|
||||
|
Der italienische Tenor Franco Corelli wurde am 8. April 1921
als jüngstes von drei Kindern in
der Hafenstadt Ancona1)
geboren. Der mit Ehefrau Natalina verheiratete Vater Remo Corelli arbeitete als
Leiter einer Logistikabteilung an der dortigen Werft. Die Familie war sehr
musikalisch, Corellis Großvater väterlicherseits Augusto, ursprünglich Werftarbeiter und später im Management tätig,
gab seinen Beruf auf machte im Alter von 38 Jahren Karriere als Operntenor, Corellis älterer Bruder
Aldo wurde ebenfalls Sänger (Bassbariton), Schwester Liliana durfte den Beruf einer Sängerin jedoch nicht ergreifen. Franco Corelli liebte zwar ebenfalls die Musik, entschied sich jedoch nach Beendigung der Oberschule "Scuola Media Statale "Francesco Podesti"" füt eine andere berufliche Laufbahn, machte ab 1936 eine Ausbildung am "Francesco-Podesti-Institut" in Ancona und erwarb ein Patent als Geometer sowie Schiffsmaschinenmeister. Nach einer kurzzeitigen Anstellung als Schiffszeichner ging er 1940 auf Wunsch des Vaters an die "Universität Bologna"1), mit dem Ziel, Schiffsbauingenieur zu werden. Während des 2. Weltkriegs ab 1941 bei der italienischen Armee (Luftwaffe) eingesetzt, entließ man ihn ein Jahr später aus gesundheitlichen Gründen. Bereits als Student hatte er an einem Musikwettbewerb teilgenommen und, obwohl er diesen nicht gewann, ermutigten ihn die Juroren, eine Gesangskarriere anzustreben. Corelli beschloss, diesem Rat zu folgen, nach ersten autodidaktischen Studien mittels Schallplattenaufnahmen und Gesangsversuchen gemeinsam mit seinem Jugendfreund Carlo Scaravelli, Schüler des Baritons und Musikpädagogen Arturo Melocchi (1879 1960), begann er 1946 eine Ausbildung am "Rossini-Konservatorium" ("Conservatorio Statale di Musica "Gioachino Rossini"1)" → Wikipedia (englisch)) in Pesaro1) bei Maria Pavoni. Mit den gesanglichen Ergebnissen/Fortschritten unzufrieden, brach er den Unterricht dort nach kurzer Zeit wieder ab, "Corelli orientierte sich fortan an den stimmlichen Eigenschaften seiner Vorbilder Enrico Caruso, Aureliano Pertile1), Beniamino Gigli, Giacomo Lauri-Volpi1) und Miguel Fleta1), die er ausgiebig studierte." notiert Wikipedia. Weiterhin kan man bei Wikipedia lesen: "1950 erfolgte ein Vorsingen für den Intensivierungskurs des "Maggio Musicale Fiorentino"1) am "Teatro Comunale di Firenze"1), bei dem der Jury-Vorsitzende bzw. Komponist Ildebrando Pizzetti1) (1880 1968) auf Corellis außergewöhnlich eindrucksvolle, jedoch noch wenig ausgebildete Stimme aufmerksam wurde. Corelli erhielt ein Stipendium für ein 3-monatiges Gesangsstudium in Florenz1). Dort ergaben sich für ihn wichtige, nachhaltige Erstkontakte zu Sängern und Theaterleitern, darunter auch ein erstes Vorsingen für den Dirigenten Tullio Serafin1) (1878 1968), welches er er jedoch vor Lampenfieber, das sich hier erstmals dokumentierte und mit dem er während seiner gesamten Karriere stark zu kämpfen hatte, nicht absolvieren konnte. Ab den 1950er Jahren wurde er stimmlich von seiner späteren Ehefrau Loretta di Lelio1) (1918 2013) betreut, die ihn mit der traditionellen "Belcanto"1)-Schule des italienischen Opernsängers (Bariton) und Gesangspädagogen Antonio Cotogni1) (1831 1918) vertraut machte, was zu einer Systematisierung von Corellis Gesangstechnik führte. In der Zeit von 1958 bis 1962 erfolgte eine intensive Zusammenarbeit mit dem Belcanto-Tenor Giacomo Lauri-Volpi1) (1892 1979), bei dem Corelli letzten "Feinschliff" seiner Belcanto-Technik und Interpretationskunst erhielt. Außerdem zählte der Bariton Luigi Borgonovo (1899 1975) zu seinen Lehrern, der ihn an der Opernschule der "Mailänder Scala"1) unterrichtete." Der Weg zum gefeierten Tenor gestaltete sich schwierig, seine Karriere wollte nicht so recht in Gang kommen. Corelli wirkte im italienischen Rundfunk sowie an Provinzbühnen. 