Wirken (Auszug) in Winn/Salzburg
Die Sopranistin Lotte Lehmann wurde am 27. Februar 1888 als Charlotte Sophie Pauline Lehmann in Perleberg1), einer Kleinstadt in der preußischen Provinz Brandenburg1) (Mark Brandenburg1))  zwischen Hamburg und Berlin, in eine musikalische Beamten-Familie hineingeboren. Ihr Vater Karl, Sekretär der "Perleberger Ritterschaft", hatte eine schöne Tenorstimme und sang im örtlichen Gesangsverein, eine Tante soll die "Stimme eines Engels" gehabt haben.
Die Kindheit verbrachte die kleine Lotte zusammen mit ihrem älteren Bruder Fritz in ihrer Geburtsstadt, bis sie mit ihrer Familie 1902 nach Berlin zog, da sich der Vater in der Großstadt bessere berufliche Chancen versprach. Dort besuchte Lotte die Mittelschule und fiel schon früh durch ihr musikalisches Talent sowie mit ihrer wunderschönen Stimme auf. Ihre Bühnenlaufbahn begann sie nach einem Gesangsstudium, welches sie unter anderem mit finanzieller Unterstützung des Gutsbesitzers und königlich preußischen Kammerherrn, Baron Konrad Gans zu Putlitz1) (1855 – 1924) bei der Gesangspädagogin Mathilde Mallinger1) (1847 – 1920) absolvierte, eine Sängerin, die viele Jahre zuvor in der Münchener Uraufführung (21.06.1868) der Wagner1)-Oper "Die Meistersinger von Nürnberg"1) die Eva gestaltete und später an der "Berliner Hofoper" (heute "Staatsoper Unter den Linden"1)) eine beachtliche Karriere gemacht hatte. Zuvor erhielt Lotte Lehmann in Berlin  ersten Unterricht von Helene Jordan an der "Königlichen Hochschule für Musik" (→ udk-berlin.de) sowie an der privaten Gesangsschule von Etelka Gerster1) (1855 – 1920) durch Eva Reinhold, einer Mitarbeiterin Gersters.

Lotte Lehmann 1917
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Lotte Lehmann als "Micaëla"
Lotte Lehmann als "Agathe" Nach einem weiteren Studium bei der Professorin Luise Götz (geb. Devrient) an der "Münchener Musikhochschule" (heute "Hochschule für Musik und Theater München"1)) wurde Lotte Lehmann im Herbst 1910 als festes Ensemblemitglied an die "Hamburger Oper"1) engagiert, debütierte als zweiter Knabe in der Mozart1)-Oper "Die Zauberflöte"1) und sang dort zunächst weiterhin kleinere Knaben- und Pagen-Partien. Nach ihrem ersten Auftreten als Göttin Freia1) in dem Wagner-Werk "Das Rheingold"1) attestierte ihr die Hamburger Presse noch "rührende Unbeholfenheit", doch bald etablierte sie sich unter anderem als Gutrune im Wagnerschen "Der Ring der Nibelungen"1), als Sophie in "Der Rosenkavalier"1) von Richard Strauss1), als Margiana in "Der Barbier von Bagdad"1) von Peter Cornelius1) oder als Bauernmädchen Micaëla in "Carmen"1) von Georges Bizet1) als ernstzunehmende Interpretin. An einem Abend, an dem neben der Oper "Orfeo ed Euridice"1) von Christoph Willibald Gluck1) auch "Der Bajazzo"1) von Ruggero Leoncavallo1) mit dem legendären Enrico Caruso gegeben wurde, hörte sie dieser in der Partie der Euridice1). Als Lotte Lehmann von der Bühne ging, soll Caruso ihre Hand gefasst und gesagt haben: "Ah, brava, brava! Che bella voce! Che magnifica voce! Una voce italiana". 1914 ging Lotte Lehmann erstmals nach Wien an die "Wiener Hofoper" (heute "Wiener Staatsoper"1)), debütierte dort am 30. Oktober 1914 unter der musikalischen Leitung von Franz Schalk1) als Eva, Tochter des Goldschmieds Veit Pogner (Richard Mayr1)), in Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg"1). Rund zwei Jahre später sang sie am 18. August 1916 an der "Hofoper" als Ensemblemitglied erstmals die Agathe, Tochter des Erbförsters Kuno (Gerhard Stehmann2)), in der romantischen Oper "Der Freischütz"1) von Carl Maria von Weber1)
     
