Carl Auen etwa um 1920 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid (1864 – 1930); Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia

Obwohl der Schauerspieler Carl Auen im Laufe seiner Karriere für eine kaum überschaubare Zahl von Kinoproduktionen vor der Kamera stand und sich schon zu Zeiten des frühen Stummfilms einen Namen machte, ist er heute nahezu in Vergessenheit geraten.
Geboren wurde Carl Auen am 16. Februar 1892 in der heute nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Seine ersten filmischen Arbeiten werden mit dem "Stuart Webbs"-Streifen "Die geheimnisvolle Villa" (1914) ausgewiesen, wo er an der Seite des Protagonisten Ernst Reicher1) (1885 – 1936) in Erscheinung trat. Nach weiteren Auftritten in etlichen stummen Kriminalgeschichten oder Melodramen avancierte Carl Auen in den frühen Detektiv-Serien jener Jahre zum Publikumsliebling, zunächst 1917/18 mit der Figur des (Kriminal-)Rat Arnheim in einer von William Kahn2) (1888 – 1943) entwickelten bzw. dessen "William-Kahn-Film" produzieren, wenn auch kurzlebigen Reihe. 1919/20 verkörperte er mehrfach den von Joe May2) (1880 – 1954) erfundenen Detektiv Joe Deebs2), den nachhaltigen Ruhm seines Vorgängers Max Landa1) (1873 – 1933) konnte er damit jedoch nicht erreichen, ebenso wenig wie sein Kollege Ferdinand von Alten1) (1885 – 1933), der den Joe Deebs 1920/21 mimte.

Carl Auen etwa um 1920 auf einer Fotografie
von Nicola Perscheid2) (1864 – 1930)
Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia
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Der blendend aussehende Carl Auen machte vor allem als Gentlemen, Offizier oder Adeliger eine gute Figur auf der stummen Leinwand, mimte Fürsten, Grafen, Barone und Prinzen. Mit der Titelrolle des badischen Oberstleutnants Johann Baptiste Lingg2) (1765 – 1842), der am 20. Februar 1807 die Stadt Hersfeld vor der totalen Zerstörung durch Napoléons Truppen rettete, tauchte er in dem Drama "Johann Baptiste Lingg. Unter der Fremdherrschaft der Franzosen" (1921) auf, übernahm zugleich die künstlerische Leitung. Auen spielte Hauptrollen in zu Herzen gehenden Geschichten wie "Lebenshunger" (1920), "Die Sünden der Mutter"3) (1921), "Frauenschicksal" (1922) oder "Muss die Frau Mutter werden?"3) (1924), aber auch in Abenteuern wie "Einer gegen Alle: Die Sensationen eines Millionärs ohne Geld" (1926/27). Als "Lux, König der Abenteurer" trat er 1929/30 in vier Filmen auf, so auch in "Der Mann im Dunkel" (1930). 
Den Übergang zum Tonfilm schaffte Carl Auen nach mehr als 100 Stummfilm-Produktionen zwar problemlos, musste sich jedoch fortan mit Chargenrollen begnügen. Das tat seiner Beliebtheit bei den Nazi-Oberen keinen Abbruch, hatte er sich doch bereits vor der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten dem völkisch gesinnten, antisemitischen "Kampfbund für deutsche Kultur"2) (KfdK) und der "Betriebszellen-Organisation"2) (NSBO) der NSDAP angeschlossen. 1933 ernannte ihn Reichspropagandaminister Joseph Goebbels zum Leiter der "Fachschaft Film" der "Reichsfilmkammer"2) und übertrug ihm damit eine Schlüsselposition in der Personalpolitik innerhalb der NS-Filmindustrie.

Carl Auen 1928 auf einer Fotografie von von Nicola Perscheid2) (1864 – 1930)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Carl Auen 1928 auf einer Fotografie von von Nicola Perscheid (1864 – 1930); Quelle: www.cyranos.ch
Zur Filmografie der 1930er Jahre gehören beispielsweise "Heideschulmeister Uwe Karsten" (1933) mit der Rolle des Pastors Sunneby oder der Historienfilm "Der alte Fritz"2) (1937) mit dem Part des russischen Fürsten Rajumowski. Kleinere Aufgaben übernahm er in den bis heute zu den "Vorbehaltsfilmen"2) gehörenden Propagandastreifen "Togger"2) (1937) und "Mein Sohn, der Herr Minister"2) (1937). Letztmalig agierte er in dem zweiteiligen Abenteuer "Der Tiger von Eschnapur"2) bzw. "Das indische Grabmal"2) und mimte 1938 einen indischen Adligen, sowie in dem Krimi "Mit versiegelter Order"3) (1938) – danach war seine Filmkarriere als Schauspieler beendet.
  
