Auch Leontine Kühnberg reiht sich in die Liste der Stummfilmdarstellerinnen ein, über die es kaum Informationen gibt, obwohl sie zu ihrer Zeit eine beliebte Mimin war und mit namhaften Regisseuren zusammenarbeitete. Die um 1890 geborene Künstlerin ist seit 1908 als Theaterschauspielerin nachweisbar, zeitweilig gehörte sie dem Ensemble des von Max Reinhardt geleiteten "Deutschen Theaters" an. Noch vor dem ersten Weltkrieg trat sie erstmals auf der Leinwand in Erscheinung und spielte als Partnerin von Ludwig Trautmann1) in dem Harry Piel1)-Streifen "Der schwarze Pierrot" (1913). Laut cyranos.ch soll sich die Schauspielerin dem neuen Medium Film nicht nur wegen des leicht zu verdienenden Geldes zugewandt haben, sondern vor allem aus Neugier, sich selber als Künstlerin beobachten zu können, wenn der Film vorgeführt wurde, um daraus Erfahrungen zu sammeln.
Rasch hatte sich Leontine Kühnberg in der Stummfilmszene etabliert, Anerkennung brachte ihr die Mitwirkung in zwei Sudermann-Verfilmungen ein: In dem Drama "Die Geschichte der stillen Mühle"2) (1914) spielte sie unter der Regie von Richard Oswald2) die junge Gertrud, die zwischen den beiden Brüdern Johannes (Alfred Abel) und Martin (Robert Valberg) steht. In der von Stummfilmpionier Max Mack in Szene gesetzten Romanverfilmung "Der Katzensteg"2) (1915) überzeugte sie als Dienstmagd Regine, die von Boleslav von Schranden (Georg Lengbach) gezwungen wird, die französischen Truppen über den Katzensteg in den Rücken der preußischen Freikorps, die für die Befreiung Deutschlands von der napoleonischen Knechtschaft kämpfen, zu führen und dafür von der Dorfgemeinschaft geächtet wird.

Leontine Kühnberg fotografiert von Wilhelm Willinger2) (1879 – 1943)
Quelle: Wikipedia; Angaben zur Lizenz siehe hier

Leontine Kühnberg fotografiert von Wilhelm Willinger (1879 – 1943); Quelle: Wikipedia
Leontine Kühnberg fotografiert von Wilhelm Willinger (1879 – 1943); Quelle: www,cyranos.ch Die nächsten fünf Jahre stand Leontine Kühnberg regelmäßig vor der Kamera, spielte vor allem in Melodramen Hauptrollen, deren Titel wie "So rächt sich die Sonne"2) (1915), "Es gibt nur Eins auf der Welt, das ewig ist – die Liebe" (1917) oder "Die Tragödie der Manja Orsan" (1919) schon schicksalhafte Geschichten ahnen ließen. Sie mimte Töchter wie in Harry Piels Science-Fiction-Film "Das lebende Rätsel"2) (1916) oder junge Ehefrauen wie in Richard Oswalds Dramen "Seine letzte Maske"2) (1916) und "Zirkusblut"2) (1916), der sie auch im ersten Teil seines Aufklärungs- und Sittenfilms "Es werde Licht!"2) (1917) besetzte. In einer Doppelrolle tauchte sie in Richard Eichbergs2) Geschichte "Die goldene Mumie"2) (1919) auf, mimte die Myra Korff, Verlobte des berühmten Ägyptologen Prof. Mäander (Ferdinand Bonn), und die Pharaonentochter Lothos. Die "Neue Kino-Rundschau" vom 27. Juli 1918 (S. 8) notierte unter anderem "Leontine Kühnberg stellt Myra, die holde Lotos, dar. Nicht nur in den Kleidern des zwanzigsten Jahrhunderts sieht sie reizend aus, sie weiß auch als Dame aus der Zeit 5000 vor Christi entzückend zu wirken."
Für Eichberg verkörperte sie die Titelheldin in der Tragödie "Die letzte Liebesnacht der Inge Tolmein"2) (1918), war für den für seine "Sensations-Melodramen" bekannte Regisseur die weibliche Protagonistin in den Produktionen "Der Narr hat sie geküßt" (1918), "Kinder der Landstraße" (1919), "Die Tragödie der Manja Orsan" (1919) und "Wehrlose Opfer" (1919).
  
Leontine Kühnberg fotografiert von Wilhelm Willinger2) (1879 – 1943)
Quelle: www,cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier
Mit dem ungarischen Regisseur Eugen Illés2) drehte sie "Die silberne Fessel" (1920) und "Moral" (1920), war für Henrik Galeen2) die "Judith Trachtenberg" in dem gleichnamigen Stummfilm aus dem Jahre 1920, gedreht nach dem Roman des österreichischen Schriftstellers Karl Emil Franzos2). Nach dem Part der Dore Schmidt an der Seite von Tilla Durieux in Heinz Sarnows1) Literaturadaption "Der zeugende Tod" (1921) sowie der Doppelrolle in Karlheinz Martins2) heute als verschollen geltenden fantastisch-expressionistischem Film "Das Haus zum Mond" (1921)  beendete Leontine Kühnberg vorerst aus unbekannten Gründen ihre Leinwandkarriere. Lediglich in "Die Heimatlosen" (1924, Regie: Preben J. Rist) übernahm sie noch einmal eine tragende Aufgabe in einem Stummfilm.
Danach verschwand Leontine Kühnberg aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit, ihr weiterer Lebensweg liegt, ebenso wie ihr Todesdatum, im Dunkeln.
Quelle (unter anderem): Wikipedia, www,cyranos.ch
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia
Lizenz Foto Leontine Kühnberg (Urheber: Wilhelm Willinger): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
    
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
www.earlycinema.uni-koeln.de, filmportal.de
(Link: Wikipedia)
  • 1918: Maria Magdalena*) (Regie: Preben J. Rist)
  • 1918: Das Mädchen vom Kaufhaus X
  • 1918: In die Wolken verfolgt
  • 1918: Das Tagebuch der Jutta Ferrari
  • 1918: Uns aber ist gegeben, auf keiner Stätte zu ruhen
  • 1919: Die Tragödie der Manja Orsan
  • 1919: Kinder der Landstraße
  • 1919: Wehrlose Opfer
  • 1919: Am Kreuzweg der Leidenschaften
  • 1919: Ich klage an
  • 1919: Die Kupplerin
  • 1919: Moral
  • 1920: Die silberne Fessel → www.earlycinema.uni-koeln.de
  • 1920: Im Schuldbuch des Hasses
  • 1920: Judith Trachtenberg → Wikipedia (englisch)
  • 1920: Moral
  • 1920: Versiegelte Lippen
  • 1921: Der zeugende Tod
  • 1921: Das Haus zum Mond
  • 1924: Die Heimatlosen

*) nicht identisch mit dem 1919 veröffentlichten gleichnamigem
Film (Regie: Otto Kreisler)  mit Thea Rosenquist in der Titelrolle

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