Auszeichnungen
Dietrich Fischer-Dieskau, 1961 fotografiert von Fritz Eschen (1900–1964); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_e_0040725); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Fritz Eschen; Urheber: Fritz Eschen; Datierung: 15.06.1961; Quelle: www.deutschefotothek.de Der Bariton Dietrich Fischer-Dieskau wurde am 28. Mai 1925 als jüngster von drei Söhnen in Berlin geboren. Sein Vater Albert Fischer-Dieskau (1865 – 1937; bis 1934 Albert Fischer), ein promovierter Altphilologe, war Oberstudiendirektor, Mutter Theodora (1884 – 1966) Englischlehrerin. Der ältere Bruder Klaus1) (1921 – 1994) war später Kirchenmusiker und Leiter des Berliner "Hugo-Distler-Chors"1), Bruder Martin (* 1923) fiel auf Grund einer Behinderung 1944 den Euthanasie-Morden1) des NS-Regimes1) zum Opfer.*) Ein Vorfahre der Familie mütterlicherseits war der kurfürstlich-sächsische Kammerherr Carl Heinrich von Dieskau1) (1706 – 1782), dem Johann Sebastian Bach1) 1742 seine "Bauern-Kantate"1) widmete, sein Großvater der Pfarrer und Hymnologe1) Albert Fischer1) (1829 – 1896).
Schon als kleiner Junge zeigte sich sein musikalisches Talent, seine Eltern ließen ihm Klavier- und Gesangsunterricht geben, letzteres ab 1942 zunächst bei dem Bach-Sänger Prof. Georg A. Walter (1875 – 1952), später bildete der Musikpädagoge Prof. Hermann Weißenborn1) (1876 – 1959) Fischer-Dieskaus Stimme an der Berliner "Hochschule für Musik" (heute "Universität der Künste Berlin"1)) weiter aus. 
 
Dietrich Fischer-Dieskau, 1961 fotografiert
von Fritz Eschen1) (1900–1964)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_e_0040725);
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Fritz Eschen
Urheber: Fritz Eschen; Datierung: 15.06.1961; Quelle: www.deutschefotothek.de
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Fischer-Dieskaus Studien wurden jedoch zunächst durch den 2. Weltkrieg unterbrochen. 1943 machte er sein Abitur mit Auszeichnung an dem "Dreilinden-Gymnasium"1) in Berlin-Zehlendorf1), die Einberufung zum Kriegsdienst erfolgte kurz darauf. Eingesetzt unter anderem in Norditalien, geriet Fischer-Dieskau dort in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft, währenddessen er seine Stimme autodidaktisch weiter schulte. Erst 1947 wieder entlassen, nahm er seine Studien an der "Hochschule für Musik" bei Professor Weißenborn wieder auf, die er ein Jahr später beendete. Bereits während dieser Ausbildung nahm er erstmals beim "RIAS Berlin"1) den Liederzyklus "Winterreise"1) Franz Schubert1) auf,  gab in Leipzig1) seinen ersten Liederabend. Im Herbst 1948 feierte er dann an der "Städtischen Oper Berlin"1) als 1. lyrischer Bariton mit der Partie des Marquese von Posa in der Verdi-Oper "Don Carlos"1) unter der musikalischen Leitung von Ferenc Fricsay1) (1914 – 1963) sein Bühnendebüt, trat im Folgejahr mit der Figur des Wolfram von Eschinbach1) in "Tannhäuser"1) an der Seite des Protagonisten Ramon Vinay erstmals in einem Werk von Richard Wagner1) auf. Dieselbe Rolle sowie die Partie des königlichen Heerrufers im "Lohengrin"1) (mit Wolfgang Windgassen als Lohengrin) führten den blendend aussehende Sänger 1954 zu seinem Debüt bei den "Bayreuther Festspielen"1), dort interpretierte er in den Inszenierungen von Wieland Wagner1) den Gralskönig Amfortas in "Parsifal"1) (1955/1956; mit Ramón Vinay1) in der Titelrolle) sowie den Bäcker Kothner in "Die Meistersinger von Nürnberg"1) 1956) mit Hans Hotter als Hans Sachs1) und André Cluytens1) am Dirigentenpult → bayreuther-festspiele.de.
