Auszeichnungen |
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Rasch erlangte er durch Auftritte an der "Wiener Staatsoper"1) und der "Bayerischen Staatsoper"1) in München sowie Gastspielreisen in Großbritannien, Frankreich, Italien (1950, "Mailänder Scala"1)), der Schweiz und den Niederlanden internationalen Bekanntheitsgrad. Im Sommer 1951 gab Fischer-Dieskau mit "Lieder eines fahrenden Gesellen"1) von Gustav Mahler1) unter der musikalischen Leitung von Wilhelm Furtwängler1) (1886 1954) sein Debüt bei den "Salzburger Festspielen"1) hier trat er bis weit in die 1980er regelmäßig auf im Jahr darauf gab er beim "Edinburgh Festival"1) einen Brahms1)-Liederabend, debütierte zudem in den USA mit Liederabenden und Konzerten während einer Tournee. Mit dem Werk "Italienisches Liederbuch"1) von Hugo Wolf1) begeisterte er erstmals 1964 das Publikum in der New Yorker "Carnegie Hall"1). Am Londoner "Royal Opera House"1) brillierte er im Januar/Februar 1965 in der Oper "Arabella"1) von Richard Strauss1) als der reiche slawische Adlige Mandryka an der Seite von Lisa Della Casa in deren "Paraderolle" der Arabella. Seit 1957 gehörte der Bariton zum Ensemble der "Wiener Staatsoper"1), die Hauptwirkungsstätten von Fischer-Dieskau blieben jedoch die "Deutsche Oper Berlin"1) und die "Bayerische Staatsoper" in München". In Wien glänzte er, außer dem Wolfram von Eschinbach in "Tannhäuser"1) (1957; Titelrolle: Karl Liebl2) (19152007); Regie: Josef Gielen1)/Dirigent: Rudolf Moralt1)) und einmal mehr neben Lisa Della Casa mit dem Mandryka in "Arabella" (1960; Regie: Rudolf Hartmann1)/Dirigent: Joseph Keilberth1)), als Graf Almaviva in der von Oscar Fritz Schuh1) inszenierten Mozart-Oper "Le nozze di Figaro"1) (1957; Dirigent: Rudolf Moralt) zusammen mit Stars wie Erich Kunz1) (Figaro) und Anneliese Rothenberger (Susanna). Weiterhin gestaltete er unter der Regie von Josef Witt1) den Propheten Jochanaan1) in "Salome"1) (1957) von Richard Strauss1) mit Birgit Nilsson1) in der Titelpartie der Salome1) (Dirigent: Berislav Klobučar) und den Titelhelden in "Eugen Onegin"1) von Peter Tschaikowski1) (1961; Regie: Paul Hager1)/Dirigent: Lovro von Matačić1)). Seit der Premiere am 14. März 1966 konnte man ihn mit der grandiosen Titelpartie des Lebemanns Sir John Falstaff1) in der hochkarätig besetzten Verdi1)-Oper "Falstaff"1) bewundern Luchino Visconti1) inszenierte, Leonard Bernstein1) stand am Dirigentenpult, unter anderem gab Rolando Panerai Falstaffs Gegenspieler Mr. Ford, Graziella Sciutti1) dessen Tochter Nannetta und der spanische Tenor Juan Oncina (1921 2009) den Fenton → wiener-staatsoper.at. Letztgenannte Aufführungen verzeichneten einen triumphalen Erfolg, werden in der Musikgeschichte als "Sternstunde" gewertet und und ein Live-Mitschnitt ist inzwischen auf CD im Handel erhältlich. Darüber hinaus prägte er Jahrzehnte die "Salzburger Festspiele"1), gab dort regelmäßig Liederabende und verlieh Opern-Inszenierungen besonderen Glanz.
Viele berühmte Dirigenten wie Hans Knappertsbusch1) (1888 1965), Wilhelm Furtwängler1) (1886 1954), Ferenc Fricsay1) (1914 1963), Karl Böhm1) (1894 1981), Herbert von Karajan1) (1908 1989), Leonard Bernstein1) (1918 1990), Alberto Erede1) (1908 2001), Kurt Masur1) oder Daniel Barenboim1) standen bei seinen Darbietungen am Dirigentenpult.
