Hildegard Knef wurde am 28. Dezember 1925 als Hildegard Frieda Albertine Knef und Tochter des flämischstämmigen Prokuristen Hans Theodor Knef in Ulm geboren. Der Vater starb, als Hilde 6 Monate alt war. Die Mutter zog mit ihr nach Berlin und heiratete 1933 den Schuhmachermeister und Mitbesitzer einer Berliner Lederfabrik, Wilhelm Wulfestieg; aus dieser Ehe ging ihr Halbbruder und spätere Jazzmusiker Heinz Wulfestieg (1936 – 1977) hervor. Die Jugend von Hildegard Knef war von Entbehrungen gezeichnet und einer Kinderlähmung überschattet, bereits nach dem Besuch eines Lyzeums in Berlin-Schöneberg begann sie 1942 im Trickfilmstudio der Berliner UFA eine Lehre als Zeichnerin, außerdem besuchte sie die Filmschule in Babelsberg und ließ sich unter anderem von Else Bongers1) (1907 – 1994), die zu ihrer Mentorin und lebenslangen Beraterin wurde, zur Schauspielerin ausbilden.
Von Wolfgang Liebeneiner1) (1905 – 1987) für den Film entdeckt, erhielt sie eine erste, wenn auch winzige Rolle in Harald Brauns "Träumerei"1) (1944), die Szene fiel jedoch dem Schnitt zum Opfer. Nach einem winzigen Auftritt in Gerhard Lamprechts Melodram "Die Brüder Noltenius"2) (1945) erlangte sie erste Aufmerksamkeit mit Helmut Käutners Meisterwerk "Unter den Brücken"1) (1945), beeindruckte neben Hannelore Schroth, Carl Raddatz, Gustav Knuth und Ursula Garbley als Serviererin Vera.
Dieser Liebesfilm wurde in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges unter extrem erschwerten Umständen gedreht. Erschwert deshalb, da in der Nacht aufgrund von Fliegerangriffen nicht im Freien gedreht werden durfte und stattdessen einige Szenen im Studio nachgebaut werden mussten; Drehort war vornehmlich die Glienicker Brücke in Berlin-Potsdam. Dem Publikum blieb die junge Knef jedoch zunächst weiterhin unbekannt, da dieser Film vor Kriegsende in Deutschland nicht mehr zur öffentlichen Aufführung gelangte und erst am 15. Mai 1950 zur Erstaufführung gelangte.

Foto: Die junge Hildegard Knef als Celia zusammen mit Gudrun Genest3) (Rosalinde)
in "Wie es euch gefällt"1) von William Shakespeare, im April 1946
am Berliner "Schlosspark Theater" in einer Inszenierung von Boleslaw Barlog1)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df pk 0000067 004); © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abrahan Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983; Link Wikipedia); Datierung: 1946.04 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 12.11.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia

Die junge Hildegard Knef als Celia zusammen mit Gudrun Genest (Rosalinde) in "Wie es euch gefällt" von William Shakespeare, im April 1946 am Berliner "Schlossparktheater" in einer Inszenierung von Boleslaw Barlog; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df pk 0000067 004); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983; Datierung: 1946.04 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Aufnahme vom Dreh "Die Mörder sind unter uns"; Szene mit Hildegard Knef und Ernst Wilhelm Borchert; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000501_006); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 05.1946; Quelle: www.deutschefotothek.de In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges wurde Hildegard Knef in den Endkampf um Berlin verwickelt: Gegen Kriegsende flüchtete die 18-Jährige zusammen mit dem doppelt so alten Chef der deutschen Filmfirma "Tobis", Ewald von Demandowsky1) (1906 – 1946), der ihre erste große Liebe war, aus der umkämpften deutschen Hauptstadt. Um eine Vergewaltigung zu vermeiden, verkleidete sie sich als Mann in Soldatenuniform, wollte sich zu ihrer Mutter nach Uelzen durchschlagen, geriet in Gefangenschaft und wurde in ein polnisches Gefangenenlager interniert, aus dem sie jedoch fliehen konnte. Ihre Karriere als Schauspielerin setzte sich fort, als sie Viktor de Kowa an das Theater "Tribüne" am Kurfürstendamm holte, später trat sie bei Boleslaw Barlogs am Schlosspark-Theater auf. 
1946 gelang ihr dann mit Wolfgang Staudtes erstem Nachkriegsfilm "Die Mörder sind unter uns"1) der Durchbruch als anerkannte Filmschauspielerin: Gedreht wurde die dramatische Geschichte in der Trümmerwüste des zerstörten Berlins, Hildegard Knef verkörperte eindringlich das junge Mädchen Susanne Wallner, welches man 1942 wegen ihres Vaters in ein Konzentrationslager gesperrt hat; in ihre Wohnung zurückgekehrt, trifft sie dort auf den arbeitslosen Chirurgen Dr. Hans Mertens (Ernst Wilhelm Borchert), der seine traumatischen Kriegserlebnisse mit Alkohol vergessen will. Susanne hilft Mertens in ihrer Liebe zu ihm aus seiner Depression heraus und hindert ihn schließlich daran, seine Peiniger zu ermorden; siehe auch prisma.de.
 