Rasch erlangte er durch Auftritte an der "Wiener Staatsoper"1) und der "Bayerischen Staatsoper"1) in München sowie Gastspielreisen in Großbritannien, Frankreich, Italien (1950, "Mailänder Scala"1)), der Schweiz und den Niederlanden internationalen Bekanntheitsgrad. Im Sommer 1951 gab Fischer-Dieskau mit "Lieder eines fahrenden Gesellen"1) von Gustav Mahler1)  unter der musikalischen Leitung von Wilhelm Furtwängler1) (1886 – 1954) sein Debüt bei den "Salzburger Festspielen"1) – hier trat er bis weit in die 1980er regelmäßig auf – im Jahr darauf gab er beim "Edinburgh Festival"1) einen Brahms1)-Liederabend, debütierte zudem in den USA mit Liederabenden und Konzerten während einer Tournee. Mit dem Werk "Italienisches Liederbuch"1) von Hugo Wolf1) begeisterte er erstmals 1964 das Publikum in der New Yorker "Carnegie Hall"1). Am Londoner "Royal Opera House"1) brillierte er im Januar/Februar 1965 in der Oper "Arabella"1) von Richard Strauss1) als der reiche slawische Adlige Mandryka an der Seite von Lisa Della Casa in deren "Paraderolle" der Arabella.
Seit 1957 gehörte der Bariton zum Ensemble der "Wiener Staatsoper"1), die Hauptwirkungsstätten von Fischer-Dieskau blieben jedoch die "Deutsche Oper Berlin"1) und die "Bayerische Staatsoper" in München".
In Wien glänzte er, außer dem Wolfram von Eschinbach in "Tannhäuser"1)  (1957; Titelrolle: Karl Liebl2) (1915–2007); Regie: Josef Gielen1)/Dirigent: Rudolf Moralt1)) und einmal mehr neben Lisa Della Casa mit dem Mandryka in "Arabella" (1960; Regie: Rudolf Hartmann1)/Dirigent: Joseph Keilberth1)), als Graf Almaviva in der von Oscar Fritz Schuh1) inszenierten Mozart-Oper "Le nozze di Figaro"1) (1957; Dirigent: Rudolf Moralt) zusammen mit Stars wie Erich Kunz1) (Figaro) und Anneliese Rothenberger (Susanna). Weiterhin gestaltete er unter der Regie von Josef Witt1) den Propheten Jochanaan1) in "Salome"1) (1957) von Richard Strauss1) mit Birgit Nilsson1) in der Titelpartie der Salome1) (Dirigent: Berislav Klobučar) und den Titelhelden in "Eugen Onegin"1) von Peter Tschaikowski1) (1961; Regie: Paul Hager1)/Dirigent: Lovro von Matačić1)). Seit der Premiere am 14. März 1966 konnte man ihn mit der grandiosen Titelpartie des Lebemanns Sir John Falstaff1) in der hochkarätig besetzten Verdi1)-Oper "Falstaff"1) bewundern – Luchino Visconti1) inszenierte, Leonard Bernstein1) stand am Dirigentenpult, unter anderem gab Rolando Panerai Falstaffs Gegenspieler Mr. Ford, Graziella Sciutti1) dessen Tochter Nannetta und der spanische Tenor Juan Oncina (1921 – 2009) den Fenton → wiener-staatsoper.at. Letztgenannte Aufführungen verzeichneten einen triumphalen Erfolg, werden in der Musikgeschichte als "Sternstunde" gewertet und und ein Live-Mitschnitt ist inzwischen auf CD im Handel erhältlich. Darüber hinaus prägte er Jahrzehnte die "Salzburger Festspiele"1), gab dort regelmäßig Liederabende und verlieh Opern-Inszenierungen besonderen Glanz.