Sein Singen war kein Naturereignis, sondern immer ein Kunstereignis, die Überwältigung des Zuhörens geschah nicht durch schiere Stimmpracht, sondern durch die reflektierte Kunst des überscharf bewussten Interpreten. Schon der 20-jährige Fischer-Dieskau begann gewissermaßen ein Reflexionsstufe höher, natürliche Grazie war sicher nicht das, was ihn zu seinen großen Leistungen befähigte, sondern die wissende Anmut. Ein übersinnliches Wunder ist das alles nicht, vor dem wir oder irgendjemand auf die Knie fallen müssten, wie Saulus1) vor dem Damaskus-Blitzstrahl. Es gibt aber allen Anlass vor der Lebensleistung Dietrich Fischer-Dieskaus ganz tief den Hut zu ziehen: Chapeau bas!4) Seit Mitte der 1970er Jahre stand der erfolgreichste deutsche Sänger nicht nur der Nachkriegszeit dann auch selbst am Dirigentenpult, unterrichtete seit 1983 als Professor an der "Hochschule der Künste"1) in Berlin die Meisterklasse.
Seine Erinnerungen veröffentlichte Fischer-Dieskau im Mai 2000 anlässlich seines 75. Geburtstages unter dem Titel "Zeit eines Lebens. Auf Fährtensuche", in dem er auch kritisch den Sinn von Ruhm und Erfolg hinterfragt. Er erzählt von den Höhepunkten seiner Karriere, aber auch von Einsamkeit, von Sorgen und Nöten, er schreibt über seine Kindheit und Jugend und über seine große Liebe; seine ersten Memoiren, die er "Nachklang. Ansichten und Erinnerungen" nannte, erschienen bereits 1987 An weiteren Büchern verfasste Fischer-Dieskau unter anderem "Wenn Musik der Liebe Nahrung ist. Künstlerschicksale im 19. Jahrhundert." (1990), "Carl Friedrich Zelter und das Berliner Musikleben seiner Zeit. Eine Biographie"1) (1997) sowie "Musik im Gespräch. Streifzüge durch die Klassik mit Eleonore Büning" (2003) → Übersicht der Werke bei Wikipedia. Zum 70. Geburtstag des Baritons erschien 1995 von Hans A. Neunzig die Biografie "Dietrich Fischer-Dieskau", in dem sich der 1932 geborene Autor mit dem breiten Repertoire des Baritons sowie mit dessen Arbeitsweise befasst und auch den Buchautor, den Dirigenten, den Maler und den Lehrer Fischer-Dieskau berücksichtigt: Hans A. Neunzig verschafft dem Leser einen persönlichen Einblick in die Arbeitsweise des Sängers: nach welchen Gesichtspunkten er für seine Konzerte die Programme zusammenstellt, welche Rolle dabei der Text, der Inhalt, die Dichterpersönlichkeit, Tonart und der Rhythmus eines Liedes spielen. Dass es auch einen Maler, Dirigenten und Lehrer vorzustellen gilt, der zudem am künstlerischen Zeitgeschehen interessiert ist und junge Komponisten zu neuen Werken anregt, belegt die gründliche und reich bebilderte Biographie über diesen weltberühmten Bariton.5) Das Buch "Dietrich Fischer-Dieskau. Verzeichnis der Tonaufnahmen" von Monika Wolf kam ebenfalls 2000 auf den Markt und dokumentiert detailliert die Tonaufnahmen des Sängers. Eine komplette Diskografie, die bis etwa 1984 reicht, findet sich in "Dietrich Fischer-Dieskau". Ein Leben für den Gesang" von Kenneth S. Whitton → mehr Literatur bei Wikipedia.. Anlässlich des 85. Geburtstages am 28. Mai 2010 wurde von "EMI-Classics"1) in Kooperation mit der "WELT-Edition"1) eine 10 CDs umfassende Jubiläumsbox "Dietrich Fischer-Dieskau: Ein Portrait" herausgegeben, die einen umfassenden