Der Schauspieler Herbert Wilk wurde am 10. Mai 1905 als Herbert Christian Ulrich Otto Wilk in der mecklenburgischen Kleinstadt Gnoien geboren. Der Sohn eines Ingenieurs entschied sich nach seinem Oberrealschulabschluss für eine künstlerische Laufbahn und nahm in Berlin privaten Schauspielunterricht. Anschließend gab er 1927 sein Debüt an der "Grünen Bühne" in Thale (Harz), dem später in "Bergtheater"1) umbenannten Freilichttheater. Weitere Erfahrungen sammelte er an Theatern in Brandenburg, Memel, Leipzig und Hamburg, kam dann 1934 nach Berlin. Hier wirkte Wilk bis Kriegsende unter anderem am "Komödienhaus", am "Renaissance-Theater" – beispielsweise 1939 als Partner von Hilde Hildebrandt in dem Schauspiel "Die große Komödiantin" (Regie: Alfred Bernau) von Fritz Schwiefert – sowie an der "Soldatenbühne", die der Unterhaltung von Wehrmachtsoldaten diente.
Mitte der 1930er Jahre kam Wilk zum Film und gab seinen Einstand mit einem kleinen Part in dem Krimi "Savoy-Hotel 217"2) (1936; Regie: Gustav Ucicky). Nach einem weiteren, eher unbedeutenden Auftritt in dem Melodram "Annemarie"2) (1936; Regie: Fritz Peter Buch) erhielt er als Leutnant Joachim Giese in dem Streifen "Ballade"2) (1938; Regie: Peter Hagen) eine erste größere Aufgabe. Als Kommissar Hans Brandner und treuer Mitarbeiter des von Paul Klinger gespielten Titelhelden präsentierte er sich in dem Krimi "Kriminalkommissar Eyck"2) (1939; Regie: Milo Harbich), in dem Abenteuer "Das Lied der Wüste"2) (1939; Regie: Paul Martin) mimte er neben Zarah Leander und Gustav Knuth den englischen Rittmeister Frank Stanney.

Herbert Wilk mit Edda Seippel in dem Stück "Ein Familientag"
von T. S. Eliot1), 1950 am Berliner "Schlosspark Theater"
Regie: Günther Rennert
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0000912_005)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 1950
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Herbert Wilk mit Edda Seippel in dem Stück "Ein Familientag" von T. S. Eliot, 1950 am Berliner "Schlosspark Theater"; Regie: Günther Rennert; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0000912_005); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 1950; Quelle: www.deutschefotothek.de
Populär wurde Wilk vor allem durch soldatische Heldenfiguren in drei NS-Propagandafilmen, die bis heute zu den "Vorbehaltsfilmen"1) zählen, nur mit Zustimmung und unter den Bedingungen der "Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung" bzw. einem begleitenden Kommentar gezeigt werden dürfen: In Erich Waschnecks antisemitischem bzw. antibritischem Machwerk "Die Rothschilds"1) (1940) verkörperte er den idealistischen Patrioten George Crayton, Offizier Wellingtons (Waldemar Leitgeb) und Verlobter der jungen Phyllis Bearing (Gisela Uhlen), die beide auch als unschuldige Opfer der Rothschilds dargestellt werden. In die Uniform der zentralen Figur des Kapitänleutnants Hoffmeister schlüpfte er in Günther Rittaus Kriegsfilm "U-Boote westwärts!"1) (1940), in dem ebenfalls von Rittau inszenierten Propagandafilm "Stukas"1) (1940) verkörperte er den Staffelkapitän Oberleutnant Günter Schwarz. Danach wirkte Wilk zunächst nur noch in einem Kinofilm mit, zeigte sich als Alberto Vieri bzw. Geliebter von Camilla Horn in der deutsch-italienischen Co-Produktion "Tragödie einer Liebe" (1941; Vertigine, → Filmlexikon), einem von Guido Brignone in Szene gesetzten rührseligen Melodram mit Startenor Benjamino Gigli.
 