Zu Fischer-Dieskaus umfangreichen Opern-Repertoire gehörten zahllose Titelpartien, beispielsweise neben den genannten der Giulio Cesare1) in "Julius Cäsar"1) ("Giulio Cesare in Egitto" von Georg Friedrich Händel1), der Orfeo (Orpheus1)) in "Orpheus und Eurydike"1) ("Orfeo ed Euridice") von Christoph Willibald Gluck1), der Edelmann Don Giovanni in Mozarts "Don Giovanni"1), der Guillaume Tell1) in "Wilhelm Tell"1) ("Guillaume Tell) von Gioachino Rossini1), der Kapitän1) in "Der fliegende Holländer"1) von Richard Wagner1), als Verdi1)-Interpret neben dem "Falstaff"1) als Feldherr Macbeth1) in "Macbeth"1) und als Hofnarr in "Rigoletto"1). Er gab den Mathis (Matthias Grünewald1))  "Mathis der Maler"1) und den Goldschmied Cardillac in "Cardillac"1) von Paul Hindemith1), den Wozzeck in "Wozzeck"1) von Alban Berg1) oder den Doktor Faust1) in "Doktor Faust"1) von Ferruccio Busoni1)
Fischer-Dieskau brillierte darüber hinaus in etlichen Mozart-Opern wie, außer dem Graf Almaviva in "Die Hochzeit des Figaro"1), unter anderem als Papageno in "Die Zauberflöte"1) und als Don Alfonso in "Così fan tutte"1), als Wagner-Sänger begeisterte er, neben den genannten Partien als Graf von Telramund in "Lohengrin"1), als Tristans Gefolgsmann Kurwenal in "Tristan und Isolde"1), als Hans Sachs1) in "Die Meistersinger von Nürnberg"1), als Gott Wotan1) in "Das Rheingold"1) oder als Gunther in "Götterdämmerung"1).

Dietrich Fischer-Dieskau 1955 mit der Titelpartie in "Faust"1)
von Charles Gounod1) ("Städtische Oper", Berlin)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004201_001)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 01.1955
Quelle: www.deutschefotothek.de
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Dietrich Fischer-Dieskau 1955 mit der Titelpartie in "Faust" von Charles Gounod ("Städtische Oper", Berlin); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004201_001); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 01.1955; Quelle: www.deutschefotothek.de
Fischer-Dieskaus beeindruckend weit gespanntes Repertoire umfasste Verdi1)-Rollen wie Alfredos Vater Giorgio Germont in "La Traviata"1), den Marquis von Posa in "Don Carlos"1), oder den Jago in "Otello"1), in der Puccini1)-Oper "La bohème"1) gestaltete er den Maler Marcello, in "Hänsel und Gretel"1) von Engelbert Humperdinck1) den Besenbinder Peter, in "Elektra"1) von Richard Strauss1) Elektras1) Bruder Orest1) – um nur einiges, weniges seines umfangreichen Oeuvres zu nennen. Fischer-Dieskau machte auch schon mal Ausflüge in die "leichte Muse", gab den Notar Dr. Falke in "Die Fledermaus"1) von Johann Strauss1) oder den Graf Peter Homonay in dessen "Der Zigeunerbaron"1).
Viele berühmte Dirigenten wie Hans Knappertsbusch1) (1888 – 1965), Wilhelm Furtwängler1) (1886 – 1954), Ferenc Fricsay1) (1914 – 1963), Karl Böhm1) (1894 – 1981), Herbert von Karajan1) (1908 – 1989), Leonard Bernstein1) (1918 – 1990), Alberto Erede1) (1908 – 2001), Kurt Masur1) oder Daniel Barenboim1) standen bei seinen Darbietungen am Dirigentenpult.
