Der Schauspieler Hadrian Maria Netto wurde am 6. Juni 18851) in Leipzig geboren. Nach dem Gymnasium bzw. dem Abitur studierte er zunächst Staatsrecht, diente beim Militär und brachte es im 1. Weltkrieg bis zum Rang eines Rittmeisters. Nach Kriegsende betätigte er sich als Schriftsteller und wandte sich dann der Schauspielerei zu, gab 1920 an der Berliner "Tribüne"2) sein Bühnedebüt. Weitere Theaterstationen wurden in den 1920er Jahren in der Hauptstadt unter anderem das "Kleine Theater" und das "Berliner Theater"2).
Bereits zu Stummfilmzeiten trat der vielseitige Künstler auf der Leinwand in Erscheinung, sein Debüt hatte er mit einem kleinen Part in dem Streifen "Die Edelsteinsammlung"3) (1918) von und mit Viggo Larsen gegeben, der ihn auch in dem Krimi "Das Skelett des Herrn Markutius"2) (1920) besetzte. Nach mehrjähriger Pause zeigte sich Netto dann unter anderem in der Geschichte "Das Panzergewölbe"2) (1926) aus der "Stuart Webbs"-Reihe2), spielte mit Henny Porten in dem Lustspiel "Liebe im Kuhstall"2) (1928), um dann mit Beginn der Tonfilm-Ära seine Arbeit für den Film zu intensivieren.
Meist verkörperte in den kommenden knapp 50 Produktionen originelle Nebenrollen, mimte steif-gravitätische subalterne Gestalten wie Diener, Sekretäre oder Zeremonienmeister, gab aber auch hochrangige Militärs, Grafen, Gesandte, Minister, Professoren oder sonstige Honoratioren, die er oft mit einer gekräuselten hohen Stirn darstellte.

Foto: Hadrian Maria Netto vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Hadrian Maria Netto vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch
So gehörte er unter anderem als Polizeihauptmann zur Besetzung von Fritz Langs Meisterwerk "M – Eine Stadt sucht einen Mörder"2) (1931), war als Nicolai Griforiew auch in Langs Krimi "Das Testament des Dr. Mabuse"2) (1933) zu sehen. In der ganz auf Weiß-Ferdl zugeschnittenen Geschichte "Die beiden Seehunde"3) (1934) kam er als Baron Presch daher, als Oberst der Garde in der Literaturverfilmung "Das Einmaleins der Liebe"3) (1935) oder als Major Roscoe, Adjutant des Königs (Albert Matterstock), in der Komödie "Land der Liebe"3) (1937). Dem NS-Propagandafilm konnte sich Netto nicht entziehen, übernahm aber eher kleinere Parts in den Produktionen "Mein Sohn, der Herr Minister"2) (1937), "Pour le Mérite"2) (1938) und "Die Rothschilds"2) (1940), die noch heute zu den "Vorbehaltsfilmen" zählen. Er zeigte sich als Oberstleutnant von Treskow-Dyrenfurth in dem Kriegsstreifen "Urlaub auf Ehrenwort"3) (1938), als Goldgräber Pinelle in dem Abenteuer "Eine Frau kommt in die Tropen"3) (1938), ein weiteres Abenteuer war Wolfgang Liebeneiners "Ziel in den Wolken"3) (1938), in dem Netto den Oberst von Salis spielte. Hans Steinhoff besetzte ihn als Polizeipräfekt Gravon in seiner mit großem Aufwand betriebenen operettenhaften Inszenierung "Tanz auf dem Vulkan"2) (1938), Gustaf Gründgens als Ökonomierat Eberhard in der Komödie "Zwei Welten"3) (1940), für Helmut Käutner gab er den Professor Häberfeld in der Kästner-Verfilmung "Frau nach Maß"3) (1940) und für Erich Waschneck die Exellenz von Erdöffy in dem Melodram "Die unvollkommene Liebe"3) (1940). Bis 1945 folgten nur noch wenige Auftritte, so als Fabrikbesitzer Kaspar in Gerhard Lamprechts Biopic "Diesel"2) (1942) mit Willy Birgel als Ingenieur Rudolf Diesel2) oder als Graf in Robert A. Stemmles tendenziösen Komödie "Meine Herren Söhne"4) (1945). Paul Verhoevens 1944 gedrehte Bühnenverfilmung "Das kleine Hofkonzert"2) mit dem Mini-Part eines zweiter Höflings gelangte erst nach Kriegende zur Uraufführung, in Berlin-Ost am 15.04.1949 und in Berlin-West am 20.September 1949, die bundesdeutsche Erstaufführung erfolgte am 1. April 1950 in Mannheim. Erst 1996 konnte Wolfgang Staudtes noch 1945 fertiggestellte heitere Geschichte "Der Mann, dem man den Namen stahl"3) gezeigt werden, noch vor der Uraufführung war sie von den Nazis verboten worden. Nach dem Krieg war nur mehr die Tonspur und eine kurze Szene (in der der Hauptdarsteller, Axel von Ambesser, ein Lied über Paragraphen singt) vorhanden, der übrige Film blieb verschollen. Nach der "Wende" wurde er durch Zufall in mit anderen Titeln beschrifteten Filmrollen wiederentdeckt und die einzelnen Teile mühsam anhand der Tonspur wieder zusammengesetzt (zwei nicht mehr auffindbare Szenen wurden durch Standbilder ersetzt); uraufgeführt wurde er im Berliner "Zeughauskino" im Juli 1996.5)
Als Schriftsteller verfasste Hadrian Maria Netto neben Romanen wie "Herbst" (1922) oder "Leben jenseits der Liebe" (1936) zudem mehrere Bühnenstücke, wo er seine Routine als Theater- und Filmkünstler einbringen konnte und die sich durch Fantasie und Geschick für Dramaturgie sowie Charakterisierung der Figuren auszeichneten. Eines seiner Stücke wurde unter dem Titel "Die fromme Lüge"3) (1938) von Nunzio Malasomma mit Pola Negri verfilmt, die Komödie in drei Akten "Die Liebe ist das wichtigste im Leben" am 3. Januar 1940 im Bremer "Schauspielhaus" im Beisein des Autors uraufgeführt → Literatur von und über Hadrian Maria Netto im Katalog der "Deutschen Nationalbibliothek".
 
Der Schauspieler und Schriftsteller Hadrian Maria Netto starb am 2. November 1948 in Berlin im Alter von 62 Jahren – legt man das Geburtsjahr 1885 zugrunde.
Von 1934 bis zur Scheidung im Jahre 1942 war er in zweiter Ehe mit der Schriftstellerin Hertha Margarete Maria von Puttkamer (1900 – 1976), einer Enkelin des preußischen Staatsmannes Robert Viktor von Puttkamer2), verheiratet. Hadrian Maria Netto hatte eine Tochter aus erster Ehe, seine Urenkelin ist die Sängerin Pascal von Wroblewsky2).
Quelle (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch
1) Nach anderen Angaben am 6. Juni 1884 in Dresden; vgl. "Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser" (Band 22: Adelige Häuser A (= Genealogisches Handbuch des Adels. Bd. 103); Starke, Limburg an der Lahn 1992)
Link: 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung, 4) filmportal.de
5) Quelle: Wikipedia
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