1951 nahm er an einem Gesangswettbewerb des "Centro Sperimentale di Spoleto"1) teil und gewann als ersten Preis eine drei-monatige Einstudierung der Tenor-Hauptpartie des Don José in der Oper "Carmen"1) von Georges Bizet1) mit Aufführung am dortigen "Teatro Lirico Sperimentale"1); diese Partie, mit der er später auch beim "Festival dei Due Mondi"1) in Spoleto auftrat, sollte zu einer der meist gesungenen seiner Laufbahn werden. Anfang der 1950er folgte ein Engagement als festes Ensemblemitglied am "Teatro dell'Opera di Roma"1), wo er am 31. Januar 1952 in der Oper "Giulietta e Romeo"1) von Riccardo Zandonai1) mit dem Part des Romeo Montecchio an der Seite von Maria Caniglia1) (Giulietta Capuleto) debütierte, gefolgt im Mai mit der Figur des Grafen Maurizio in "Adriana Lecouvreur"1) von Francesco Cilea1), erneut neben Maria Caniglia in der Titelrolle. Mit diesen Auftritten soll er jedoch zu dieser Zeit noch stimmlich überfordert gewesen sein, was seine erwähnten, weiteren Studien erklärt. Erst mit seinem Debüt (1954) an der "Mailänder Scala"1) in der Oper "La vestale"1) ("Die Vestalin") von Gaspare Spontini1) mit der Rolle des römischen Feldherrn Licinius als Partner der Primadonna Maria Callas (1923 1977), welche Licinius' Geliebte Julia bzw. die Priesterin der Vesta1) gab, gelang ihm endgültig der Durchbruch zum international umjubelten Tenor. Mit seiner Stimme, aber auch seiner blendenden Erscheinung begeisterte er das Publikum in aller Welt. Der außergewöhnlich große, schlanke Mann mit dem Aussehen und der Ausstrahlung eines Hollywood-Stars wie Gary Cooper oder Robert Taylor avancierte zu einem der führenden dramatischen Tenöre des italienischen Repertoires. Mit der legendären Maria Callas trat er noch wiederholt auf, so an der "Mailänder Scala" als Graf Loris Ipanoff in "Fedora"1) (1956) von Umberto Giordano1), als Piraten-Anführer Gualtiero in "Il pirata"1) (1958) von Vincenzo Bellini1), als Titelheld in "Poliuto"1) (1960) von Gaetano Donizetti1) mit Callas als dessen Gattin Paolina, und später (1964/65) an der "Opéra de Paris"1) als der römische Prokonsul Pollione in der Bellini-Oper "Norma"1) sowie mit seiner Glanzrolle des Malers Cavaradossi in der berühmten Neuinszenierung von Franco Zeffirelli1) der Puccini1)-Oper"Tosca"1), den er auch an der "Metropolitan Opera"1) in einer der letzten Bühnenauftritte der Callas gab. Ab Mitte der 1950er Jahre sang der "Apollo des Bel Canto", wie er von manchen bezeichnet wurde, regelmäßig an den großen italienischen Opernbühnen, zudem bis 1961 jährlich bei den Opernfestspielen in der "Arena di Verona"1) sowie beim "Maggio Musicale Fiorentino"1). Er brillierte an der "Wiener Staatsoper"1) Debüt 1957 als Feldherr Radames in der Verdi1)-Oper "Aida" ebenso wie am Londoner "Royal Opera House"1) in Covent Garden1), gab Gastspiele an bedeutenden Opernhäusern rund um den Globus, unter anderem an der "Lyric Opera of Chicago"1) oder an der "San Francisco Opera"1); mehrfach trat er am "Teatro Nacional de São Carlos"1) in Lissabon1) auf. Beispielsweise sorgte er im Juni 1957 bei seinem Debüt am "Royal Opera House" als Maler Cavaradossi in Puccinis "Tosca"1) unter der musikalischen Leitung von Alexander Gibson (1926 1995) an der Seite der Sopranistin Zinka Milanov1) für Furore, im Januar 1961 wurde er bei seinem ersten Auftreten an der New Yorker "Metropolitan Opera"1) in dem Verdi-Werk "Der Troubadour"1) ("Il trovatore") als Titelheld Manrico sowie Partner von Leontyne