Dietrich Fischer-Dieskau am 16. Oktober 1970 anlässlich der Verleihung der "Edison Awards" in Amsterdam; Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 923-9293); Urheber/Fotograf: Eric Koch / Anefo; Quelle: Wikimedia Commons (Ausschnitt des Originalfotos); Lizenz:  CC0 1.0 (Verzicht auf das Copyright) Fischer-Dieskau war nicht nur ein exzellenter Opernsänger, einen besonderen Namen machte er sich als bedeutender Lied-Interpret des 20. Jahrhunderts, verhalf dem romantischen Kunstlied mit umjubelten Konzerten rund um den Globus vor allem mit Werken von Franz Schubert1), Robert Schumann1), Hugo Wolf1) und Gustav Mahler1) zu neuer Geltung. Kein zweiter Sänger gab so viele Liederabende, seine Diskografie mit Schallplatten- und CD-Aufnahmen umfasst ein ganzes Taschenbuch. Zählt man nur diese zusammen, so kommt man auf etwa 3.000 Lieder von rund 100 Komponisten, Franz Schubert steuerte dazu allein mehr als 600 Werke bei. Dietrich Fischer-Dieskau hat sie alle gesungen – darunter unzählige Male die großen Zyklen "Die schöne Müllerin"1) und "Winterreise"1). Mit rund 350 auswendig beherrschten Liedern ist Fischer-Dieskaus Repertoire das größte, das je ein Sänger erarbeitete. Es repräsentiert fast die gesamte Liedgeschichte des 19. Jahrhunderts, die der Wiener Franz Schubert (1797 bis 1828) eingeleitet und gleich auf einen Höhepunkt geführt hat. Schubert komponierte nach Gedichten des Dessauers Wilhelm Müller1) die wohl bekanntesten Kunstlieder-Zyklen "Die schöne Müllerin" und "Winterreise". Wenn Fischer-Dieskau Schuberts "Schöne Müllerin" singe, schwärmte Joachim Kaiser1) in der "Süddeutschen Zeitung"1), "dann er lebt auch der kritischste Kritiker etwas, wonach er sich meist nur vergeblich und heimlich sehnen darf: Entwaffnung. Endlich kann er rückhaltlos bewundern."3)
   

Dietrich Fischer-Dieskau am 16. Oktober 1970
anlässlich der Verleihung der "Edison Awards"1) im
"Koninklijk Concertgebouw"1) in Amsterdam1)
Rechteinhaber: Nationaal Archief1) (Den Haag, Rijksfotoarchief;
Bestandsnummer: 923-9293); Urheber/Fotograf: Eric Koch / Anefo;
Quelle: Wikimedia Commons (Ausschnitt des Originalfotos)
Lizenz:  CC0 1.0 (Verzicht auf das Copyright)
Bei deutsche-biographie.de*) wird zudem ausgeführt: "Seit 1949 interpretierte Fischer-Dieskau auch zeitgenössische Musik. Auf seine Mitwirkung in Arthur Honeggers1) (1892 – 1955) szenischer Kantate "La danse des morts" an der "Städtischen Oper Berlin"1) folgten zahlreiche Uraufführungen, darunter 1962 Benjamin Brittens1) (1913 – 1976) "War Requiem"1) in der "Kathedrale von Coventry"1), 1963 Hans Werner Henzes1) (1926 – 2012) Kantate "Novae de infinito laudes" im "Teatro La Fenice"1) in Venedig1), 1964 Karl Amadeus Hartmanns1) (1905 – 1963) "Gesangsszene" (→ Wikipedia (englisch)) im "Hessischen Rundfunk" in Frankfurt am Main1) (mit dem "hr-Sinfonieorchester"1))  und 1965 Luigi Dallapiccolas1) (1904 – 1975) "Preghiere" im "Westdeutschen Rundfunk"1) in Köln1). Die Titelgestaltung von Aribert Reimanns1) (1936 – 2024) Oper "Lear"1) wurde bei der Uraufführung (09. 07.1978) an der "Bayerischen Staatsoper"1) ("Nationaltheater") in München1) ein Triumph. Mit einigen Komponisten entwickelten sich Freundschaften wie im Falle Brittens. Die Zusammenarbeit mit Reimann führte 1962 zu einer gemeinsamen Einspielung von zeitgenössischen Liedern; Reimann blieb neben Gerald Moore1) (1899 – 1987) und Wolfgang Sawallisch1) (1923 – 2013) einer seiner bevorzugten Liedbegleiter am Klavier auf Bühnen und in Studios. Seit 1969 trat Fischer-Dieskau bei Liederabenden auch mit Daniel Barenboim1) (* 1942) und seit 1982 mit Hartmut Höll1) (* 1952) auf. Seit dem Debüt 1983 wirkte er als Sänger bei der "Schubertiade"1) in Hohenems1) und Feldkirch1) (Vorarlberg1), Österreich) mit."