Aufnahme vom Dreh des ersten deutschen Trümmerfilms
"Die Mörder sind unter uns" durch die spätere DEFA1)
Szene mit Hildegard Knef und Ernst Wilhelm Borchert3) → weitere Fotos
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000501_006)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 05.1946
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter wurde Harald Brauns (Trümmer-)Film "Zwischen gestern und morgen" (1947) mit der Rolle des Mädchens Katharina an der Seite von Viktor de Kowa, gefolgt von der weiblichen Hauptrolle der Christine Fleming in Rudolf Jugerts romantischen Komödie "Film ohne Titel"4) (1947), für die sie ein Jahr später bei den Filmfestspielen in Locarno den Preis als "Beste weibliche Schauspielerin" entgegennehmen konnte.
Nach ihrer Heirat 1947 mit dem amerikanischen Filmoffizier Kurt Hirsch, ging Hildegard Knef wenig später mit ihrem Mann in die USA, lebte zunächst in New York, später an der Westküste in Los Angeles. Kurt Hirsch war 1939 vor den Nazis in die USA geflohen, seine Verwandten fast sämtlich im Holocaust umgekommen. Die Hoffnungen der Knef, in Amerika ihre Filmkarriere fortsetzen zu können, erfüllten sich nicht. Zwar hatte sie von dem Hollywood-Produzenten David O. Selznick ("Vom Winde verweht") eine Sieben-Jahres-Vertrag erhalten, Rollen blieben jedoch aus.
Hildegard Knef, die auch die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, kehrte, nicht zuletzt auch wegen privater Probleme mit Ehemann Kurt Hirsch, nach Deutschland zurück; 1950 trennte sich das Paar, 1952 wurde die Ehe geschieden.
 

Hildegard Knef Mitte März 1969 bei einer Fernsehaufzeichnung in den Niederlanden
Rechteinhaber: Nationaal Archief  (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 254-8439)
Urheber/Fotograf: Koch, Eric / Anefo; Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL

Hildegard Knef Mitte März 1969 bei einer Fernsehaufzeichnung in den Niederlanden; Rechteinhaber: Nationaal Archief  (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 254-8439); Urheber/Fotograf: Koch, Eric / Anefo; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL
1951 zeigte sich die Knef dann in einem Film, der sie schlagartig berühmt machen sollte: Als Prostituierte Marina in "Die Sünderin"1). Sowohl der Inhalt als auch die kurze Nacktszene der Knef riefen bundesweit viele offizielle Institutionen auf den Plan und verschafften ihr im prüden Nachkriegsdeutschland unerwartete Publicity. Hildegard Knef spielte eine Prostituierte, die ihren Geliebten und krebskranken Maler bis zum Erblinden treu versorgt und mit ihm am Ende sogar gemeinsam in den Tod geht. Sie war für sechs Sekunden mit blankem Busen zu sehen, die erste Nackte im deutschen Film. Moralapostel und und die katholische Kirche heulten auf. Es gab sogar ein Anti-Knef-Flugblatt mit dem unfreiwillig komischen Text: "Könnt Ihr es verantworten, dass ein Glied Eurer Familie diesen Film besucht?" Eine für heutige Verhältnisse harmlose Nacktszene hatte den Streifen zum Kassenhit und Skandalfilm schlechthin gemacht.
   
