Hilde Wörner vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Photochemie-Karte Nr. 3215 Die Schauspielerin Hilde Wörner konnte im Laufe ihrer Karriere auf eine kurze, dennoch intensive Karriere beim Stummfilm zurückblicken. Geboren am 17. November 1895 (der Ort ist unbekannt), begann die damals erst 16-Jährige am Theater in Elberfeld (heute Stadtteil von Wuppertal). 1912 wurde sie von dem damaligen Intendanten Johannes Maurach1) (1883 – 1951) an das Essener Stadttheater verpflichtet. Zur Spielzeit 1915/16 wechselte sie an das "Hoftheater" in Oldenburg, 1916/17 an das Bremer Schauspielhaus. 1917 kam sie nach Berlin in das Operettenensemble des "Berliner Theaters"1), wo sie als erste Soubrette die Nachfolge von Lisa Weise2) (? – 1952) antrat.
 
Etwa zeitgleich knüpfte sie Kontakte zum Stummfilm, wurde von der Berliner "Oliver-Film GmbH" bzw. deren Direktor Heinrich Bolten-Baeckers1) engagiert und gab 1917 ihr Leinwanddebüt in der heitern Geschichte "Baronin Kammerjungfer" mit Leo Peukert3) (1885 – 1944) als Partner, der zugleich auch als Regisseur fungierte. Zwei Jahre später gründete sie ihre eigene "Wörner-Film" und realisierte mit sich in der Hauptrolle der jugendlichen Salondame "mit abwechselnd sentimentalem und humoristischem Einschlag"4) eine Reihe von Komödien und Melodramen, vornehmlich inszeniert von ihrem ersten Ehemann Carl Müller-Hagen. Rasch erreichte sie Star-Status, "dieses ist das höchste, was eine Kinodiva anstrebt" meinte sie einmal in einem Interview.4) Zeitgenossen dagegen übten harsche Kritik und hielten sie für eine mittelmäßige Schauspielerin.5) 
 
Foto: Hilde Wörner vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Photochemie-Karte Nr. 3215
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Doch letztlich entschied das Publikum, Filme wie "Teufelchen" (1919, mit Emil Birron), "Die Waise von Lowood" (1919) oder der Sechsteiler "Die Berliner Range" (1919–1921) kamen bei den Zuschauern gut an. Zugleich tat sie sich als Förderin junger Talente hervor, so gelang beispielsweise Dimitri Buchowetzki1) (1895 – 1932) dank Wörners Unterstützung der Sprung in die Regisseurs-Elite. Buchowetzki revanchierte sich und ließ sie in seiner viel beachteten Büchner-Adaption "Danton"1) (1921) neben seinen Protagonisten Emil Jannings und Werner Krauß das Mädchen Babette spielen. In Ernst Lubitschs Drama "Die Flamme"1) (1922) trat Hilde Wörner an der Seite von Asta Nielsen als Kokotte Yvette auf der Leinwand in Erscheinung und mimte deren Freundin – zugleich ihre letzte große Leinwandrolle. Danach zog sie sich vorerst vom Filmgeschäft zurück und wirkte wieder am Theater. Lediglich in Carl Froelichs "Rosen aus dem Süden" (1926, mit Henny Porten) war sie noch einmal mit einem kleinen Part in einer Stummfilmproduktion zu sehen.
Im Tonfilm zeigte sie sich nur in zwei Produktionen mit winzigen Nebenrollen, so in dem von Hanns Schwarz in Szene gesetzten Fritsch/Harvey-Kassenschlager "Einbrecher"1) (1930) und in Gustav Ucickys Historien-Film "Das Flötenkonzert von Sans-souci"1) (1930) mit Otto Gebühr als Friedrich II. von Preußen.

Foto: Hilde Wörner vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Hilde Wörner vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch
Parallel zu ihrer Arbeit vor der Kamera hatte Hilde Wörner, mit Unterbrechungen, immer auf der Bühne gestanden, nach ihrem Rückzug vom Filmgeschäft trat sie beispielsweise in Berlin am "Großen Schauspielhaus" (1924/25), dem "Theater des Westens" (1925/26) oder dem "Theater am Kurfürstendamm" (1927/28) auf. 1926/27 gab sie ein Gastspiel am "Corso-Theater" in Zürich, bis 1932 folgten weitere Gastspiele an Berliner Theatern. Bei der Uraufführung von Walter Kollos Operette "Drei arme kleine Mädels" (Text: Willi Kollo) im "Theater am Nollendorfplatz" am 22. April 1927 sang sie in einer Inszenierung von Hermann Feiner gemeinsam mit Kammersänger Hans Heinz Bollmann (1889 – 1974) die Hauptpartien.6) 1932/33 gehörte sie zusammen mit ihrem zweitem Mann zum Ensemble der berühmten Berliner Operettenbühne, dem "Metropol-Theater". Nach ihrer Scheidung von Carl Müller-Hagen hatte sie den umschwärmten Tenor Eduard Lichtenstein (1889 – 1953) geheiratet → OPERISSIMO.
 