Sein Singen war kein Naturereignis, sondern immer ein Kunstereignis, die Überwältigung des Zuhörens geschah nicht durch schiere Stimmpracht, sondern durch die reflektierte Kunst des überscharf bewussten Interpreten. … Schon der 20-jährige Fischer-Dieskau begann gewissermaßen ein Reflexionsstufe höher, natürliche Grazie war sicher nicht das, was ihn zu seinen großen Leistungen befähigte, sondern die wissende Anmut. Ein übersinnliches Wunder ist das alles nicht, vor dem wir oder irgendjemand auf die Knie fallen müssten, wie Saulus1) vor dem Damaskus-Blitzstrahl. Es gibt aber allen Anlass vor der Lebensleistung  Dietrich Fischer-Dieskaus ganz tief den Hut zu ziehen: Chapeau bas!4)
Seit Mitte der 1970er Jahre stand der erfolgreichste deutsche Sänger nicht nur der Nachkriegszeit dann auch selbst am Dirigentenpult, unterrichtete seit 1983 als Professor an der "Hochschule der Künste"1) in Berlin die Meisterklasse.
Porträt Dietrich Fischer-Dieskau, 1978 fotografiert von dem Dresdner Fotografen Hansjoachim Mirschel (1934–2009); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2004-b_0000023); Eigentümer/Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Hansjoachim Mirschel; Datierung: 27.01.1978: Quelle: www.deutschefotothek.de

1985 fand in Berlin eine große Ausstellung mit seinen Gemälden statt, die er erstmals 1980 im "Kunstverein Bamberg"1) einer breiten Öffentlichkeit präsentiert hatte; bis zum Lebensende folgten mehr als zwei Dutzend weitere Einzelausstellungen in verschiedenen Ländern.*) Als "Größter lebender Liedersänger der Welt" ("greatest living liedersinger"), so einmal die "Times"1), füllte Fischer-Dieskau bis Ende 1992 fast selbstverständlich die Konzertsäle, dann zog er sich am 31. Dezember 1992 in München mit einer Silvester-Gala nach mehr als 45 Jahren von der Bühne zurück. Zur Ruhe setzte er sich danach dennoch nicht, war seither als Musikpädagoge, Dirigent, Buchautor und Rezitator ein viel beschäftigter Mann; oft begleitet von Kammermusik-Ensembles, rezitierte er beispielsweise aus Werken deutscher Literaten der Romantik.
Wo immer Fischer-Dieskau seither sang, verwöhnte ihn das Publikum mit ähnlich furiosem Beifall. Und auch das Lob der Kritiker ging noch über den normalen, im Reich der Töne ohnehin stets locker sitzenden Enthusiasmus hinaus. "Das größte Talent, das seit dem Zweiten Weltkrieg auf den Konzertpodien Europas erschien", nannte ihn die "Süddeutsche Zeitung"1), "Genie", die Londoner "Sunday Times"1). Die "New York Times"1) würdigte seine Vortragskunst als "ganz seltene Meisterschaft", und "Paris-presse" ernannte ihn neben dem sowjetischen Pianisten Swjatoslaw Richter1) zum "größten lebenden Musikinterpreten".3)

    
Porträt Dietrich Fischer-Dieskau, 1978 fotografiert von
dem Dresdner Fotografen Hansjoachim Mirschel (1934–2009)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2004-b_0000023)
Eigentümer/© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Hansjoachim Mirschel
Datierung: 27.01.1978: Quelle: www.deutschefotothek.de