Die Sünderin
Deutschland 1951
Regie: Willi Frost
Drehbuch: Willi Forst, Georg Marischka, Gerhard Menzel
Musik: Theo Mackeben
Kamera: Václav Vich
Darsteller:
Hildegard Knef: Marina, Gustav Fröhlich: Alexander,
Änne Bruck: Marinas Mutter, Wera Frydtberg: Kollegin,
Robert Meyn: Marinas Stiefvater, Jochen-Wolfgang Meyn: Marinas Stiefbruder
Andreas Wolf: Arzt, und andere
(Link: Wikipedia, Kurzportrait innerhalb dieser HP)
 
Marina (Hildegard Knef), die infolge der Kriegs- und Nachkriegsereignisse zur berechnenden Dirne wurde, lernt einen todkranken Maler (Gustav Fröhlich) kennen und lieben. Er, von seinem künstlerischen Unvermögen überzeugt, versinkt mehr und mehr in Selbstmitleid und Drogensucht. Sie, entschlossen ihn zu retten, setzt sich selbstlos über alle Schwierigkeiten hinweg, selbst wenn das bedeuten sollte, sich einmal mehr zu verkaufen, wie sie es früher getan hatte. "Ein kurzer Schritt durch den Dreck", wie sie sagt. Im Verlauf des einen Tages, in dem der Film spielt, erfahren wir Marinas Lebensgeschichte, den Hintergrund einer kaputten Familie, ihre zweifelhafte Karriere in GI-Bars …

Siehe auch Wikipedia, www.moviemaster.de, www.prisma.de

  
Für Hildegard Knef, die in deutschen Produktionen bisher den herben, zugleich erotisch selbstbewussten Frauentyp verkörperte, bedeutete die Rolle in "Die Sünderin" endlich auch internationale Beachtung, nachdem der Film auch in den USA gezeigt worden war. Ihr erster Hollywood-Film wurde – unter dem Namen Hildegard Neff – das von Anatole Litvak in Deutschland gedrehte Kriegsdrama "Entscheidung vor Morgengrauen"1) (1951, Decision before dawn) an der Seite von Richard Basehart und Oskar Werner. In Folge drehte sie mit den Hollywood-Stars jener Jahre, trat neben Tyrone Power, in "Kurier nach Triest" (1952, Diplomatic Courier) auf, stand mit Gregory Peck und Ava Gardner für "Schnee am Kilimandscharo"1) (1952, The snows of Kilimanjaro) sowie mit Linda Darnell und Gary Merrill für "Night Without Sleep" (1952) vor der Kamera. In Frankreich entstand Julien Duviviers heitere Geschichte "Auf den Straßen von Paris" (1952, La fête à Henriette), in Deutschland unter der Regie Willi Forsts die Komödie "Es geschehen noch Wunder" (1951), Arthur Maria Rabenalt besetzte sie mit der Titelrolle in dem Remake "Alraune"1) (1952) neben Erich von Stroheim und Karlheinz Böhm. Bis Ende der 1950er Jahre agierte Hildegard Knef mit Hauptrollen in deutschen und internationalen Produktionen, so beispielsweise in Rudolf Jugerts Melodram "Illusion in Moll" (1952), Carol Reeds Thriller "Gefährlicher Urlaub" (1953, The Man between), André Michels Krimi "Geständnis unter vier Augen" (1954) oder Wolfgang Staudtes "Madeleine und der Legionär"1) (1958), zu dem Johannes Mario Simmel das Drehbuch geschrieben hatte. Nach Yves Allégrets "Das Mädchen aus Hamburg" (1958, La fille de Hambourg), Josef von Bákys "Der Mann, der sich verkaufte" (1959, Bundesfilmpreis für die Nebenrolle der Martina Schilling) und Muriel Box' "U-Bahn in den Himmel" (1959, Subway in the Sky) wurden adäquate Filmangebote seltener.
 
