John Barrymore 1922; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Arnold Genthe (1869 – 1942) John Barrymore (John Sidney Blythe Barrymore) wurde am 14. (oder 15.) Februar 1882 in Philadelphia (Pennsylvania) geboren. Sein Name steht für eine berühmte amerikanische Schauspielerdynastie, die durch seinen Vater begründet wurde: Der in Indien geborener und später in Großbritannien aufgewachsener Vater Herbert Arthur Chamberlayne Blyth1) (1849 – 1905) hatte als Schauspieler den Künstlernamen "Maurice Barrymore" gewählt und war mit Schauspielerkollegin Georgianna "Georgie" Emma Drew1) (1856 – 1893) verheiratet. Diese wiederum stammte ebenfalls aus einer Schauspielerfamilie, Bruder John Drew Jr., der "Jüngere" (1853 – 1927) sowie ihre Eltern John Drew1) "der Ältere" (1827 – 1862) und Louisa Lane Drew1) (1820 – 1897) waren anerkannte Bühnendarsteller; die in Großbritannien geborene Louisa tourte bereits als Kinderstar durch die USA und leitete später mehr als dreißig Jahre lang das "Arch Street Theatre" in Philadelphia.
Maurice und Georgie bekamen drei Kinder, John Barrymore war der Jüngste, sein älterer Bruder Lionel Barrymore2) (28.4.1878 – 15.11.1954) sowie Schwester Ethel Barrymore3) (15.8.1879 – 18.6.1959) wurden ebenfalls berühmte Schauspieler.
  

Foto: John Barrymore 1922
Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Arnold Genthe*) (1869 – 1942) 
Angaben zur Lizenz siehe hier; *) Link Wikipedia (englisch)

Auch die Nachkommen traten in die Fußstapfen ihrer prominenten Vorfahren, Schauspielerin Diana Blanche Barrymore1) (3.3.1921 – 25.1.1960 war die Tochter von John Barrymore und dessen zweiter Frau Blanche Oelrichs1) (1890 – 1950), John Drew Barrymore3) (4.6.1932 – 29.11. 2004) stammte aus John Barrymores dritter Ehe mit Dolores Costello3) (1903 – 1979). Dieser wiederum heiratete in erster Ehe Schauspielerin Cara Williams3), 1954 wurde Sohn John Blyth Barrymore1) geboren; aus der dritten Verbindung mit Ildikó Jaid Makó3) (Jaid Barrymore) stammt Tochter Drew Barrymore3) (geb. 22.2.1975), die wie ihr berühmter Großvater zu den gefeierten Hollywood-Stars zählt.

John Barrymore besuchte nach der Schule die Universität von Georgetown, wo er 1898 seinen Abschluss machte, sowie das "King's College" in London; im Alter von 18 Jahren arbeitete er zunächst als Zeichner und Cartoonist für New Yorker Zeitungen und Magazine, 1903 stand er erstmals in Cleveland (Ohio) auf der Bühne, ein Jahr kam er nach New York und avancierte rasch zum Broadway-Star. Seine markanten Gesichtszüge und seine äußere Erscheinung brachten ihm rasch den Spitznamen "The Great Profile" ein, vor allem als Shakespeare-Darsteller schrieb John Barrymore Theater-Geschichte. Seine Interpretationen des "Hamlet" und "Richard III.", die er während der Spielzeit 1919/20 bzw. 1922/23 verkörperte, sind Meilensteine des klassischen Shakespeare-Theaters im 20. Jahrhundert, viele spätere Auslegungen dieser Charaktere lassen sich auf Barrymores brillante Gestaltung zurückführen. Er war der erste Darsteller, welcher sowohl stimmlich als auch körperlich Shakespeares tragische Helden in die Nachkriegs-Moderne transponierte, als Erster ließ er diese klassischen Rollen im Licht Freudscher Sichtweisen erscheinen.
So war es nicht weiter verwunderlich, dass auch der Stummfilm sich dieses charismatischen Schauspielers bediente, 1913 schloss Adolph Zukor mit ihm einen Studiovertrag ab. Nach einigen kleineren Rollen in eher unbedeutenden Melodramen, gelang ihm mit der Titelrolle des Beresford Kruger in der Filmadaptation seines Broadway-Erfolgs "An American Citizen" (1914, Ein amerikanischer Bürger" auch der Durchbruch als Filmdarsteller. Nach verschiedenen Komödien wie "The Red Widow" (1916) oder "Here Comes the Bride" (1919) machte John Barrymore mit der Doppelrolle in der noch stummen Horrorgeschichte "Dr. Jekyll and Mr. Hyde"3) (1920) Furore, die John S. Robertson nach dem Klassiker von Robert Louis Stevenson gedreht hatte. Barrymores einzigartige Leistung bestand nicht nur in seinem eindrucksvollen Spiel, sondern auch darin, dass er die Verwandlung vor der Kamera ohne Hilfe von Maskenbildner und Trick vollzog. 
Weitere Hauptrollen wie in Albert Parkers Arthur Conan Doyle-Adaption "Sherlock Holmes" (1922), Harry Beaumonts "Beau Brummel"3) (1924, Die Liebesaffären des Beau Brummel) oder Alan Croslands "Don Juan" (1926, "Don Juan – Der große Liebhaber", nach Lord Byron) oder dem Drama "Tempest"3) (1928, Wetterleuchten) machten John Barrymore zum Leinwandstar. 1926 erlebte man ihn in einer Glanzrolle, als grausamen Kapitän Ahab in Millard Webbs Abenteuer "The Sea Beast" nach dem Welterfolg "Moby Dick" von Herman Melville, eine Figur, die Barrymore auch in Lloyd Bacons Tonfilmfassung von "Moby Dick"3) (1930) verkörperte. 
 
