Der Sänger (Bass) Boris Christoff (auch: Christow) wurde am 18. Mai 1914 als Sohn eines Sprachlehrers im bulgarischen Plowdiw1) geboren, wo Vater Kyryl, der ebenfalls über eine schöne Stimme (Tenor) verfügte, zu diesem Zeitpunkt als Lehrer tätig war. Seine Familie stammte jedoch laut Wikipedia aus Bitola1) im heutigen Nordmazedonienn1) (damals Osmanisches Reich1)), wo Großvater Hristo Switschanow ein geschätzter Kantor war.
Boris Christoff 1970; Urheber: ???????? ?????????; Lizenz: CC0 1.0 (Verzicht auf das Copyright); Quelle: Wikimedia Commons Der junge Boris wuchs ganz in der slawischen Tradition seiner Heimat auf, sang bereits als Kind, ebenso wie sde Vater, im örtlichen Gemeindechor sowie später in der "Alexander-Newski-Kathedrale"1) zu Sofia1). Seine beruflichen Pläne hatten jedoch zunächst nichts mit dem stimmlichen Talent zu tun, er studierte Rechtswissenschaft und ob er später den Beruf des Richters ausübte hat, gibt es unterschiedliche Angaben.
Bereit während seines Studiums wirkte er unter anderem in dem international anerkannten, bulgarischen Männer-Ensemble "Gusla Chor" mit, dessen Solist er schließlich wurde, sang Partien in den Opern "Lohengrin"1) und "Tannhäuser"1) von Richard Wagner1). Bei einer Vorstellung anlässlich des bulgarischen Nationalfeiertages (eingeführt am 03.03.1880, dem Tag der Befreiung Bulgariens1) vom "Osmanischen Reich"), der auch der bulgarische Zar Boris III.1) beiwohnte, wurde dieser auf die sonore, nobel klingende Bass-Stimme Christoffs aufmerksam und ermöglichte ihm mittels eines Stipendiums eine professionelle Gesangsausbildung bei dem berühmten italienischen Bariton Riccardo Stracciari1) (1875 – 1955) in Mailand.
1943 kehrte Christoff für kurze Zeit nach Bulgarien zurück, bevor er unter anderem nach Salzburg1) an das "Mozarteum"1) wechselte, um sein deutsches Repertoire zu vervollständigen. Aufgrund der Kriegswirren wollte er dann in die Schweiz emigrieren, wurde jedoch nahe Feldkirch1) in ein Arbeitslager gesteckt, wo er mit anderen Kriegsgefangenen einen Chor gründete.
      
Boris Christoff 1970
Urheber: Максимом Мальковым; Lizenz: CC0 1.0 (Verzicht auf das Copyright)
Quelle: Wikimedia Commons
Im Mai 1945 von französischen Truppen befreit, setzte Christoff nach Ende des 2. Weltkrieges seine Studien in Italien fort, gab dann am 28. Dezember 1945 in Rom1), begleitet von dem "Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia"1), ein erstes Konzert mit unter anderem russischen Liedern und Arien aus der Oper "Boris Godunow"1) von Modest Mussorgski1). Vier Wochen später trat er im Römischen "Teatro Adriano" mit der Arie "Wotans Abschied" aus der Wagner-Oper "Die Walküre"1) auf. Am 12. Mai 1946 gab er am Theater in Reggio Calabria1) sein offizielles Bühnendebüt in der Puccini1)-Oper "La Bohème"1) und wurde für seine Gestaltung des Philosophen Colline frenetisch gefeiert. Es folgten beeindruckende Auftritte, beispielsweise in Turin1) mit einer Rundfunkübertragung des Oratoriums "Die Schöpfung"1) von Joseph  Haydn1), im August 1946 interpretierte er den Pharao1) in "Moses in Ägypten"1) ("Mosè in Egitto") von Gioachino Rossini1) und gegen Ende des Jahres beeindruckte er als Kerkermeister Rocco in "Fidelio"1) von Ludwig van Beethoven1). Als Gralsritter Gurnemanz in Wagners "Parsifal"1) erschien Christoff erstmals Ende 1947 am "Teatro La Fenice"1) in Venedig1), was von ihm selbst als sein eigentliches Debüt als Opernsänger angesehen wurde. Im selben Jahr gab er an der "Mailänder Scala"1) den Mönch Pimen in der Mussorgski-Oper "Boris Godunow" an der Seite von Tancredi Pasero1) (1893 – 1983) in der Titelrolle des russischen Bojaren1) Boris Godunow1).  Am 19. Oktober 1949 debütierte Christoff dann am Londoner "Royal Opera House"1) in Covent Garden1) mit der Figur des Boris Godunow, die zu seiner Glanzrolle werden sollte und als seine "Schicksalspartie" bezeichnet wird. Später, zwischen 1958 und 1974, kehrte er regelmäßig nach London zurück, feierte dort auch unter der musikalischen Leitung von Carlo Maria Giulini1) (1914 – 2005) als spanischer König Philipp II.1) in der Verdi-Oper "Don Carlos"1) große Triumphe; als König Philipp kehrte er 1960 an die "Mailänder Scala" zurück
  
