(Max Paulsen)
Peter Petersen war das Pseudonym des am 18. November 1876 in Hamburg als Max Johann Heinrich Paulsen geborenen Schauspielers, Regisseurs und Theaterleiters Max Paulsen. Aufgewachsen in seiner Geburtstadt, nahm er nach dem Abschluss des Realgymnasiums bei dem Schauspieler und Leiter des "Thalia-Theaters" Paul Schumann (1859 – 1904) Unterricht. Anschließend gab der 18-Jährige 1904 sein Bühnendebüt in Rastatt (Baden-Württemberg) – gezeigt wurde Schillers "Don Karlos". Über Konstanz, Bern und Weimar kam er 1896 für zwei Spielzeiten nach Berlin an das "Schauspielhaus", wurde dann 1898 an das Wiener "Burgtheater" engagiert, das für die nächsten Jahrzehnte mit Unterbrechungen seine künstlerische Heimat bleiben sollte. Er feierte unter anderem Erfolge in Stücken wie "Rosmersholm" (1912) von Henrik Ibsen, "Pygmalion" (1913) von George Bernard Shaw oder im "Jedermann" (1913) von Hugo von Hofmannsthal, zählte zu den ersten Kräften des Ensembles. Zwischen dem 1. August 1922 und 31. Juli 1923 war er zudem als Nachfolger von Anton Wildgans1), den er bereits während dessen Leitung unterstützt hatte, Direktor des renommierten Hauses. Paulsen gelang es "das Übungstheater der damaligen "Akademie für Musik und darstellende Kunst" im Konzerthaus dem "Burgtheater" als lang ersehntes kleines Haus anzugliedern. Am 8. September 1922 wurde das "Akademietheater" mit "Iphigenie auf Tauris" eröffnet, es spielten u. a. Hedwig Bleibtreu, Raoul Aslan und Franz Herterich. (…) Das Ende der kurzen Paulsen-Direktion hing mit einem Wechsel in der Intendanz zusammen. Auf Dr. Adolf Vetter war Ministerialrat Renkin als Leiter der Staatstheaterverwaltung gefolgt. Ähnlich wie Wildgans hatte auch Paulsen um seine Kompetenzen gekämpft, Renkin sah darin einen Versuch, die Rechte seines eigenen Amtes zu schmälern. Schließlich beendete Renkin Paulsens Direktion." notiert Wikipedia. Enttäuscht und verbittert zog sich Paulsen vom "Burgtheater" zurück, stand dort erst nach Ende des 2. Weltkrieges ab 1947 bis zu seinem Tod wieder auf der Bühne; zwischenzeitlich war er als Professor an der Wiener " Akademie für Musik und darstellende Kunst" tätig.
 
Von Willi Forst für den Film entdeckt, trat der 1923 vom österreichischen Staat zum "Hofrat" ernannte Paulsen erstmals in Forsts musikalischem Kassenschlager "Maskerade"1) (1934) als Chirurg Professor Harrandt und Ehemann der jungen Gerda (Hilde von Stolz) neben Paula Wessely, Olga Tschechowa und Adolf Wohlbrück auf der Leinwand in Erscheinung und startete unter dem Künstlernamen "Peter Petersen" im vorgerückten Alter eine kurze, erfolgreiche Karriere als Leinwanddarsteller. Der ehemalige Offizier und Mann mit dem vornehmen Profil verkörperte in den nachfolgenden melodramatischen Produktionen meist Honoratioren der gehobenen Gesellschaft, respekteinflößende Entscheidungsträger bzw. Patriarchen. So mimte er in Werner Hochbaums Melodram "Die ewige Maske"2) (1935) den Professor Tscherko, an dessen Klinik der junge Arzt Dumartin (Mathias Wieman) gegen Tscherkos Einverständnis ein selbst entwickeltes Serum gegen die grassierende Hirnhautentzündung testet, was fatale Folgen hat. In dem Rührstück "Manja Valewska" (1936; Regie: Josef Rovenský) gab er den reichen, als Misanthrop geltenden älteren polnischen Grafen Alexander Valewski, der Gefallen an der an der schönen jungen Gräfin Manja Raminska (Maria Andergast) findet und nach der Heirat schließlich in den Selbstmord getrieben wird. "Liebesmelodram aus dem Rußland des 19. Jahrhunderts: prächtige Uniformen, schneidige Offiziere, glänzende Bälle. (…) Hoffnungslos veraltete Edelkolportage." notiert das "Filmlexikon".
Wenig später folgte Veit Harlans Tolstoi-Adaption "Die Kreutzersonate"3) (1937), wo er als vermögender Gutsbesitzer Andrej Posdnyschew bzw. Vetter des Geigers Gregor Tuchatschewsky (Albrecht Schoenhals) auftauchte. Als sich Posdnyschews Ehefrau, die schöne, einst gefeierte Pianistin Jelaina (Lil Dagover) und Gregor näher kommen, bahnt sich eine Katastrophe an … Erneut mit Lil Dagover stand Petersen für die psychologische Frauen- und Heimkehrer-Geschichte "Maja zwischen zwei Ehen" (1938; Regie: Fritz Kirchhoff) vor der Kamera, präsentierte sich in der herzzerreißenden Geschichte "Spiegel des Lebens" (1938; Regie: Géza von Bolváry) als "Kurpfuscher" bzw. Vater der jungen Medizinstudentin Hanna Karfreit (Paula Wessely), die an der unglücklichen Liebe zu ihrem Studienkollegen Peter (Attila Hörbiger), aber auch der Beziehung zu ihrem Vater fast zerbricht. "In der Auseinandersetzung mit medizinischen Positionen ist der Film nicht nur verworren, sondern aus heutiger Sicht überholt. Die schauspielerischen Leistungen dagegen beeindrucken immer noch." schreibt das "Filmlexikon".
 
