Claudette Colbert
Claudette Colbert wurde am 13. September 1905 als Claudette Lily Chauchoin und Tochter eines Bankangestellten in Paris geboren. Im Alter von drei Jahren (nach anderen Quellen acht Jahren) kam sie mit ihren Eltern nach Amerika, absolvierte später in New York die "Washington Irving High School" und wollte zunächst Modedesignerin werden. Dann entschied sie sich für die Schauspielerei, spielte nach einer entsprechenden Ausbildung 1923 eine erste winzige Bühnenrolle in "The Wild Westcotts"; etwa zur gleichen Zeit nahm sie den Künstlernamen Claudette Colbert an. Zunächst musste sich die hoffnungsfrohe Nachwuchsschauspielerin mit kleinen Bühnenrollen begnügen, erst 1925/26 hatte sie am Broadway einen ersten großen Erfolg in dem Stück "Ein Kuss im Taxi" (A Kiss in a Taxi), die anschließende Aufführung von "The Barker" und ihrem Part der Schlangenbeschwörerin Lou führte die aufstrebende Schauspielerin direkt nach Hollywood. Doch ihr Leinwanddebüt in Frank Capras stummen Romanze "Aus Liebe zu Mike" (1927, For the Love of Mike) war ein Misserfolg, sie kehrte zur Bühne zurück, spielte nebenher weiter kleinere Filmrollen, konnte dann in der Filmkomödie "The Big Pond"1) (1930) als süßes Mädchen an der Seite von Maurice Chevalier einen ersten Erfolg verbuchen. Der Durchbruch zum gefeierten Hollywoodstar gelang ihr ein Jahr später – erneut an der Seite von Maurice Chevalier – in Ernst Lubitschs musikalischen Komödie "Der lächelnde Leutnant"1) (1931, The Smiling Lieutenant).
 
Bald war die attraktive Erscheinung mit den hohen Wangenknochen und dem unwiderstehlichem Augenaufschlag nicht länger Ausstattungsstück für den Kostümfilm, obwohl das Bad der Poppäa in Eselsmilch in Cecil B. DeMilles Monumentalfilm "Im Zeichen des Kreuzes"1) (1932, The Sign of the Cross; neben Charles Laughton als Nero) schon Filmgeschichte machte. Cecil B. DeMille realisierte mit ihr in der Titelrolle ein weiteres monumentales Filmwerk, den Historienstreifen "Cleopatra"1) (1934, Cleopatra2)) und Claudette Colbert meisterte diese Aufgabe als Verführerin von Marc Anton (Henry Wilcoxon) und Caesar (Warren William) mit Bravour, begeisterte im gleichen Jahr an der Seite von Clark Gable in Frank Capras großartiger Komödie "Es geschah in einer Nacht"1) (It Happened One Night) das amerikanische Publikum: Die Geschichte der jungen, verwöhnten Millionärin Ellen Andrews, die vor dem Vater (Walter Connolly) flüchtet und sich in den entlassenen Zeitungsreporter Peter Warne (Clark Gable) verliebt, wurde 1934 nicht nur ein Kinohit, sondern erntete auch die wichtigsten Oscars des Jahres als "Bester Film", für das "Beste Drehbuch", die "Beste Regie", den "Besten Hauptdarsteller" (Clark Gable) und die "Beste Hauptdarstellerin" (Claudette Colbert) – ein Kunststück, das nur wenigen Filmen später gelingen sollte. Das "Lexikon des internationalen Films" urteilt "Glänzend gespielt und inszeniert, vermag die mit geistreicher gesellschaftskritischer Ironie durchsetzte und erfrischende Hollywood-Komödie auch heute noch ausgezeichnet zu unterhalten."3).  
Kurioserweise hatte man im gleichen Jahr John Stahls "Frauen am Scheidewege"1) (Imitation of Life) für den Oscar nominiert, ein Melodram ebenfalls mit Claudette Colbert in der Hauptrolle, die 25 Jahre später bei Douglas Sirk von Lana Turner gespielt wurde. Der gestrenge Kritiker Richard Schickeln schrieb damals: "Ob sie die Königin vom Nil spielt oder ein ausgerissenes Mädchen, immer bewahrt sie eine Art großäugiger Unschuld und jugendliche Heiterkeit, die nie ermüdet." Neben Adolphe Menjou war die Colbert in den Endzwanziger Jahren das "schönste Geschenk Frankreichs" an das Hollywood-Kino, konnte ihre vielseitigen Talente sowohl auf in der Komödie als auch Melodramen beweisen.
  