Querschnitt durch das Werk des Baritons bzw. eine Auswahl seiner wichtigsten Opern-, Lied- und Konzertaufnahmen bietet. Der "Bayerische Rundfunk"1) (BR) gratulierte dem "Jahrhundertsänger" mit drei Sondersendungen. Dietrich Fischer-Dieskau, der als einer der herausragendsten Lied- und Opernsänger des 20. Jahrhunderts gilt, starb am 18. Mai 2012 zehn Tage vor seinem 87. Geburtstag in seinem Domizil in Berg1) am Starnberger See1), wo er abwechselnd mit dem von ihm 1954 erworbenen und seit 1958 genutzten "Haus Buchthal" (Lindenallee 22) im Berliner Ortsteil Westend1) wohnte. "Die Beisetzung erfolgte am 25. Mai 2012 im engsten Familienkreis auf dem "Friedhof Heerstraße"1) (Grablage 8 C 52/53) in Berlin-Westend. Die letzte Ruhestätte von Dietrich Fischer-Dieskau ist als Ehrengrab des Landes Berlin1) gewidmet. Da Fischer-Dieskau seit dem Jahre 2000 Ehrenbürger von Berlin war, ist die Widmung im Unterschied zur großen Mehrzahl der Berliner Ehrengräber zeitlich nicht befristet." notiert Wikipedia → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons sowie knerger.de. Der bedeutende Bariton war seit 1949 mit der Violoncellistin Irmgard Poppen1) (* 13.01.1924) verheiratet, die am 15. Dezember 1963 bei der Geburt des dritten Sohnes an den Folgen einer Eklampsie1) verstarb; aus der Verbindung gingen drei Söhne hervor, der Bühnenbildner und Theaterausstatter Mathias Fischer-Dieskau1) (* 10.02.1951), der Dirigent Martin Fischer-Dieskau (* 1954; → martinfischer-dieskau.com; Wikipedia (englisch)) sowie der Cellist Manuel Fischer-Dieskau1) (* 15.12.1963; → manuelfischer-dieskau.de). 1965 heiratete er die Schauspielerin Ruth Leuwerik (1924 2016), doch bereits nach zwei Jahren wurde die Verbindung geschieden. Ehefrau Nummer 3 wurde 1968 Christina Pugel-Schule, Tochter eines US-amerikanischen Gesangspädagogen. Nach der Scheidung im Jahre 1975 ehelichte Fischer-Dieskau in vierter Ehe die Sopranistin Júlia Várady1). Im Jahre 2015 verkaufte die Erbengemeinschaft Várady/Fischer-Dieskau das Berliner Wohnhaus des Sängers, das historische "Haus Buchthal" → www.ad-magazin.de, tagesspiegel.de. Nicht nur im deutschsprachigen Raum, auch international rief das Ableben Fischer-Dieskaus Bestürzung und Trauer hervor, in etlichen Nachrufen betonte man sein herausragendes Lebenswerk. "Nach seinem Tod würdigte "Le Monde"1) die Gesangskunst Fischer-Dieskaus als "an ein Wunder grenzend" ("cela tenait du miracle"): "Sobald er den Mund öffnete, glaubte man ihm. Kein Wort, keine Absicht, keine Nuance entging seiner Diktion" ("dès qu'il ouvrait la bouche, on y croyait. Pas un mot, pas une intention, pas une nuance n'échappait à sa diction") In einem Nachruf im "Guardian"1) bezeichnete der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim1), langjähriger Liedbegleiter Fischer-Dieskaus, den Bariton als "revolutionären darstellenden Künstler" ("revolutionary performer"), denn als erstem Sänger überhaupt sei es ihm gelungen, in Personalunion in Oper, Oratorium und Lied gleichermaßen außergewöhnliche Leistungen zu erbringen. Die "New York Times"1) bezeichnete Dietrich Fischer-Dieskau in einer Rezension seiner Memoiren "Nachklang Ansichten und Erinnerungen" als "intellektuellsten und analytischsten