Charles Laughton
Charles Laughton wurde am 1. Juli 1899 als ältester Sohn des Hotelier-Ehepaares Eliza (1869 – 1953) und Robert Laughton (1869 – 1924) in Scarborough (North Yorkshire, Großbritannien) geboren. Vier Jahre später erblickte sein Bruder Robert Thomas das Licht der Welt, und wiederum vier Jahre später sein Bruder Francis. Alle drei Jungen wurden zu Hause im elterlichen im "Victoria Hotel" geboren. Obwohl Charles schon früh wusste, dass er Schauspieler werden wollte, bestanden seine Eltern darauf, dass er die Hotellaufbahn einschlagen sollte. So wurde Laughton zunächst Zimmerkellner im Londoner "Claridge-Hotel", stieg später zum Empfangschef auf. 1917/18 musste er als Soldat am 1. Weltkrieg teilnehmen und wurde durch deutsche Gasangriffe schwer verletzt.
Nach dem Krieg entschloss er sich, endgültig den Schauspielerberuf zu ergreifen, 1919 ging er als Amateur-Schauspieler zum Theater, arbeitete jedoch noch weiterhin im elterlichen Hotel. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1924 ließ Laughton sich an der "Royal Academy of Dramatic Art" in Stonyhurst entsprechend ausbilden und gab schließlich 1926 sein professionelles Bühnendebüt.
Zum Film kam Laughton Ende der 1920er Jahre, 1928 arbeitete er an Kurzfilmen mit, die H. G. Wells1) für die Schauspielerin Elsa Lanchester1) (1902 – 1986) schrieb. Ein Jahr später wurde Elsa Lanchester Laughtons Ehefrau und blieb es bis zu seinem Tod – ungeachtet der homosexuellen Neigungen des Schauspielers.
In E. A. Duponts letztem Stummfilm "Piccadilly" (1929, Nachtwelt) feierte Laughton als herumnörgelnder Restaurantgast sein Leinwanddebüt, es folgten Auftritte in eher unbedeutenden Streifen wie "Wolves" (1930), "Das Haus des Grauens"1) (1932, The Old Dark House) oder "Ketten" (1932, Payment Deferred). Als Regisseur Cecil B. De Mille den begabten Schauspieler auf der Bühne sah, nahm er ihn für die "Paramount" unter Vertrag und besetzte ihn als Kaiser Nero in seinem historischen Ausstattungsfilm "Im Zeichen des Kreuzes"1) (1932, The Sign of the Cross). Schon 1926 hatte Charles Laughton die Aufmerksamkeit des Hollywoodregisseurs erregt, als dieser ihn in der Rolle von Gogols "Revisor" auf der Bühne sah. Jahre später erinnerte er sich an ihn und machte den Briten zum Hollywood-Star.
 
Fortan stand Laughton wechselweise am Londoner "Old Vic" und am New Yorker Broadway auf der Bühne, arbeitete parallel für den Film. In Alexander Kordas Klassiker "Das Privatleben Heinrichs VIII."1) (1933, The Private Life of Henry VIII.) brillierte er mit der Titelrolle und erhielt für seine Leistung den "Oscar" als "Bester Schauspieler". Wenig später erlebte man den charismatischen Schauspieler unter der Regie von Sidney Franklin in "The Barretts of Wimpole Street"1) (1934), dem romantischen Filmdrama über die Liebesbeziehung zwischen der englischen Dichterin Elizabeth Barrett Browning1) (1806 - 1861) und dem Dichter und Dramatiker Robert Browning1) (1812 - 1889), als Edward Moulton-Barrett, tyrannischer Vater der Dichterin (Norma Shearer). Sein komisches Talent konnte anschließend mit der Hauptrolle des Butlers Marmaduke Ruggles, der in Leo McCareys Screwball-Komödie "Ein Butler in Amerika"1) (1935, Ruggles of Red Gap) von seinem Herrn (Roland Young) an einen Amerikaner verspielt wird, ausleben. Danach realisierte Frank Lloyd mit Laughton als grausamen Kapitän Bligh das Abenteuer "Meuterei auf der Bounty"1) (1935, Mutiny on the Bounty2)) – wohl eine der brillantesten Rollen in Laughtons Filmkarriere: Kapitän Bligh (Laughton) gilt als übler Schinder. Er weiß, dass er seine Besatzung nur durch äußerste Wachsamkeit in Schach halten kann; dennoch kommt es auf der beschwerlichen Seereise von Plymouth nach Tahiti zu Auseinandersetzungen. Bligh lässt auf sadistische Weise Leute auspeitschen und verschachert Reiseproviant. Bis Tahiti gärt der Aufstand, doch es passiert nichts; erst als auf der Rückreise der wahnsinnige Kapitän seine Leute erneut unter Druck setzt, bricht die Meuterei aus. Anders als das Jahrzehnte später von Lewis Milestone mit großem technischen Aufwand inszenierte Remake des berühmten Romans von Nordhoff & Hall gelang Frank Lloyd mit seinen hervorragenden Darstellern – unter anderem Clark Gable als Leutnant Fletcher Christian – ein eindringlicher Schwarzweißfilm von unwahrscheinlicher Härte. (Quelle: prisma.de)
 