Claudette Colbert war mit Filmen unterschiedlichen Genres nicht zuletzt wegen ihrer authentischen, sympathischen Darstellung zum Liebling Hollywoods avanciert, zählte ab Mitte der 1930er Jahre in Amerika zu den höchstbezahlten weiblichen Stars der Branche. "It Happened One Night" markierte gleichzeitig den Beginn ihrer Karriere als Star der leichten Screwball-Komödien, in den folgenden Jahren arbeitete Claudette Colbert mit den berühmten Komödienregisseuren und jener Zeit und war Partnerin vieler Leinwandstars: Mit Mervyn Douglas agierte sie in Gregory LaCavas "Sie heiratet ihren Chef" (1935, She Married Her Boss), neben Gary Cooper und David Niven bezauberte sie in Ernst Lubitschs "Blaubarts achte Frau"1) (1938, Bluebeard's Eighth Wife). In George Cukors "Zaza" (1939) sah man sie neben Herbert Marshall. In Mitchell Leisens Screwball-Comedy "Enthüllung um Mitternacht"1) (1939, Midnight) begeisterte sie in einer Doppelrolle neben Don Ameche und John Barrymore, in W. S. Van Dykes turbulenten Krimikomödie "Drunter und drüber"2) (1939, It's a Wonderful World) spielte sie in Begleitung von James Stewart eine muntere Dichterin, die es mit zwei Morden, einem tollpatschigen Privatdetektiv und zwei Komikern vom Morddezernat zu tun bekommt. Ein Highlight ist auch John Fords meisterlicher Western "Trommeln am Mohawk"1) (1939, Drums along the Mohawk2)), wo sie mit Henry Fonda vor der Kamera stand, in Preston Sturges' "Atemlos nach Florida"1) (1942, The Palm Beach Story) gab sie die Ehefrau, die vergeblich nach Unabhängigkeit strebt, weil ihr Mann (Joel McCrea) allzu liebevoll trottelig ist, doch schließlich noch besser als der überhebliche Millionär, den sie kennenlernt; in Sam Woods' "Seine Frau ist meine Frau" (1945, Guest Wife) brillierte sie noch einmal neben Don Ameche. Als eher unbedeutend können die nachfolgenden Produktionen bis Ende der 1940er Jahre eingestuft werden, etwa Chester Erskines "Das Ei und ich" (1947, The Egg and I) und Claude Binyous Ehekomödie "Fünf auf Hochzeitsreise" (1948, Family Honeymoon), beide Male an der Seite von Fred MacMurray.
 
