Robert Graf wurde am 18. November 1923 in Witten an der Ruhr geboren; seine Vorfahren stammten aus dem Westfälischen und aus Siebenbürgen. Nach dem Abitur studierte er zunächst Philosophie, sattelte dann aber um und wurde Schauspieler. Er machte eine Ausbildung in Bochum und München und erhielt ein erstes Engagement in Straubing. Weitere Stationen seiner Schauspielerlaufbahn waren dann Wiesbaden sowie Salzburg und ab 1951 war er Mitglied der "Münchner Kammerspiele", wo er alsbald zu den beliebten Charakterdarstellern zählte, der vor allem in subtilen Rollen bzw. mit zerrissenen Charaktere zu überzeugen wusste. Man sah Robert Graf dort unter anderem in der Uraufführung (1955) von Peter Hacks' "Die Eröffnung des indischen Zeitalters" , ebenfalls 1955 zeigte er sich in der Welt-Uraufführung von William Saroyans1) Stück "Die Unschuldigen" → www.zeit,de. Graf gestaltete beispielsweise den Neffen in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan"1), den Morland in Ferdinand Bruckners1) Drama "Elisabeth von England" oder den Sohn in Pirandellos Schauspiel "Sechs Personen suchen einen Autor"1). Mit verschiedenen namhaften Regisseuren erarbeitete der vielseitige Interpret prägnante Rollen, so mit Leopold Lindtberg in "Requiem für eine Nonne" (1956/57) von William Faulkner1), mit Hans Schweikart in "Der Walzer der Toreros" (1957/58) von Jean Anouilh1) oder mit August Everding in "Der Hund des Generals" (UA: 02.04.1962) von Heinar Kipphardt1), wo er als einfacher Soldat Pfeiffer brillierte, der irrtümlich den Hund des Generals a. D. Rampf (Paul Hoffmann) erschossen hatte → www.zeit.de; 1964 wurde das Stück von Franz Peter Wirth in dieser Besetzung auch für das Fernsehen inszeniert.
Ab Mitte der 1950er Jahre versuchte Graf zusammen mit Regisseuren wie Franz Peter Wirth1) und Paul Verhoeven2) bzw. Produzenten wie Helmut Jedele1) dem deutschen Fernsehen künstlerische Qualitäten abzugewinnen. Vor allem mit Franz Peter Wirth entstanden so ausgezeichnete Inszenierungen wie Sartres "Die schmutzigen Hände"1) (1956, Rolle: Hugo), Anouilhs "Jeanne oder Die Lerche"1) (1956, Rolle: Charles) oder die TV-Fassung des Einakters "Der schöne Gleichgültige" (1956) von Jean Cocteau1), wo Graf an der Seite von Agnes Fink glänzte. In Wirths Arthur Miller-Adaption "Tod eines Handlungsreisenden"1) (1958) verkörperte er den Biff Lohmann, Sohn des titelgebenden Figur Willy Loman (Kurt Ehrhardt1)).
 

Foto: Robert Graf und Agnes Fink2) in "Der schöne Gleichgültige"
(Le Bel indifférent) von Jean Cocteau1), Regie: Franz Peter Wirth1)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR

Robert Graf und Agnes Fink in "Der schöne Gleichgültige" (1956); Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR
Seit 1957 war Robert Graf auch für den Film tätig, so lebte beispielweise Ottomar Domnicks experimenteller, mehrfach prämierter Spielfilm "Jonas"1) (1957) von Grafs eindringlicher Darstellungskunst der Titelfigur → www.filmzentrale.com. 1958 übernahm er die Rolle des schurkischen Bruno Tiches in "Wir Wunderkinder"1), wurde mit dem "Bundesfilmpreis" als "Bester Nachwuchsschauspieler" ausgezeichnet und auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Parts in vielen großen Filmen folgten, so war er beispielsweise 1959 der Herbert Acker in "Und das am Montagmorgen", im gleichen Jahr der gewissenlose Geschäftemacher Bendix Grünlich, der im 1. Teil von "Buddenbrooks"1) die Tony Buddenbrook, dargestellt von Liselotte Pulver, heiratet; mit Lilo Pulver drehte er unter der Regie von Kurt Hoffmann auch die heitere Romanze "Das Schöne Abenteuer"1) (1959). 1960 sah man ihn als Thomas Melchior und ehemaligen Liebhaber der Protagonistin Luise Konradin alias Marianne Koch in dem Krimi "Die Frau am dunklen Fenster", im gleichen Jahr neben Heinz Rühmann als Dr. Lerch in Robert Siodmaks Literaturverfilmung "Mein Schulfreund"1) (1960). 1961 mimte er den Dr. Horn in dem Krimi "Mörderspiel"1), den Basil Hale in dem Wallace-Streifen "Der Fälscher von London"1) oder 1964 den Hal Young in Franz Antels Thriller "Frühstück mit dem Tod". Auch in internationalen Produktionen machte er eine gute Figur, wie in dem hochkarätig besetzten, spannenden US-amerikanischen Streifen "Gesprengte Ketten"1) (1963, The Great Escape).
Neben seiner Arbeit für das Kino spielte Robert Graf immer regelmäßig Theater und oft verkörperte er seine Bühnenrolle auch im Fernsehen. Unvergessen bleibt seine Leistung als Gefreiter Pfeiffer in Heinar Kipphardts "Der Hund des Generals" sowie der "Joel Brand"1) in der szenischen Uraufführung (06.10.1965) an den "Münchner Kammerspielen" (Regie: August Everding) von Kipphardts "Joel Brand. Die Geschichte eines Geschäfts" – zudem Grafs letzte Arbeiten für das Theater.
Bereits ein Jahr zuvor hatte Franz Peter Wirth das Doku-Drama mit Graf als Erzähler, Emil Stöhr1) als Joel Brand und Herwig Walter1) als Adolf Eichmann1) für das Fernsehen unter dem Titel "Die Geschichte von Joel Brand" inszeniert (EA: 15.11.1964). Die Ausstrahlung des 125-minütigen Krimis "Porträt eines Helden" (EA: 17.05.1966; → Die Krimihomepage), von Michael Kehlmann für den BR nach dem Roman von Pierre Boulle inszeniert, erlebte Graf nicht mehr.  Hier beeindruckte er mit der Hauptrolle des karrieresüchtigen Staatsanwaltes David Poole, dessen Gerechtigkeitssinn zur Verurteilung eines perfiden Mitbürgers (Hans Clarin) führt, der an der eigentlichen Tat unschuldig ist. "Gewohnt glänzend in der Hauptrolle Robert Graf, der diesen Part kurz vor seinem Tod buchstäblich mit letzter Kraft bewältigte, und zwar ohne sich etwas anmerken zu lassen. Präzise bis ins Mark läßt er den Zuschauer, der mit dem Informationsstand der Figur Poole ganz auf Augenhöhe der Grafschen Gedankenwelt folgen kann, an jeder Gefühlsregung teilhaben. Pooles degenerierter Rechtssinn gipfelt in Glaubensegozentrik und eine in kühlem Kalkül umgesetzte Wahnvorstellung." kann man hier lesen.
    

Foto: Robert Graf als Philipp Hotz mit Harry Wüstenhagen2) in
"Die große Wut des Philipp Hotz" (1960), einem von Paul Verhoeven2)
für den SWR inszenierten, knapp einstündigen Fernsehspiel
nach dem gleichnamigen Theaterstück1) von Max Frisch
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR

Robert Graf als Philipp Hotz mit Harry Wüstenhagen in "Die große Wut des Philipp Hotz"1) (1960), einem von Paul Verhoeven für den SWR inszenierten, knapp einstündigen Fernsehspiel nach dem gleichnamigen Theaterstück von Max Frisch; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR
Robert Graf, der 1961 mit dem "Friedenspreis der Stadt München" ausgezeichnet worden war, erlag im Alter von nur 42 Jahren am 4. Februar 1966 seinem unheilbaren Leiden, einer Gefäßverengung; schon Anfang 1965 hatte man dem Schauspieler einen Fuß amputieren müssen. Er hinterließ seine Ehefrau, die Schauspielerin und Autorin Selma Urfer1) sowie zwei Töchter und Sohn Dominik Graf1), der sich inzwischen einen Namen als bedeutender Filmregisseur gemacht hat.
Robert Graf fand seine letzte Ruhe auf dem Friedhof der St. Georg-Kirche in München-Bogenhausen (Grab Nr. 3–3–59) → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
 
Der Charaktermime zeigte sich "in klassischen und modernen, in komischen und tragischen Rollen, als ein vielseitiger Interpret, immer mit der Aura des schwer Erklärbaren, zugleich aber ohne suggestive Aufdringlichkeit: ein Schauspieler von kühler Faszination." schrie DIE ZEIT in einem kurzen Nachruf → www.zeit.de.
Textbausteine des Kurzportraits aus: "Internationales Biographisches Archiv"
(11/1967 vom 6. März 1967; Anfang online abrufbar → www.munzinger.de
Siehe auch Wikipedia, filmportal.de
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia)
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