Trotz ihres überragenden Broadway-Erfolges mit der Hauptrolle in Cole Porters "Silk Stockings"1) (ab 1954, Seidenstrümpfe), einer Musical-Version von Ernst Lubitschs "Ninotschka" mit über 650 Aufführungen, hatte sich Hildegard Knef endgültig in Deutschland niedergelassen. Sie spielte in Berlin wieder Theater und übernahm in den 1960ern auch sporadisch interessante Aufgaben vor der Kamera. So neben Michèle Morgan und Danielle Darrieux in Claude Chabrols "Der Frauenmörder von Paris"1) (1962, Landru) oder an der Seite von Curd Jürgens (als Macheath) in Wolfgang Staudtes filmischen Umsetzung der Brecht/Weill'schen "Die Dreigroschenoper"1) (1963), wo die Knef als "Spelunken-Jenny" brillierte. Ein weiteres "Highligt" wurde Alfred Vohrers Thriller "Wartezimmer zum Jenseits"1) (1964) mit Götz George als Partner.
Hildegard Knef 01; Copyright Virginia Shue Vornehmlich nahm sie nun jedoch eine Laufbahn als Chansonsängerin in Angriff und ab 1963 feierte sie auch mit diesem Genre Triumphe. Ihre mit einer unverwechselbaren rauchig-verruchten Stimme vorgetragenen selbstgetexteten, eigensinnigen Lieder wie "Von nun an ging's bergab", "Eins und eins, das macht zwei" oder "Für mich soll's rote Rosen regnen" gerieten zu Welterfolgen. Seitdem ging die Knef auf umfangreiche Tourneen, ihre Vorstellungen waren stets ausverkauft, sie trat als Gast in vielen TV- und Talkshows auf und erhielt 1968 "Goldene Schallplatten" für 3 Millionen verkaufter Platten. (→ Diskographie bei Wikipedia)
Als im März 1965 das zweite Album "Hildegard Knef spricht und singt Kurt Tucholsky", unterstützt von kongenialen Vertonungen junger Komponisten, auf den Markt kam, waren sich fast alle einig: "Hier präsentierte sich die eigentliche, die neue Knef." Mit der Produktion, "Ich seh die Welt durch deine Augen", waren selbst Skeptiker unter den Fachleuten überzeugt, dass die Knef einen Wendepunkt des deutschen Chansons der Nachkriegszeit darstellte. Ende 1966 machte Hildegard Knef eine große Tournee mit Günter Noris und seinem Ensemble und zwei Jahre später zusammen mit Kurt Edelhagens Big Band, noch im gleichen Jahr wurde sie als "beste deutschsprachige Sängerin des Jahres 1968" ausgezeichnet. 1969 erschien die Fernsehdokumentation "Die Knef. Bericht über ein Konzert" in der die Chansonette als Sängerin vorgestellt wurde, ein gesamtes Portrait ihrer Karriere erschien 1975 im Fernsehen mit dem Titel "Hildegard Knef und ihre Lieder".
 
