Günther Lüders wurde am 5. März 1905 in Lübeck als Sohn eines Reederei-Besitzers geboren. Nach dem Besuch des "Katharineums" (1911 – 1921) in seiner Geburtsstadt begann er eine kaufmännische Lehre, die er jedoch abbrach, um Schauspieler zu werden. Er nahm dementsprechenden Unterricht bei Karl Heidmann (1889 – 1946) in Lübeck, gab 1923 sein Bühnendebüt in Sudermanns "Blumenboot" am Lübecker "Städtebund-Theater". Ein Jahr später wechselte Lüders zum "Stadttheater", stand dort ein Jahr lang auf der Bühne und ging dann nach Dessau an das "Friedrich-Theater". Dort spielte er bis 1930, dann erhielt er ein Engagement an das "Neue Theater" in Frankfurt a.M. und kam schließlich 1934 nach Berlin, wo er zwei Jahre lang bei den Kabaretts "Tingeltangel" und "Katakombe" auftrat, später am "Lessingtheater", der "Komödie", dem "Theater am Kurfürstendamm" sowie der "Tribüne" Erfolge feierte.
Hatte Lüders zu Anfang seiner Karriere noch jugendliche Liebhaber gespielt, kristallisierte sich nun immer mehr sein Talent für komische Rollen heraus. Am Berliner "Lessingtheater" spielte er beispielsweise ein "Frontschwein" in Karl Bunjes "Etappenhase" so überzeugend pfiffig-bauernschlau, dass er in den kommenden Jahren auf einen solchen Rollentypus abonniert zu sein schien. Er mimte Figuren, die beim Sprechen anstoßen oder skurrile Gestalten voller Humor und liebenswerter Schusseligkeit.
 

Günther Lüders im Kostüm seiner Rolle in dem
Militärschwank "Der Etappenhase" (1937)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
aus Kinoprogrammheft "Das Programm von heute" (Verlag R. Leminger, Wien 1937)
Urheber: Unbekannt; Lizenz siehe hier

Günther Lüders im Kostüm seiner Rolle im Film Der Etappenhase (1937); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons aus Kinoprogrammheft "Das Programm von heute" (Verlag R. Leminger, Wien 1937); dieses Werk ist älter als 70 Jahre und sein Erschaffer nicht bekannt. Nach der Berner Konvention und den Gesetzen vieler Länder gilt dieses Werk als gemeinfrei.
Portrait von Günther Lüders; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000081_015); Copyright: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: ungenannt; Quelle: www.deutschefotothek.de Gustaf Gründgens holte den Schauspieler, der nach Kriegsende in Flensburg, Lübeck und Hamburg Theater gespielt hatte, 1947 nach Düsseldorf und bis 1954 begeisterte Lüders mit zahlreichen Bühnenfiguren dort das Publikum. Zu den Glanzrollen des Schauspielers zählen unter anderem sein bösartiger Prolet Porter in Thomas Wolfes "Herrenhaus" oder sein degenerierter Adliger in Luigi Pirandellos "Heinrich IV." Als Shakespeare-Interpret brillierte unter anderem als Polonius in "Hamlet" oder als Antonio, "Der Kaufmann von Venedig". Unvergessen bleibt sein schrulliger Elwood P. Dowd in der Komödie von Mary Chase "Mein Freund Harvey".
Nach sehr erfolgreichen Inszenierungen in München Ende der 1950er Jahre, wie etwa Shakespeares "Ein Wintermärchen", übernahm Lüders 1959 die Leitung des "Württembergischen Staatsschauspiels", 1962 erfolgte seine Ernennung zum "Staatsschauspieler". 1963 gab er den Direktionsposten wieder ab, da er vor allem wieder als Darsteller auf der Bühne stehen wollte. Seither arbeitete Lüders als freier Schauspieler, gastierte an verschiedensten Bühnen Deutschlands und war auch beim Fernsehen viel gefragt. Seinen letzten Bühnenauftritt hatte er 1974 unter der Regie Peter Zadek in Bochum mit der Titelrolle in "Professor Unrat" nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Mann.