Laughton war zum Leinwandstar avanciert, er spielte ebenso genial den Bettler wie den Millionär, den König wie den Landstreicher, gab Künstler oder Piraten, aber auch den vertrottelten Hausvater wie in David Leans amüsanten Geschichte "Herr im Hause bin ich"1) (1954, Hobson's Choice); für die Darstellung dieses liebenswerten Haustyrannen und erfolgreichen Schuhmachers Henry Horatio Hobson wurde Laughton bei der Berlinale als "Bester Darsteller" ausgezeichnet. 
Als "Rembrandt"1) glänzte er in Alexander Kordas gleichnamigen Biopic (1936), wenig später drehte Josef von Sternberg den unvollendet gebliebenen Spielfilm "Ich, Claudius" (1937, I Claudius) mit Laughton in der Titelrolle. Ebenfalls 1937 gründete Laughton gemeinsam mit Erich Pommer1) die Filmgesellschaft "Mayflower Pictures", in drei Produktionen übernahm er die Hauptrolle, so als versoffener Nichtsnutz – an der Seite seiner Frau – in "Vessel of Wrath" (1938), in "St. Martins Lane" (1938, auch: Sidewalks of London) und in Alfred Hitchcocks "Riff-Piraten"1) (1939, Jamaica Inn). Die letzte englische Produktion des Gruselmeisters ist eigentlich kein richtiger "Hitchcock-Film": Nach dem Roman von Daphne du Maurier erzählt er eine Geschichte, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts spielt. In einer mysteriösen Herberge, wo Strandräuber wohnen, passieren allerlei fürchterliche Dinge; der Anführer der Bande aber gilt weithin als ehrbarer Mann. Es ist der von Charles Laughton gespielte Friedensrichter. Hitchcock musste diese Rolle für den Produzenten des Films – Laughton – aufwerten und war mit dem Ergebnis wenig zufrieden. (Quelle: prisma.de)

Der von William Dieterle nach dem Roman von Victor Hugo inszenierte Film "Der Glöckner von Notre Dame"1) (1939, The Hunchback of Notre Dame2)) gab Laughton erneut eine große Chance, als Charaktertyp zu brillieren. Zweifellos wurde der oft verfilmte sozialkritische Schauerroman durch William Dieterles Regie und die Schauspielkunst Laughtons als buckliger, entstellter Quasimodo, der im spätmittelalterlichen Paris der hübschen, als Hexe verfolgten Zigeunerin Esmeralda (Maureen O'Hara) Verständnis und Zuflucht bietet, zu einem eigenwilligen Kinostück. Darüber hinaus verstand es Kameramann Joseph H. August, das aufregende Schwarzweißepos mit dem Sozialdrama in Einklang zu bringen.
1941 entstand Henry Kosters heitere Geschichte "Die ewige Eva"1) (It Started with Eve) mit Laughton als anfangs todkrankem Millionär Jonathan Reynolds, nach Produktionen wie Julien Duviviers Episodenfilm "Sechs Schicksale"1) (1942, Tales of Manhattan), dem Melodram "Auf ewig und drei Tage" (1943, Forever and a Day) und Jean Renoirs antifaschistischem Propagandafilm "Dies ist mein Land" (1943, This Land Is Mine) glänzte er unter der Regie von Robert Siodmak als leidgeprüfter Ehemann und Tabakhändler Philip Marshall in dem Thriller "Unter Verdacht"1) (1944, The Suspect).
Jules Dassin brachte "Das Gespenst von Canterville"1) (1944, The Canterville Ghost2)) auf die Leinwand und bot Laughton mit der Doppelrolle des Sir Simon de Canterville bzw. dem Gespenst eine erneute große schauspielerische Herausforderung. Regisseur Jules Dassin und Drehbuchautor Edwin Harvey Blum hatten Oscar Wildes Geschichte in den Zweiten Weltkrieg versetzt: Der grausame Vater von Sir Simon de Canterville hat im Jahre 1934 den armen, furchtsamen Sprössling im Schloss einmauern lassen, weil er sich pazifistisch gebärdete und einem Lanzenduell entfloh. Niedere Instinkte treiben den unmenschlichen Vater überdies zur Verfluchung seines Sohnes. So bangt der unselige Simon nun sein 310 Jahren darauf, dass einer seiner Nachfahren eine tapfere Tat tut und ihn für die kühle Familiengruft freigibt. Doch von Jahrhundert zu Jahrhundert werden die Chancen immer geringer. Eines Tages taucht wirklich einer der Sippe als amerikanischer G. I. im Schloss auf und erlöst nach einigen Schwierigkeiten den armen Simon von den Qualen des wöchentlichen Spukens. Jules Dassin hat diese schrullige Gespenstersaga mit flotter Kamera und dem vorzüglichen Laughton verfilmt, eine herrliche Travestie auf die alten Gespenstergeschichten von damals. (Quelle: prisma.de)

