Der italienische Schauspieler Raimondo van Riel wurde am 22. Januar 1881 in Rom geboren; seine Familie hatte niederländische Vorfahren. Erste darstellerische Erfahrungen sammelte van Riel an einer Laienbühne, mimte in den kommenden Jahren vornehmlich Bösewichte und schurkische Typen. Mit seiner Ehefrau, der Schauspielerin Aidé Bongini, schloss er sich 1909 der Schauspieltruppe "Compagnia italiana del Grand Guignol" von Alfredo Sainati (1868 – 1936) und dessen Ehefrau Bella Starace Sainati (1878 – 1958) an, als sich die Compagnia 10 Jahre später auflöste, wandte sich van Riel dem Film zu. Bereits 1914 hatte er in dem kurzen Streifen "Per un'ora d'amore" (Regie: Luigi Maggi) neben Alfredo und Bella Starace Sainati sein Leinwanddebüt gegeben, ab 1919 stand er dann regelmäßig vor der Kamera.
Wie auf der Bühne verkörperte der Schauspieler mit den markanten Gesichtszügen auch in den Abenteuern und Melodramen jener Ära Finsterlinge, Schufte und Unheil bringende Charaktere. Nachhaltigen Rum erlangte er als hinterhältiger Prätorianerpräfekt Tigellinus und Günstling Neros in dem von Georg Jacoby und Gabriellino D'Annunzio in Szene gesetzten Monumentalfilm "Quo Vadis?"1) (1925), nach dem gleichnamigen, mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Roman1) von Henryk Sienkiewicz. Der legendäre deutsche Schauspieler Emil Jannings2) brillierte als geistesgestörter Kaiser Nero, Alphons Fryland2) stellte die zentrale Figur des römischen Kommandanten bzw. Patriziers Marcus Vinicius dar, der sich in die lygische Geisel Licia (im Roman Lygia), gespielt von dem britischen Stummfilmstar Lilian Hall-Davis1)), verliebt. Sienkiewicz' Liebesgeschichte zwischen einem römischen General und einer Christin geriet zum Publikumsmagneten, der Film galt lange als verschollen. Anfang August 2012 gab die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" bekannt, dass im Vatikanischen Filmarchiv eine Kopie dieser frühen Verfilmung aufgetaucht sei.
 
Durch seine Mitarbeit in "Quo Vadis?" war van Riel mit den deutschen Filmemachern in Berührung gekommen, wenig später erhielt er das Angebot, in der deutsch-französischen Produktion bzw. dem abenteuerlichen Kostümdrama "Zigano, der Brigant vom Monte Diavolo"1) (1925, Zigano) als Gegenspieler von Sensationsdarsteller Harry Piel (Räuberhauptmann Benito) die Rolle des Fürsten Ludowico zu übernehmen. Es folgten weitere "Reißer" wie "Menschenleben in Gefahr" (1926, Regie: Karl Gerhardt) mit seinem italienischen Kollegen Luciano Albertini, "Das Geheimnis des Abbe X"3) (1927) von und mit Wilhelm Dieterle oder "Die Schmugglerbraut von Mallorca"4) (1929; Regie: Hans Behrendt) wo er neben Jenny Jugo als der reiche, zwielichtige Tolomeo auftauchte. Mitunter zeigte sich van Riel auch mit sympathischen Rollen, so als entfesselter Geiger und Titelheld in Carl Wilhelms "Der Zigeunerprimas"1) (1929) nach der gleichnamigen Operette von Emmerich Kálmán. Zwischendurch filmte er auch in Italien, trat unter anderem als sadistisch-sinnlichen Francesco Cenci in "Vater, ich klage dich an!" (1926, Beatrice Cenci) in Erscheinung. Zu seinen letzten Stummfilmen zählte das von Wladimir Gaidarow (Vladimir Gajdarov) unter anderem an der estischen Küste in Szene gesetzten romantische Ostsee-Abenteuer um Alkoholschmuggel und Liebe "Kurs auf die Ehe"1) (1930, auch: "Wellen der Leidenschaft"/OT: Kire lained), wo er zusammen mit Ita Rina, Fritz Greiner sowie dem Regisseur die Hauptrolle spielte.
 
Nach nur drei Tonfilm-Produktionen, unter anderem als Verbrecher in dem Krimi "Im Kampf mit der Unterwelt" (1930), ging van Riel nach Italien zurück. Dort drehte er noch eine Reihe von Filmen, musste sich aber überwiegend mit Nebenrollen zufrieden geben. Gelobt wurde er für seine Darstellung des italienischen Goldschmieds und Bildhauers Benvenuto Cellini1) in Guido Brignones Historiendrama "Lorenzino de' Medici"1) (1935) mit dem legendären Alexander Moissi in der Titelrolle des Politikers und Stadtherrn von Florenz Lorenzo de' Medici1). In den folgenden Jahren trat er nur noch sporadisch vor die Kamera, betätigte sich als Maskenbildner und wurde 1937 als Dozent für Maskenbildnerei an das "Centro Sperimentale di Cinematografia"1) in Rom berufen.
Auch nach Ende des 2. Weltkrieges übernahm er nur noch selten Aufgaben im Film, seine letzte Rolle war die eines alten Mannes in William Wylers Kassenschlager "Ben Hur"1) (1959).
 