Lotte Lehmann in Wien als Agathe in "Der Freischütz"

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In ihren beiden ersten Wiener Jahren hatte sie es nicht leicht. Sie war ehrgeizig, und sie war eine Preußin – Eigenschaften, die nicht zu innigen Freundschaften führen. Überdies traf sie auf formidable Konkurrenz: Die für ihre phantastischen Triller berühmte Selma Kurz1), die vielseitige Marie Gutheil-Schoder1) und die schöne, glamouröse Maria Jeritza, die das gleiche Repertoire sang. Den Durchbruchserfolg hatte sie 1916 als "Komponist" in der Uraufführung von "Ariadne auf Naxos"1). Sie sang den "Komponisten", Maria Jeritza die Titelpartie. Wenn die beiden erbitterten Rivalinnen in der "Walküre"1) oder der "Frau ohne Schatten"1) auftraten, so war das, nach einem Wort Walter Legges,1) "Manna für die Abendkasse" und Anlass für Straßenkämpfe zwischen den Mitgliedern der Jeritza- und der Lehmann-Clique.3)
Bis 1937 stand Lotte Lehmann in Wien auf der Bühne, feierte mit ihrem lyrischen, später lyrisch-dramatischen Sopran Triumphe, vor allem als Interpretin in Werken von Richard Wagner1) und Richard Strauss1) – so unter anderem als Wagnersche Elsa von Brabant1) in "Lohengrin"1) oder in der Strauss-Oper "Frau ohne Schatten"1) – hier wurde sie 1919 in Wien auf ausdrücklichen Wunsch des Komponisten Richard Strauss als "Färbersfrau" ausgewählt und seither besetzte sie Strauss bei allen seinen Aufführungen. Zu nennen sind die Christine in "Intermezzo"1), der Octavian und später die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg in "Der Rosenkavalier"1), mit den Titelpartien in "Ariadne auf Naxos"1) und "Arabella"1) beeindruckte sie, neben dem Komponisten selbst, Publikum und Fachwelt. Vor allem die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg im "Rosenkavalier" bleibt für alle Zeit mit dem Namen Lotte Lehmanns verbunden &+150; sie spielte nicht, sie war die "Marschallin".

Lotte Lehmann 1924 in London als die
Feldmarschallin in "Der Rosenkavalier"
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Lotte Lehmann als "Marschallin"
Lotte Lehmann in "Manon Lescaut" 01 Lotte Lehmann in "Manon Lescaut" 02 Ihre zahlreichen Rollen lassen sich kaum alle aufzählen – als Wagner-Interpretin gehörten, neben der erwähnten Elsa von Brabant in "Lohengrin", auch das Evchen in "Die Meistersinger von Nürnberg"1), vor allem aber die Sieglinde in "Die Walküre"1) zu ihrem herausragenden Repertoire. Sie glänzte beispielsweise als Charlotte1) in der Oper "Werther"1) von Jules Massenet1), als Lisa in "Pique Dame"1) von Peter Tschaikowski1), als Tatiana in dessen "Eugen Onegin"1), beeindruckte als Desdemona in Verdis1) "Otelo"1) oder als Maddalena in "Andrea Chénier"1) von Umberto Giordano1). In Puccini1)-Opern riss sie das Publikum als Mimi in "La Bohème"1), als Cho-Cho-San in "Madame Butterfly"1) oder mit den Titelpartien in "Turandot"1) und "Manon Lescaut"1) zu Begeisterungstürmen hin; die "Suor Angelica"1) ("Schwester Angelika") sang sie bei der Premiere am 20. Oktober 1920 in Wien vor einem zutiefst gerührten Puccini.  
   