Weitere Hauptrollen mit unterschiedlichen Figuren folgten für den Charaktermimen Laughton, so als scheinbar geachteter Handelskapitän William Kidd, der in Wirklichkeit ein rücksichtsloser Pirat ist, in dem Abenteuer "Unter schwarzer Flagge"1) (1945, Captain Kidd), als "Galileo Galilei" in der Brecht-Verfilmung "Leben des Galilei" (1947) oder als Richter Lord Thomas Horfield in Alfred Hitchcocks Krimi "Der Fall Paradin"1) (1947, The Paradine Case) mit einem herausragenden Gregory Peck als Verteidiger Anthony Keane. Laughton stand für Lewis Milestones nach dem Roman von Erich Maria Remarque inszenierten Melodram "Triumphbogen"1) (1948, Arch of Triumph) mit Ingrid Bergman und Charles Boyer vor der Kamera, John Farrow besetzte ihn neben Ray Milland in dem Film-Noir "Spiel mit dem Tode"1) (1948, The Big Clock) und Robert Z. Leonard in dem Thriller "Geheimaktion Carlotta"1) (1949, The Bribe) als Partner von Robert Taylor und Ava Gardner.
Auch in den 1950er Jahren blieb Laughton ein vielbeschäftigter Leinwanddarsteller, als Inspektor Jules Maigret tauchte er in Burgess Merediths Krimi "Der Mann vom Eiffelturm" (1950, The Man on the Eiffel Tower) auf, William Dieterle inszenierte 1953 das Historienepos "Salome"1) mit Rita Hayworth in der Titelrolle, Stewart Granger als Hauptmann Claudius, Laughton als König Herodes und Judith Anderson als dessen Frau Herodias. Unter all den in den 50er Jahren so beliebten Bibel-Verfilmungen, die übrigens meist hervorragende Schauspielerpersönlichkeiten aufzuweisen hatten, ist Dieterles "Salome" ein ganz besonders kurioser Fall: Die Geschichte von der berühmt berüchtigten Herodes-Tochter, die mit ihrem Schleiertanz vergeblich versucht, den edlen Johannes den Täufer zu retten, ist in faszinierender Farbfotografie abgelichtet, trotz der bedeutenden Schauspieler jedoch teilweise wie Bauerntheater interpretiert und in einer epischen Mischung aus Märchen und Melodram gehalten. (Quelle: prisma.de)