Auf einen Erfolg in den USA musste Christoff zunächst noch warten, da ihm die US-amerikanischen Behörden 1950 das Einreise-Visum verweigerten, weil er aus einem kommunistischen Land stammte. So dauerte es noch sechs Jahre bis er auch erstmals in San Francisco1) als "Boris Godunow" das US-amerikanische Publikum begeisterte, in den kommenden Jahren trat er dann bis 1963 unter anderem regelmäßig in Chicago auf, die New Yorker "Metropolitan Opera"1) blieb ihm versagt. Mehr als 600 Mal soll Christoff Mussorgskis Titelheld Boris Godunow an allen großen Opernbühnen der Welt gesungen haben und wurde als würdiger Nachfolger des berühmten russischen Bass-Baritons Fjodor I. Schaljapins (1873 – 1938) angesehen. Doch auch mit seinen anderen großen Partien erlangte er internationale Anerkennung, gab umjubelte Vorstellungen: So beispielsweise als Méphistophélès in "Faust"1) von Charles Gounod1) oder der Titelpartie in "Mefistofele"1) Arrigo Boito1). Christoff brillierte als Fürst Galitzki sowie als Khan Kontchak in "Fürst Igor"1) von Alexander Porfirjewitsch Borodin1), mit der Titelrolle in "Don Quichotte"1) von Jules Massenet1), als Oberpriester Ramfis in der Verdi-Oper "Aida"1) oder als Goldschmied Pogner in Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg"1) – um nur einiges zu nennen.
Für seine Rollen, insgesamt 120, hatte er, wie er einmal erklärte, viele Stimmen einsetzen können: "Ich singe meine 120 Rollen mit 40 Stimmen. Immer aber hört man meine Stimme heraus. Immer bin ich es, Boris Christoff, und stets ist es ein anderer Boris Christoff. Was den Boris angeht: In der ersten Szene bin ich der Zar aller Reußen. Entsprechend muss meine Stimme klingen, voller Kraft und Atem… Das Singen ist ein Metier, welches große Geduld und Fleiß verlangt. Man darf nicht nachlässig sein. Viele Künstler sagen 'Ich singe, stecke mein Geld ein und verschwinde. Ich, ich habe nie für Geld gesungen. Und ich lehne heute Rollen ab, die mich nicht interessieren."
2)
Daneben setzte Christoff sich auch für das Kunstlied ein, brachte vorzugsweise Werke von Modest Petrowitsch Mussorgski1) sowie Peter Tschaikowski1), Michail Glinka1), Alexander Borodin1) und Antonio Caldara1), aber auch russische Volksweisen zu Gehör. Am 22. Juni 1986 gab er an der "Accademia di Bulgaria" in Rom sein Abschiedskonzert.
  
Mitte der 1960er Jahre schien ein Gehirntumor die Karriere des Bassisten Boris Christoff und vielleicht auch sein Leben ein endgültiges Ende bereiten zu wollen. Mit gewaltiger Energie überwand Christoff die Folgen der Operation. Ende der 1970er Jahre schien er seine Karriere endgültig beenden zu wollen, aber einige Jahre später überraschte er die Opernwelt mit dem Comeback einer erstaunlich intakten Stimme.
3)
Der legendäre Sänger Boris Christoff, starb am 28.  Juni 1993 im Alter von 74 Jahren in Rom. Seine sterbliche Hülle wurde nach Sofia1) überführt, wo dem legendären Sänger in der "Alexander-Newski-Kathedrale"1) ein Staatsbegräbnis zuteil wurde; die letzte Ruhe fand er auf dem "Sofioter Zentralfriedhof"1) (Sektion 46) → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons. Nahe der Kathedrale erinnert eine auf einem Stein-Sockel stehende Büste an den weltweit gefeierten Künstler  → Foto bei Wikimedia Commons. Er war mit  Franca de Rensis, Tochter seines Mentors, dem Musikkritiker und Autor Raffaelo de Rensis (1880 – 1970), verheiratet und somit Schwager des italienischen Opernsängers (Bariton) Tito Gobbi1) (1913 – 1984), der Rensis' Tochter Tilda ehelichte und mit dem er des öfteren auf der Bühne stand.
 
Während seiner Karriere wurde Boris Christoff, dessen Kunst eindrucksvoll in seinen Schallplatten fortlebt und der sowohl im deutschen, wie im italienischen und französischen Fach zu überzeugen wusste, international vielfach geehrt, unter anderem 1969 in Dänemark mit dem "Léonie-Sonning-Musikpreis"1) ausgezeichnet. In Italien verlieh man ihm den "Verdienstorden der Italienischen Republik" ("Ordine al Merito della Repubblica Italiana – OMRI") im Range eines "Commendatore" (Komtur1)), in Frankreich den Ehrendoktor-Titel der "Pariser Oper"1) ("Opéra National de Paris"). Darüber hinaus erhielt er etliche Musikpreise, darunter den "Edison Award"1) (1964) sowie wiederholt den "Grand Prix du Disque"1) der "Académie Charles-Cros"1).
Briefmarke Boris Christoff In der Hauptstadt Sofia wurde ein Musikzentrum nach ihm benannt, das vom bulgarischen Staat mit dem "Europäischen Kulturerbe-Siegel"1) ausgezeichnet worden ist." vermerkt Wikipedia4)
Ihm zu Ehren kam 1994 in seiner Heimat Bulgarien eine Briefmarke heraus. Seit 2004 ist er Namensgeber für das "Christow-Kliff"1) in der Antarktis.
Siehe auch Wikipedia (deutsch), Wikipedia (englisch)
Fotos bei Wikimedia Commons
Fremde Links: 1) Wikipedia
Quelle:
2) Jürgen Kesting: "Die Großen Sänger des 20. Jahrhunderts" (Sonderausgabe für "Cormoran Verlag" München; 1993, S. 691/692)
3) "Grosse Stimmen" von Jens Malte Fischer (Verlag J. B. Metzeler, Stuttgart 1993, S. 293)
4) Wikipedia (abgerufen 21.12.2011)
Um zur Seite der legendären Bühnen-Stars zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de