Lotte Lehmann 1924 (Foto links)  bzw. 1917 in "Manon Lescaut"
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Daneben gab sie zahlreiche Gastspiele beispielsweise bei den "Salzburger Festspielen"1), in Paris, London, Prag ("Deutsche Theater"1)), oder Stocklolm ("Kungliga Operan"1)). Ausgedehntere Tourneen führten sie bereits in den 1920ern unter aderem nach Südamerika (Buenos Aires, "Teatro Colón"1)), Australien und in die USA. Die internationale Karriere begann 1924 am Londoner "Royal Opera House"1) in Covent Garden1) mit der Paraderolle der Feldmarschallin in der "Der Rosenkavalier" unter dem berühmten Dirigenten Bruno Walter1)  (1876 – 1962), dem sie lebenslang künstlerisch und auch privat verbunden blieb. Sie sang die großen Partien ihres Fachs, auch mit der Leonore in "Fidelio"1) von Ludwig van Beethoven1),  eine Rolle, die sie erstmals in Wien am 31. März 1927 anlässlich der "Beethoven-Zentenarfeier" (26.–31.03 1927.) gestaltete, erlangte sie ungeheures internationales Renommee. Bei den jährlich veranstalteten "Salzburger Festspielen" war dies neben der "Feldmarschallin" so gut wie ausschließlich "ihre Rolle" unter den berühmten Dirigenten Clemens Krauss1) (1893 – 1954), Franz Schalk1) (1863 – 1931) und Arturo Toscanini1) (1867 – 1957).

Lotte Lehmann 1918
Foto mit freundlicher Genehmigung der   Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber: Atelier Madame d'Ora1) (1881–1963); Datierung: 26.11.1918; © ÖNB/Wien,
Bildarchiv (Inventarnummer 204142-D)

Lotte Lehmann 1918; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Atelier Madame d'Ora (1881–1963); Datierung: 26.11.1918; Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204142-D)
Sowohl bei den "Salzburger Fesrspielen" als auch in Wien konnte man ihre Kunst  letztmalig im Sommer/Herbst 1937 bewundern  → Auszug Wirken/Repertoire in Wien/Salzburg siehe hier; siehe auch Repertoire bei lottelehmannleague.org;
Mit der so genannten "Machtergreifung"1) der Nationalsozialisten1) am 30. Januar 1933, durfte Lotte Lehmann aufgrund von Differenzen mit Reichsminister Hermann Göring1) wie es in einigen Quellen heißt, vor allem wohl aber weil sie sich der Forderung widersetzte, sich von ihrem jüdischen Ehemann zu trennen, in Deutschland nicht mehr auftreten. Als Österreich im März 1938 in das "Großdeutsche Reich1) heimgeholt" wurde ("Anschluss Österreichs") emigrierte sie wie viele andere NS-Opfer und fand eine neue Heimat in den USA, zunächst in New York City1), später im kalifornischen Santa Barbara1). Von 1938 bis 1951 machte sie die New Yorker "Metropolitan Opera"1) zum Mittelpunkt ihres Künstlerlebens, von der aus sie die US-Amerikaner mit ihrer Sangeskunst und anrührenden Rollenverkörperung begeisterte und zur 1. Sopranistin dieser wichtigsten Bühne der Vereinigten Staaten avancierte. Ihr Debüt an der "Met" hatte die damals 46-Jährige bereits am 11. Januar 1934 als Sieglinde in dem Wagner-Werk "Die Walküre"1) an der Seite von Lauritz Melchior (Siegmund) und Gertrud Kappel1) (Brünnhilde1)) gegeben (→ archives.metopera.org), eine Figur, die von vielen Kritikern als eine ihrer herausragendsten Darstellungen angesehen wird. Nach rund 70 Vorstellungen, vornehmlich in Wagner-Opern sowie im "Rosenkavalier", gab sie mit dieser Partie zudem am 17. Februar 1946 ihre Abschiedsvorstellung an der "Metropolitan Opera" → Wirken an der "Met" bei archives.metopera.org.
In den USA brillierte sie in den folgenden Jahren nicht nur als Wagner-Interpretin oder als Feldmarschallin in "Der Rosenkavalier", verzauberte das Publikum mit der Titelpartie der Floria Tosca in "Tosca"1) von Giacomo Puccini1) ebenso wie mit ihren vielen, mehr als 90 eindrucksvollen, subtilen Rolleninterpretationen. Um den Plan, Wagners weibliche Titelfigur in "Tristan und Isolde"1) zu singen, ranken sich verschiedene Geschichten: Lotte Lehmann sagt in ihren Erinnerungen "Es war immer ein Lieblingswunsch Franz Schalks1) gewesen, mich die "Isolde" singen zu lassen. Zu "Isolde" hatte ich eine ganz merkwürdige Beziehung; ich liebte diese Partie mit der zähen Hartnäckigkeit der unglücklich Verliebten (…) Ich träumte von ihr im wahrsten Sinne des Wortes (…) Ich studierte sie für mich und weinte vor Entzücken über ewig Unerreichbares, denn meiner Stimme fehlte die hochdramatische Kraft, die siegreich dem großen Orchester trotzen muss, nicht verletzt werden darf, wenn sich das Drama elementar entlädt."