Claudette Colbert war jedoch auch in eher ernsten Rollen überzeugend, wie als Psychiaterin Dr. Jane Everest in Gregory LaCavas "Oberarzt Dr. Monet"1) (1935, Private Worlds) neben Charles Boyer und Joel McCrea, wofür sie 1936 eine Oscar-Nominierung erhielt. Als Kriegs-Ehefrau, die in John Cromwells gefühlvollem Oscar-nominierten Kriegsdrama "Als du Abschied nahmst"1) (1944, Since You Went Away) auf ihren Mann Joseph Cotton wartet, machte sie ebenso eine gute Figur wie in Irving Pichels "sentimentalem, aber gut gespielten Drama "Morgen ist die Ewigkeit"1) (1945, Tomorrow Is Forever2)), wo sie als als Elizabeth MacDonald vor der Geburt ihres Sohnes erfährt, dass ihr Mann John (Orson Welles) im Krieg gefallen sei und schließlich ihren Chef Larry Hamilton (George Brent) heiratet – 20 Jahre später taucht John inkognito in Hamiltons Firma auf…
Im Nachkriegsfilm beeindruckte Claudette Colbert mit der Titelrolle in "Drei kehrten heim"1) (1950, Three Came Home), von Jean Negulesco nach dem Erlebnisberichts der amerikanischen Schriftstellerin Agnes Newton Keith in Szene gesetzt, die im Zweiten Weltkrieg auf der Flucht von den Japanern gefangengenommen wurde und mit anderen Frauen in einem Internierungslager dramatische Erlebnisse hatte. Auch Colberts Interpretation einer unerschrockenen Nonne, die in Douglas Sirks Thriller "Schwester Maria Bonaventura" (1951, Thunder on the Hill) einen Mord aufklärt, ist sehenswert. In "Let’s Make It Legal"1) (1951) zeigte sie einmal mehr ihr komödiantisches Talent, in Sacha Guitrys Historien-Epos "Versailles – Könige und Frauen" (1954, Si Versailles m'était conté) schlüpfte sie in das Kostüm der Madame de Montespan1), Mätresse Ludwigs XIV.1) (Sacha Guitry). Nach "Des Teufels rechte Hand" (1955, Texas Lady) zog sich der Star vom Filmgeschäft zurück, stand nur noch sporadisch, vorwiegend für Fernsehproduktionen vor der Kamera. Insgesamt drehte sie mehr als 60 Filme, ihre letzte Arbeit für das Kino war Delmer Daves' eher seichter Unterhaltungsfilm "Sein Name war Parrish"1) (1961, Parrish) neben Troy Donnahue und Karl Malden.
 
Anfang der 1950er Jahre war Claudette Colbert nach Europa zurückgekehrt, wo sie auch wieder Theater spielte. 1956 feierte sie am Broadway noch einmal Erfolge mit dem Stück "Janus" sowie 1978 mit "The Kingsfisher", 1984 erlebte sie Triumphe gleichermaßen in New York und London mit dem Stück "Aren't We All". Im gleichen Jahr wurde sie durch die Film Society des New Yorker "Lincoln Center" geehrt. Nach 26 Jahren Filmabstinenz trat sie 1987 für die Verfilmung des Bestseller-Romans "The Two Mrs. Grenvilles" (auch "Society") an der Seite von Ann-Margret noch einmal vor die Fernsehkamera.
  
Von 1928 bis 1935 war die Filmlegende mit dem Schauspieler und Regisseur Norman Foster1) (1903 – 1976 verheiratet gewesen, der in dem Schauspiel "The Barker" ihr Partner gewesen war. Die Ehe existierte bald jedoch nur auf dem Papier, das Paar hatte sich bereits nach kurzer Zeit getrennt. Nach der Scheidung heiratete sie Mitte März 1935 den Chirurgen Dr. Joel Pressman, mit dem sie glücklich bis zu dessen Tod im Jahre 1968 zusammenlebte.
Privat blieb sie ohne Skandale. Allüren leistete sie sich nur am Set: Mit dem Selbstbewusstsein des echten Stars bestand sie darauf, bei Profilaufnahmen nur von links gezeigt zu werden. (Als junges Mädchen hatte sie sich bei einem Unfall die Nase gebrochen und eine winzige Narbe auf der rechten Wange zurückbehalten.) "Überstunden" verabscheute sie. War ein Drehtag bis 18 Uhr angesetzt, verabschiedete sie sich um genau diese Zeit lächelnd mit den Worten: "Meine Herren, wir sehen uns morgen wieder", egal ob noch eine Szene wiederholt werden musste oder nicht. (Quelle: Artikel "Femme fatale ohne Skandale" zum 100. Geburtstag der Schauspielerin Claudette Colbert vom 09.09.2005 bei www.nzz.ch)

Die von vielen als "Komödien-Königin" bezeichnete Claudette Colbert starb am 3. Juli 1996 sechs Wochen vor ihrem 91. Geburtstag in Speightstown auf der Karibikinsel Barbados, wo sie seit Jahren eine Luxusvilla bewohnte. Die Urne mit ihrer Asche wurde auf dem "Godings Bay Church Cemetery" in Speightstown in der Nähe ihrer Mutter und ihres zweiten Ehemannes beigesetzt → www.findagrave.com.
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia sowie
den ausführlichen Artikel bei der englischsprachigen Wikipedia
Link: 1) Wikipedia, 2)  prisma.de
3) Quelle: Lexikon des internationalen Films
    
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(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
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