Josefine Dora fotografiert von Wilhelm Willinger (1879 – 1943); Quelle: www.cyranos.ch Josefine Dora erblickte am 13. November 1867 in der Österreichischen Hauptstadt Wien als Isidora Emilie Friese das Licht der Welt und wurde in der k.u.k. Monarchie in eine traditionsreiche deutsch-österreichische Schauspielerfamilie hineingeboren. Der in Bamberg geborene Vater Carl Adolf Friese1)(1831 – 1900), Sohn eines Theaterdirektors und einer Sängerin, begann als jugendlicher Komiker, machte sich später als Sänger in Singspielen und Operetten einen Namen. Die Mutter bzw. Carl Adolf Frieses 2. Ehefrau Josefine Skuhra (1847 – 1913), Schwester des Gesangskomikers Heinrich Skuhra (1841 – nach 1910), betätigte sich ebenfalls als Theaterschauspielerin und Sängerin. Sieben von Josefines zahlreichen Geschwistern waren am Theater als Sänger, Schauspieler, Regisseur oder Bühneschriftsteller beschäftigt. Halbbruder Carl Eduard Friese (1855 – 1915) aus Carl Adolf Frieses ersten Ehe mit der Schauspielerin Marie Müller (1840 – nach 1902) feierte als Bariton und Gesangskomiker Erfolge, Ernst Robert Friese-Skuhra2) (1886 – 1949) stand wie Schwester Isidora schon als Kind auf der Bühne → siehe auch "Künstlerfamilie Friese" bei Wikipedia
Die kleine Isidora, welche später den Künstlernamen "Josefine Dora" aus ihren beiden Taufnamen wählte, wurde wie ihre Geschwister als "echtes Schauspielerkind" schon früh mit dem Theater vertraut. Mit drei Jahren "debütierte" sie am 6. Januar 1870 in dem Schauspiel "Der Kinderarzt" am "Theater an der Wien", trat als Kinderdarstellerin an der Seite ihres Vaters auch in Deutschland, den Niederlanden und in der Schweiz auf.
   
Josefine Dora fotografiert von Wilhelm Willinger1) (1879 – 1943)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier
Sie galt als "Wunderkind" und man nannte sie nach der berühmten Wiener Operettendiva Josefine Gallmeyer2) (1838 – 1884) "die kleine Gallmeyer". Mit ihrem Onkel Heinrich Skuhra unternahm sie zwischen 1875 und 1880 ausgedehnte Gastspielreisen durch Österreich, Deutschland, die Schweiz und die Niederlande, kaum 14 Jahre alt begann sie als Soubrette am "Theater an der Wien" und startete damit 1881 ihre eigentliche Karriere. Mit der "Königin der Operette" Marie Geistinger2) (1836 – 1903), Taufpatin von Schwester Mizzi1) (1880 – nach 1902), ging sie Anfang der 1880er Jahre auf eine Tournee durch Amerika3), zurück in Europa erhielt sie 1885 am "Theater in der Josefstadt" ein Engagement als 1. Soubrette. Danach spielte sie am Berliner "Central-Theater"2), wo sie vorwiegend in Operetten wie "Der Zigeunerbaron", "Der Bettelstudent", "Gasparone", "Die Fledermaus" oder "Der Vogelhändler" das Publikum mit ihrer Natürlichkeit, ihrem Temperament und ihrer Anmut zu begeistern wusste. 1890 wirkte sie in Berlin bei Adolf Ernst2) an dessen "Adolf Ernst Theater", 1892 am "Tivoli Theater" in Bremen, um dann wieder nach Berlin zurückzukehren und kurzzeitig am "Thomas Theater"2), dem vormaligen "Central-Theater" zu spielen. Josefine Doras Domäne waren Possen und Operetten, Gastspielreisen führten sie unter anderem nach Prag und auch nach London, wo sie 1900 als Ensemblemitglied des Prager "Deutschen Theaters" auftrat. Mit den Jahren war sie altersbedingt zunehmend in komischen Rollen zu sehen bzw. bediente das Fach der "Operetten-Alten". So wirkte sie am 4. Oktober 1928 im Berliner "Metropol-Theater" in der Uraufführung der Operette "Friederike"2) von Franz Lehár an der Seite der von Käthe Dorsch gespielten Titelheldin mit.