Lotte Lehmann 1924 als Floria Tosca
in "Tosca" von Giacomo Puccini
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Lotte Lehmann als "Tosca"
Lotte Lehmann im März 1927; Urheber: Georg Fayer (1892–1950); Quelle: Wikimedia Commons von Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Bildarchiv Austria, Inventarnummer: Pb 580.555-F 566; Lizenz: gemeinfrei Ihre Konzerte mit Liedern/Kompositionen von beispielsweise Robert Schumann1), Franz Schubert1), Johannes Brahms1), Hugo Wolf1) oder Felix Mendelssohn Bartholdy1), vornehmlich begleitet von dem Pianisten Paul Ulanowsky (1908–1968; → Wikipedia (englisch)), waren stets ausverkauft und auch mit der "leichten Muse", wie Liedern aus Operetten von Franz Lehár1) oder Jacques Offenbach1), begeisterte sie das Publikum.
Lotte Lehmann trat in Sendungen des Rundfunks auf, machte mit dem von Norman Taurog1) in Szene gesetzten Hollywood-Streifen "Big City" (1948; → Wikipedia (englisch)) auch einen Ausflug auf die Leinwand und zeigte sich neben dem damaligen Kinderstar Margaret O'Brien1). Bereits in dem von Johannes Guter1) für den im Auftrag des "Henkel-Konzerns"1) gedrehten Industrie-/Werbefilm "Wäsche – Waschen – Wohlergehen"1) (1932) hatte sie an der Seite von damaligen Publikumslieblingen wie Paul Henckels, Grete Reinwald, Hedwig Wangel, Fritz Alberti oder Ida Wüst mit dem kleinen Part einer Waschfrau mitgewirkt.
 
Lotte Lehmann im März 1927
Urheber: Georg Fayer (1892 – 1950)
Quelle: Wikimedia Commons von
Österreichische Nationalbibliothek1) (ÖNB),
Bildarchiv Austria, Inventarnummer: Pb 580.555-F 566
Anganen zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier
Mitte der 1940er Jahre nahm  Lotte Lehmann mit der Partie der "Feldmarschallin" Abschied von der Opernbühne, 1951 verkündete die über 60-jährige Künstlerin während eines Konzerts in der New Yorker "Town Hall"1) mit bewegten Worten dan das endgültige Ende ihrer Gesangskarriere: Einige Zuhörer/-innen riefen "Nein, Nein", andere weinten. Lotte Lehmann aber sagte: "Ich nehme an, Sie wissen, dass die Marschallin im "Rosenkavalier" eine meiner liebsten Rollen gewesen ist. Diese Marschallin ist eine sehr kluge Frau. Sie schaut in den Spiegel, und sie sagt: Es ist Zeit. Ebenso habe ich, als Sängerin, in den Spiegel geschaut, und nun sage ich: Es ist Zeit".
Danach trat sie zwar noch vereinzelt auf, arbeitete in den folgenden Jahren jedoch vornehmlich als Gesangspädagogin, zuerst in New York City und später an der "Music Academy of the West"1) im kalifornischen Santa Barbara1); zu ihren Schülerinnen/Schülern zählten beispielsweise Jeannine Altmeyer1), Judith Beckmann1), Grace Bumbry, William Cochran1), Marilyn Horne1), Mildred Miller1), Thomas Moser1) und Benita Valente1).
Darüber hinaus machte sie sich zudem als Schriftstellerin, Dichterin und Malerin einen Namen, schrieb neun Bücher – unter anderem 1936 die Autobiografie "Anfang und Aufstieg", welche in Großbritannien unter dem Titel "On Wings of Song", in den USA als "Midway in My Song" auf den Markt kam. In den USA verfasste sie "My Many Lives", eine Porträtgalerie ihrer größten Rollen vermischt mit Erinnerungen an künstlerische Weggefährten, sowie "More Than Singing", in dem sie ihre Erfahrungen mit dem Liedgesang dokumentierte. Daneben veröffentlichte sie zahllose Artikel zu musikalischen Themen, ihre Ölbilder mit Opernszenen sowie Illustrationen ließen sie zur anerkannten bildenden Künstlerin werden und auch die zahlreichen Gedichte zeugen von Lotte Lehmanns Empfindsamkeit und Sensibilität.