 
Das Foto, welches Hildegard Knef 1985 am Hamburger Flughafen zeigt, 
wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Nach einer ihrer letzten großen Kinorollen an der Seite von Martin Held in Alfred Weidenmanns "Verdammt zur Sünde" (1964), wurde die Diva mit 43 Jahren Mutter: 1959 hatte sie den britischen Regisseur David Cameron1) (1933 – 2012) kennen- und lieben gelernt, 1962 heiratete das Paar, zwei Jahre später wurde die gemeinsame Tochter Christina Antonia ("Tinta") geboren, die heute in Los Angeles lebt. Das machte ebenso Schlagzeilen wie 1976 die melodramatische Scheidung bzw. der Kampf um die achtjährigen Christina sowie Berichte über die Abhängigkeit der Knef von der Morphium-Ersatzdroge Metadon. Die Medien waren auch zur Stelle, als die Knef im Juni 1977 in dritter Ehe den 15 Jahre jüngeren, aus einem alten deutsch-ungarischen Adelsgeschlecht stammenden Paul von Schell (Paul Rudolf Freiherr von Schell zu Bauschlott) ehelichte.
1975 war die Schauspielerin und Sängerin noch einmal auf die Leinwand zurückgekehrt; trotz angeschlagener Gesundheit – 1973 hatte sie eine Brustkrebsoperation überstehen müssen – arbeitete sie in Alfred Vohrers Fallada-Adaption "Jeder stirbt für sich allein"1) (1975) mit und verkörperte an der Seite von Carl Raddatz dessen Ehefrau Anna Quangel, die nach dem Tod des einzigen Sohnes aktiven Widerstand gegen das Hitler-Regime  leistet. 1976 erhielt Hildegard Knef beim Filmfestival von Karlovy Vary (Karlsbad) für ihre schauspielerische Leistung die "Goldene Filmpreisrolle als beste Schauspielerin". Einen schönen Achtungserfolg verzeichnete sie auch mit der Figur der Gräfin Sobryanski bzw. gealterten Fedora in Billy Wilders hochkarätig besetztem Melodram "Fedora"1) (1978), einem Abgesang auf das goldene Zeitalter Hollywoods nach einer Novelle von Thomas Tryon.
Ihre nachfolgenden wenigen Leinwand- oder TV-Rollen waren überwiegend eher unbedeutend, zeugten dennoch von der Dominanz des Stars, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als zweite Marlene Dietrich gefeiert worden war. Zu ihren letzten prägnanten Auftritten als Darstellerin zählen beispielsweise die Fernsehfilme "Der Gärtner von Toulouse" (1982) und "Tödliches Erbe" (1994) sowie Reinhard Schwabenitzkys Komödie "Eine Fast perfekte Hochzeit" (1999). Ihre Rolle in der TV-Komödie "Wie angelt man sich einen Müllmann?" (2001) musste sie wegen ihrer Erkrankung an Ingrid van Bergen abgeben.
 