Der Schauspieler und Maskenbildner Raimondo van Riel starb 9. Mai 1962 im Alter von 81 Jahren in seiner Geburtsstadt Rom. Wie viele seiner Kollegen gehört der Italiener zu den vergessenen Mimen einer zunehmend verblassenden Stummfilm-Ära.
Quelle: Wikipedia sowie
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 23
Siehe auch www.cyranos.ch, filmstarpostcards.blogspot.de
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) filmportal.de, 4) Murnau Stiftung
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia (englisch/deutsch), Murnau Stiftung)
Stummfilme
  • 1914: Per un'ora d'amore
  • 1919: Fiamma simbolica
  • 1920: La morte piange, ride e poi…
  • 1920: L'amico
  • 1920: La ladra di fanciulli
  • 1921: La congrega dei ventiquattro
  • 1921: Un fiore nel fango
  • 1921: Primavera
  • 1921: Le tre ombre
  • 1922: La tormenta
  • 1922: Tre persone per bene
  • 1923: La madre folle
  • 1923: I promessi sposi
  • 1923: Il sacco di Roma
  • 1923: Un viaggio nell'impossibile
  • 1924: Il cammino delle stelle
  • 1925: La cavalcata ardente
  • 1925: La giovinezza del diavolo
  • 1925: Quo Vadis?
  • 1925: Zigano, der Brigant vom Monte Diavolo (Zigano)
  • 1926: Menschenleben in Gefahr
  • 1926: Der Kampf gegen Berlin
  • 1926: Vater, ich klage dich an! (Beatrice Cenci)
  • 1926: Risa e lacrime
  • 1927: Das Geheimnis des Abbe X / Der Mann der nicht lieben darf
  • 1927: Der goldene Abgrund / Schiffbrüchige des Lebens
  • 1927: Manege
  • 1927: El moroso de la nona
  • 1927: I rifiuti del Tevere
  • 1928: Ritter der Nacht / Der Mann der Nacht
  • 1928: Die Republik der Backfische
  • 1928: Gaunerliebchen / Verschwundene Millionen
  • 1928: Flucht aus der Hölle / Die Hölle von Cayenne
  • 1928: Die letzte Galavorstellung des Zirkus Wolfson
  • 1928: Kiff Tebbi
  • 1928: Der Herzensphotograph
  • 1928: Dva pekelné dny
Noch: Stummfilme
  • 1928: Das letzte Souper / Der Schuss in der großen Oper
  • 1929: Der Bund der Drei
  • 1929: Die Schmugglerbraut von Mallorca / Das Mädchen von Valencia
  • 1929: Schiff in Not S.O.S. / S.O.S. – Schiff in Not
  • 1929: Verirrte Jugend
  • 1929: Mein Herz ist eine Jazzband
  • 1929: Der Zigeunerprimas
  • 1930: Kurs auf die Ehe / Wellen der Leidenschaft (Kire lained)
  • 1930: Mein Herz gehört Dir …
  • 1930: Achtung! Auto-Diebe! (mit Tonverfahren)
Tonfilme
  • 1930: Im Kampf mit der Unterwelt / Ich träum vom ersten Kuss
  • 1930: Die Jagd nach der Million
  • 1930: Gehetzte Mädchen
  • 1930: La donna di una notte
  • 1931: Figaro e la sua gran giornata
  • 1931: La lanterna del diavolo
  • 1931: Terra madre
  • 1931: Corte d'Assise
  • 1934: Luci sommerse
  • 1935: Lorenzino de' Medici
  • 1937: Karthagos Fall (Scipione l'africano)
  • 1939: Due milioni per un sorriso
  • 1939: Die Nacht der Vergeltung (Angélica)
  • 1940: Kapitän Orlando (Il ponte dei sospiri)
  • 1942: Il leone di Damasco
  • 1946: Rom in Flammen (L'apocaliss)
  • 1948: Römische Hochzeit (Il barone Carlo Mazza)
  • 1948: Cittŕ dolente
  • 1948: Sklaven des Lasters (Una lettera all'alba)
  • 1949: Margherita da Cortona
  • 1950: Benvenuto, reverendo!
  • 1958: Junge Leute von heute (Primo amore)
  • 1959: Esterina
  • 1959: Ben Hur (Ben-Hur)
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