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Die künstlerischen Leistungen des zum "Bayerischen Kammersänger"1) (1959) sowie "Berliner Kammersänger"1) (1963) ernannten Fischer-Dieskau wurden mit zahlreichen Ehrungen gewürdigt: Bereits 1950 erhielt er den von der"Akademie der Künste"1) im Auftrag des "Berliner Senats"1) verliehenen "Berliner Kunstpreis"1), neben vielen weiteren Auszeichnungen – unter anderem fünf "Grammy Awards"1) für seine Schallplattenaufnahmen – war er Träger des Ordens "Pour le mérite für Wissenschaften und Künste"1) (1984), in jüngerer Zeit erhielt er am 6. März 2001 im Kaisersaal des Frankfurter "Römer"1) (Rathaus) den "Frankfurter Musikpreis"1) aus der Hand der damaligen Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth1), ein Jahr zuvor ernannte man ihn zum Ehrenbürger der Stadt Berlin1). 2002 folgte der "Praemium Imperiale"1) für sein Lebenswerk, ein 1989 auf Anregung des japanischen Kaiserhauses1) gestifteter Preis, der als "Nobelpreis der Künste" gilt. Ein inoffizieller "Nobelpreis der Musik" ist der "Polar Music Prize"1), den der Künstler 2005 aus der Hand schwedischen Königs Carl XVI. Gustaf1) entgegennahm. Im darauffolgenden Jahr wurde ihm mit dem "Berliner Bär"1) der Kulturpreis der Boulevardzeitung "B.Z."1) verliehen, 2007 erhielt er den "Musikpreis der Stadt Duisburg"1) sowie 2008 den "Kulturellen Ehrenpreis der Landeshauptstadt München"1) sowie die "Hugo-Wolf-Medaille"1). Zuletzt ehrte man Fischer-Dieskau am 4. Juni 2009 mit der "Goldenen Goethe-Medaille"1). Der damals 84-jährige Bariton konnte die höchste Auszeichnung der 1885 gegründeten "Goethe-Gesellschaft in Weimar"1) aus gesundheitlichen Gründen jedoch nicht persönlich im "Deutschen Nationaltheater"1) entgegennehmen; → Auszeicnunge/Ehrungen sihe hier.
Seine Erinnerungen veröffentlichte Fischer-Dieskau im Mai 2000 anlässlich seines 75. Geburtstages unter dem Titel "Zeit eines Lebens. Auf Fährtensuche", in dem er auch kritisch den Sinn von Ruhm und Erfolg hinterfragt. Er erzählt von den Höhepunkten seiner Karriere, aber auch von Einsamkeit, von Sorgen und Nöten, er schreibt über seine Kindheit und Jugend und über seine große Liebe; seine ersten Memoiren, die er "Nachklang. Ansichten und Erinnerungen" nannte, erschienen bereits 1987  An weiteren Büchern verfasste Fischer-Dieskau unter anderem "Wenn Musik der Liebe Nahrung ist. Künstlerschicksale im 19. Jahrhundert." (1990), "Carl Friedrich Zelter und das Berliner Musikleben seiner Zeit. Eine Biographie"1) (1997) sowie "Musik im Gespräch. Streifzüge durch die Klassik mit Eleonore Büning" (2003) → Übersicht der Werke bei Wikipedia.
   
Zum 70. Geburtstag des Baritons erschien 1995 von Hans A. Neunzig die Biografie "Dietrich Fischer-Dieskau", in dem sich der 1932 geborene Autor mit dem breiten Repertoire des Baritons sowie mit dessen Arbeitsweise befasst und auch den Buchautor, den Dirigenten, den Maler und den Lehrer Fischer-Dieskau berücksichtigt: Hans A. Neunzig verschafft dem Leser einen persönlichen Einblick in die Arbeitsweise des Sängers: nach welchen Gesichtspunkten er für seine Konzerte die Programme zusammenstellt, welche Rolle dabei der Text, der Inhalt, die Dichterpersönlichkeit, Tonart und der Rhythmus eines Liedes spielen. …Dass es auch einen Maler, Dirigenten und Lehrer vorzustellen gilt, der zudem am künstlerischen Zeitgeschehen interessiert ist und junge Komponisten zu neuen Werken anregt, belegt die gründliche und reich bebilderte Biographie über diesen weltberühmten Bariton.5)
Das Buch "Dietrich Fischer-Dieskau. Verzeichnis der Tonaufnahmen" von Monika Wolf kam ebenfalls 2000  auf den Markt und dokumentiert detailliert die Tonaufnahmen des Sängers. Eine komplette Diskografie, die bis etwa 1984 reicht, findet sich in "Dietrich Fischer-Dieskau". Ein Leben für den Gesang" von Kenneth S. Whitton  → mehr Literatur bei Wikipedia..