Nach dreijähriger Pause spielte Peter Petersen in dem anti-polnischen NS-Propagandafilm von Gustav Ucicky mit dem Titel "Heimkehr"1) (1941) als Dr. Thomas einmal mehr den Vater von Paula Wessely. Wegen seiner ausgeprägten propagandistischen Intention im Interesse der nationalsozialistischen Machthaber wurde der Streifen nach dem Krieg von dem Oberkommando der Alliierten mit einem Aufführungsverbot belegt und zählt bis heute zu den sogenannten "Vorbehaltsfilmen"1). Auch Max W. Kimmichs "Germanin – Die Geschichte einer kolonialen Tat"1) (1943) nach dem gleichnamigen, 1938 erschienen Roman von Hellmuth Unger trägt propagandistische Züge und war eine gezielte Werbeaktion für die "Bayer AG". Thematisiert wird die Entwicklung eines Mittels gegen die Schlafkrankheit, das zunächst "Bayer 205" und später "Germanin" genannt wurde. Petersen verkörpert hier überzeugend den bei Ausbruch des 1. Weltkrieges in den Afrika-Kolonien besessen forschenden Professor Achenbach, der ein Serum gegen die tödliche Schlafkrankheit entwickeln will, Lotte Koch agiert als dessen Assistentin Anna Meinhardt, Luis Trenker als Tierfänger Dr. Hans Hofer. Trotz der Intrigen der siegreichen britischen Kolonialmacht kann das Präparat nach Ende des Krieges in Afrika erfolgreich angewandt werden, Achenbach verliert dabei selbstlos sein Leben. Der das deutsche Heldentum glorifizierende bzw. den Hass auf den Kriegsgegner Großbritannien schürende NS-Machwerk wurde ebenfalls 1945 von den alliierten Militärbehörden verboten.
 
Nach Ende des 2. Weltkrieges zog sich Paulsen alias Peter Petersen vom Filmgeschäft zurück, dass er (wie bei filmportal.de und IMDb ausgewiesen) 1951 in der DEFA-Produktion "Die Sonnenbrucks"2) als Gestapo-Beamter noch einmal eine letzte, kleine Aufgabe in einem Kinofilm übernahm, ist unklar. Laut Volker Wachter1) liegt hier vermutlich eine Verwechslung mit Peter Petersz1) vor.
Stattdessen widmete er sich als Schauspieler und Regisseur wieder seiner Arbeit am Theater. Eine erste Nachkriegsrolle spielte er 1945 unter der Regie von Günther Haenel und gestaltete die Titelfigur in "Der befreite Don Quijote" von Anatoli Lunatscharski am Wiener "Volkstheater", ab 1947 gehörte er wieder zum Ensemble des "Burgtheaters". Hier glänzte er unter anderem in den provisorischen Räumen des "Ronacher"1) am 4. März 1947 als Maximilian, Graf von Moor in Schillers "Die Räuber" (Regie: Walter Felsenstein) sowie im darauffolgenden Jahr am 17. März 1948 mit der Titelrolle des "Lügenbarons" in der österreichischen Erstaufführung des fünfaktigen Schauspiels "Münchhausen" (Regie: Adolf Rott) von Walter Hasenclever. Ebenfalls 1948 inszenierte er Carl Zuckmayers Drama "Des Teufels General" mit Ewald Balser als General Harras und unter anderem dem unvergessenen Oskar Werner als Fliegeroffizier Hartmann.
 
Max Paulsen starb am 11. März 1956 im Alter von 79 Jahren in Wien; seine letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Friedhof Pötzleinsdorf (Gruppe F, Nummer 88/89) → Foto der Grabstätte bei www.knerger.de. Hier wurde auch seine zwei Jahre später verstorbene Ehefrau, die knapp acht Jahre ältere berühmte Burgschauspielerin Hedwig Bleibtreu4) (1868 – 1958), beigesetzt. Das Paar hatte nach dem frühen Tod von Bleibtreus erstem Ehemann, dem Hofschauspieler und Burgtheater-Regisseur Alexander Roempler (1860 – 1909), im Jahre 1910 (oder 1911) geheiratet.
Quellen (unter anderem)*): Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
*) Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek (November 2008; → data.onb.ac.at)
Link: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de, 3) Murnau Stiftung, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung)
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de