Paul Hartmann auf einem Sammelbild aus der Serie "Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den "Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik beilagen. Urheber: Franz Xaver Setzer (1886 – 1939); Quelle: film.virtual-history.com Paul Hartmann (Paul Wilhelm Constantin Hartmann) wurde am 8. Januar 1889 als Sohn eines Exportunternehmers in Fürth geboren. Er besuchte das Gymnasium seiner Geburtsstadt, später ein Internat in Bamberg und interessierte sich schon früh für das Theater. Er spielte bereits als Pennäler bei Schüleraufführungen mit und nahm dann nach Beendigung der Schulzeit ab 1907 Unterricht in Nürnberg bei dem Schauspieler Adalbert Czokke. Ein Jahr später erhielt er ein Engagement am Stadttheater in Zwickau, wo er drei Jahre lang auf der Bühne stand, 1910 wechselte er nach Stettin. Nach einer Zwischenstation in Zürich engagierte in Max Reinhardt1) (1873 – 1943) an das "Deutsche Theater" in Berlin, wo Hartmann 1914 erstmalig als "Wallenstein" auf der Bühne stand.
Gegen Ende des 1. Weltkrieges wurde Hartmann 1917 noch zum Kriegsdienst einberufen, danach setzte er seine Schauspielerkarriere erfolgreich fort, unter anderem ab 1926 am Wiener "Burgtheater", wo er bis 1934 vor allem im klassischen Repertoire auf der Bühne stand. Dazwischen trat er im Rahmen der Salzburger Festspiele auf, spielte häufig weiter in Berlin. Im Januar 1935 wurde der ein Jahr zuvor zum "Staatschauspieler" ernannte Hartmann von Gustaf Gründgens2) (1899 – 1963) an das "Preußische Staatstheater" in Berlin berufen, wo er bis Ende des 2. Weltkrieges wirkte und vor allem als "Faust" glänzte. Hatte Hartmann zu Beginn seiner Schauspielerkarriere vorwiegend als Heldendarsteller und kraftvoller Typus wie beispielsweise als "Ferdinand", "Tellheim", "Prinz von Homburg", "Egmont" oder "Don Carlos" brilliert, so beeindruckte er später auch als "Oswald" in Ibsens "Gespenster", als "Peer Gynt" oder als "Rudolf von Habsburg" – vor allem aber immer wieder als "Faust".
 
Foto: Paul Hartmann auf einem Sammelbild aus der Serie "Bühnenstars und ihre Autogramme",
die 1933 den "Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik beilagen.
Urheber: Franz Xaver Setzer1) (1886 – 1939); Quelle: film.virtual-history.com; Lizenz siehe hier 
Ab 1942 war Hartmann Präsident des Reichstheaterkammer, wegen seiner Verstrickung in die NS-Propagandamaschinerie wurde er nach Ende des 2. Weltkrieges mit einem Auftrittsverbot belegt, konnte jedoch bereits drei Jahre später wieder in Bonn Theater spielen und Theatertourneen unternehmen. Außerdem rezitierte er auf Vortragsabenden aus Werken von Schiller Goethe und war im Rundfunk zu hören. Kaum eine namhafte Bühne auf der er nicht gespielt hatte, kaum eine gute Rolle, der er nicht Gestalt verlieh, besonders den Figuren O'Neills, so vor allem in "Eines langen Tages Reise in die Nacht". 1954 stand er ein Jahr lang am Düsseldorfer Schauspielhaus auf der Bühne, ab 1955 wirkte er am "Theater am Kurfürstendamm" in Berlin und spielte auch wieder häufiger am Wiener "Burgtheater".
 
Foto: Gastspiel (15. bis 17.1.1957) des Düsseldorfer Schauspielhauses im Stadttheater Bad Godesberg: "Eines langen Tages Reise in die Nacht" (Long day's journey into night), Schauspiel von Eugene O'Neill (Deutsch von Ursula und Oscar Fritz Schuh)
Regie: Karl Heinz Stroux; Bühnenbild und Kostüme: Ita Maximowna
Von links nach rechts: Paul Hartmann (James Tyrone), Elisabeth Bergner*) (Mary Cavan Tyrone), Heinz Drache*) (James Thyrone jr., ihr ältester Sohn), Martin Benrath*) (Edmund Tyrone, ihr jüngster Sohn)
Schauplatz: Wohnzimmer im Sommerhaus der Thyrones an einem Augusttag des Jahres 1912

Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-F004180-0008;
Fotograf: Rolf Unterberg / Datierung: Januar 1957 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: 
Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-F004180-0008 bzw. Wikimedia Commons
*) Link: Kurzportrait innerhalb dieser HP
Gastspiel des Düsseldorfer Schauspielhauses im Stadttheater Bad Godesberg (15.-17.1.1957): Eines langen Tages Reise in die Nacht (Long day's journey into night), Schauspiel von Eugene O'Neill (Deutsch von Ursula und Oscar Fritz Schuh); Regie: Karl Heinz Stroux; Bühnenbild und Kostüme: Ita Maximowna; Von links nach rechts: Paul Hartmann (James Tyrone), Elisabeth Bergner (Mary Cavan Tyrone), Heinz Drache (James Thyrone jr., ihr ältester Sohn), Martin Benrath (Edmund Tyrone, ihr jüngster Sohn); Schauplatz: Wohnzimmer im Sommerhaus der Thyrones an einem Augusttag des Jahres 1912; Quelle: Bilddatenbank Deutsches Bundesarchiv, B 145 Bild-F004180-0008; Fotograf: Rolf Unterberg / Datierung: Januar 1957 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Paul Hartmann um 1925 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid (1864 - 1930) Bereits 1915 hatte Hartmann mit kleineren Nebenrollen beim Stummfilm begonnen, etablierte sich dann später im Rollenfach des schwärmerischen oder entschlossenen jugendlichen Liebhabers; gerne besetzte man ihn als Partner von Henny Porten. Ab den 1920er Jahren wurden seine Rollen umfangreicher, so mimte er beispielsweise 1920 den Sir Henry Norris in Ernst Lubitschs Historienstreifen "Anna Boleyn"1) an der Seite von Emil Jannings (König Heinrich VIII.) und Henny Porten (Anna Boleyn). 1932 war Hartmann auch erstmalig in einem Tonfilm bzw. dem Hans Albers-Abenteuer "F.P.1 antwortet nicht"1) auf der Leinwand zu sehen und verkörperte in der Folgezeit statt schwärmerischer Jünglinge harte und unerbittliche Helden. So war er 1933 der in die Arbeit verbissene Ingenieur Mac Allan in dem Science-Fiction-Streifen "Der Tunnel"1) oder 1938 der besonnene französischer Oberst Marc Arron in "Revolutionshochzeit". In den 1930er und 1940er Jahren erlebte man ihn in tendenziös gefärbten NS-Produktionen wie "Schwarzer Jäger Johanna"1) (1934), "Stärker als Paragraphen" (1936) oder dem bis heute zu den "Vorbehaltsfilmen"1) zählenden Propaganda-Drama "Togger"1) (1937), in Wolfgang Liebeneiners Biopic "Bismarck"1) (1940) verkörperte er die Titelfigur. Während des 2. Weltkrieges ließ Hartmann sich für die nationalsozialistische Kulturpolitik einspannen und agierte in verschiedensten Propagandastreifen, so z. B. 1938 als Rittmeister Prank in "Pour le Mérite"1) oder 1941 als Professor Heyt in Wolfgang Liebeneiners umstrittenen Streifen "Ich klage an"1) – ebenfalls den "Vorbehaltsfilmen" zuzurechnen.

Foto: Paul Hartmann um 1925 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid1) (1864 – 1930)
Quelle: Wikimedia Commons; Angaben zur Lizenz siehe hier

Im deutschen Nachkriegsfilm stellte Hartmann seinem Alter entsprechend meist honorige, besonnene Herren, Väter oder klassische Gestalten dar. So gab er 1953 den Herrn Heinrich in der Ganghofer-Verfilmung "Der Klosterjäger"1), 1955 den Archibald von Barring in der Familiensaga "Die Barrings" oder 1959 den Pastor Kölling in der zweiteiligen Thomas Mann-Verfilmung "Buddenbrooks"1). In nachhaltiger Erinnerung ist er auch als Vater Briest in Rudolf Jugerts Fontane-Verfilmung "Rosen im Herbst"1) (1955) geblieben, neben Ruth Leuwerik als Effi Briest und Bernhard Wicki als Geert von Innstetten. Seine letzte Leinwandrollen waren 1962 die des Feldmarschall Gerd von Rundstedt in der aufwendigen US-amerikanischen Produktion "Der längste Tag"1) (The Longest Day) sowie die des alten Stuiber in der Ganghofer-Adaption "Waldrausch"1).
1964 verlieh man dem Schauspieler das "Filmband in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film".

Paul Hartmann, fotografiert von Franz Xaver Setzer1) (1886 – 1939)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Paul Hartmann, fotografiert von Franz Xaver Setzer (1886 – 1939); Quelle: www.cyranos.ch
Paul Hartmann, der nach dem Tod (1952) seiner ersten Frau, einer slawonischen Ballettmeisterin, in zweiter Ehe seit 1955 mit der Malerin Elfriede Lieberum verheiratet war, zog sich 1969 nach einem Unfall ins Privatleben zurück und lebte in Prien am Chiemsee. Er starb am 30. Juni 1977 mit 88 Jahren in einem Münchener Krankenhaus an Herzversagen; Paul Hartmann hinterließ zwei Kinder. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof in Rosenheim in einem Familiengrab → Foto der Grabstätte bei www.knerger.de.
Siehe auch www.cyranos.ch, Wikipedia, www.film-zeit.de
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
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