Das Foto, welches Hildegard Knef 1985 während eines Interviews im Auto zeigt,
wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Hildegard Knef 02; Copyright Virginia Shue
Neben ihrer Gesangs- und Filmkarriere war Hildegard Knef auch auf dem Gebiet der Literatur als Bestsellerautorin zweier autobiographischer Bücher einem breiten Publikum bekannt geworden. Der Millionenerfolg ihres in mehr als 20 Sprachen übersetzten autobiographischen Romans "Der geschenkte Gaul" (1970) und ihre detailgenaue Schilderung der eigenen Krebserkrankung in dem mit dem "Mark-Twain-Preis" ausgezeichneten Roman "Das Urteil oder der Gegenmensch" (1975) sorgten für Furore. Im Klappentext zu "Der geschenkte Gaul" heißt es: Das Leben hat Hildegard Knef oft genug aus dem Sattel geworfen. Trotzdem bleibt es für sie der "geschenkte Gaul", der nicht immer bequem ist, den man aber stets behält, weil er ein Geschenk ist und weil man sich an ihn gewöhnt hat. Hier schreibt sie über sich und ihren "geschenkten Gaul" und schuf damit ein hinreißendes Stück Erlebnisliteratur: engagiert, couragiert – die Geschichte einer Generation, die Geschichte "der Knef".
Bereits 1964 hatte das Mulitalent Knef den Roman "Die Festung" veröffentlicht, 1972 war der Band "Ich brauch Tapetenwechsel" mit Chansons, Gedichten und Prosastücken erschienen, 1978 publizierte sie "Nichts als Neugier. Interviews zur Parapsychologie", zwei Jahre später einen weiteren autobiografischen Roman unter dem Titel "So Nicht", 1983 brachte sie das Buch "Romy – Betrachtungen eines Lebens" auf den Markt.
Ob als Chansonette ("weltgrößte Sängerin ohne Stimme" sagte einmal Ella Fitzgerald) oder als fleißige, von der Kunstwelt ignorierte Malerin, immer wieder gelang es der Knef hartnäckig und trotzig am früheren Ruhm anzuknüpfen: Sie blieb Zeit ihres Lebens ein Star. "Solange ich atme, werte ich meine Begabungen aus", meinte die begnadete Dauerrednerin einst, und beim Gespräch verfuhr sie immer nach dem Motto: "Wer Luft holt, hat schon verloren." 1980 ging sie noch einmal auf eine weltweite Tournee, die insgesamt 200 Konzerte brachten jedoch nicht den erhofften Erfolg, die große Zeit der Hildegard Knef war endgültig vorbei. Auch die Deutschlandtournee im Januar 1986 rief bei der Presse ambivalente Reaktionen hervor, bessere Kritiken erhielt die Knef ein Jahr später als "Zimmerwirtin" im Musical "Cabaret" am Berliner "Theater des Westens". In den 1990er Jahren spielt sie mit der Rockband "Extrabreit" noch einmal ihr legendäres Chanson "Für mich soll’s rote Rosen regnen" ein.
Hildegard Knef 03; Copyright Virginia Shue Anfang der 1980er Jahre hatte sich die Knef mit ihrem Mann in Los Angeles niedergelassen, erst 1989 kehrte sie nach Deutschland zurück und lebte zunächst zurückgezogen in München, später, seit 1996, in Berlin. Nur noch wenige Male erschien sie in der Öffentlichkeit, zu ihren letzten großen Auftritten zählt 1995 eine Film-Collage anlässlich ihres 70. Geburtstags unter dem Titel "Für mich soll's rote Rosen regnen" sowie 1997 in Leipzig ihr Debüt als Modeschöpferin und die Präsentation von Modellen für aktive, ältere Frauen.
Hildegard Knef, eine der populärsten Vertreterinnen des deutschen Kinos der 1950er und 60er Jahre, starb in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 2002 im Alter von 76 Jahren in Berlin an den Folgen einer akuten Lungenentzündung. Bereits seit geraumer Zeit war sie wegen eines Lungenemphysems an den Rollstuhl gefesselt und auf künstliche Sauerstoffzufuhr angewiesen. Bei ihrer Beisetzung in einem Ehrengrab auf dem Friedhof in Berlin-Nikolassee (Potsdamer Chaussee 75), die auch unter großer Anteilnahme der Bevölkerung stattfand, regnete es Hunderte rote Rosen auf ihren Sarg. Mit Hildegard Knef verabschiedete sich einer der letzten großen deutschen Stars und eine unverkennbare Stimme aus dem Showgeschäft → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
 
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Die Auszeichnungen, welche die Künstlerin im Laufe der Karriere erhalten hat, lassen sich kaum alle aufzählen: Neben verschiedenen "Bambis"1) verlieh man ihr 1975 das "Bundesverdienstkreuz 1. Klasse", zwei Jahre später überreichte man ihr das "Filmband in Gold"1) für "hervorragendes und langjähriges Wirken im deutschen Film". 2000 ehrte man die bereits von ihrer Krankheit gezeichnete Knef mit dem "Echo" der deutschen Musikindustrie, ein Jahr später folgte der "Bambi" für ihr Lebenswerk, das insgesamt 39 Filme, 11 Langspielplatten, mehrere Bücher und zahlreiche Gemälde umfasst. Aus gesundheitlichen Gründen konnte sie – wie schon zuvor 2000 bei der Verleihung "Goldenen Kamera"1) – diesen Preis nicht persönlich entgegennehmen. Erwähnt werden muss auch das von der jungen Filmemacherin Clarissa Ruge stammende Portrait "A Woman and a Half – Hildegard Knef", das unter Mitwirkung von Hildegard Knef selbst entstanden war und welches 2002 eine Nominierung für den deutschen Filmpreis erhielt. → Liste der Auszeichnungen bei Wikipedia
Die Deutsche Post würdigte die Sängerin, Schauspielerin und Autorin Ende Dezember 2002 posthum mit einer Briefmarke in der Reihe "Frauen der deutschen Geschichte". Am 15. Januar 2003 übergab Bundesfinanzminister Hans Eichel die neue Briefmarke mit dem Knef-Porträt an das Berliner Filmmuseum. Bei der Feierstunde würdigten Eichel und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit die Knef als Filmstar internationalen Ranges.
Neuerdings hat Hildegard Knef auf dem am 10. September 2010 eingeweihten Berliner "Boulevard der Stars"1) auch einen "Stern", in prominenter Lage, mitten in Berlin auf der Potsdamer Straße, wurde sie neben legendären Filmschaffenden wie Marlene Dietrich und Romy Schneider bzw. herausragenden Schauspielern wie Mario Adorf, Armin Mueller-Stahl, Bruno Ganz oder Götz George "verewigt".