Josefine Dora 1907 (oder früher)
in der Zeitschrift "Berliner Leben" (Heft 01, 1907)
Urheber: Unbekannter Fotograf der Epoche; Quelle: Wikimedia Commons
Angaben zur Lizenz siehe hier

Josefine Dora 1907 (oder früher) in der Zeitschrift "Berliner Leben" (Heft 01, 1907); Urheber: Unbekannter Fotograf der Epoche
Seit Anfang der 1910er Jahre stand die die inzwischen über 45-jährige Künstlerin in einer Vielzahl von Filmen vor der Kamera und spielte erstmals in Joe Mays, heute als verschollen geltendem kurzen Rätsel-Stummfilm "Das verschleierte Bild von Groß-Kleindorf"2) (1913), allein bis 1930 sind mehr als 70 stumme Produktionen nachweisbar. Meist waren es Nebenrollen wie als Mutter des Protagonisten Paul Heidemann4) in "Paulchen Semmelmann"2) (1916) oder als Amme des Jünglings Lancelot (Hermann Thimig) in Ernst Lubitschs Frühwerk "Die Puppe"2) (1919), lose basierend auf der Operette "Eine lustige Geschichte aus einer Spielzeugschachtel" von A.E. Willner (Libretto) nach Motiven von E.T.A. Hoffmann. Lubitsch besetzte sie auch als Ehefrau des Herrn Montekugerl (Ernst Rückert) in der Groteske "Romeo und Julia im Schnee"2) (1920), Erich Schönfelder als Frau des Rentiers Krüger (Rudolf Biebrach) in der Hauptmann-Verfilmung "Der Biberpelz"2) (1928). Zu ihren letzten Stummfilmen zählte Jaap Speyers Operettenfilm "Zapfenstreich am Rhein"2) (1930), wo Josefine Dora einmal mehr eine Ehefrau mimte, diesmal des Weingutbesitzers Kemp (Ferry Sikla).
Den Übergang zum Tonfilm schaffte die Schauspielerin aufgrund ihrer langjährigen Bühnenerfahrung problemlos und blieb eine vielbeschäftigte Darstellerin in zahllosen Kinoproduktionen. So zeigte sie sich beispielsweise als Ulrike Klapproth in dem unverwüstlichen Schwank "Pension Schöller"2)  (1930) oder spielte mit Max Pallenberg und Heinz Rühmann in Fritz Kortners Komödie "Der brave Sünder"2) (1931). Immer wieder waren es Ehefrauen, so tauchte sie zusammen mit Hans Moser in der Komödie "Endstation"5) (1935) auf, musste als Gattin des Querulanten Karl Sträubler (Moser) in "Das Ekel"5) (1938) dessen Wutausbrüche ertragen. Altersbedingt wurde sie häufig mit Mutter- bzw. Großmutter-Rollen bedacht, sie trat als Garderobiere, Köchin, Wirtschafterin, Zimmerwirtin, Nachbarin oder immer wieder als schrullige ältere Damen auf der Leinwand in Erscheinung. Die Premiere ihrer beiden letzten Filme, die Komödie "Ich hab' von dir geträumt"5) (EA: 21.07.1944) und der musikalische Streifen "Musik in Salzburg"5)
(EA: 26.09.1944), erlebte sie nicht mehr.
 
Josefine Dora starb am 28. Mai 1944 im Alter von 76 Jahren im Ostsseebad Kühlungsborn nahe Rostock.
Sie war in erster Ehe seit dem 29. Dezember 1888 mit dem Schauspieler und Theaterleiter Richard Schultz2) (1863 – 1928) verheiratet gewesen. Nach der Trennung ehelichte sie den Schauspieler Georg Worlitzsch, der während der Vorstellung des Lustspiels "Ihre Familie" am "Deutschen Theater" in London, wo er auch zuletzt engagiert war, am 22. Januar 1902 plötzlich den Folgen eines Schlaganfalls erlag. Sie ging danach noch eine dritte Ehe mit dem Schauspieler Arthur Weinschenk (1856 – ?) ein, mit dem sie bereits für Lubitschs "Die Puppe" (1919) sowie für die Stummfilme "Es bleibt in der Familie" (1920) und "Warum bin ich der Verlobte meiner Tochter" (1921) vor der Kamera gestanden hatte.
Quelle (unter anderem*)): Wikipedia, www.cyranos.ch, OPERISSIMO
*) Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert (Verlag von Paul List, Leipzig 1903); Digitalisiert: Josefine Dora: S.  209/210, Carl Adolf Friese: S. 291/292
Link: 1) operissimo.com, 2) Wikipedia, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 5) Murnau Stiftung
3) Es scheint nicht ganz klar zu sein, ob Josefine Dora mit Josefine Gallmeyer oder Marie Geistinger auf Amerika-Tournee ging. Das "Große Sängerlexikon (Band 4) von Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens (S. 1210) nennt Josefine Gallmeyer, die sich 1882 bis 1883 in den USA befand, Ludwig Eisenberg Marie Geistinger, die in den Jahren 1880 bis 1884 sieben sehr erfolgreiche Tourneen durch die USA unternahm.
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Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
www.earlycinema.uni-koeln.de, filmportal.de
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, Kurzportrait innerhalb dieser HP, filmportal.de)
Stummfilme

Tonfilme

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