Arnold Rieck etwa 1920 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid (1864 – 1930); Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia Der Couplet-Sänger, Komiker und Stummfilm-Pionier Arnold Rieck wurde am 22. Juni 1876 in Berlin geboren. Bevor er als Komödiant auch in den frühen kurzen Streifen der aufstrebenden Kinematographie bzw. auf Leinwand Furore machte, hatte er sich als Interpret von Couplets und als Alleinunterhalter mit humoristischen Darbietungen – heute würde man ihn als "Stand-Up-Comedian" bezeichnen – sowie in musikalischen Possen hervorgetan.
1897 gab er sein Bühnendebüt in Gera, 1899 trat er erstmals am Berliner "Apollo-Theater"1) auf und machte am 2. Mai 1899 in der frenetisch gefeierten Uraufführung von Paul Linckes burlesk-phantastischen Ausstattungs-Operette "Frau Luna"1) als Schneider Lämmermeier auf sich aufmerksam.2) Die Lieder "Das macht die Berliner Luft", "Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe" oder "O Theophil, o Theophil" aus "Frau Luna" gerieten zu Gassenhauern und sind bis heute Ohrwürmer geblieben.
  
Rieck wirkte in den folgenden Jahren an weiteren Berliner Bühnen, avancierte in den 10er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Star des "Thalia-Theaters". Seine Himmelfahrtsnase und ein ausgeprägter Berliner Dialekt wiesen ihn als Darsteller derbkomischer Typen aus. Ursprünglich war er Kammerdiener in Dessau gewesen, bis man sein Talent entdeckte und ihn ans "Apollo-Theater" engagierte. Dort fiel er als Lämmermeyer in "Frau Luna" auf.3) 
 

Foto: Arnold Rieck etwa 1920 auf einer
Fotografie von Nicola Perscheid1) (1864 – 1930)
Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia 
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Am "Thalia-Theater" glänzte er beispielsweise 1912 mit der Figur des Schwerenöters "Puppchen", einer gleichnamigen Posse in 3 Akten mit Gesang und Tanz von Jean Gilbert1) (Uraufführung: 19.12.1912), an der Seite der damals ebenfalls beliebten Kolleginnen Elsa Grünberg (1882 – 1921) und Eugenie Della-Donna, mit denen er auch öfter in anderen Stücken zusammen auftrat. Der Evergreen "Puppchen, du bist mein Augenstern" nahm Rieck mit Elsa Grünberg zudem für mehrere Platten-Label auf, unter anderem für "Odeon" und die "Concert Record "Gramophone"". 
Einen Tag nach der Premiere notierte die "Vosssiche Zeitung" am 20. Dezember 1912 unter anderem: "Was in dem Stück vorgeht, braucht man nicht zu erfahren … Wer es nachzuerzählen vermag, verdient mindestens einen der vielen Lorbeerkränze. Der leitende Gedanke besteht darin, daß Herr Arnold Rieck zum Träger dieser Posse gemacht wurde. Das gibt ihr das Rückrat. Arnold Rieck ist eben das "Puppchen", unter welcher Kosebezeichnung er den verliebten Damen des Stückes vorteilhaft bekannt ist; ein Jüngling noch vor dem Bartflaum, ein schlimmer Kleiner von der gesegneten Körperlänge, mit der die Natur diesen ausgezeichneten Komiker bedacht hat … Seine Hauptpartnerin ist Fräulein Della Donna, die sich im Ensemble des Thalia-Theaters bereits einen Namen als temperamentvolle Possen- oder Operettensoubrette gemacht hatte. Es steckt Vollblut in ihrem Spiel, Gesang und Tanz. Die neue Rolle gibt ihr Gelegenheit, ihr anmutige Gestalt in einer ganzen Reihe schöner Kleider zu zeigen. Ein Tanzduett von ihr mit Rieck: "Heut gehn wir gar nicht erst ins Bett", mußte wiederholt werden. Den größten Anklang unter den Liedern fand aber das Duett Riecks mit Fräulein Elsa Grünberg "Puppchen, du bist mein Augenstern!" das dreimal zur Wiederholung verlangt und dann, wie erwähnt, vom Publikum viermal nachgesungen wurde. Das wird nun wohl die Errungenschaft für den ganzen Winter werden. Kann man's ändern?"
 
