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| Heinrich Carl Julius Schlusnus wurde am 6. August 1888 im rheinischen Braubach1), der ehemaligen Provinz Hessen-Nassau1) (heute Rheinland-Pfalz1)), in eine kinderreiche Familie er war der Jüngste von 8 Kindern hineingeboren. Sein aus Masuren1) bzw. der damaligen historischen Landschaft Preußen1) stammender Vater August Schlusnus (1842 1900), der als ehemaliger Feldwebel und Bediensteter der Eisenbahnverwaltung ins Rheinland versetzt worden war, arbeitete als Postbeamter, Mutter Anna (1845/46 1936) war im Westerwald1) aufgewachsen. Früh zeigte sich Heinrichs gesangliches Talent, bereits als Schüler am Realgymnasium in Oberlahnstein1) fiel er durch einen ungewöhnlich großen Stimmumfang auf. Bevor er er jedoch zu einem der bedeutendsten Opern- und Liedsänger Deutschlands avancierte, musste der 16-Jährige nach dem frühen Tod des Vaters im Jahre 1900 die Schule mit der so genannten "Mittleren Reife"1) verlassen, da die finanziellen Möglichkeiten für ein erhofftes Gesangsstudium nicht ausreichten. Auf Wunsch der Mutter absolvierte er eine Ausbildung zum Postassistenten und arbeitete anschließend einige Zeit im kaiserlichen Postdienst1) bzw. im Telegrafenamt der "Kaiserlichen Oberpostdirektion"1) in Koblenz1). | ||||||||
In Berlin hatte es Schlusnus zunächst nicht einfach gehabt, im italienischen Fach musste er sich gegen den ersten Bariton der "Hofoper", Joseph Schwarz1) behaupten. Vergleicht man Aufnahmen beider Sänger, so wird man zugeben, dass Schwarz die "italienischere" Stimme besaß auch war er nach Berichten auf der Bühne von größerer Darstellungskraft. Erst nach dem Tode von Schwarz (1926) konnte Schlusnus seine führende Stellung als Verdi-Bariton erringen. Im Wagner-Fach hatte er es mit der Konkurrenz der gestandenen Wagner-Baritone zu tun für die Heldenpartien war seine von Haus aus lyrische Stimme nicht geeignet, als "Wolfram"1) im "Tannhäuser"1) dagegen erzielte er große Erfolge.2) Durch Louis Bachner vervollkommnete Schlusnus seine Gesangstechnik, Wikipedia vermerkt: "Durch die Bachnersche Methode schälte sich das gültige Timbre heraus, und die Stimme erhielt eine mühelose und strahlende Höhe. So konnte Schlusnus einfach singen, wie man spricht, natürlich und deutlich, so dass gedruckte Programmtexte eigentlich überflüssig wurden. Bachner: "Mit Zinsen singen, nicht mit dem Kapital." Schlusnus: "(Er) hat mir die Freiheit der Stimme gegeben, meine Stimmtechnik und das Verständnis für das richtige Singen. Was ich bin, verdanke ich ihm."" Schon früh zeichnete sich ab, dass Schlusnus auch international zu den bedeutenden Interpreten der Werke von Giuseppe Verdi1) zählte, Gastspielreisen führten ihn in den 1920er und 1930er Jahren an so berühmte Bühnen wie beispielsweise das "Koninklijk Concertgebouw"1) in Amsterdam1), dem "Gran Teatre del Liceu"1) in Barcelona1), der "Ungarischen Staatsoper"1) in Budapest1), der "Opéra Garnier"1) in Paris1), der "Kungliga Operan"1) in Stockholm1), und und und. Vor allem in Großbritannien, insbesondere in London, erlangte er als Verdi-Bariton hohes Ansehen. An der "Wiener Staatsoper"1) konnte man ihn im Mai 1923 in vier Vorstellungen bewundern, erstmals am 2. Mai unter der musikalischen Leitung von Carl Alwin1) als Edelmann Graf von Luna/Il conte di Luna in Verdis "Il trovatore"1) ("Der Troubadour") an der Seite von Georg Maikl1) in der Titelpartie des Offiziers Manrico (der Troubadour), dem politischen Gegenspieler des Grafen sowie Rivale im Kampf um die Gunst der schönen Leonora (Selma Kurz1)) → Besetzung. Am 7. Mai 1923 folgte sein Auftritt als Graf René Anckarström, Sekretär des Königs und Gatte von Amelia (Rena Pfiffer-Lax3)) in "Un ballo in maschera"1) ("Ein Maskenball") mit dem Libretto von Antonio Somma4), basierend auf der Oper "Gustave III. ou Le bal masqué"1) von Daniel-François-Esprit Auber1) (Libretto: Eugène Scribe1)) Hans Breuer1) oblag die Spielleitung, Carl Alwin dirigierte und Alfred Piccaver1) gab den Schwedenkönig Gustaf III.1) → Besetzung. Am 10. Mai 1923 brillierte Schlusnus einmal mehr unter der Leitung von Hans Breuer sowie Carl Alwin am Dirigentenpult mit der titelgebenden Figur des Rigoletto, Hofnarr des Grafen von Mantua (Alfred Piccaver) und Vater von Gilda (Rena Pfiffer-Lax) in der auf dem Melodrama "Le roi s’amuse" von Victor Hugo1) beruhenden Oper "Rigoletto"1), zu der Francesco Maria Piave1) das Libretto schrieb → Besetzung. Am 12. Mai 1923 verabschiedete sich Schlusnus vom Wiener Publikum, nicht als herausragender Verdi-Sänger, sondern diesmal mit der Rolle des Tonio (Taddeo), der missgestaltete Tölpel von Canios "Commedia-dell’arte"1)-Truppe, in der von Woldemar Runge1) in Szene gesetzten Verismo1)-Oper "Pagliacci"1) ("Der Bajazzo") von Ruggero Leoncavallo1) mit Karl Aagard Østvig1) als Canio (Pagliaccio) → Besetzung.