Portrait von Günther Lüders
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000081_015)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: ungenannt;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Anfang der 1930er Jahre war Lüders zum Film gekommen und absolvierte dort im Laufe seiner Karriere mehr als 100 Rollen. Meist spielte Lüders prägnante Nebenrollen und konnte auch im Film oft sein komisches Talent hervorragend zum Ausdruck bringen. Sein Leinwanddebüt hatte er 1934 als Presseataché Barrick neben Brigitte Helm und Willy Fritsch in Hans Steinhoffs Krimi "Die Insel"2) gegeben, 1939 beispielsweise mimte er unter der Regie von Viktor de Kowa den Schneidergesellen Peter Zimpel in "Schneider Wibbel" neben Erich Ponto in der Titelrolle, unvergessen bleibt seine Darstellung des Matrosen Jens in dem von Helmut Käutner realisierten Albers-Film "Große Freiheit Nr. 7"1) (1944). Zu den seltenen Hauptrollen, die Lüders auf der Leinwand verkörperte, zählt Joe Stöckels Filmversion von "Der Etappenhase" (1937).
Im deutschen Nachkriegsfilm wurde Lüders häufig mit Klamaukrollen besetzt, am überzeugendsten war er in Filmen von Kurt Hofmann, in denen er sein komödiantisches Talent voll ausleben konnte. Etwa als Kammerdiener Johann Kesselhut in der Kästner-Verfilmung "Drei Männer im Schnee"1) (1955) oder als Baron Sperling in der Komödie "Das Wirtshaus im Spessart"1) (1958). Verschiedentlich spielte Lüders in Literaturadaptionen und zeigte in diesem Genre mit prägnante Nebenfiguren, dass er zu den großen Charaktermimen zählte. So verkörperte er in Harald Brauns, auf einer gleichnamigen Erzählung von Thomas Mann basierenden Romanze "Königliche Hoheit"1) (1953, mit Ruth Leuwerik und Dieter Borsche) wunderbar den Kammerdiener Neumann, in Rudolf Jugerts "Effie Briest"-Adaption "Rosen im Herbst"1) (1955) nach Theodor Fontane den Apotheker Alonzo Gieshübler, mit dem Effi Briest (Ruth Leuwerik) Freundschaft schließt und der ihr in der unglücklichen Ehe mit Geert von Innstetten (Bernhard Wicki) Halt gibt. In Alfred Weidemanns zweiteiligen Thomas Mann-Adaption "Die Buddenbrooks"1) (1959) mimte er den Angestellten Corle Smolt, in einer weiteren Thomas Mann-Verfilmung, "
Tonio Kröger"1) (1964), sah man Lüders als Bibliothekar. Andere Kinoproduktionen, in denen Lüders Aufgaben übernahm, waren beispielsweise "Heideschulmeister Uwe Karsten" (1954), "Das Sonntagskind"1) (1956), "Robinson soll nicht sterben"1) (1957) und  "Liebe auf krummen Beinen"2) (1959). In den 1960er Jahren trat Lüders nur noch vereinzelt vor die Filmkamera, seinen letzten Filmauftritt hatte er mit der Rolle des Lehrer Hartmann in Peter Zadeks "Ich bin ein Elefant, Madame"1) (1969).
Drei Spielfilme nach literarischen Vorlagen inszenierte er auch selbst, so "Wenn wir alle Engel wären"1) (1956, nach Heinrich Spoerl, "
Vater, unser bestes Stück"1) (1957) nach einem Roman von Hans Nicklisch und "Ihr 106. Geburtstag"1) (1958) von Curth Flatow mit einer brillanten Margarete Haagen in der Hauptrolle.
Günther Lüders als Professor Benjamin und Louise Martine als "die Stimme" (Eva Lamberti) in "Die Stimme im Glas" von Leopoldo Cuoco und Gianni Isidori, ein 55-minütiges TV-Spiel von Wolf Vollmar und Bruno Voges für den Süddeutschen Rundfunk inszeniert und erstmals am 07.08.1968 in der ARD-Reihe "Wunderliche Geschichten" ausgestrahlt. Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR

Die Fernsehzuschauer erlebten Lüders sporadisch in verschiedenen Produktionen, unter anderem natürlich mit seiner Paraderolle des Elwood P. Dowd in der von Imo Moszkowicz in Szene gesetzten TV-Fassung von "Mein Freund Harvey" (1959). Unter der Regie von Rudolf Noelte spielte er in "Drei Schwestern" (1966) von Anton Tschechow, 1968 erlebte man ihn in Günter Gräwerts O'Neill-Inszenierung "Der Eismann kommt" als Barbesitzer Harry Hope, Alfred Weidenmann besetzte in ein Jahr später neben Liselotte Pulver in "Pistolen-Jenny" als "Doc"; Anfang der 1970er Jahre agierte Lüders auch in zwei Folgen der beliebten Krimi-Reihe "Dem Täter auf der Spur". Darüber hinaus war der Schauspieler häufig im Rundfunk zu hören, er gab Rezitationsabende mit Werken von Mathias Claudius, Goethe, Wilhelm Busch sowie Joachim Ringelnatz und Christian Morgenstern, denen seine besondere Liebe galt. 1958 erschien beispielsweise die Schallplatte mit Morgensterns "Galgenlieder", "Günther Lüders spricht Ringelnatz und Morgenstern" ist inzwischen als CD erhältlich.
 