Sonderbriefmarke Hildegard Knef aus der Reihe
"Frauen der deutschen Geschichte"
Ausgabetag 27. Dezember 2002
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung
des Bundesministeriums der Finanzen
sowie Prof. Gerd Aretz und Oliver Aretz (Gestaltung)

Sonderbriefmarke Hildegard Knef aus der Reihe "Frauen der deutschen Geschichte"; Ausgabetag 27. Dezember 2002; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Bundesministeriums der Finanzen sowie Prof. Gerd Aretz und Oliver Aretz (Gestaltung)
Der Bestseller "Der geschenkte Gaul" sollte bereits zu Lebzeiten der Knef auf die Bühne gebracht werden, die Knef selbst hatte einmal mit einer Musical-Fassung für den Broadway begonnen. Da die amerikanischen Produzenten andere politische Schwerpunkte forderten, blieb diese ein Fragment. Für das Stadttheater Wilhelmshaven erarbeitete Hildegard Knef mit dem Komponisten Udo Becker eine ergänzte Lebensgeschichte bis zum Jahr 2002 und engagierte sich bis kurz vor ihrem Tod für diese neuen Bühnenfassung. Danach setzte ihr Witwer Paul von Schell die Arbeit fort, die umjubelte Uraufführung "Der geschenkte Gaul - Die Hildegard Knef Story" fand am 22. Februar 2003 im Stadttheater Wilhelmshaven statt, inzwischen ist die musikalische, kaleidoskopartige Bilderfolge, welche den Lebensweg der Knef nachzeichnet, in vielen deutschen Städten zu sehen.
Der Kinofilm "Hilde"1) nach der Autobiografie "Der geschenkte Gaul" ging am 12. März 2009 an den Start. Die Dreharbeiten hatten im Juli 2008 begonnen, unter der Regie von Kai Wessel glänzt Heike Makatsch als die legendäre Hildegard Knef. Erzählt werden 23 Jahre voller Höhen und Tiefen aus dem Leben der legendären Berliner Theater- und Filmschauspielerin und Chansonsängerin. Das Biopic beginnt 1943, als die Knef sich mit 17 Jahren bei der UFA als Filmschauspielerin bewarb, bis zu ihrer Rückkehr nach Deutschland im Jahre 1966 und dem Beginn ihrer zweiten Karriere als Sängerin. Auch die übrigen Akteure sind prominent besetzt, Monica Bleibtreu2) hatte die Rolle von Knefs Entdeckerin Else Bongers übernommen, der britische Schauspieler Dan Stevens spielt den zweiten Knef-Ehemann David Cameron1), Michael Gwisdek3) ihren Großvater und Hanns Zischler3) den Filmproduzenten Erich Pommer1) (1889 – 1966); mehr bei www.dieterwunderlich.de.
Gedenktafel Hildegard Knef, Leberstraße 33, Berlin-Schöneberg; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Wikimedia-User OTFW, Berlin; Lizenz: CC BY-SA 3.0 Am 25. Dezember 2005 wäre Hildegard Knef 80 Jahre alt geworden, Anlass genug, das Werk der Sängerin, Schauspielerin und Buchautorin noch einmal neu aufzulegen und in Erinnerung zu rufen. So erschien unter anderem am 18. November auf zwei CDs "Schöne Zeiten – Ihre Unvergessenen Singles", die DVD "Erinnerungen" beinhaltet viele Interviews von prominenten Fans wie Willy Brandt, Henry Miller oder Henri Nannen sowie die Sendung "Hildegard Knef und ihre Lieder" aus dem Jahre 1975), darüber hinaus kamen auch einige Biografien neu auf den Markt. Zwei Ausstellungen erinnern ab November 2005 in Braunschweig und in Berlin an den großen deutschen Star: Im "Filmmuseum Berlin – Deutsche Kinemathek" begann die Ausstellung "Hildegard Knef – Eine Künstlerin aus Deutschland" am 24. November 2005; bis Mitte April 2006 konnte man dort bisher unveröffentlichte Fotos, Show-Kleider, Mode-Entwürfe von Pierre Balmain, Briefe von Henry Miller, Carl Zuckmayer, Carlo Schmid und Marlene Dietrich sowie weitere Exponate aus dem Nachlass von Hildegard Knef bewundern.
 
