Rudolf Vogel 1965; Portrait von Günter Rittner; Copyright Günter Rittner Rudolf Vogel wurde am 10. November 1900 im oberbayerischen Planegg als Sohn des Verlegers (Mitbegründer des "Insel-Verlags" in Leipzig) und Schriftstellers Alfred Walter Heyme1) (1878 – 1914) geboren. Er wuchs bei Adoptiveltern auf und wurde noch in den letzten Monaten des 1. Weltkrieges kurz nach dem Abitur als Soldat eingezogen. Nach Kriegsende absolvierte Vogel zunächst eine Banklehre und nahm ab 1922 in München Schauspielunterricht bei Konstantin Delcroix1) (1894 – 1982). Sein Bühnendebüt gab er Mitte Oktober 1924 am "Münchner Schauspielhaus" und spielte danach – mit Unterbrechungen – bis 1944 am "Staatstheater".
Zum Film kam Vogel 1941 und war erstmals mit einem kleinen Part in dem NS-Propagandastreifen "Venus vor Gericht"2) auf der Leinwand zu sehen. Es folgten Auftritte in den Produktionen "Kleine Residenz"2) (1942) und "Einmal der liebe Herrgott sein"2) (1942), dann wurde Vogel erneut als Soldat eingezogen und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft.
Nach Ende des 2. Weltkrieges war er ab 1948 bei den "Münchner Kammerspielen" engagiert, wo er die großen Klassiker der Bühnenliteratur interpretierte. Zu seinen Glanzrollen zählten unter anderem der Franz Moor in Schillers "Die Räuber", Molieres "Tartuffe" und "Der Geizige", der Malvolio in Shakespeares "Wie es euch gefällt", aber auch der Lucky in Becketts "Warten auf Godot".    
   
Das Portrait stammt von dem renommierten Kunstmaler Günter Rittner1),
der es mir freundlicherweise gestattet hat, die Abbildung zu präsentieren.
© Günter Rittner, → www.guenterrittner.de
Im bundesdeutschen Nachkriegsfilm konnte der Mann mit den markanten Gesichtszügen schnell Fuß fassen und machte sich bald als beliebter Darsteller profilierter Nebenrollen in zahllosen Unterhaltungsstreifen unentbehrlich. Seine einzige Hauptrolle blieb 1956 die des Hauptmann a.D. Ferdinand Kraus in E. W. Emos Verwechslungs-Komödie "K. u. K. Feldmarschall". Mit seiner einzigartigen, oft grantigen Mimik zeigte er sich beispielsweise in Kurt Hoffmanns Kinoklassiker "Ich denke oft an Piroschka"1) (1955) als Bahnhofsfaktotum Sándor, 1958 war er der Buffon Parucchio in der ebenfalls von Kurt Hoffmann gedrehten musikalischen Erfolgskomödie "Das Wirtshaus im Spessart"1) oder 1959 der Kammerdiener Lutz in Ernst Marischkas Romanze "Alt-Heidelberg"3), gedreht nach dem gleichnamigen Schauspiel1) von Wilhelm Meyer-Förster. In Ákos von Ráthonyis Shaw-Adaption "Frau Warrens Gewerbe"3) (1960) konnte er als Reverend Samuel Gardner überzeugen, zuletzt erlebte man Vogel als gutmütigen Hausdiener Sebastian in Werner Jacobs' Spyri-Verfilmung "Heidi"1) (1965) auf der Leinwand. Seit den 1960er Jahren war der Schauspieler überdies auch regelmäßig auf dem Bildschirm präsent.
Rudolf Vogel begann in seinen frühen Filmen als jugendlicher Liebhaber und brachte es schnell zum Charakterkomiker. So spielte er – durchaus mit Abgründen – meist steife Ministerialbeamte, gezierte Tanzlehrer, kuriose Dorffriseure, dickköpfige Autoritätspersonen, warmherzige Väter und grantelnde Pensionsinhaber – und immer wieder Diener, Kellner, Domestiken. Er war ein Komiker der alten Garde und verlieh seinen Rollenfiguren aufgrund seiner hageren Gestalt, der langen Nase, der mitleidig-traurigen Augen und der prägnanten, zischelnden Sprechweise ein unverwechselbares Profil.4)
 
Rudolf Vogel erlag am 9. August 1967 in München mit 66 Jahren in München seinem Krebsleiden; noch 1966 war ihm das "Bundesverdienstkreuz 1. Klasse" verliehen worden.
Rudolf Vogel war der Vater des 1937 geborenen Schauspielers Peter Vogel5), der sich am 21. September 1978 in Wien das Leben nahm. Sowohl Rudolf als auch Peter Vogel fanden ihre letzte Ruhe auf dem alten Friedhof in München-Bogenhausen (Grab Mauer links Nr. 46) → Foto der Grabstätte bei knerger.de
Siehe auch Wikipedia
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 3) filmportal.de, 5) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle: 4) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 371)
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
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