Karl Schönböck (Aushangfoto) in dem Film "Träum' nicht, Annette" (1949); Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 903-8862); Urheber/Fotograf: Winterbergen, (…) / Anefo; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL Karl (Ludwig Josef Maria) Schönböck wurde am 4. Februar 1909 als Sohn das Donaukapitäns Emanuel Schönböck in der österreichischen Hauptstadt Wien geboren. Als junger Mann nahm er Fecht- und Boxunterricht, gewann auch Meisterschaften. Er entschloss sich schon früh, Schauspieler zu werden und entschied sich nach zwei Semestern Philologie für ein Studium an der Wiener "Akademie für Musik und Darstellende Kunst", zusätzlich nahm er Gesangsunterricht bei Professor Jekelius in Berlin. Sein Bühnendebüt gab Schönböck 1930 mit dem Part des Ashley in der Komödie "Vater sein dagegen sehr" am Stadttheater in Meißen. Weitere Engagements führten ihn nach Hannover, Salzburg, Königsberg und an verschiedene Berliner Bühnen.
Schon in jungen Jahren avancierte Karl Schönböck in Berlin zum gefragten Ufa-Star. Erstmalig war er 1936 als eleganter, grau melierter englischer Lord John Corbett neben Lil Dagover in Reinold Schünzels Melodram "Das Mädchen Irene"1) auf der Leinwand zu sehen. In den folgenden Jahren gab Schönböck im deutschen Tonfilm in zahlreichen Unterhaltungsfilmen den Salonlöwen und war besonders im Lustspiel und der Operette zu Hause, so zeigte er sich beispielsweise 1941 in Theo Lingens Filmversion der Paul Lincke-Operette "Frau Luna"1).

Karl Schönböck (Aushangfoto) in der DEFA-Produktion "Träum' nicht, Annette" (1949)
Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 903-8862)
Urheber/Fotograf: Winterbergen, (…) / Anefo;  mehr bei → www.gahetna.nl
Quelle: Wikimedia Commons;
Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL

Schnell avancierte Schönböck auch auch im deutschen Nachkriegsfilm zu einer festen Größe auf der Kinoleinwand, mimte vorzugsweise Lebemänner, Adlige, Kaiser und Fürsten. Der joviale Charmeur und Herzensbrecher mit der schlanken Gestalt, der hohen Stirn, dem soigniertem Oberlippenbart und sorgfältig gescheitelten Haaren gab unter anderem den Detektiv Bobby Dodd in dem Abenteuer "Peter Voss, der Millionendieb"2) (1946) oder den Kaiser Franz Joseph in der Operettenadaption "Die Försterchristl"2) (1952). Neben Lilli Palmer und Romy Schneider glänzte er als Alexander Oberholzer bzw. Sascha Obolski in der musikalischen Komödie "Feuerwerk"2) (1954), tauchte an der Seite von Oskar Sima und Gustav Fröhlich in "Rosen aus dem Süden"1) (1954) auf oder war der Oberst Homonay in "Der Zigeunerbaron"2) (1954). 1956 sah man ihn als Graf Metternich in dem Remake "Der Kongreß tanzt"2) (1955) und in dem humorvollen Rühmann-Krimi "Das Schwarze Schaf"2) agierte er 1960 als Theaterdirektor Scarletti.