Bereits der Film "Don Juan" hatte erste, kleinere Tonpassagen enthalten, der Streifen "When a Man Loves" (1927) war Barrymores eigentlicher Start in die Tonfilmära. Nach dem Horrorstreifen "Svengali"3) (1931) geriet Edmund Gouldings Vicki Baum-Adaption "Grand Hotel"3) (1932, Menschen im Hotel) zum  Höhepunkt seines Filmschaffens: Hier mimte Barrymore an der Seite der "göttlichen" Greta Garbo (als Tänzerin Grusinskaya) den verarmten Baron Felix von Geigern, der sich als Hoteldieb betätigt und sich in Grusinskaya verliebt; Bruder Lionel Barrymore spielte übrigens den todkranken Otto Kringelein, der beschlossen hat, alle Brücken hinter sich abzubrechen, um bis zu seinem Tod das Leben im Luxushotel zu genießen.
Anfang der 1930er Jahre gehörte John Barrymore zu den höchstbezahltesten Filmschaffenden Hollywoods, spielte unter anderem
in "Rasputin and the Empress" (1932, Rasputin – Der Dämon Rußlands) an der Seite seines Bruders Lionel (Rasputin) und seiner Schwester Ethel (Zarin Alexandra Fjodorowna) den Prinzen Paul Chegodieff. In der Komödie "Reunion in Vienna"3) (1933, Rendez-vous in Wien) gab er den Rudolf von Habsburg, als
rücksichtsloser Besitzer einer Fluglinie tauchte er in Clarence Browns Drama "Night Flight"3) (1933, Nachtflug) auf, oder – an der Seite von Carole Lombard – als ergomanischer Produzent Oscar 'O. J.' Jaffe in Howard Hawks' Screwball-Komödie "Twentieth Century"3) (1934, Napoleon vom Broadway). Zu seinen letzten großen Filmen zählt W. S. Van Dykes Oscar-nominiertes Biopic über die französische Königin "Marie Antoinette"3) (1938) mit der Figur des Königs Ludwig XV. an der Seite von Norma Shearer in der Titelrolle.  
Danach begann Barrymores Stern langsam aber stetig zu sinken, wegen vermehrten Alkoholmissbrauchs erhielt der Star keine großen Angebote mehr und agierte in sogenannten B-Movies. Bemerkenswert von diesen waren Edward Sutherlands "The Invisible Woman"3) (1940, Die Unsichtbare Frau) mit Charles Ruggles und Oscar Homolka als Partner, David Butlers "Playmates" (1941) und Ted Tetzlaffs "World Premiere" (1941) mit Frances Farmer, vor allem aber ist Mitchell Leisens Screwball-Comedy "Midnight"3) (1939, Enthüllung um Mitternacht) zu nennen, bei der Billy Wilder als Co-Autor fungierte. In dem Streifen, der von der Kritik als eine amerikanische Version von Jean Renoirs "Spielregel" gefeiert wurde, mimte er an der Seite von Claudette Colbert und Don Ameche den exzentrischen Millionär Georges Flammarion. "John Barrymore hatte nach jahrzehntelangem Alkoholmissbrauch massive Probleme, seine Dialoge zu behalten, weshalb Leisen sogenannte "Cue Cards" einsetzen musste. Der Text wurde auf große Pappscheiben geschrieben und außerhalb des Kamerabereichs vor dem Schauspieler hoch gehalten, so dass dieser den Text nur noch ablesen brauchte." notiert Wikipedia.

