Brigitte Helm wurde am 17. März 1908*) (nach anderen Quellen 1906) als Brigitte Eva Gisela Schittenhelm und Tochter des preußischen Offiziers Edwin Alexander Johannes Schittenhelm (1871 – 1913) und dessen Ehefrau Gertrud Martha Tews (1877 – 1955) in Berlin geboren. Schon während ihrer Schulzeit im Johanna-Stift in Wertpfuhl (Mark Brandenburg) spielte sie bei Schulaufführungen und mit 14 Jahren stand sie in einem Kulturfilm erstmals vor der Kamera. Nach dem Abitur machte sie auf Drängen ihrer Mutter Probeaufnahmen bei Fritz Lang1) (1890 – 1976), der sie 1927 mit der Doppelrolle des gutmütigen Arbeitermädchens Maria und dem nach ihrem Ebenbild erschaffenen kaltherzigen Maschinenmenschen in seinem Stummfilmklassiker "Metropolis1) besetzte. "Übergroße Augen im schmalen Gesicht, das von einer Strahlenkrone gerahmt wurde, ein biegsamer Mädchenkörper, dunkler Sog und blickloses Trauern – ihre ebenso ätherische wie zweideutige Schönheit schien Brigitte Helm für immer auf die Rolle der femme fatale festzulegen." schrieb die "taz" am 13.06.1996 anlässlich des Todes der Schauspielerin in einem Nachruf.
Der Film wurde für Brigitte Helm ein großer Erfolg, sie erhielt von der Ufa einen Zehn-Jahres-Vertrag und wirkte in der Folgezeit in etlichen weiteren Stummfilmen überwiegend als Hauptdarstellerin mit.

Foto: Brigitte Helm auf einer Künstlerkarte, veröffentlicht
1934 in der Reihe "Die bunte Welt des Films" von der
"Haus Bergmann Tobacco Company"
Urheber unbekannt; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
Lizenz/Genehmigung siehe hier

Brigitte Helm auf einer Künstlerkarte, veröffentlicht 1934 in der Reihe "Die bunte Welt des Films" von der "Haus Bergmann Tobacco Company"; Urheber unbekannt; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons. Dieses Werk ist älter als 70 Jahre und sein Erschaffer nicht bekannt. Nach der Berner Konvention und den Gesetzen vieler Länder gilt dieses Werk als gemeinfrei.
Brigitte Helm vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch So zeigte sie sich unter anderem 1927 als Müllerstochter Magda in Karl Grunes Anti-Kriegsfilm "Am Rande der Welt"2) und als blinde, hilflose Gabriele Ney in Georg Wilhelm Pabsts Melodram "Die Liebe der Jeanne Ney"2) sowie in der nicht minder melodramatischen Geschichte "Die wunderbare Lüge der Nina Petrowna"2) (1928/29) von Regisseur Hanns Schwarz. Vor allem aber trat Brigitte Helm 1928 mit der Figur des männermordenden Vamps "Alraune"1) in dem von Henrik Galeen in Szene gesetzten, gleichnamigen Stummfilm in Erscheinung, eine Figur, die sie für Regisseur Richard Oswald 1930 auch in der Tonfilmfassung verkörperte.
Den Übergang zum Tonfilm schaffte Brigitte Helm nicht ganz problemlos, da ihr die entsprechende Sprachschulung fehlte. Dennoch gelang es ihr sich 1930 als Partnerin von Star-Tenor Jan Kiepura in Carmine Gallones Romanze "Die singende Stadt"2) zu behaupten. Ihr Ruf als männermordender Vamp entstand durch ihre Doppelrolle (Alraune ten Brinken/Alma) in dem 1930 gedrehten Film "Alraune". Ihre somnambule Figur legte sie meist im Film auf laszive Verführerinnen, maskenstarre Luxuswesen von hohler Hübschheit, herzlose Herrinnen und Hexen von äußerlicher Sinnesglut und innerer Eiseskälte fest. Doch sie konnte auch komplizierte Charaktere glaubhaft darstellen, um ihre Existenz kämpfende moderne Mädchen, verbitterte Mittelstandsfrauen in der Männergesellschaft, hochgebildete Damen der Gesellschaft oder tragisch Liebende. Mit ihrer schlanken Gestalt bewegte sie sich ungezwungen vor der Kamera und ihre Gesten und Gänge über die Leinwand ließen oftmals die Handlung der Filme vergessen.3)