Schon zuvor hatte Rieck als Nachfolger von Guido Thielscher4) in musikalischen Possen von Gilbert Erfolge gefeiert, etwa in "Polnische Wirtschaft"1) (ca. 1910), als Weinreisender in "Autoliebchen" (ab Frühjahr 1912) mit Eugenie Della-Donna als Partnerin, danach einmal mehr mit Elsa Grünberg in "Die Tangoprinzessin" (1913), "Wenn der Frühling kommt" (1914) oder in "Das Vagabundenmädel" (ca. 1916).
 
Bereits ab 1909 wurde dem "Thalia-Theater" der "Thalia-Theater-Verlag" mit einem Schallplatten-Vertrieb angegliedert und aus den genannten Aufführungen auch etliche Platten mit Arnold Rieck und seinen heute vergessenen Partnerinnen aufgelegt: So aus "Polnische Wirtschaft" das Walzerlied "Die Dorfmusik" und der Rheinländer "Männe, hak' mir mal die Taille auf" mit Helene Ballot (1884 – ?), mit Lina Goltz "Komm', mein Schatz, in den Lunapark". Aus "Das Autoliebchen" stammt das Marsch-Couplet "Das haben die Mädchen so gerne" mit Eugenie Della-Donna und das Walzerlied "Fräulein, könn'n Sie linksrum tanzen?" mit der Soubrette Hedi Ury (verstorben 1962), die später die erste Ehefrau des Schauspielers Curt Bois4) werden sollte. Aus "Puppchen" gerieten natürlich der Hit "Puppchen, du bist mein Augenstern" und das Marsch-Couplet "Geh'n wir mal zu Hagenbeck" mit Elsa Grünberg zu Kassenschlagern. Mit Emmy Wehlen4) (1887 – 1977) sang er etwa 1909 die witzigen Duetts "Hallo Liebhaber" und "Ohne Männer" aus der Operette "Doktor Klapperstorch", mit Rosi Loibner "Im Lustgarten ist Frühkonzert", ebenfalls aus "Das Autoliebchen". Auch am Sprechtheater feierte Arnold Rieck Erfolge, beispielsweise in dem Lustspiel-Klassiker "Charleys Tante", wo er Ende der 1910er Jahre am "Thalia-Theater" gemeinsam mit der Schauspielerin Margarete Schlegel4) das Publikum begeisterte.
Nach eigenen Aussagen wandte sich Arnold Rieck als erster deutscher Bühnenschauspieler den "bewegten Bildern" zu und soll bereits um 1900 in kurzen Grotesk-Streifen wie "Der Geck im Damenbade" und "Piefke mit dem Floh" aufgetreten sein. Seine erste nachgewiesene Arbeiten für die Kinematographie ist der 1906 von der "Messters Projektion GmbH" gedrehte Kurzfilm "Die fünf Sinne". Während des 1. Weltkrieges bzw. ab 1915 trat Rieck regelmäßig in lustigen Kurzfilmchen in Erscheinung und avancierte zum "Paradevertreter des frühen Kintoppklamauks".5) In ganz auf den Komiker abgestellten Produktionen mimte er "stocksteife, komische Type in altertümlicher Aufmachung, mit der er sich, an längst überkommene Zeiten erinnernd, bewusst und ohne Scheu der Lächerlichkeit preiszugeben verstand."5)
"Lehmanns Brautfahrt"1) (1916), "Der standhafte Benjamin"6) (1917) oder "Veilchen Nr. 4"6) (1917) hießen die Episoden, in denen Rieck die Zuschauer zu belustigen wusste. Für den Schauspieler Ferry Sikla4), der sich mit drei Stummfilmen auch als Regisseur versuchte, war er der "Der Vetter aus Mexiko"6) (1917) und der "Der Unwiderstehliche Theodor"6) (1918).