Nach dem Episodenfilm "Fünf Perlen"1) (1950, O. Henry's Full House) und dem Kinospaß "Abbott und Costello als Piraten wider Willen"1) (1952, Abbott and Costello Meet Captain Kidd) konnte Charles Laugton in George Sidneys farbenprächtigem Kostümfilm "Die Thronfolgerin"1) (1953, Young Bess) neben Stars wie Jean Simmons, Stewart Granger und Deborah Kerr noch einmal seine Paraderolle des Heinrich VIII. ausleben. Zwei Jahre später inszenierte Laughton mit "Die Nacht des Jägers"1) (1955, The Night of the Hunter2)) seinen einzigen und zugleich bemerkenswerten Spielfilm, seine Protagonisten waren Robert Mitchum, Shelley Winters und Lillian Gish: Der psychopathische Prediger Harry Powell (Robert Mitchum), für ein kleines Vergehen ins Gefängnis geraten, versucht aus dem Raubmörder und Todeskandidaten Ben Harper (Peter Graves) das Versteck einer beachtlichen Raubsumme herauszupressen. Nach dem Tode des Delinquenten schleicht sich Harry ins Vertrauen der Witwe (Shelley Winters), heiratet sie, kann aber das Geheimnis nicht lösen. Das Misstrauen eines zehnjährigen Jungen löst ein blutiges Drama aus. (…) Die einzige Regiearbeit des großen Schauspielers Charles Laughton erweist sich als ein einzigartiges, expressionistisches Meisterwerk mit beklemmender, teilweise sogar schockierender Atmosphäre und einem bemerkenswert psychopathisch agierenden Mitchum, dessen Performance stark an "Ein Köder für die Bestie" erinnert. Ein Film, der in Atmosphäre und Thema seiner Zeit weit voraus war. Düsterer geht es kaum!. (Quelle: prisma.de; siehe auch www.dieterwunderlich.de)

In dem von Billy Wilder gedrehten, spannenden Justizdrama "Zeugin der Anklage"1) (1957, Witness for the Prosecution2)) zog Laughton als gesundheitlich angeschlagener, dennoch brillanter Strafverteidiger Sir Wilfrid Robarts noch einmal alle Register seines schauspielerischen Könnens. Die Hauptrollen in dieser sowohl skurrilen als auch ironischen Kriminalgeschichte spielten neben Laughton, der für seine Leistung eine Oscar-Nominierung erhielt, Marlene Dietrich (Christine Helm Vole), Tyrone Power (Leonard Stephen Vole) sowie Elsa Lanchester (Miss Plimsoll), die für einen Nebenrollen-Oscar nominiert war. Laughton zeigt sich – wenn es darauf ankommt – ganz schön böse, drohend und beharrlich. Regisseur Billy Wilder lieferte ein intelligentes Denkspiel ab und läst den Zuschauer raten, bangen und auch falsche Schlüsse ziehen, bis die Story nach dem Theaterstück von Agatha Christie ihre verblüffende Auflösung findet.
In Stanley Kubricks, mit Stars wie Kirk Douglas, Peter Ustinov und Jean Simmons hochkarätig besetztem Monumentalfilm "Spartacus"1) (1960) verwandelte sich der Charaktermime in die dem historischen Tiberius Sempronius Gracchus1) nachempfundene Figur gleichen Namens, zu seiner letzten Arbeit für das Kino zählte die Rolle des Senators Seabright Cooley in Otto Premingers Drama "Sturm über Washington"1) (1962, Advise & Consent). In seinen letzten Lebensjahren trat Charles Laughton auch einige Male im Fernsehen auf, war beispielsweise in den TV-Serien "Wagon Train" und "Checkmate" zu sehen.
 
Charles Laughton, der in den 36 Jahren seiner Schauspielerkarriere in mehr als 40 Theaterstücken und rund 55 Kinofilmen seine außergewöhnliche schauspielerische Kraft unter Beweis stellte, erlag am 15. Dezember 1962 in Hollywood mit 63 Jahren unerwartet seiner Krebserkrankung; seine letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Friedhof "Forest Lawn" → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Der ebenso boshafte wie sanftmütige Hundeblick von Charles Laughton war sprichwörtlich und in seiner Hässlichkeit lag Profil. "Er ist ein schrecklich fetter, alter Knabe", lästerte Hollywoods Klatschkolumnistin Else Maxwell, als sie von einer Hollywood-Party nach Hause kam, bei der ihr Charles Laughton vorgestellt wurde. Der Schauspieler habe ausgesehen wie Falstaff im Frack, soll sie gesagt haben. 
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Eine ausführliche Biografie zu Charles Laughton findet man auf der englischsprachigen offiziellen Website.
Siehe auch Wikipedia; Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) prisma.de
     
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
Stummfilme
  • 1928: Blue Bottles (Kurzfilm)
  • 1928: Daydreams (Kurzfilm)
  • 1928: The Tonic  (Kurzfilm)
  • 1929: Nachtwelt (Piccadilly) → Filmlexikon
Tonfilme
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