Gedenktafel Hildegard Knef, Leberstraße 33, Berlin-Schöneberg
Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Wikimedia-User OTFW, Berlin
Lizenz:
CC BY-SA 3.0
Im Braunschweiger "Museum für Photographie" wurden ab 13. November 2005 bis 12. Februar 2006 Bilder des Berliner Modefotografen Rico Puhlmann gezeigt, der das Leben der Künstlerin zu einem "Gesamtkunstwerk Knef" in Fotografien, Dias, Plattencovern und Originalzeitschriften verdichtet hat, begleitet von den von ihr gesprochenen und gesungenen Texten. (Ausstellung "Halt mich fest! Hildegard Knef und deutsche Stars in Fotografien von Rico Puhlmann"). Seit Oktober 2005 liegt der Bildband "Hildegard Knef – Fotografien von Rico Puhlmann" mit etwa 350 Motive in den Buchhandlungen.
Ende November 2005 strahlte die ARD die von Felix Moeller für den WDR produzierte 60-minütige TV-Dokumentarfilm "Knef – die frühen Jahre" aus. Der Autor erzählt die unbekannte Geschichte der jungen Hildegard Knef, die gleichzeitig auch ein Stück Zeitgeschichte ist.
Von Daniela Sannwald, Kristina Jaspers und Peter Mänz erschien ebenfalls im November 2005 anlässlich des 80. Geburtstages der Künstlerin das Buch "Hildegard Knef. Eine Künstlerin aus Deutschland" mit bislang nicht zugänglichem Material aus dem Knef'schen Nachlass. Bereits im September 2005 publizierte Christian Schröder eine Biografie mit dem Titel "Hildegard Knef – Mir sollten sämtliche Wunder begegnen"; der Autor sprach mit vielen Zeitzeugen und wertete erstmals den Nachlass der Knef aus. Zum ersten Todestag seiner Frau hatte Ehemann Paul von Schell 2003 den opulenten Bildband "Hilde" mit sehr persönlichen Texten veröffentlicht, die jüngste Biografie stammt von Jürgen Trimborn, der sein Buch "Hildegard Knef – Das Glück kennt nur Minuten" genannt hat. Der Autor zeichnet das Psychogramm einer Frau mit zwei Gesichtern, die an den Höhenflügen ihrer Karriere zu Grunde ging, ihre Umwelt tyrannisierte und sich selbst ruinierte. Auf der einen Seite war Hildegard Knef der gefeierte Star, auf der anderen Seite die egomanische Geliebte, die eingebildete Kranke, von tiefen Selbstzweifeln geplagt. War etwa Knefs Brustoperation 1973 nur die Flucht aus einer eingebildeten Krankheit? Es verwundert nicht, dass Hildegard Knefs Witwer von Schell versuchte, Trimborns Buch gerichtlich stoppen zu lassen.5)  
Offiziell autorisierte Fanpage: www.hildegardknef.de
Siehe auch www.prisma.de, Wikipedia, www.dieterwunderlich.de,
www.deutsches-filmhaus.de, Dirk Jasper FilmLexikon
sowie den Nachruf "Deutschlands letzte Diva" bei www.spiegel.de
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 3) Kurzportrait innerhalb dieser Webpräsenz, 4) prisma.de
Quelle: 5) www.wdr.de
   
Kinofilme
Filmografie bei Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia,filmportal.de,  prisma.de)
 
Hildegard Knef 04; Copyright Virginia Shue
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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