Im deutschen Nachkriegsfilm blieb Wilk zwar bis Anfang der 1960er Jahre beschäftigt, musste sich aber mit mehr oder weniger prägnanten Nebenrollen zufrieden geben. Zunächst spielte er in einigen Produktionen der DEFA: Nach dem unvollendet gebliebenen Zirkus- und Varietéfilm "Allez Hopp"3) (1946; Regie: Hans Fritz Köllner) – die Dreharbeiten waren bereits nach wenigen Tagen abgebrochen worden – gab er den Bürgermeister Siebold in Milo Harbichs "Trümmerfilm" mit dem Titel "Freies Land"1) (1946). In Erich Engels Hauptmann-Adaption "Der Biberpelz"4) (1949) trat er neben Fita Benkhoff (Mutter Wolffen) und Werner Hinz (Amtsvorsteher von Wehrhahn) als Privatgelehrter Dr. Fleischer in Erscheinung, den der reiche Rentier Krüger (Paul Bildt) wegen Majestätsbeleidigung verhaften zu lassen will. In Georg C. Klarens Biopic "Dr. Semmelweis – Retter der Mütter"1) (1950) mit Karl Paryla in der Titelrolle spielte er den jungen Dr. Lanthaler.
Danach stand Herbert Wilk ausschließlich für bundesdeutsche Kino- und Fernsehproduktionen vor der Kamera, etwa als Oberst Degenhard und enger Freund des Titelhelden (O. E. Hasse) in Alfred Weidenmanns "Canaris"1) (1954), einer "gelungenen Mischung aus spannendem Agenten-Thriller und Biographie über den geheimnisumwitterten Admiral Canaris"1) wie prisma.de notiert. In Falk Harnacks vielbeachtetem Drama "Der 20. Juli"1) (1955) über das gescheiterte Hitler-Attentat am 20. Juli 19441) tauchte er als Oberst Albrecht Ritter Merz von Quirnheim1) auf, als sozialdemokratischer Politiker Rudolf Breitscheid1) in Alfred Brauns Filmbiografie "Stresemann"1) (1956), mit der die letzten Lebensstationen des deutschen Politikers und Friedensnobelpreisträgers Gustav Stresemann1) nachgezeichnet wurden. Nach vier weiteren Kinofilmen, unter anderem mit der Rolle des Oberst Horster in dem Spionagethriller "Geheimaktion Schwarze Kapelle" (1959; Regie: Ralph Habib), zeigte sich Wilk als Vorsitzender des Schwurgerichts in Harald Philipps Kriminal-Drama "Unter Ausschluss der Öffentlichkeit"4) (1961) letztmalig in einem Kinofilm. Auf dem Bildschirm erlebte man Wilk, der zu den Fernsehpionieren zählte, bis 1970 sporadisch in Literatur- bzw. Bühnenadaptionen, Dramen und Komödien.

Neben seiner Arbeit für Film und Fernsehen hatte sich Herbert Wilk nach Kriegsende hauptsächlich auf seine Bühnentätigkeit konzentriert, wirkte in Berlin an dem von Boleslaw Barlog geleiteten "Schlosspark Theater" und "Schillertheater" und profilierte sich überwiegend in Stücken der Moderne. So machte er am "Schlosspark Theater" als geschwätziges Alkoholwrack in dem von Barlog inszenierten Stück "Das unbewohnte Eiland" (1950, → DER SPIEGEL 23/1950) des Niederländers August Defresne von sich reden, gehörte unter anderem zur Besetzung von "Die Liebe der vier Obersten" (1952/53; Regie: Helmut Käutner) von Peter Ustinov. Er spielte in dem Ibsen-Schauspiels "Nora oder Ein Puppenheim"1)  (1955/56; Regie: Boleslaw Barlog) oder in "Der Schulfreund"1) (1958; Regie: Albert Bessler) von Johannes Mario Simmel. Am "Schillertheater" erlebte man ihn beispielsweise in dem Drama "Michael Kramer"1) von Gerhart Hauptmann (1958/59, Regie: Boleslaw Barlog), in "Der Himmel ist grün" von Brian Gear (1963/64; Regie: Jack Witikka) oder in Pavel Kohouts Bühnenversion von Jules Vernes Abenteuer "Reise um die Erde in 80 Tagen" (1965/66; Regie: Helge Thoma). In dem Drama "Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats…"1) von Peter Weiss interpretierte er auch anlässlich der "Berliner Festspiele" (18.09.–03.10.1964) den berühmten französischen Chemiker Antoine Lavoisier1) an der Seite von Ernst Schröder (Marquis de Sade1)) und Peter Mosbacher (Jean Paul Marat1)) in der Inszenierung von Konrad Swinarski im "Schillertheater"; die Uraufführung hatte dort bereits am 29. April 1964 "unter vehementen Beifallsstürmen und vereinzelten Buhrufen" stattgefunden." notiert Wikipedia. Eine seiner letzten Rollen war der ehrliche alter Rat des Königs, Gonsalo, in Shakespeares "Der Sturm"1), inszeniert von Fritz Kortner unter anderem mit Martin Held (Prospero) und Friedrich W. Bauschulte (Alonso), eine Aufführung, die Anfang September 1969 auch im Fernsehen ausgestrahlt wurde.
 