Foto: Brigitte Helm vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch;
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Eine ihrer letzten Vamp-Rollen mimte sie 1932 als Wüstenkönigin Atinea in allen drei Sprachversionen von Georg Wilhelm Pabsts "Die Herrin von Atlantis"1) (L'Atlantide/The Mistress of Atlantis). Weitere Produktionen mit Brigitte Helm waren unter anderem "Die Gräfin von Monte Christo"2) (1932) mit Rudolf Forster sowie "Fürst Woronzeff"2) (1934) mit Albrecht Schoenhals und Willy Birgel und "Gold"1) (1934) mit Hans Albers, Produktionen, von denen auch französischsprachige Versionen mit Brigitte Helm realisiert wurden.
Während ihrer kurzen, steilen Karriere als Filmschauspielerin drehte Brigitte Helm nebenbei auch in Frankreich und in Großbritannien, wo sie unter anderem auch die ausländischen Versionen ihrer deutschen Filme synchronisierte. Nach Herbert Selpins Komödie "Ein Idealer Gatte"2) (1935) und der Rolle der distinguierten Lady Chiltern zog sich der Star 1935 mit knapp dreißig Jahren nach zehn Stumm- und rund 25 Tonfilmen nach Ablauf des Ufa-Vertrages wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem nationalsozialistischen Regime sowie persönlichen Schwierigkeiten – sie 1934 hatte einen Autounfall verschuldet und saß für kurze Zeit in Haft – aus dem Filmgeschäft zurück. Nach dem Scheitern ihrer ersten Ehe (1928–1934) mit Rudolf Weißbach heirate sie wenig später im April 1935 den aus einer reichen, sehr distinguierten Industriellenfamilie stammenden Kaufmann Dr. phil. Hugo Eduard Kunheim (1902 – 1986), Leiter der Kohlengroßhandlung "Caesar Wollheim"4), und zog mit ihm zunächst nach Italien, dann in die Schweiz, wo sie von der Öffentlichkeit zurückgezogen bis zuletzt lebte. Aus der Verbindung mit Kunheim stamm(t)en vier Kinder,  Pieter (1936 – 2007), Viktoria "Tora" (geb. 1937), Matthias (geb. 1939) und Christoph (geb. 1942).
1968 erhielt die Leinwand-Legende das "Filmband in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film".
 
Brigitte Helm starb am 11. Juni 1996 in Ascona (Schweiz) im Alter von 88 Jahren an Herz-Kreislauf-Versagen; ihre letzte Ruhe fand sie auf dem dortigen Friedhof an der Seite ihres Ehemannes → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
"Die Welt" schrieb in einem Nachruf am 13.06.1996 unter anderem "Im Laufe von 100 Jahren hat der deutsche Film genau zwei Ikonen hervorgebracht, die weltweit sofort Erkennung finden. Die eine schlägt, auf einem Piano sitzend, die langen Beine übereinander, heißt Marlene Dietrich und stammt aus dem "Blauen Engel". Die andere steckt in einer Art Ritterrüstung, welche die Brüste betont, und assoziiert sofort "Metropolis". Nur – anders als bei Marlene – ist der dazugehörige Name in Vergessenheit geraten. Brigitte Helm wollte es so."
Von Daniel Semler stammt die im Februar 2008 publizierte, reich bebilderte Monografie "Brigitte Helm – Der Vamp des deutschen Films" → www.hhprinzler.de sowie www.filmhistoriker.de.
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.kuenstlerkolonie-berlin.de,
www.film-zeit.de, www.filmhistoriker.de (mit diversen Presseartikeln) sowie
die Artikel bei www.welt.de und www.sueddeutsche.de
Fotos bei film.virtual-history.com
*) Geburtsjahr 1908 laut Inschrift des Grabsteins → knerger.de
Link:  1) Wikipedia, 2) Murnau-Stiftung
Quelle:
3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz.Ausgabe 2000, S. 154
4) "Fünf Monate in Berlin: Briefe von Edgar N. Johnson aus dem Jahre 1946", herausgegeben von Werner Breunig, Jürgen Wetzel (Verlag: De Gruyter, Fußnote 19, S. 117). Der Vater von Dr. phil. Hugo Eduard Kunheim war der Chemiker Dr. Erich Kunheim (1872–921), der in vierter Generation das Unternehmen "Fabrik chemischer Produkte Kunheim & Co." (→ "Berliner Blau") leitete sowie Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus war → www.luise-berlin.de.
Lizenz/Genehmigung Foto Brigitte Helm: Dieses Werk ist älter als 70 Jahre und sein Erschaffer nicht bekannt. Nach der Berner Konvention und den Gesetzen vieler Länder gilt dieses Werk als gemeinfrei.
Lizenz Foto Brigitte Helm (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
   
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