Price1) (Leonora) frenetisch gefeiert. Bis 1975 trat er an der "Met" auf, "wo er in fünfzehn Spielzeiten 19 Partien in 361 Vorstellungen sang. Darunter waren die Titelpartie in "Andrea Chénier"1) von Umberto Giordano1), der Fürst Enzo Grimaldo in "La gioconda"1) von Amilcare Ponchielli1), der Graf Maurizio in "Adriana Lecouvreur"1) von Francesco Cilea1), der Canio in "Pagliacci"1) (dt. "Der Bajazzo") von Ruggero Leoncavallo1) und der Romeo in "Roméo et Juliette"1) von Charles Gounod1)." vermerkt Wikipedia. Seinen letzten Auftritt an der "Met" hatte er am 28. Dezember 1974 als Prinz Calàf in der Oper "Turandot"1) von Giacomo Puccini1) mit Ingrid Bjoner1) in der Titelrolle, die sich damit ebenfalls dieser renommierten Bühne verabschiedete. Während seiner Karriere als international umjubelter Tenor glänzte Corelli in den großen Rollen seines Fachs. Außer den erwähnten Rollen gestaltete er als Verdi-Interpret die Titelrollen in "Ernani"1) und "Don Carlos"1), den Krieger Arrigo in "Die Schlacht bei Legnano"1), den Feldherrn Radames in "Aida"1) und den Mestizen Alvaro in "Die Macht des Schicksals"1). In Puccini-Opern begeisterte er als Poet Rudolfo in "La bohème"1) und als Bandit Dick Johnson in "Das Mädchen aus dem Goldenen Westen"1). Corelli gestaltete Gounods "Faust"1) ebenso brillant wie den jungen Bauern Turiddu in "Cavalleria Rusticana"1) von Pietro Mascagni1) um nur einige weitere groß:e Rollen zu nennen. Zahlreiche Tonträger zeugen von Corellis enormer sängerischer Dominanz, auch im Duett mit so berühmten Kolleginnen wie Renata Tebaldi (1922 2004), Birgit Nilsson1) (1918 2005), Joan Sutherland1) (1926 2010) oder Monserrat Caballé1) (1933 2018); seine neapolitanischen Canzone beispielsweise machten ihn auch bei Nicht-Opernfans ungemein populär → Repertoire bei Wikipedia. Seine Sangeskollegen hatten es nicht immer leicht mit ihm, zum einen wegen seines fast krankhaftem Lampenfiebers, zum anderen aufgrund seines cholerisches Temperaments. Joan Downs (19212003) berichtet in dem von Herbert A. Breslin editierten Buch "The Tenors" über teils kindliche, teils kindische Ausbrüche von Eitelkeit, verletztem Stolz, Wut und Neid, von Kämpfen mit dem Bassisten Boris Christoff und Fermaten-Duellen mit Diven, von Prügeleien gar mit den Fans anderer Sänger: "Ich lebe auf meinen Nerven" war die Erklärung des jähzornigen Sanguinikers 2) Bei den "Salzburger Festspielen"1) konnte man Corellis Kunst ebenfalls bewundern, unter der musikalischen Leitung von Herbert von Karajan1) brillierte er im Sommer 1962 als Manrico in "Der Troubadour" an der Seite von Ettore Bastianini1) (Graf Luna) und Leontyne Price1) (Leonore), "elektrisierte das Publikum derartr, dass niemand sich die Frage stellte, ob das "hohe C" am Ende der Stretta1) Manricos vom Komponisten überhaupt vorgesehen war." vermerkt br-klassik.de. In Deutschland gastierte er im Juni/Juli 1958 als Cavaradossi in "Tosca"1) mit Vorstellungen an der "Staatsoper Stuttgart"1), am "Hessischen Staatstheater Wiesbaden"1) und am "Prinzregententheater"1) in München1). Zum besonderen Ereignis geriet auch am 20. April 1958 sein Auftritt bei einem Konzert anlässlich der Eröffnung der "Weltausstellung 1958"1) in Brüssel1), wo er mit Arien wie "E lucevan le stelle"1) (aus "Tosca") oder dem berühmten "Nessun dorma"1) (aus "Turandot") die Zuhörer/-innen begeisterte. Das Konzert wurde live im Radio übertragen und auf Schallplatten aufgenommen, die, restauriert und digitalisiert, im Archiv der Rundfunkanstalt "Vlaamse Radio- en Televisieomroeporganisatie"1) (VRT) aufbewahrt werden → www.vrt.be. Seine Stimme war von höchstem Karat, mit seinem "squillo", der Stahltüren zu