Foto: Arnold Rieck vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Arnold Rieck vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch
Arnold Rieck in dem Stummfilm "Arnold auf Brautschau" (Bolten-Baeckers-Film, 1922); Quelle: Deutsche Fotothek, (df_pos-2006-a_0000870); Copyright SLUM Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Unbekannt; Ross-Verlag, 1922; Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 07.12.2012 erteilt.  Bis Anfang der 1920er Jahre folgten eine Reihe ähnlich gelagerter heiter-kurzweiliger Geschichten wie Willy Grunwalds "Die Hochzeitsreise"6) (1919, mit Hilde Wolter) oder Carl Froehlichs "Paulchen Fingerhut"6) (1919). Ab 1919/20 entstanden eine Reihe Komödien bei der Berliner "BB-Film-Fabrikation" des Filmpioniers Heinrich Bolten-Baeckers1), so war Rieck unter anderem "Der Mann ohne Gedächtnis", "Der fidele Eskimo" und der Liedersänger Arthur Weyergang in "Der Vorstadt Caruso", ging als "Arnold auf Brautschau" oder agierte in "Killemann hat 'nen Klaps" als der Pantoffelheld Kuno Killemann, der sein Gedächtnis verliert, um der Schwiegermutter zu entgehen.
Mit seinen nachfolgenden Filmen rückte Arnold Rieck vermehrt in die zweite Reihe, der Geschmack des Publikums bzw. die von ihm verkörperte Art des Humors hatte sich überlebt. Er spielte noch in Streifen wie "Se. Exzellenz der Revisor" (1922, von und mit Friedrich Zelnik) oder "Yvette, die Modeprinzessin" (1922, mit Lya Mara), letztmalig trat er in Carl Froelichs Melodram "Mutter und Kind" (1924) neben Henny Porten mit der Rolle eines Schusters auf.
In seinen letzten Lebensjahren hatte sich Rieck wieder verstärkt auf seine Arbeit als Bühnen-Komiker konzentriert, wirkte unter anderem in Berlin an der "Komischen Oper" sowie in Leipzig am "Neuen Operettentheater".
 
 
Foto: Arnold Rieck in dem Stummfilm "Arnold auf Brautschau" (Bolten-Baeckers-Film, 1922)
Quelle: Deutsche Fotothek, (df_pos-2006-a_0000870)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Urheber: Unbekannt; Ross-Verlag, 1922
Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 07.12.2012 erteilt.
Originalfoto: www.deutschefotothek.de
Der einst gefeierte Theater- und Stummfilmstar Arnold Rieck starb am 7. November 1924 in Leipzig – er wurde nur 48 Jahre alt.
Quellen (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch
Link: 1) Wikipedia, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 6) Murnau Stiftung
Quelle:
2) Wikipedia (Artikel zu "Frau Luna", abgerufen 05.12.2012)
3) www.luise-berlin.de
5) Wikipedia (Artikel zu Arnold Rieck, abgerufen 05.12.2012)
Lizenz Foto Arnold Rieck (Urheber: Nicola Perscheid/Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Stummfilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung)
  • 1918: Die schwarze Locke
  • 1919: Die Hochzeitsreise
  • 1919: Paulchen Fingerhut
  • 1919: Der Mann ohne Gedächtnis
  • 1920: Killemann hat 'nen Klaps
  • 1920: Der Vorstadt Caruso
  • 1920: Der Künstler
  • 1920: Der fidele Eskimo
  • 1920: Arnold auf Brautschau
  • 1921: Das kommt von der Liebe
  • 1922: Zwei Welten
  • 1922: Se. Exzellenz der Revisor
  • 1922: Die Nacht in der schwarzen Maus
  • 1922: Yvette, die Modeprinzessin
  • 1923: Das Weib auf dem Panther
  • 1923: In der Nacht - in der Nacht (Kurzfilm)
  • 1924: Mutter und Kind
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