926: Der gute Ruf
  • 1926: Hölle der Liebe
  • 1926: Die Flucht in den Zirkus / Verurteilt nach Sibirien / Moskau 1912
  • 1926: Die Straße des Vergessens
  • 1926: In der Heimat, da gibt's ein Wiedersehn!
  • 1927: Wer wirft den ersten Stein?
  • 1927: Die sieben Töchter der Frau Gyurkovics
  • 1927: Liebe / Die Herzogin von Langeais
  • 1927: Benno Stehkragen
  • 1927: Wenn der junge Wein blüht
  • 1927: Das war in Heidelberg in blauer Sommernacht
  • 1927: Die Geliebte
  • 1927: Rinaldo Rinaldini
  • 1927: Das rosa Pantöffelchen
  • 1927: An der Weser
  • 1927: Frühere Verhältnisse
  • 1927: Arme kleine Sif / Sif, das Weib, das den Mord beging
  • 1927: Das tanzende Wien / An der schönen blauen Donau. 2. Teil
  • 1928: Mädchen, hütet Euch!
  • 1928: Drei Seelen und ein Gedanke / Es zogen drei Burschen
  • 1928: Das Fräulein aus Argentinien
  • 1928: Liebeskarneval / Eine Verkleidungskomödie
  • 1928: Ossi hat die Hosen an
  • 1928: Anastasia, die falsche Zarentochter
  • 1929: Engel im Séparée. Mädchen in Gefahr
  • 1929: Die nicht heiraten dürfen
  • 1929: Kolonne X. Ein Kriminaldrama aus der Berliner Unterwelt 
  • 1929: Hochverrat
  • 1929: Die seltsame Vergangenheit der Thea Carter
  • 1930: Wenn Du noch eine Heimat hast
  • 1930: Sturm auf drei Herzen
Tonfilme
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