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte Lichtenstein wegen seiner jüdischen Abstammung gemeinsam mit seiner Frau in die Niederlande und lebte zunächst in Amsterdam. Im Sommer 1933 wirkte Hilde Wörner in dem von Willy Rosen3) gegründeten "Kabarett der Prominenten" mit, gab mit Rosens musikalischen Komödie "Der Chauffeur meiner Frau" unter anderem Gastspiele in Amsterdam, Den Haag und Rotterdam.
Danach verliert sich die Spur der einst gefeierten Hilde Wörner, über ihren weiteren Lebensweg ist kaum etwas bekannt. Zuletzt war sie mit dem niederländischen Dirigenten und Komponisten Jan Koetsier1) (1911 – 2006) verheiratet, unter anderem seit 1950 langjähriger erster Kapellmeister des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks7). Im Dunkeln liegen die genauen Todesdaten, sie verstarb laut Jan Koetsiers Biografie.8) ("Jan-Koetsier-Stiftung" an der Münchener "Hochschule für Musik und Theater") im April des Jahres 1963 im Alter von 67 Jahren.
Quelle (unter anderem*)): Wikipedia, www.cyranos.ch
*) Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933 – 1945; Herausgeber: Frithjof Trapp, Werner Mittenzwei, Henning Rischbieter, Hansjörg Schneider;
Band 2: Biographisches Lexikon der Theaterkünstler von Frithjof Trapp, Bärbel Schrader, Dieter Wenk, Ingrid Maaß (Teil 2, L-Z; K G  Saur, München 1999)
Link:  1) Wikipedia, 2) www.cyranos.ch, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle: 4) Hilde Wörner. In: "Die Frau im Film" (Altheer & Co., Zürich 1919, S. 37) bzw. Hilde Wörner: "Wie ich zum Film kam" bei sophie.byu.edu
5) Vgl. Ilona Brennicke, Joe Hembus: "Klassiker des deutschen Stummfilms 1910–1930" (Goldmann, München 1983, S. 180)
6) Hamburger Abendblatt: Historisches Archiv (Nr. 240 vom 14.10.1961, S. 9; Seite nicht mehr abrufbar)
7) Hamburger Abendblatt: Historisches Archiv (Nr. 259 vom 05.11.1955,  S.  9)
8) www.jan-koetsier.de
Lizenz Foto Hilde Wörner (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
P = Produktion
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia)
Stummfilme
  • 1917: Baronin Kammerjungfer
  • 1918: Der siebente Kuß
  • 1919: Wenn das Leben Nein sagt (auch P)
  • 1919: Teufelchen (auch P)
  • 1919: Intermezzo (auch P)
  • 1919: Fräulein Baronin
  • 1919: Ein Mädchen aus guter Familie
  • 1919: Ein Frühlingstraum (auch P)
  • 1919: Ein Augenblick im Paradies
  • 1919: Die Waise von Lowood
  • 1919: Das Lächeln der kleinen Beate
  • 1920: Die Kralle (auch P)
  • 1920: Der Graf von Cagliostro
  • 1920: Zigeunerblut
  • 1920: Pension Lautenschlag (auch P)
  • 1920: Die Banditen von Asnières (auch P)
  • 1920: Das Chamäleon/Don Pedros Masken (auch P)
Noch: Stummfilme
  • 1920: Das Experiment des Prof. Mithrany (nur P)
  • 1920: Moriturus (auch P)
  • 1919/20/21: Die Berliner Range (auch P)
    • 1. Streich: Lotte als Schulschreck (1919)
    • 2. Streich: Lotte kuppelt (1919)
    • 3. Streich: Onkel Tom (1920)
    • 4. Streich: Lotte schiebt (1920)
    • 5. Streich: Der Kampf mit dem Drachen (1920)
    • 6. Streich: Ihr bester Freund (1921)
  • 1921: Danton (auch P)
  • 1922: Die Flamme
  • 1926: Rosen aus dem Süden
Tonfilme
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