Foto: Günther Lüders als Professor Benjamin und Louise Martini als "die Stimme" (Eva Lamberti)
in "Die Stimme im Glas" von Leopoldo Cuoco und Gianni Isidori,
ein 55-minütiges TV-Spiel von Wolf Vollmar1) und Bruno Voges
für den Süddeutschen Rundfunk inszeniert und erstmals am 07.08.1968
in der ARD-Reihe "Wunderliche Geschichten" ausgestrahlt.
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR

Günther Lüders starb am 1. März 1975 wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag in einem Düsseldorfer Krankenhaus; schon seit langen Jahren litt der Schauspieler an einer Nierenerkrankung. In Düsseldorf hatte er an der "Komödie" für das Stück "Endspurt" von Peter Ustinov geprobt.
Seine letzte Ruhe fand der Charaktermime in der Grabstätte der Familie Lüders auf dem Burgtorfriedhof in Lübeck → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
Als "komischer und kauziger Wasserkantler" stand der Schauspieler in der Kartei der Filmgesellschaften verzeichnet, als Bruder im Geist von Joachim Ringelnatz, verkörperte Lüders im Film immer wieder Käuze und Pfiffikusse, undurchsichtige Sonderlinge und schwierige Spinner, oft mit plattdeutschem Einschlag. Mit seiner klapprigen äußeren Erscheinung, die aus Zeichnungen Wilhelm Buschs hätte entlehnt sein können, nahm man ihm die schrullig-vertrottelten Typen, aber auch die bauernschlauen und listigen Till-Eulenspiegel-Gestalten ab.3) Und DER SPIEGEL (11/1975) schrieb in einem kurzen Nachruf unter anderem: "Die Skala von Lüders reichte von versponnener, spökenkiekerischer Verträumtheit (das prädestinierte ihn für Ringelnatz und für "Mein Freund Harvey") bis zu jener raubvogelhaften Einsamkeit, die immer auch, bis in seinen merkwürdig federnd verklemmten Gang, eine große Schutzlosigkeit offenbarte."
  
Die Liste der Auszeichnungen, die Lüders während seiner Schauspielerkarriere entgegen nehmen konnte, kann sich sehen lassen: So erhielt er neben dem erwähnten Titel "Staatsschauspieler" unter anderem 1970 die "Ehrenplakette des Senats" der Hansestadt Lübeck, 1974 den "Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein" sowie die Ehrenmitgliedschaft der "Bühnen der Hansestadt Lübeck" und den "Deutschen Kleinkunstpreis"1) in der Kategorie "Rezitation".
Von Ulrich Liebe stammt das einfühlsame Porträt "Ich war nie ein Star – Günther Lüders". Auf knapp fünfzig Seiten erzählt Ulrich Liebe in diesem Buch Lüders' Leben nach und seinen Werdegang am Theater und beim Film. Er charakterisiert ihn treffend, wenn er schreibt: "Filmen ist für Günther Lüders eine echte Passion, er nimmt jedes halbwegs akzeptable Angebot an, mitunter etwas wahllos; mancher Klamotte leiht er sein Talent. Je nach Sujet und Regisseur gelingen ihm dann Kabinettstückchen seines kostbaren Humors, oder er bildet wenigstens einen Lichtblick in einem ansonsten kaum nennenswerten Kinostück. Immer aber bleibt er sich selbst treu als ein unverkennbarer Typ. Er kennt seine Möglichkeiten ebenso wie seine Grenzen und setzt seine Mittel so gekonnt ein, dass er selbst in einem belanglosen Film noch gut dasteht." (Quelle: www.kino-zeit.de)
Vom 31. Juli bis 5. September 2010 fand im Düsseldorfer "Theatermuseum" und im "Filmmuseum" die von der "Herbert-Ihering-Gesellschaft" initiierte Ausstellung "Günther Lüders: Ich war nie ein Star" statt. Gezeigt wurde "neben bekannten Rollen- und Szenenfotos auch bisher unveröffentlichtes Material aus dem Nachlass von Günther Lüders. Einfühlsam zeichnet sie den Weg des Lübecker Kaufmannssohnes durch sieben Jahrzehnte nach, von seinen Lehr- und Wanderjahren in den "Goldenen Zwanziger Jahren", den Konflikt mit dem NS-Regime und der daraus folgenden "Überlebensstrategie" bis zu dem ernsthaften Bemühen nach 1945 um "mehr Menschlichkeit und Frohsinn in dieser Welt" (Lüders)" kann man unter anderem bei www.duesseldorf.de lesen. Bereits vom 20. Mai bis 27. August 2006 war die Ausstellung im Lübecker Burgkloster, vom 18. April bis 22. Juni 2008 im "Filmmuseum Potsdam" zu Gast gewesen.


Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch sowie
das Interview (1970) bei "Deutsche Welle"

Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung
3) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 231)
Lizenz Foto Günther Lüders: Dieses Werk ist älter als 70 Jahre und sein Erschaffer nicht bekannt.
Nach der Berner Konvention und den Gesetzen vieler Länder gilt dieses Werk als gemeinfrei.

Kinofilme (Auszug)
Siehe auch Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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