Sänger" ("most intellectual and analytical of singers"). Er habe durch seinen von manchen als übertrieben empfundenen Deklamationsstil1) mit der auf gleichmäßig-melodischen Schönklang abhebenden Gesangstradition gebrochen, weshalb sein Gesang "unweigerlich Kontroversen hervorrufe" ("controversy Mr. Fischer-Dieskau inevitably arouses"). Sein Kollege René Kollo lobte Fischer-Dieskau als "stimmlich einfach prädestiniert für das Lied" und vom Wesen her als "sehr reizend, sehr hilfreich, sehr freundschaftlich". Brigitte Fassbaender1) sagte, der Sänger sei "ein hoch empfindsamer Mensch von großer geistiger Klarheit" gewesen. "Für alle, die mit ihm gearbeitet haben, war er immer in hohem Maße auch Vorbild. Er war einfach eine natürliche, große Autorität"." (Quelle: Wikipeia) → siehe auch die Nachrufe bei www.focus.de, www.welt.de und www.faz.net Im Jahre 2015 überließ Fischer-Dieskaus Witwe Julia Varady1) den Nachlass ihres Ehemannes der "Staatsbibliothek zu Berlin"1) großzügig als Geschenk. "Noch zu Lebzeiten verfügte der Künstler, dass sein Nachlass in seiner Heimatstadt Berlin, wo er viele Höhepunkte seines Schaffens erlebt hatte, verbleiben und dort der Forschung zur Verfügung stehen solle. "Der Inhalt von über 100 Nachlasskisten – vergleichbar etwa 20 Umzugskartons – wird jetzt gesichtet und für die Erfassung in der Datenbank der Nachlässe vorbereitet. Zu dem Nachlass gehören zahlreiche Musikdrucke mit eigenhändigen Notizen, darunter sehr viele Lieder und umfangreiche Korrespondenzen mit Musikern, Konzertagenturen, Firmen oder auch Verehrern. Sodann Manuskripte zu seinen Vorträgen, Aufsätzen und Büchern, des Weiteren Verträge, Fotos und viele Schallplatten und CDs. Ein besonderes Stück des Nachlasses ist sein Konzertflügel, den er in den 1950 er Jahren zu Beginn seiner Karriere kaufte. Der innenliegende goldfarbene Metallrahmen trägt die Unterschriften vieler Künstlerkollegen, so von Jörg Demus1), Leonard Bernstein1), Daniel Barenboim1), Wilhelm Kempf1), Aribert Reimann1) und anderen. Die Materialien Fischer-Dieskaus werden jetzt in jener Bibliothek aufbewahrt, die zahlreiche der von ihm interpretierten Werke im Original besitzt, so die herausragenden Kompositionen von Bach1), Beethoven1), Mozart1), Schubert1), Schumann1) oder Mendelssohn Bartholdy1)." kann man bei blog.sbb.berlin lesen → staatsbibliothek-berlin.de. |
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Siehe auch
Wikipedia
(deutsch), Wikipedia
(englisch), musiklexikon.ac.at, deutsche-biographie.de, staatsoper.de, bayreuther-festspiele.de sowie erschiedene Artikel zu Dietrich Fischer Dieskau bei DER SPIEGEL und den Beitrag zum 100. Geburtstag bei der "Staatsbibliothek zu Berlin" → blog.sbb.berlin sowie Infos zum Nachlass bei staatsbibliothek-berlin.de Fotos bei Wikimedia Commons |
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*) Wolfgang
Gratzer: "Fischer-Dieskau, Dietrich" in: NDB-online → deutsche-biographie.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) operissimo.com Quelle: 3) DER SPIEGEL 33/1964 4) "Grosse Stimmen" von Jens Malte Fischer (Verlag J. B. Metzeler, Stuttgart 1993, S. 424/425) 5) Zitat amazon-Redaktion |
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