Anlässlich des 85. Geburtstages am 28. Mai 2010 wurde von "EMI-Classics"1) in Kooperation mit der "WELT-Edition"1) eine 10 CDs umfassende Jubiläumsbox "Dietrich Fischer-Dieskau: Ein Portrait" herausgegeben, die einen umfassenden Querschnitt durch das Werk des Baritons bzw. eine Auswahl seiner wichtigsten Opern-, Lied- und Konzertaufnahmen bietet. Der "Bayerische Rundfunk"1) (BR) gratulierte dem "Jahrhundertsänger" mit drei Sondersendungen.
 
Dietrich Fischer-Dieskau, der als einer der herausragendsten Lied- und Opernsänger des 20. Jahrhunderts gilt, starb am 18. Mai 2012 – zehn Tage vor seinem 87. Geburtstag – in seinem Domizil in Berg1) am Starnberger See1), wo er abwechselnd mit dem von ihm 1954 erworbenen und seit 1958 genutzten "Haus Buchthal" (Lindenallee 22) im Berliner Ortsteil Westend1) wohnte. "Die Beisetzung erfolgte am 25. Mai 2012 im engsten Familienkreis auf dem "Friedhof Heerstraße"1) (Grablage 8 C 52/53) in Berlin-Westend. Die letzte Ruhestätte von Dietrich Fischer-Dieskau ist als Ehrengrab des Landes Berlin1) gewidmet. Da Fischer-Dieskau seit dem Jahre 2000 Ehrenbürger von Berlin war, ist die Widmung – im Unterschied zur großen Mehrzahl der Berliner Ehrengräber – zeitlich nicht befristet." notiert Wikipedia → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons sowie knerger.de.
Der bedeutende Bariton war seit 1949 mit der Violoncellistin Irmgard Poppen1) (* 13.01.1924) verheiratet, die am 15. Dezember 1963 bei der Geburt des dritten Sohnes an den Folgen einer Eklampsie1) verstarb; aus der Verbindung gingen drei Söhne hervor, der Bühnenbildner und Theaterausstatter Mathias Fischer-Dieskau1) (* 10.02.1951), der Dirigent Martin Fischer-Dieskau (* 1954; → martinfischer-dieskau.com; Wikipedia (englisch)) sowie der Cellist Manuel Fischer-Dieskau1) (* 15.12.1963; → manuelfischer-dieskau.de). 1965 heiratete er die Schauspielerin Ruth Leuwerik (1924 – 2016), doch bereits nach zwei Jahren wurde die Verbindung geschieden. Ehefrau Nummer 3 wurde 1968 Christina Pugel-Schule, Tochter eines US-amerikanischen Gesangspädagogen. Nach der Scheidung im Jahre 1975 ehelichte Fischer-Dieskau in vierter Ehe die Sopranistin Júlia Várady1). Im Jahre 2015 verkaufte die Erbengemeinschaft Várady/Fischer-Dieskau das Berliner Wohnhaus des Sängers, das historische "Haus Buchthal" → www.ad-magazin.de, tagesspiegel.de.