Nach Ende des 2. Weltkrieges hielt sich der einst so beliebte Stummfilmdarsteller als Vertreter für Spirituosen über Wasser.
Carl Auen starb, von der Öffentlichkeit vergessen, am 23. Juni 1972 im Alter von 80 Jahren in Berlin-Lichterfelde. 
Quelle (unter anderem): Wikipedia; siehe auch www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung
Lizenz Foto Carl Auen (Urheber Nicola Perscheid): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
    
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
Stummfilme (Auszug)
  • 1914: Die geheimnisvolle Villa ("Stuart Webbs"-Reihe)
  • 1915: Seifenblasen. Puppenspielers Lene
  • 1916: Aus dem Buche des Lebens
  • 1916: Arcanum
  • 1917: Die weißen Rosen
  • 1917: Die Grille
  • 1917: Theaterprinz
  • 1917: Fräulein Pfiffikus
  • 1917: Luxusbad
  • 1917: Giovannis Rache ("Harry Higgs"-Reihe)
  • 1917: Genie und Liebe
  • 1917: Die Tänzerin
  • 1917: Der tolle Demmingen
  • 1917: Der Saratogakoffer ("Harry Higgs"-Reihe)
  • 1917/18 … als Rat Arnheim
    • 1917: Der Fall Dombronowska
    • 1917: Die getupfte Krawatte. Der Fall Clifford
    • 1917: Unsichtbare Hände. Der Fall Melville
    • 1918: Der lachende Tod
    • 1918: Der tote Gast. Der Fall Rödern
  • 1918: Der rätselhafte Blick ("Stuart Webbs"-Reihe)
  • 1918: Verlorene Töchter
  • 1918: Stürme des Lebens
  • 1918: Sträfling 113 oder "Die Ehre für den Vater" (Experimentalfilm)
  • 1918: Sr. Hoheit Brautfahrt
  • 1918: Leutnant Mucki
  • 1918: Das Tagebuch des Apothekers Warren
  • 1918: Das verwunschene Schloss
  • 1918: Das Schwabemädle
  • 1919: Moral und Sinnlichkeit. Keimendes Leben. III
  • 1919: Die Verführten
  • 1919/20 … als Joe Deebs ("Joe Deebs"-Reihe)
  • 1920: New York–Paris: Spionagekonzern (2 Teile)
  • 1920: Lebenshunger/Russalka
  • 1920: Die schöne Miß Lilian
  • 1920: Die Wahrsagerin von Paris
  • 1920: Der Mitternachtsbesuch ("Joe Jenkins"-Reihe)
  • 1920: Der Funkenruf der Riobamba
  • 1920: Der Einäugige
  • 1920: Der Club der Hasardeure
  • 1920/21: Das Geheimnis der sechs Spielkarten
    • Teil 1 Karo 10
    • Teil 2: Pique Bube
    • Teil 3: Treff As
    • Teil 4: Pique Sieben
    • Teil 5: Herz König
    • Teil 6: Herz Dame
  • 1920: Johann Baptiste Lingg (auch Künstlerische Leitung)
  • 1921: Die Sünden der Mutter
  • 1921: Die Geheimnisse von Berlin.
    2. Teil: Berlin W. Die Weltstadt in Glanz und Licht
  • 1921: Die Gebieterin von St. Tropez
  • 1921: Die Beichte einer Gefallenen
  • 1921: Der Schatten der Gaby Leed
  • 1921: Das ungeschriebene Gesetz
  • 1922: Lyda Ssanin
  • 1922: Im Glutrausch der Sinne
    • 1. Die Irrungen der Prinzessin Chimay
    • 2. Die geschminkte Frau
  • 1922: Frauenschicksal
  • 1922: Divankatzen
  • 1922: Die Zigarettengräfin
  • 1922: Die Männer der Sybill
  • 1922: Das Mädel aus der Hölle
  • 1922: Das Diadem der Zarin
  • 1922/23: Ein Kind – ein Hund
  • 1923: Die brennende Kugel
  • 1923: Das Spiel der Liebe
  • 1924: Das Haus am Meer
  • 1924: Winterstürme
  • 1924: Menschen im Nebel
  • 1924: Gib mich frei
Noch: Stummfilme (Auszug)
  • 1924: Muss die Frau Mutter werden?
  • 1925: Lena Warnstetten
  • 1924/25: Aschermittwoch
  • 1925: Wege des Schicksals
  • 1925: Rund um den Alexanderplatz
  • 1925: Goldjunge
  • 1925: Die Handschrift des Inka
  • 1925: Die Feuertänzerin
  • 1925: Der Schrei nach Glück
  • 1925: Der Liebeskäfig
  • 1925: Das alte Ballhaus (2 Teile)
  • 1926: Der lachende Ehemann
  • 1926: Der Seekadett
  • 1926: Annemarie und ihr Ulan
  • 1927: Fassadengespenst
  • 1927: Einer gegen Alle:
    Die Sensationen eines Millionärs ohne Geld
    1927: Das Mädchen aus der Fremde
  • 1927: An der Weser (Hier hab ich so manches Mal)
  • 1927: So küßt nur eine Wienerin
  • 1927: Männer vor der Ehe
  • 1927: Ich hatte einst ein schönes Vaterland
  • 1927: Die Welt ohne Waffen
  • 1927: Der falsche Prinz
  • 1928: Tragödie im Zirkus Royal
  • 1928: Großstadtjugend
  • 1928: Diebe – 10 000 Mark Belohnung
  • 1928: Der Tanzstudent
  • 1928: Das Lied, das meine Mutter sang
  • 1929: Sünde und Moral
  • 1929: Es war einmal ein treuer Husar
  • 1929: Zwei Brüder/Rivalen der Liebe
  • 1929: Meineid. Ein Paragraph, der Menschen tötet
  • 1929: Im Prater blühn wieder die Bäume
  • 1929: Großstadtkinder. Zwischen Spree und Panke
  • 1929: Die Todesfahrt im Weltrekord
  • 1929: Der Sittenrichter
  • 1929: Besondere Kennzeichen
  • 1929/30:… als Lux, König der Abenteurer
    • Lux, der König der Banditen (1929)
    • Der Mann im Dunkel
    • Zweimal Lux
    • Pariser Unterwelt
Tonfilme
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