Darüber hinaus war Wilk in Berlin für den Rundfunk (RIAS/SFB) tätig und arbeitete auch als Synchronsprecher. So lieh er unter anderem Mike Mazurki1) in "Liebe in der Wildnis" (1945, Dakota), Henry Fonda5) in "Befehl des Gewissens" (1947, The Fugitive), Shepperd Strudwick1) in "Johanna von Orleans"1) (1948, Joan of Arc) oder Anthony Quinn5) in "Seminola"6) (1953) seine Stimme.
Als Hörspielsprecher arbeitete er mit Kurt Vethake1) zusammen: So gestaltete er beispielsweise den Zaren in "Der Kurier des Zaren" (1972) von Jules Verne, Heinz Rabe1) sprach die titelgebende Figur, den Rittmeister Michael Strogoff. Erneut mit Rabe (= Nathaniel Natty Bumppo) entstand die "Lederstrumpf"-Adaption "Wildtöter"1) (1972), hier war Wilk als Mohikaner Chingachgook zu hören. Unter Kurt Vethakes Regie wurden auch die Neuauflagen der Karl May-Hörspielklassiker von "Maritim" produziert, so 1976 "Der Schatz im Silbersee" mit Eberhard Krug1) als Old Shatterhand, Heinz-Ingo Hilgers1) als Winnetou und Herbert Wilk als Old Firehand. Bereits 1966 hatte er den "Old Firehand" in dem damals noch auf Schallplatte bzw. Musikkassette veröffentlichten gleichnamigen Hörspiel interpretiert, Moritz Milar1) war der Old Shatterhand. Weitere Rollen sprach er in "Unter Geiern, Der Geist des Llano Estacado" (= Helmers) sowie den Indianer Intschu tschuna in "Winnetou I" und "Winnetou II" → karl-may-hoerspiele.info.
Beim "Berliner Rundfunk" (RIAS) bzw. SFB wirkte er in ambitionierten Produktionen mit, unter anderem als Eduard in der Hörspielversion von Max Frischs Drama "Nun singen sie wieder. Versuch eines Requiems"1) (1946, Regie: Theodor Mühlen) mit, gehörte als William Mason zur Besetzung des Krimis "Der Kopf in der Schlinge" (1954, Regie: Rolf Purucker; → www.deutschlandradio.de) von John von Bradley, erfreute als Captain Hacket die Zuhörer in "Eine Gondel in Paris" (1955; Regie: Hanns Korngiebel) von Johannes Hendrich. Regisseur Wolfgang Spier besetzte ihn als Chefredakteur Dr. von Sydow in der Komödie "Zwei alte Damen feuern" (1958), einer Geschichte um zwei resolute Damen (Agnes Windeck/Else Ehser), die sich standhaft weigern, ihr Haus den Interessen des Liegenschaftsamtes (und vor allen Dingen einer Autobahn-Zufahrtstraße) zu opfern; auch in der Fernsehversion übernahm Wilk neben den Protagonistinnen 1960 diese Rolle. Unter der Regie von Hans Lietzau entstand Ferdinand Bruckners "Elisabeth von England" (1959) mit Maria Wimmer in der Titelrolle, Herbert Wilk sprach den Greshan. In der Graham Greene-Adaption "Die Kraft und die Herrlichkeit"1)  (1956; Regie: Curt Goetz-Pflug) war er als Zahnarzt Mr. Tench zu hören → weitere Arbeiten für das Hörspiel bei www.hoerdat.in-berlin.de.
 
Der Theater- und Filmschauspieler sowie Sprecher Herbert Wilk starb am 2. November 1977 im Alter von 72 Jahren in Berlin (West); über sein Privatleben ist nichts bekannt.

Quellen (unter anderem*) **) ***)): Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
*) Kürschners Biographisches Theater-Handbuch, S. 814 (Berlin 1956)
**) Glenzdorfs Internationales Film-Lexikon, Dritter Band, S. 1889 (Bad Münder 1961)
***) F.-B. Habel & Volker Wachter: Lexikon der DDR-Stars (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 1999, S. 365)
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 3) defa.de, 4) filmportal.de, 5) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 6) prisma.de
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, defa.de, Die Krimihomepage)
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