durchschneiden schien. Corellis Tenor war nicht nur laut, sondern auch enorm tragfähig. Der überreiche metallische Beiklang machte sich erstaunlicherweise nicht spröde oder trocken, sondern hatte, wenn er in Form war, immer etwas vom Schrei eines wilden Tieres, ein animalisches Moment, das auch durch seine reiche baritonale Mittellage bekräftigt wurde Corelli war, nehmt alles nur in allem, einer der fünf, sechs Tenöre mit den reichsten stimmlichen Mitteln, die es in unserem Jahrhundert gegeben hat, ein Phänomen ganz ohne Zweifel, als Künstler erreichte er diese Höhe nicht.3) Verschiedentlich präsentierte Corelli seine Kunst einem breiten Publikum in Film- und Fernsehproduktionen. Unter der Regie von Franco Enriquez (1927 1980)) entstand die für die "RAI"1) produzierte TV-Version der Leoncavallo-Oper "Pagliacci"1) (1954) mit dem von Alfredo Simonetto (1905 1963) geleiteten "Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI di Milano" und Corelli ala Canio; als DVD gelangte dieser Film 2004 in den Handel. Weitere mit Corelli in seinen Glanzrollen gezeigte Opern-Produktionen der "RAI" waren (Fremde Links: Wikipedia; R = Regie)
Als Corelli den Höhepunkt seiner stimmlichen Möglichkeiten überschritten hatte, nahm er allmählich Abschied von der Opernbühne, seine letzten Vorstellungen an der "Wiener Staatsoper"1) erfolgten seit der Premiere am 25. Oktober 1970 mit der Titelpartie des Don Carlos1) in der Verdi-Oper "Don Carlos"1) in einer Inszenierung von Otto Schenk mit Horst Stein1) am Dirigentenpult → archiv.wiener-staatsoper.at. Er gab nun vermehrt Konzerte und Liederabende, unter anderem gastierte er mit Arien Mitte Dezember 1970 im Kongresssaal des "Deutschen Museums"1) in München1), begleitet von dem "Münchner Philharmonikern"1) unter der musikalischen Leitung von Nello Santi1) (1931 2020). Wenig später übernahm er an der "Deutschen Oper Berlin"1) an der Seite von Anna Moffo1) noch einmal den Part des Don José in der Bizet-Oper "Carmen"1), dirigiert von Lorin Maazel1). 1971 verpflichtete ihn die "Hamburgische Staatsoper"1) für zwei Gala-Konzerte mit Werken von Puccini1) gemeinsam mit Mirella Freni1), Fiorenza Cossotto1) und Ilva Ligabue1), einmal mehr mit Dirigent Nello Santi. In Hamburg trat Corelli dann noch in zwei Verdi-Werken auf, als Radames in "Aida"1) sowie mit der Tenor-Partie in "Messa di Requiem"1). Mitte der 1970er ging er auf Konzert-Tourneen, gab Gastspiele in den USA und in Japan, doch das Nachlassen seiner stimmlichen Qualitä:t zeichnete sich immer mehr ab. Letztmalig trat der damals 55-Jährige im Sommer 1976 beim "Festival Puccini"1) im italienischen Torre del Lago, einem Ortsteil von Viareggio1), als Rodolfo in "La bohème" auf, danach zog er fast vollständig ins Privatleben zurück; lediglich 1981 gab er in Stockholm1) noch einmal ein Konzert zu Ehren der schwedischen Opernsängerin Birgit Nilsson1) (1918 2005).
|
||||
|
Siehe auch Wikipedia (deutsch; mit Repertoire / Diskografie (Auszug)), Wikipedia (englisch), operissimo.com, www.br-klassik.de, deutschlandfunk.de, geschichtewiki.wien.gv.at; als Hommage an Franco Corelli versteht sich die Website francocorelli.nl (englisch) Filmografie bei der Internet Movie Datzabase Fotos bei Wikimedia Commons |
||||
|
Fremde Links: 1) Wikipedia, 4) filmdienst.de, 5) filmportal.de Quelle: 2) Jürgen Kesting: "Die Großen Sänger des 20. Jahrhunderts" ( Sonderausgabe für "Cormoran Verlag" München, 1993, S. 795) 3) "Grosse Stimmen" von Jens Malte Fischer ("Verlag J. B. Metzeler", Stuttgart 1993, S. 473) |
||||
|
|
||||
|
Um zur Seite der legendären Bühnen-Stars zurückzukehren, bitte dieses Fenster
schließen. Home: www.steffi-line.de |
||||