Langjährige Alkoholexzesse und eine daraus folgernde einsetzende Alzheimer-Erkrankung ließen den begnadeten Theaterdarsteller und ehemaligen Hollywood-Star, der in den letzten Jahren auch verstärkt für den Rundfunk arbeitete, mehr und mehr ins Abseits geraten. Schwierigkeiten, seine Rollentexte zu lernen bzw. zu behalten, waren Ausdruck seiner fortschreitenden Krankheit. Am 19. Mai 1942 brach er während einer Radiosendung zusammen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Diagnose der Ärzte war niederschmetternd: Neben einer Leberzirrhose stellte man Arterienverkalkung, Magengeschwüre und eine beginnende Lungenentzündung fest. John Barrymore überlebte nur noch wenige Tage, am 29. Mai 1942 starb er im Alter von nur 60 Jahren in Hollywood an Herzversagen; die letzte Ruhe fand der einst so gefeierte Mime zunächst auf dem "Calvary Cemetery" in Los Angeles, 1980 wurde der Sarg auf Wunsch des Sohnes auf den "Mount Vernon Cemetery" in Philadelphia überführt → Foto der Grabstelle bei www.findagrave.com
Seine Erinnerungen hatte der Schauspieler bereits 1926 unter dem Titel "Confessions of an actor" veröffentlicht, 1935 erschien das Buch "We three: Ethel, Lionel, John"; von John Barrymore Jr. stammt die Biografie "Good Night Sweet Prince: The Life and Times of John Barrymore", Carol Stein Hoffman brachte die Geschichte der Barrymores mit dem Titel "The Barrymores: Hollywood's First Family" auf den Markt. Heute erinnert ein "Stern" auf dem "Hollywood Walk of Fame"3) an den legendären Theater- und Filmschauspieler. 

John Barrymore hatte in erster Ehe 1910 die junge Theaterdebütantin Katherine Harris1) (1891 – 1927) geheiratet, nach nur sechs Jahren ging die Ehe in die Brüche. Anfang August 1920 folgte die zweite Verbindung mit der Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Schauspielerin Blanche Oelrichs1) (1890 – 1950), die ihre Gedichte und sonstigen Arbeiten unter dem Künstlernamen Michael Strange veröffentlichte. Auch diese Ehe hielt trotz der 1921 geborenen gemeinsamen Tochter Diana nur wenige Jahre und wurde Mitte 1928 geschieden. Schauspielerin Dolores Costello3) (1903 – 1979) wurde am 24. November 1928 John Barrymores dritte Ehefrau, Tochter Dolores Ethel Mae Barrymore kam 1931 zur Welt, ein Jahr wurde Sohn John Drew Barrymore geboren. Anfang Oktober 1935 ging diese Ehe ebenfalls in die Brüche, am 9. November 1936 folgte Barrymores vierter Versuch mit der Darstellerin Elaine Barrie3) (1915 – 2003), doch auch dieser Verbindung war kein Glück beschieden; knapp vier Jahre später endete auch diese Beziehung Ende November 1940 vor dem Scheidungsrichter.  
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de; siehe auch Wikipedia sowie
den ausführlichen englischsprachigen Wikipedia-Artikel
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia (englisch), 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Wikipedia (deutsch)
Lizenz Foto John Barrymore (Urheber: Arnold Genthe): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
  
Filme (Auszug):
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia (deutsch/englisch))
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