Am 26. August 1976 starb Lotte Lehmann, die seit 1945 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besaß, im Alter von 88 Jahren in Santa Barbara (Kalifornie), wo sie schon seit vielen Jahren bei ihrer Freundin, der Psychologin Frances Holden (1899 – 1996) lebte. Die beiden Frauen nannten ihr Domizil in Santa Barbara "Orplid" nach der in Hugo Wolf1) vertontem Lied "Gesang Weylas" beschriebenen Trauminsel, basierend auf dem Gedicht "Gesang Weylas"1) von Eduard Mörike1). Die Urne ihrer sterblichen Überreste wurde am 24. Februar 1977 auf dem "Wiener Zentralfriedhof"1) in einem "Ehrengrab der Stadt Wien"1) beigesetzt (Gruppe 32 C Nr. 49); auf ihrem Grabstein ist ein Zitat von Richard Strauss1) eingraviert "Sie sang, daß es die Sterne rührte." Damit ging ihr Wunsch in Erfüllung in Wien, wo sie die glücklichste Zeit ihres Lebens verbracht hatte, ihre letzte Ruhe zu finden → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons, knerger.de, findagrave.com
Lotte Lehmann war seit 1926 mit dem jüdischen Kavallerieoffizier der K.u.K Armee und Bankier Otto Krause-Jakobowitz (* 29.01.1883) verheiratet, der am 22. Januar 1939 im Alter von nur 56 Jahren in Sarance Lake (New York1)) an den Folgen einer Lungenentzündung verstarb. Mehrere Jahre lang lebte sie vor der Eheschließung mit ihm ohne Trauschein zusammen, da sich Krauses zunächst von seiner schwer kranken Ehefrau Margarethe von Gutmann (1893 – 1936) nicht scheiden lassen wollte. Aus Krauses Ehe stammten vier Stiefkinder, die eigene Ehe blieb kinderlos, Lotte Lehman heiratete nie wieder.
  
Die Sängerin gehörte neben Erna Berger (1900 – 1990), Elisabeth Grümmer
(1911 – 1986), Hilde Güden1)  (1917 – 1988), Martha Mödl1) (1912 – 2001), Gundula Janowitz1) und Elisabeth Schwarzkopf (1915 – 2006) zu den herausragenden deutschen Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts, wurde von vielen als "weiblicher Caruso" angesehen. Noch heute zeugen zahllose Tonträger von ihrer enormen sängerischen Dominanz, sowohl als Solistin wie auch im Duett mit so legendären Künstlern wie beispielsweise Jan Kiepura, Richard Tauber oder Leo Slezak. Erste Schallplattenaufnahmen spielte Lotte Lehmann bereits 1914 ein, im Verlaufe ihrer Weltkarriere entstanden rund 500 Aufnahmen.

Lotte Lehmann wurde weltweit für ihre herausragenden Leistungen ausgezeichnet: 1926 zur "Österreichischen Kammersängerin" ernannt, war sie seit 1929  Ehrenmitglied der "Wiener Staatsoper". Schweden ehrte sie mit der Medaille "Litteris et Artibus"1) (1929), Frankreich mit dem "L'ordre national de la Légion d'Honneur"1) ("Ehrenlegion"), 1931 im Range eines "Ritters" ("Chevalier"), 1937 im Range eines "Offiziers" ("Officier") und Österreich mit dem "Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich, I. Klasse"1) (1934). 1963 erhielt sie den "Ehrenring" der Stadt Wien"1) und den "Ehrenring der Wiener Staatsoper", 1964 das "Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland"1), 1969 würdigte die "Stiftung Mozarteum Salzburg"1) sie mit der "Silbernen Mozart-Medaille"1). Lotte Lehmann gehörte zu den wenigen Persönlichkeiten, der von der "University of California"1) die Ehrendoktorwürde (1961) verliehen wurde. Weitere an sie vergebene Ehrendoktor-Titel waren die der "University of Portland"1) (1949), des "Mills College"1) in Oakland1) (1951) und der "Northwestern University"1) in Evanston1) (1956).