Wie man bei Wikipedia (Stand: 14.06.2026) lesen kann, "passte sich Schlusnus anfangs nur zögerlich dem nationalsozialistischen System1) an. So nahm er 1933 den vom "Stadttheater" in Hildesheim1) entlassenen, jüdischen Kapellmeister Berthold Sander1) (vermutlich † November 1943 im "Ghetto Theresienstadt"1)) in seine Zehlendorfer1) Wohnung auf, sang noch am 26. Januar 1934 in einer Rundfunksendung Lieder von Felix Mendelssohn Bartholdy1) und Gustav Mahler1) (Anmerkung: vom NS-Regime als "entartet" und "undeutsch" geächtet). Trotzdem trat er 1935 auf der Hochzeit von Hermann Göring1) auf und machte am 29. März 1936 Wahlwerbung für Adolf Hitler1). 1935 ernannte ihn NS-Propagandaminister Joseph Goebbels1) (obwohl kein Mitglied der NSDAP1)) zum Reichskultursenator1). 1943 erhielt er die "Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft"1). In der Endphase des 2. Weltkriegs nahm ihn Hitler im August 1944 in die "Gottbegnadeten-Liste"1) der wichtigsten Künstler auf, was ihn von einem Kriegseinsatz auch an der Heimatfront befreite. 1945 stand Schlusnus zunächst auf der "Schwarzen Liste" der US-amerikanischen Militärregierung, wurde aber von der Spruchkammer in Frankfurt am Main am 28. August 1947 als "nicht betroffen" entnazifiziert1)." Wenig später trat er im Saal der "Neuen Börse", dem Provisorium der "Oper Frankfurt"1), die im Krieg zerstört worden war, als Titelheld in Verdis "Rigoletto"1) auf. Auch nach Ende des 2. Weltkrieges brillierte Schlusnus, der sich seine sonore Stimme bis ins fortgeschrittene Alter bewahren konnte, vor allem bei Liederabenden sowohl im In- als auch Ausland; auf der Opernbühne stand er nach 1945 selten. Zuletzt gastierte Schlusnus im Juni 1950 erneut an der "Städtischen Oper" in Berlin ("Deutsche Oper Berlin"1)) und riss das Publikum einmal mehr als Marquis von Posa in Verdis "Don Carlos"1) zu Begeisterungsstürmen hin. Seinen letzten Liederabend gab er im Jahre 1951, nachdem er 1949 eine weitere große Südafrika-Tournee unternommen hatte. Danach musste er sich wegen einer unheilbaren Herzschwäche von der Bühne verabschieden. Sein Bariton wurde durch eine ganz persönliche, warme Klangtönung gekennzeichnet. Auf der Bühne galt er als vortrefflicher Verdi-Interpret, im Konzertsaal als Liedersänger von höchstem künstlerischem Rang. Dabei brachte er Lieder von allen großen Meistern zum Vortrag.7) Heinrich Schlusnus starb am 18. Juni 1952 mit nur 63 Jahren in Frankfurt am Main1) und fand in seiner Geburtsstadt Braubach1) auf dem "Martinsfriedhof" in einem Ehrengrab die letzte Ruhe; hier wurde auch später (1990) seine zweite Ehefrau beigesetzt → Foto der Grabstelle bei knerger.de. An der Martinskapelle erinnert zudem ein Denkmal/eine Büste an den berühmten Opern- und Konzertsänger Heinrich Schlusnus. Der Künstler war, wie erwähnt, seit 31. Juli 1933 in zweiter Ehe mit der Sopranistin Annemarie Schlusnus1) (1903 1990) verheiratet, der ehemaligen Schülerin bzw. Ex-Frau des Pianisten, Sängers und Gesangspädagogen Louis Bachner1) (1882 1945; Scheidung: Mai 1933). Aus seiner Anfang August 1914 in Frankfurt/M geschlossenen ersten Ehe mit der Gesangslehrerin bzw. Sopranistin Helene Weigl (1891 1973) ging Sohn Heinz (1918 1943) hervor, der im 2. Weltkrieg als Soldat an der russischen Front fiel.
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Siehe auch Wikipedia,
deutsche-biographie.de,
Deutsches
Rundfunkarchiv, "Rheinland-Pfälzische Personendatenbank", "Richard-Wagner-Verband Bamberg" sowie die Artikel bei oe1.orf.at und klassik-begeistert.de |
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Fremde Links: 1) Wikipedia, 3) musiklexikon.ac.at, 4)
biographien.ac.at, 6) Murnau Stiftung Quelle: 2) "Grosse Stimmen" von Jens Malte Fischer (Verlag J. B. Metzeler, Stuttgart 1993, S. 192/193) 5) Jürgen Kesting: "Die Großen Sänger des 20. Jahrhunderts" (Sonderausgabe für Cormoran Verlag München, 1993, S. 381) 7) Eckart von Naso & Annemarie Schlusnus: "Heinrich Schlusnus, Mensch und Sänger" (Hamburg, 1957) Lizenz Abbildung Heinrich Schlusnus: (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für das Herkunftsland des Werks und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 75 oder weniger Jahren nach dem Tod des Urhebers.. Es ist daher gemeinfrei. |
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