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Karl Schönböck; Copyright Virginia Shue
Bis Mitte der 1970er Jahre wirkte Schönböck in über 100 Kinofilmen – überwiegend der leichten Muse – mit, interpretierte in Frack und Zylinder den Bonvivant in allen Lebenslagen, vom blasierten Ästheten und Don Juan bis hin zum seriösen Liebhaber. Schönböck war smarter Tenor wie 1938 in der Zarah Leander-Komödie "Der Blaufuchs"2), fescher Leutnant wie 1941 in dem Schwank "Der Siebente Junge"1) oder Kapellmeister wie 1944 in dem Krimi "Der Verteidiger hat das Wort"1). Er machte auch Ausflüge zum Italo-Western – Mit Django kam der Tod"2) (1967, L'Umo, l'orgolio, la vendetta) – oder stand für May Spils und Werner Enkes amüsante Geschichte "Nicht fummeln, Liebling"2) (1970) vor der Kamera. 
Ab Mitte der 1960er Jahre konzentrierte sich Schönböck vor allem auf Rollen am Theater und empfahl sich für das gehobene Boulevard sowie englische Konversationsstücke als der ideale Schauspieler. Auch das Fernsehen bot ihm ein weiteres Betätigungsfeld, Schönböck wirkte in zahlreichen Produktionen mit, war im "Tatort" oder "Dem Täter auf der Spur" ebenso zu sehen wie in Familienserien. Er spielte ab 1986 den Dr. Dr. Gürtler in "Die Wicherts von nebenan"2) und ungeheure Popularität erlangte er ab 1987 als Graf Steinfeld in der Serie "Das Erbe der Guldenburgs"2). In den 1990er Jahren erlebte man ihn noch einmal als Professor Strasser in Helmut Dietls Satire über die gefälschten Hitler-Tagebücher "Schtonk!"2) (1992) auf der Leinwand, die Zuschauer im "Pantoffelkino" konnten 1994 über ihn als greisen Gutsherrn Friedemann von Sarau in der Jäger-Satire "Halali oder Der Schuss ins Brötchen"2) schmunzeln.
1997 spielte er in Joy Fieldings " Mörderischer Sommer" den Großvater, als blasierter, aber ungemein abgeklärter Vater des Titelhelden "Professor Capellari" alias Friedrich von Thun begeisterte er dann ab 1998 in der TV-Reihe "Die Verbrechen des Professor Capellari"2) bis zu seinem Tod acht Folgen lang sein Publikum.
 
Karl Schönböck mit Curt Bois; Copyright Virginia Shue
Karl Schönböck mit Curt Bois3) bei den Dreharbeiten 
zur Serie "Detektivbüro Roth"2) (1984)
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
 Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Karl Schönböck, der über Jahrzehnte zu den beliebtesten deutschen Film-, Fernseh- und Theaterschauspielern zählte, erlag am 24. März 2001 im Alter von 92 Jahren in München den Folgen eines Schlaganfalles; er wurde auf dem Münchener Waldfriedhof (Alter Teil, 106–W–13) neben seiner ersten Frau Herta Saal beigesetzt → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
In erster Ehe war der sympathische Künstler mit der Schauspielerin Herta Saal2) (1912 – 1964) verheiratet gewesen; aus der Verbindung stammt die 1942 geborene Tochter Christine. Nach dem Tod seiner Frau ging Schönböck 1965 seine zweite Ehe mit der Schauspielerin Corinna Genest3) ein.
DER SPIEGEL (14/2001) notierte unter anderem anlässlich des Todes: "Er war Kavalier von Beruf und hat das auch als Lebensaufgabe verstanden. Nichts scheint ihn in seiner sieben Jahrzehnte währenden Schauspielerkarriere je getrieben zu haben, auch mal richtig böse, chaotisch oder zerrissen zu sein. Schönböck, mit untadeliger Haltung und unüberhörbar wienerisch-noblem Timbre, war die Verkörperung von Eleganz, Distinktion und charmanter Herrenhaftigkeit, der auch stürmische Zeiten nichts anhaben konnten: ob Offizier oder Kapellmeister, Hochstapler oder Aristokrat, stets ein Virtuose des schönen Scheins."

Bereits 1988 waren rechtzeitig zu Schönböcks 80. Geburtstag die Lebenserinnerungen des Schauspielers unter dem Titel "Wie es war durch achtzig Jahr" erschienen. Hierin bekannte der "Grandseigneur vom Dienst": "Ich bin Schauspieler geworden aus purer Freude am Spielen, an der Verwandlung und aus der Lust heraus, den Menschen etwas vorzuspielen, ihnen zu gefallen, sie zu unterhalten, ihren Beifall zu gewinnen." Dabei räumte er freimütig ein, auch manche "wesensfremde Rolle" übernommen zu haben, "weil ich sie beim Lesen nicht richtig erkannte, oder weil ich einfach das Geld brauchte und kein besseres Angebot hatte".
Seit 1979 gehörte Schönböck zu den Trägern des "Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland I. Klasse", für seine Leistungen als Schauspieler erhielt er 1985 das "Filmband in Gold"2) für "besondere Verdienste um den deutschen Film" sowie 1989 das "Ehrenkreuz 1. Klasse für Kunst und Wissenschaft"2) der Republik Österreich. Im Verlaufe seiner langen Schauspielerkarriere hatte er mehr als zweihundertvierzig verschiedene Theaterrollen gespielt, rund hundert Filmen und fast ebenso vielen Fernsehspielen gab er durch seine Erscheinung die besondere Note.

Textbausteine des Kurzportraits aus
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 324)
sowie www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, filmportal.de, www.film-zeit.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Murnau Stiftung, 2) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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