Wilhelm Diegelmann 1927; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 1555 (Ausschnitt); Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.

Wilhelm Diegelmann, geboren am 28. September 1861 in Ellers bei Fulda (heute Gemeinde Neuhof), begann seine Bühnenlaufbahn 1878 als Chorist bei der Frankfurter Oper. Dann entschied er sich für das Sprechtheater, gab drei Jahre später sein Debüt als Schauspieler am Frankfurter Stadttheater, profilierte sich rasch zu einem viel beachteten Charakterdarsteller und wusste mit klassischen Helden wie dem "Wallenstein", "Nathan der Weise", "Wilhelm Tell" oder dem "König Lear" zu überzeugen. Etwa um 1900 ging er nach Berlin, spielte vorwiegend am Deutschen Theater, stand aber auch am Großen Schauspielhaus und am Deutschen Künstlertheater auf der Bühne.
 
Diegelmann gehörte zu den ersten renommierten Theaterschauspielern, die sich für das neue Medium "Film" interessierten, bereits 1913 wurde er von Max Reinhardt für dessen abenteuerlichen Stummfilm "Insel der Seligen"1) verpflichtet (siehe auch Wikipedia). In den kommenden zwei Jahrzehnten war Diegelmann in zahllosen Produktionen auf der noch stummen Leinwand präsent, gehörte zur Stammbesetzung so legendärer Regisseure und Filmpioniere jener Jahre wie beispielsweise Ernst Lubitsch2), Joe May2), Erich Waschneck2), Fritz Lang2), Richard Oswald2), Friedrich Wilhelm Murnau2) oder Josef von Sternberg2).
 
 
Foto: Wilhelm Diegelmann 1927
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder2) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 1555 (Ausschnitt)
Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.

Oft gab er Vaterfiguren, über hundert sollen es gewesen sein, war aber auch in anderen Rollen stets authentisch. Diegelmann schlüpfte in die Maske von Bauern, Dienern, Ärzten, Geistlichen oder Adligen, deckte die ganze Palette der unverzichtbaren Randfiguren ab. Darüber hinaus wurde er in späteren Jahren gerne als Charakter-Komiker besetzt und fand auch im Lustspiel zahlreiche interessante Aufgaben.
Es waren nicht nur die rasch gedrehten stummen Melodramen, in denen Diegelmann vor der Kamera stand. Auch in künstlerisch anspruchsvollen und erfolgreichen Filmen wie Ernst Lubitschs verschollene Komödie "Prinz Sami"2) (1917) – hier mimte er einen skurrilen Fürsten – oder dessen filmischen Meisterwerken wie Prosper Mérimées "Carmen"2) (1918, mit Pola Negri) und "Anna Boleyn"2) (1920) wurden ihm prägnante Rollen übertragen. In dem aufwendig inszenierten Historiendrama "Anna Boleyn" mit Henny Porten in der Titelrolle und Emil Jannings als König Heinrich VIII. trat er als Kardinal Campeggio auf, in Lubitschs "Die Bergkatze"2) (1921) mimte er den Räuberhauptmann Claudius bzw. Vater der Protagonistin Rischka alias Pola Negri. Richard Oswalds Homosexuellen-Drama "Anders als die Anderen"2) (1919) mit Conrad Veidt, Joe Mays Abenteuer "Veritas vincit"2) (1919) und "Das Indische Grabmal"2) (1921) zählen zu den Stummfilm-Klassikern, ebenso wie Paul Wegeners "Der Rattenfänger von Hameln"2) (1918), Fritz Langs "Der Müde Tod"2) (1921), Friedrich Wilhelm Murnaus "Phantom"2) (1922) oder Carl Froelichs "Mutter und Kind"2) (1924). Streifen wie Richard Oswalds Historiendrama "Lucrezia Borgia"2) (1922) mit Liane Haid und Conrad Veidt, Curtis Bernhardts Rührstück "Die Waise von Lowood" (1926) mit Evelyn Holdt oder Karl Grunes Zuckmayer-Adaption "Katharina Knie"3) (1926) mit Carmen Boni in der Titelrolle zogen die Menschen in die Lichtspielhäuser.
 
Mit Beginn der Tonfilm-Ära blieb Diegelmann ein vielbeschäftigter Darsteller, war unter anderem in Josef von Sternbergs Klassiker "Der blaue Engel"2) (1930) der Kapitän, der nach einer Schiffsreise nichtsahnend mit der Sängerin Lola Lola (Marlene Dietrich) anbändelt und prompt die Eifersucht ihres neuen Ehemanns (Emil Jannings) zu spüren bekommt. Es folgten Kassenschlager wie Reinhold Schünzels musikalische Komödie "Ronny"1) (1931) mit Käthe von Nagy und Willy Fritsch, Hans Steinhoffs Lustspiel "Der Wahre Jakob" (1931) oder der heute als "Vorbehalts-Film"2) geltende NS-Propagandastreifen "Hans Westmar – Einer von vielen"2) (1933), den Franz Wenzler mit Emil Lohkamp in der Titelrolle nach dem Roman "Horst Wessel" von Hanns Heinz Ewers in Szene gesetzt hatte. Seinen letzten Leinwandauftritt hatte Diegelmann als alter Deichgraf Tede Volkerts in Hans Deppes Storm-Adaption "Der Schimmelreiter"2) an der Seite von Mathias Wieman und Marianne Hoppe. Die Uraufführung am 12. Januar 1934 in Hamburg konnte Wilhelm Diegelmann noch erleben, zwei Monate später starb der Schauspieler am 1. März 1934 mit 72 Jahren in Berlin-Charlottenburg; die letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Südwestkirchhof Stahnsdorf.
 
Er schöpfte im Leben, auf der Bühne und im Film gern und behaglich aus dem Vollen und wollte daher mit seine 72 Jahren immer noch nicht aus seinem beruflichen Wirkungskreis abtreten. Er war der ewige Falstaff der Bretter und der Leinwand. Ein paar Tage vor seinem Tode spielte er noch im Deutschen Theater in "Rembrandt vor Gericht" und ging in den Proben zu Hebbels "Nibelungen" mit Leib und Seele auf, dem nächsten Bühnenstück, in dem er mitwirken wollte. Auch Diegelmann kam sehr früh zum Film. Als die ersten "Autoren-Filme" gedreht wurden, holte man auch "Papa Diegelmann", wie er schon vor zwanzig Jahren genannt wurde, und seitdem hat ihn der Film nicht mehr freigegeben. Mit seinen Rollen im "Blauen Engel", in "Hans Westmar" und im "Schimmelreiter" hat er sich ein bleibendes Denkmal für seine Tonfilmtätigkeit gesetzt.4) 
Siehe auch Wikipedia sowie www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1)  Murnau-Stiftung, 2) Wikipedia, 3) filmportal.de
4) Quelle: Vom Werden Deutscher Filmkunst, Teil 2, von Dr. Oskar Kalbus, 1935
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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