Sonderbriefmarke Lotte Lehmann
aus der Reihe "Frauen der deutschen Geschichte"
Ausgabetag 13. Juli 1989
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung
des "Bundesministeriums der Finanzen"
sowie Prof. Gerd Aretz und Oliver Aretz (Gestaltung)

Sonderbriefmarke Lotte Lehmann
Ihre Berühmtheit wird zudem auf dem "Hollywood Walk of Fame"1) sichtbar, seit 8. Februar 1960 besitzt auch sie dort einen "Stern" (Adr.: 1735 Hollywood Blvd.) in der Kategorie "Musikaufnahmen"1) ("Recording"); allerdings wird ihr Vorname dort fälschlicherweise "Lottie" geschrieben. Am 27. Februar 1968 wurde anlässlich ihres 80. Geburtstag in Santa Barbara der "Lotte Lehmann Day" gefeiert, noch zu Lebzeiten benannte man 1970 im Salzburger Stadtteil Aigen1) die "Lotte-Lehmann-Promenade" nach ihr. Seit 1996 gibt es im 22. Wiener Gemeindebezirk Donaustadt1) den "Lotte-Lehmann-Weg" siehe auch → Auszeichnungen/Ehrungen bei lexm.uni-hamburg.de ("Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit").
Der Hauptteil des Nachlasses der legendären Künstlerin mit der einzigartigen Stimme befindet sich an der "University of California"1) in Santa Barbara, das "Lotte Lehmann Archiv" beherbergt umfangreiche Materialien, die ihr Leben und Wirken dokumentieren. Die "Sammlung Lotte Lehmann" in der "Wienbibliothek im Rathaus"1) enthält unter anderem Korrespondenzen.
"Stolperstein" für Lotte Lehman; Urheber des Fotos: Christian Michelides; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: CC BY-SA 4.0 Seit 2009 veranstaltet die "Lotte Lehmann Akademie" (→ lottelehmann-perleberg.de) in ihrer Geburtsstadt Perleberg1) verschiedene Sommerkurse für Sängerinnen und Sänger. Zudem gibt es Perleberg ein von dem Künstler Bernd Streiter geschaffenes, lebensgroßes Denkmal bzw. eine Bronze-Büste mit Steinsockel sowie einer Bronzetafel mit den Lebensdaten, das am 8. April 2014 vor dem Wallgebäude1) (Puschkinstraße) feierlich enthüllt wurde → Foto bei Wikimedia Commons sowie Arikel bei buergerverein-perleberg.de.
Am 17. August 2020 wurde durch den Künstler Gunter Demnig1) in der Salzburger Altstadt vor dem "Haus für Mozart"1) (→ Foto, Hofstallgasse 1) ein so genannter "Stolperstein" auch für Lotte Lehmann verlegt und erinnert damit an die gefeierte Sängerin, die ihre Heimat verließ bzw. vor der Nazi-Diktatur1) in die Emigration flüchtete.
 
"Stolperstein" für Lotte Lehman
Urheber des Fotos: Christian Michelides
Quelle: Wikimedia Commons;
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Ein Kritiker schrieb einmal über Lotte Lehmann: "Ihre Stimme jauchzte lerchenhaft auf, um nachtigallensüß zu verschweben. Sie besaß die so seltene Begabung, dem Wort denselben Stellenwert zu verleihen wie der Musik. Wenn sie vom Frühling sang, dann glaubte man ihr förmlich den frischen Hauch des Frühlings, wenn sie die Rose besang, den Duft der Rose zu spüren. Darüber aber stand der Glanz ihrer einzigartigen Persönlichkeit, der in seiner Unnachahmlichkeit fast jeden berühre, der diese außergewöhnliche Künstlerin noch persönlich erleben durfte."
Der ebenfalls legendäre Tenor Leo Slezak, der des öfteren mit ihr auf der Bühne stand, drückte Lotte Lehmanns sängerische Anziehungskraft einmal so aus: "Sie besaß das Geheimnis, das einzige Geheimnis, das wir haben: Herz. Ein Ton, der aus dem Herzen Kommt, geht dem Hörer zu Herzen, vielleicht weiß er nicht einmal, was eigentlich ihm solche Freude bereitet, was ihn so zufrieden und glücklich macht." Slezak paraphrasiert hier, sicher bewusst, die berühmten Beethoven1)-Worte zur "Missa solemnis"1): "Von Herzen – möge es zu Herzen gehen!" – und es ist wohl kein Zufall, dass wir Beethovens "Leonore" seit der Lehmann nicht mehr vergleichbar gehört haben.4)