 
Nicht nur im deutschsprachigen Raum, auch international rief das Ableben Fischer-Dieskaus Bestürzung und Trauer hervor, in etlichen Nachrufen betonte man sein herausragendes Lebenswerk. "Nach seinem Tod würdigte "Le Monde"1) die Gesangskunst Fischer-Dieskaus als "an ein Wunder grenzend" ("cela tenait du miracle"): "Sobald er den Mund öffnete, glaubte man ihm. Kein Wort, keine Absicht, keine Nuance entging seiner Diktion" ("dès qu'il ouvrait la bouche, on y croyait. Pas un mot, pas une intention, pas une nuance n'échappait à sa diction") In einem Nachruf im "Guardian"1) bezeichnete der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim1), langjähriger Liedbegleiter Fischer-Dieskaus, den Bariton als "revolutionären darstellenden Künstler" ("revolutionary performer"), denn als erstem Sänger überhaupt sei es ihm gelungen, in Personalunion in Oper, Oratorium und Lied gleichermaßen außergewöhnliche Leistungen zu erbringen. Die "New York Times"1) bezeichnete Dietrich Fischer-Dieskau in einer Rezension seiner Memoiren "Nachklang – Ansichten und Erinnerungen" als "intellektuellsten und analytischsten Sänger" ("most intellectual and analytical of singers"). Er habe durch seinen – von manchen als übertrieben empfundenen  – Deklamationsstil1) mit der auf gleichmäßig-melodischen Schönklang abhebenden Gesangstradition gebrochen, weshalb sein Gesang "unweigerlich Kontroversen hervorrufe" ("controversy Mr. Fischer-Dieskau inevitably arouses"). Sein Kollege René Kollo lobte Fischer-Dieskau als "stimmlich einfach prädestiniert für das Lied" und vom Wesen her als "sehr reizend, sehr hilfreich, sehr freundschaftlich". Brigitte Fassbaender1) sagte, der Sänger sei "ein hoch empfindsamer Mensch von großer geistiger Klarheit" gewesen. "Für alle, die mit ihm gearbeitet haben, war er immer in hohem Maße auch Vorbild. Er war einfach eine natürliche, große Autorität"." (Quelle: Wikipeia) → siehe auch die Nachrufe bei www.focus.de, www.welt.de und www.faz.net
Im Jahre 2015 überließ Fischer-Dieskaus Witwe Julia Varady1) den Nachlass ihres Ehemannes der "Staatsbibliothek zu Berlin"1) großzügig als Geschenk. "Noch zu Lebzeiten verfügte der Künstler, dass sein Nachlass in seiner Heimatstadt Berlin, wo er viele Höhepunkte seines Schaffens erlebt hatte, verbleiben und dort der Forschung zur Verfügung stehen solle. "Der Inhalt von über 100 Nachlasskisten –– vergleichbar etwa 20 Umzugskartons –– wird jetzt gesichtet und für die Erfassung in der Datenbank der Nachlässe vorbereitet. Zu dem Nachlass gehören zahlreiche Musikdrucke mit eigenhändigen Notizen, darunter sehr viele Lieder und umfangreiche Korrespondenzen mit Musikern, Konzertagenturen, Firmen oder auch Verehrern. Sodann Manuskripte zu seinen Vorträgen, Aufsätzen und Büchern, des Weiteren Verträge, Fotos und viele Schallplatten und CDs. Ein besonderes Stück des Nachlasses ist sein Konzertflügel, den er in den 1950 er Jahren zu Beginn seiner Karriere kaufte. Der innenliegende goldfarbene Metallrahmen trägt die Unterschriften vieler Künstlerkollegen, so von Jörg Demus1), Leonard Bernstein1), Daniel Barenboim1), Wilhelm Kempf1), Aribert Reimann1) und anderen.
Die Materialien Fischer-Dieskaus werden jetzt in jener Bibliothek aufbewahrt, die zahlreiche der von ihm interpretierten Werke im Original besitzt, so die herausragenden Kompositionen von Bach1), Beethoven1), Mozart1), Schubert1), Schumann1) oder Mendelssohn Bartholdy1)." kann man bei blog.sbb.berlin lesen → staatsbibliothek-berlin.de.
Siehe auch Wikipedia (deutsch), Wikipedia (englisch),
musiklexikon.ac.at, deutsche-biographie.de, staatsoper.de, bayreuther-festspiele.de
sowie erschiedene Artikel zu Dietrich Fischer Dieskau bei DER SPIEGEL
und den Beitrag zum 100. Geburtstag bei der "Staatsbibliothek zu Berlin" → blog.sbb.berlin
sowie Infos zum Nachlass bei staatsbibliothek-berlin.de
Fotos bei Wikimedia Commons
*) Wolfgang Gratzer: "Fischer-Dieskau, Dietrich" in: NDB-online → deutsche-biographie.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) operissimo.com
Quelle:
3) DER SPIEGEL 33/1964
4) "Grosse Stimmen" von Jens Malte Fischer (Verlag J. B. Metzeler, Stuttgart 1993, S. 424/425)
5) Zitat amazon-Redaktion
Auszeichnungen / Ehrungen (Auszug)
(Quelle unter anderem: Wikipedia; Fremde Links: Wikipedia)
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