Lotte Lehmann in der Rolle der Prinzessin Turandot
in der Oper "Turandot"1) von Giacomo Puccini1)
Fotograf: Wilhelm Willinger1) (1879 – 1943)
Foto mit freundlicher Genehmigung der
Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Datum ungenannt; Rechteinhaber/© ÖNB/Wien, 
Bildarchiv (Inventarnummer Pf 7.496: D (4)) → Info

Lotte Lehmann in der Rolle der Prinzessin Turandot in der Oper "Turandot" von Giacomo Puccini; Fotograf: Wilhelm Willinger1) (1879–1943); Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Rechteinhaber/© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer Pf 7.496: D (4))
Etliche Autoren beschäftigten sich mit dem Leben sowie der künstlerischen Laufbahn von Lotte Lehmann. So erschien unter anderem 1969 von Berndt Wilhelm Wessling1) das Buch "Lotte Lehmann… mehr als eine Sängerin", Alan Jefferson1) veröffentlichte das 1991 ins Deutsche übersetzte Werk "Lotte Lehmann: Eine Biographie" ("Lotte Lehmann: 1888–1976 – A Centenary Biography") und 1995 kam, erneut von Berndt Wilhelm Wessling eine Biografie unter dem Titel "Lotte Lehmann: "Sie sang, dass es Sterne rührte" auf den Markt. Der Historiker und Hochschullehrer Michael H. Kater1) verfasste die Biografie "Never Sang for Hitler. The Life and Times of Lotte Lehmann, 1888 1976", welche 2008 publiziert wurde → mehr Literatur bei Wikipedia.
Siehe auch Wikipedia (deutsch), Wikipedia (englisch), geschichtewiki.wien.gv.at,
fembio.org, deutsche-biographie.de sowie
(in englisch) www.cantabile-subito.de, "Lotte Lehman League"
Fotos bei Wikimedia Commons
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) geschichtewiki.wien.gv.at
Quelle:
3) Jürgen Kesting: "Die Großen Sänger des 20. Jahrhunderts" (1993 Econ-Verlag Düsseldorf (Sonderausgabe für "Cormoran Verlag"), S. 261 ff)
4)  Jens Malte Fischer: "Große Stimmen" (Verlag J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar, 1993, S. 179)
Lizenz Foto Lotte Lehmann: Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen  bzw. der Urheber unbekannt ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers. 
Lizenz Foto Lotte Lehmann (Urheber: Franz Xaver Setzer) Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers. 
Lotte Lehmann auf einem Sammelbild aus der Serie "Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den "Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik von Josef Garbáty beilagen; Urheber: Franz Xaver Setzer (1886–1939); Quelle: Wikimedia Commons: Lizenz: gemeinfrei Wirken (Auszug)
(Fremde Links: Wikipedia, bmlo.lmu.de,
geschichtewiki.wien.gv.at, musiklexikon.ac.at;
R = Regie (Inszenierung/Spieleeitung))
 
Lotte Lehmann auf  Sammelbildern aus der Serie
"Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den
"Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik 
von Josef Garbáty beilagen.
Urheber: Franz Xaver Setzer (1886–1939)
Quelle (Foto links): Wikimedia Commons
Quelle (Foto rechts): Wikimedia Commons
Anganen zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier
Lotte Lehmann auf einem Sammelbild aus der Serie "Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den "Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik von Josef Garbáty beilagen; Urheber: Franz Xaver Setzer (1886–1939); Quelle: Wikimedia Commons: Lizenz: gemeinfrei
"Wiener Hofoper" / "Wiener Staatsoper" → archiv.wiener-staatsoper.at "Salzburger Festspiele"
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